Clicks541

Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum 2. Sonntag nach Weihnachten

Predigt 2. Sonntag nach Weihnachten, 3.1.2021
Perikopen: Eph 1,3-6.15-18 Joh 1,1-18
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Wir sind noch in der Weihnachtszeit. Wir sind sicher nicht mehr in der Stimmung des Heiligen Abend, aber die Kirche feiert immer noch Weihnachten. Dieses Weihnachten, das wir heute vielleicht etwas anders bedenken können, als noch vor einer Woche, steht in einer merkwürdigen Spannung. Der große, vollkommene Gott, kommt in eine Welt, die so ist, wie sie ist. Er kommt in die Welt, um in ihr etwas zum Leuchten zu bringen. Denken wir darüber heute ein wenig nach. Erstens: Ein Gedanke sagt uns, dass die Welt so ist, wie sie ist.Ist nicht das die größte Herausforderung für uns, dass die Welt so ist, wie sie ist? Dass sie eben nicht so ist, wie wir sie gerne hätten? Der Johannesprolog hat uns das beschrieben „er kam in sein Eigentum, aber die seinen nahmen ihn nicht auf.“ Er kommt in eine Welt, die so ist, wie sie ist, die ihn nicht aufnimmt. Es ist eine Welt, in der Menschen Macht ausüben wollen. Damals war es Augustus, heute sind es andere, vielleicht sind auch wir darunter. Damals wie heute werden Menschen an den Rand gedrängt, fehlt es Menschen am Lebensnotwendigen, suchen Menschen Herberge. Weihnachten geschieht in einer Welt, die so ist, wie sie ist. Damals und heute. Und zuerst müssen wir diese Realität sicherlich einmal hinnehmen, weil es so ist. Zweitens: Aber dann, mit der Geburt Jesu, kommt eine Botschaft in die Welt, die sie heller macht. Weihnachten macht es heller. Nicht so, dass die Finsternis ganz verschwindet. So hat es im Evangelium nicht geheißen, sondern so, dass „das Licht in der Finsternis leuchtet,“ dass Schatten, Dunkel und Finsternis nicht siegen. Mitten im Leben der Menschen wird es auf einmal heller. Eine Weihnachtsgeschichte erzählt das. Ein Mann geht in der Weihnachtsnacht hinaus, um sich ein Feuer
auszuborgen. Er kommt zu einem mürrischen alten Hirten, der hartherzig gegen alle Menschen ist. Als er den Mann kommen sieht ergreift er einen Stab und schlägt nach ihm. Aber der Stab trifft nicht. Es passieren ungewöhnliche Dinge. Die bissigen Hunde beißen nicht und die brennende Feuersglut verbrennt nicht. Es triumphiert nicht die Hartherzigkeit und der Eigennutz, sondern die Menschlichkeit. Ja, und es gibt sie auch heute noch, die Botschaft von der Menschlichkeit. Sie muss durch uns konkret werden und darf keine Theorie bleiben. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt,“ war der Kernsatz des Evangeliums. Gott ist konkret geworden und wohnt unter uns. Drittens: Ja, und das Wort ist nicht bloß Fleisch geworden und anonym geblieben. Es hat sogar einen Namen bekommen, nämlich Jesus. Und dieser Name, das dürfen wir auch am heutigen Namen Jesu Fest bedenken heißt „Gott rettet.“ Das heißt, solange dieser Name in unserem Inneren lebendig ist leben wir. Sicher wir sind Menschen in Spannung, wir sind auch widersprüchliche und inkonsequente Menschen, wir sind Sünder. Wir sollen uns auch nicht scheuen, dass immer wieder zu bekennen. Aber wir dürfen Menschen sein, die unter dem Namen Jesu ihren Weg gehen wollen. Wir sind Sünder, aber wir wollen unter diesem Namen leben. Erneuern wir also unsere Hingabe an den ewigen Herrn des Universums, damit wir die Gesinnung Christi, der sich selbst entäußert hat, wollen, ersehnen und leben können. Der heilige Peter Faber hat das so geschrieben: „Wir wollen in diesem Leben niemals einen Namen suchen, der nicht an den Namen Jesu gebunden ist.“Helfen wir uns, dass wir uns nicht mit einem mittelmäßigen Leben zufrieden geben, sondern uns immer faszinieren zu lassen vom Guten, vom Wahren und vom Schönen, von Gott, der all das in immer größerer Weise ist. Sind wir bereit uns nicht vom Schein betrügen zu lassen. Man darf hier nicht stehen bleiben. Es ist wichtig, den Glauben zu bewahren. In dieser Zeit ist das ganz wichtig den Glauben zu bewahren. Man muss weiter gehen, jenseits des Dunkels, jenseits der Faszination der heulenden Wölfe, jenseits der falschen Weltlichkeit, die heute so viele Ausdrucksformen hat. Wir müssen immer weiter gehen nach Bethlehem, dorthin, wo in der Einfachheit des Stalles, bei einer Mutter und einem Vater voller Liebe und Glaube, die Sonne aus der Höhe erstrahlt, der König des Universums. Nach dem Beispiel so vieler Menschen wollen wir mit unseren kleinen Lichtern das Licht suchen und den Glauben bewahren. Eine Geschichte aus dem alten Griechenland erzählt von einer Prinzessin namens Ariadne, die dem Theseus einen Faden geschenkt hat, für seinen Weg durch ein schwieriges Labyrinth. Beim Hineingehen konnte er den Faden abspulen und so fand er wieder heraus. Noch heute verwenden Höhlenforscher und Tiefseetaucher solche Fäden. Aber auch wir brauchen solche Fäden, um uns nicht zu verirren im Leben und im Glauben. Jesus ist dieser zauberhafte Faden. Bei ihm fängt der Glaube, das große Geschenk, das uns beim Leben hilft, an. Mit ihm finden wir den Weg zum Wesentlichen zurück. Lassen wir den Faden nicht abreißen.
Liebe Brüder und Schwestern! Die Welt ist so, wie sie ist. Gott wollte aber genau in diese Welt kommen. Bringen wir durch eine gelebte Menschlichkeit Licht in die Finsternis unserer Zeit. Lassen wir das Wort stets neu Fleisch werden und einen Namen bekommen. Suchen wir bitte immer wieder den Glauben. Amen.