Mozarabischer Ritus - Konsekration

Zu den altehrwürdigen liturgischen Riten der abendländischen Kirche zählt der sogenannte "mozarabische" oder "altspanische" Ritus, der noch heute an wenigen Orten in Spanien - mit Indult! - zelebriert wird. Um einen ersten Eindruck davon zu vermitteln habe ich das Post Sanctus der Messe zum 1. Adventsonntag sowie das (immer gleichbleibende) Konsekrationsgebet samt der Rubriken übersetzt.

Es spreche der Priester nach dem Sanctus:
Wahrhaft heilig und ruhmvoll ist Unser Herr Jesus Christus, dein Sohn! Wir glauben, dass dieser einst Fleisch geworden ist zum Heile des Menschengeschlechts und jetzt erwarten wir (ihn) zum im Kommen begriffenen Gericht in der Herrlichkeit des Glanzes mit allen Heiligen. Er ist der Herr und der ewige Loskäufer!
Hierauf spreche der Priester in Stille mit gefalteten Händen sich vor dem Altar verneigend dieses Gebet:
Sei da, sei da in unserer Mitte, o Jesus, guter Hohepriester, so wie du warst inmitten deiner Jünger! Heilige diese Darbringung, damit wir sie als Geheiligte zu uns nehmen können durch die Hand deines heiligen Engels, o heiliger Herr und ewiger Erlöser! Unser Herr Jesus Christus nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot und Dank sagend segnete und brach er und gab seinen Jüngern sagend: ‚Nehmt an und esst! Dies ist mein Leib, der für euch hingegeben werden wird!‘ Hier wird der Leib emporgehoben. ‚Sooft ihr esst, tut dies zu meinem Andenken!‘ In gleicher Weise (nahm er) auch, nach er gespeist hatte, den Kelch sagend: ‚Dies ist der Kelch des neuen Bundes in meinem Blut, der/das für euch und für viele ausgegossen werden wird zur Vergebung der Sünden!‘ Hier wird der mit der Palla bedeckte Kelch emporgehoben. ‚Sooft ihr trinkt, tut dies zu meinem Andenken!‘ Und nachdem er (an der Stelle) angekommen ist, wo er spricht: ‚Zu meinem Andenken‘, spreche der Priester mit lauter Stimme an allen Tagen außer den Festtagen (und) ebenso, wo er spricht: ‚Im Glanze von den Himmeln‘, und es antworte jeweils der Chor: ‚Amen'. Sooft ihr dieses Brot gegessen und (aus) diesem Kelch getrunken haben werdet, werdet ihr den Tod des Herrn verkündigen, bis er kommen wird im Glanz von den Himmeln! Es antworte der Chor: ‚Amen‘.“


Quellenangabe: Missale mixtum secundum regulam Beati Isidori dictum Mozarabes praefatione, notis, et appendice ab Alexandro Lesleo S. J. sacerdote ornatum. Pars prima. Romae: Sumptibus Venantii Monaldini Bibliopolae in Via Cursus, 1755, S. 5.

Bildnachweis: 'Missale Mixtum Secundum Regulam Beati Isidori Dictum Mozarabes. 1' - Digitalisat | MDZ
Petros Patrikios
Wer das Ordinarium authenticum des mozarabischen Ritus haben möchte, kann unter: Gebetsklaenge aus Altspanien/P. Matthias Dietz SJ in Antiquariaten fündig werden. P. Dietz bietet eine sehr gute Einführung in diese Liturgie und eine Reihe Praefationen.
Maximilian Schmitt
Ich habe das Buch! Weiter unten kann man über den von mir gesetzten Link einige Auszüge einsehen.
Oenipontanus
Vergelt's Gott für den Hinweis auf das Buch!
Pretorius
@Oenipontanus Ein sehr schöner Gebetstext. Haben Sie Wissen über den Grund weshalb dieser entgegen dem was Maximilian Schmitt schreibt, im lateinischen Ritus nicht verwendet wird?
Oenipontanus
@Pretorius
Der Text ist, so wie er in der von mir verwendeten Ausgabe des mozarabischen Missale steht, wohl bis irgendwann nach dem 2. Vaticanum, als auch der mozarabische Ritus "reformiert" wurde, verwendet worden (natürlich nur an den wenigen Orten, wo dieser Ritus erlaubt war, d. h. meines Wissens in einer einzigen Kapelle an der Kathedrale von Toledo). Was genau alles "reformiert" worden ist,…More
@Pretorius
Der Text ist, so wie er in der von mir verwendeten Ausgabe des mozarabischen Missale steht, wohl bis irgendwann nach dem 2. Vaticanum, als auch der mozarabische Ritus "reformiert" wurde, verwendet worden (natürlich nur an den wenigen Orten, wo dieser Ritus erlaubt war, d. h. meines Wissens in einer einzigen Kapelle an der Kathedrale von Toledo). Was genau alles "reformiert" worden ist, weiß ich nicht, da ich 1. das "reformierte" mozarabische Missale nicht zur Hand habe und 2. wenig Neigung habe, mich zuviel mit modernen liturgischen "Reformen" zu befassen.
Maximilian Schmitt
@Pretorius Ich glaube, die Sie verwechseln da etwas. Ihre Fragestellung zeigt, daß Sie vollständig auf dem falschen Dampfer sind!
Oenipontanus
@Pretorius
Der mozarabische Ritus ist ein lateinischer Ritus!
Maximilian Schmitt
Hier: Fast alles auf kastilischem Spanisch, zwar nicht zum Volk, aber mit Handkommunion: Santa Misa en rito hispano-mozárabe | Corpus Christi ´2020
Maximilian Schmitt
Das hier ist noch schlimmer! Lesungen durch Laien (auch Frauen), Zelebration zum Volk, Ablesen etlicher Texte von Zetteln: Misa rito Hispano Mozárabe 2022
Pretorius
@Maximilian Schmitt Als erstes entfernen Sie bitte die Blockade, danach können wir uns unterhalten
Pretorius
Dies fordsche ich gerne nach @Oenipontanus
Maximilian Schmitt
Der mozarabische Ritus, der heutzutage zelebriert wird, ist eine Art von Novus Ordo, der dem alten Ritus nachempfunden ist.
Oenipontanus
Das kann ich mir gut vorstellen! Gott sei Dank habe ich aus einem alten mozarabischen Missale übersetzt. 😇
Maximilian Schmitt
Ich habe mal vor über 20 Jahren in Paris, gar nicht weit von Saint-Nicolas du Chardonnay eine Messe im "maronitischen" Ritus erlebt. Konzelebration, Zelebration zum Volk und die Priester trugen Gewänder, die an graue Kartoffelsäcke erinnerten. Bei der Konzelebration verschränkte ein Priester bei der Konsekration die Arme und streckte, durch die Armverschränkung behindert, a bisserl seine Hand aus …More
Ich habe mal vor über 20 Jahren in Paris, gar nicht weit von Saint-Nicolas du Chardonnay eine Messe im "maronitischen" Ritus erlebt. Konzelebration, Zelebration zum Volk und die Priester trugen Gewänder, die an graue Kartoffelsäcke erinnerten. Bei der Konzelebration verschränkte ein Priester bei der Konsekration die Arme und streckte, durch die Armverschränkung behindert, a bisserl seine Hand aus. Der Tabernakel zu Verehrung des Sakramentes war auf einer Empore, die rund um das innere der Kirche verlief und gleichzeitig für Verwaltungsaufgaben benutzt wurde. Unmittelbar neben dem Tabernakel standen Regale mit Akten. Vor dem Tabernakel gab es keine Kniestühle, sondern Möbel wie in der Lounge eines Flughafens. Man konnte sich so richtig vor das Allerheiligste hinlümmeln.