Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag, 7. 8 .2022

Predigt 19. Sonntag im Jahreskreis, 7.8.2022
Perikopen: Hebr 11,1-2.8-12 Lk 12,32-48
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Das heutige Evangelium hat ein Thema, das in verschiedenen Variationen zum Klingen kommt, die Wachsamkeit. Es ist ein Wort, das in unserem Sprachgebrauch nicht so häufig vorkommt. Wir sagen weniger „sei wachsam“, sondern vielmehr „pass auf.“ Ums aufpassen geht es also. Und dieses Aufpassen darf in vier Richtungen gehen. Erstens: Aufpassen nach Innen. Ja, wir müssen auf unser Inneres schauen, auf unser Herz, dass es nicht hart wird und verkümmert, dass es fähig bleibt zu Mitleid und Mitgefühl, dass es nicht abstumpft im Vielerlei dieser Welt. Aufpassen sollen wir, dass der innere Mensch nicht zu kurz kommt, sondern, dass er bekommt, was er braucht. Wieviel Zeit nehmen wir uns für das Äußerliche und wieviel für das Innerliche? Ist das im rechten Verhältnis, oder stelle ich da eine Schieflage fest? Zweitens: Aufpassen nach Vorn. Es liegt ein Weg vor uns, unser ganz persönlicher Lebensweg. Dieser ist zum Gehen da. Das Schlimmste, was uns passieren kann ist der innere Stillstand. „Manchmal ist es besser auf dem Weg zu Humpeln, als neben dem Weg zu laufen,“ sagt der heilige Augustinus. Christen sind Wanderer in der Welt und es kann nur nach vorn gehen, nicht zurück. „Keiner der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes,“ sagt Jesus. Aufpassen nach vorn. Das ist unserer gegenwärtigen Form von Kirche gesagt. Die Kirche wird kleiner, ärmer, verliert an Einfluss und Vertrauen, manches haben wir uns selber gemacht, aber nicht alles. Diese Krise kann aber auch zur Erneuerung führen. Wir brauchen die Einsicht, dass wir als Kirche unterwegs sind. Wir sind nicht am Ziel. Wir haben es uns in dieser Welt vielfach so eingerichtet, als ob sie die einzige und letzte Welt ist. Wir wissen, dass die Volkskirche, in der alle mittun zu Ende ist, aber innerlich ist es nicht vollzogen. Wir tun noch so wie früher. Wenn wir zu einer neuen Gestalt von Glaube und Kirche aufbrechen, können wir in einer Gesellschaft deren Glaube geschwunden ist, neu Zeugnis geben. Kann man an meinem Leben ablesen, dass wir nach vorn unterwegs sind. Drittens: Aufpassen zur Seite hin. Was tut sich seitlich von mir, rund um mich? Wie geht’s den Menschen um mich herum, vielleicht gerade denen, die mir nicht am sympathischsten sind? Aufpassen zur Seite hin meint, dass ich die Vorgänge in der Welt beobachte, dass ich Interesse habe, dass ich mir mein Urteil bilde, dass ich mich einmische, dass ich nach Möglichkeit helfe und ein gutes Sozialverhalten an den Tag lege. Es geht hier um das Wir-Verhalten nicht um das Ich- Verhalten, den Egoismus. Im Gebet der Kinder Gottes, im Vater Unser, kommt kein einziges Mal das Wort ICH vor und kein einziges Mal das Wort MEIN, sondern die Worte DEIN, UNS, UNSER, achtmalmal UNSER. Das ist die christliche Denkweise. Deshalb soll, das Vater unser oft und bewusst gebetet werden, damit dieses Bewusstsein nicht ganz verloren geht. Viertens: Aufpassen nach Oben. Dieses Oben meint den Bereich Gottes. Es geht hier um unser bereit sein für das Kommen Gottes in unser Leben und damit, ob wir wirklich mit ihm rechnen. Es geht darum welche Relevanz die Gottesfrage hat. „Wo euer Schatz ist, ist euer Herz,“ sagt Jesus heute. Er soll der Schatz unseres Lebens sein. Wir sind Schatzsucher, auf der Suche nach dem Bleibendem und Ewigen. Zwei Bilder hat der Herr im Evangelium verwendet. „Eure Hüften sollen gegürtet sein.“ Das erinnert an das Paschamahl in jener Nacht, bevor das Volk Israel aus der Sklaverei aufgebrochen ist in die Freiheit. Und dann ist da noch das Bild „der brennenden Lampen.“ Ob genug Öl, genug Glaube in meiner Lampe ist, damit ich sein Kommen nicht versäume? Aufpassen nach Oben meint auch, dass ich dieses Leben einmal vor Gott verantworten kann und will. Und so ist das heutige Evangelium eingerahmt in die Spannung von Mut und Ernst. Am Anfang sagt der Herr: „Fürchte dich nicht du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen euch das Reich zu geben.“ Und am Ende heißt es: „Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen.“
Liebe Brüder und Schwestern!
Ums Aufpassen geht es, ums Aufpassen nach Innen, nach Vorn, zur Seite und nach Oben. So geht unser Leben in die richtige Richtung. Amen.
Sonia Chrisye shares this
247
♥️ Wo Euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. ♥️ Matth. 6, 21
Sonia Chrisye
„Wo euer Schatz ist, ist euer Herz,“ sagt Jesus heute. Er soll der Schatz unseres Lebens sein. Wir sind Schatzsucher, auf der Suche nach dem Bleibendem und Ewigen.
Aufpassen auf unser Herz, damit wir den "Schatz Jesu" nicht verlieren, der sich in der Wohnung unseres Herzens wohlfühlen möchte. Danke für die klare und ermutigende Botschaft. 🙏😍🙏