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Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag, 29.8.2021

Predigt 22. Sonntag im Jahreskreis, 29.8.2021
Perikopen: Dtn 4,1-2.6-8 Mk 7,1-8.14-15.21-23
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Gesetze und Vorschriften regeln unser Leben. Auch wenn uns nicht immer alles gleich verständlich und angenehm ist, brauchen wir sie dennoch. In einem Zustand zu leben, in dem jeder tun und lassen kann, was er will, wäre nicht angenehm. Wir brauchen Gesetze. Auch Mose hat zuerst von den Gesetzen Gottes geredet. Er hat sein Volk versammelt und sie eindringlich gebeten: „Haltet euch an die Gebote Gottes. Das bringt euch weiter. Und es wird auch auf die Völker rundherum wirken, wenn sie spüren, dass ihr Gottes Wege geht “ Soweit dieser Abschnitt aus dem Buch Deuteronomium zusammen gefasst. Aber was kann das für uns Menschen im 21. Jahrhundert bedeuten. Erstens: Es geht Mose darum, dass die Menschen versuchen ihr Leben aus der Vergangenheit zu begreifen. Das jüdische Gesetz, das nicht unkompliziert war, wurde nach und nach aufgezeichnet aus dem Glauben heraus. Man hatte Gott erfahren. Diese Erfahrungen sollten zu bestimmenden Regeln werden. Sie wurden nach und nach verschriftlicht. So entstand ein großer Erfahrungsschatz, der wertvoll für das Zusammenleben sein sollte. Auch wir können auf Schätze zurückgreifen, auf den großen Erfahrungsschatz der Bibel und auf einen persönlichen Lebens- und Glaubensschatz. Wir können besser verstehen, wenn wir auf diesen Schatz zurückgreifen, wenn wir unser Leben als einzigen Weg verstehen, den der Herr mit uns gegangen ist, oft hat er uns ein Stück getragen. Wir können sagen: „Ja, in unserer Vergangenheit war Gott da.“ Das darf uns dankbar machen und motivieren zum Weitergehen. Denken wir nach über unsere Vergangenheit mit Gott. Wie oft hat er uns etwas geregelt, wie oft hat er uns etwas gesetzt. Das wird dann Regel und Gesetz für Leben und Glauben heute. Zweitens: Es geht Mose darum, dass die Menschen Freude haben an den Gesetzen Gottes. „Selig dem Menschen, der Freude hat an der Weisung des Herrn,“ heißt es in den Psalmen. Dieser Zugang ist unserem Denken eher fremd. Freude an Gesetzen, Weisungen, Geboten haben wir meist nicht, denken wir hier auch an die sich oft abwechselnden Corona -Vorschriften. Die gläubigen Juden haben anders gedacht. Sie sahen im Gesetz Gabe und Aufgabe Gottes zugleich. Sie sagten: „Gott hat uns diese Gesetze gegeben zum Schutz der Schwachen, zum Gemeinwohl, dass eine lebensfreundliche Ordnung in unsere Welt kommt, ja dass Gott in die Welt kommt.“ Es ist ihnen um eines gegangen, um den Willen Gottes zu tun. Es geht immer um die Frage, ob ich so lebe, wie Gott das Wollen kann oder nicht. Wenn Mose davon spricht, dass man „Recht und Gesetz hoch schätzen soll,“ geht es um einen Weg zum gesunden menschlichen Miteinander. Vielleicht verstehen wir es jetzt besser, was diese jüdische Freude am Gesetz meint. Da dürfen wir uns alle fragen, ob es nicht auch uns Freude macht Gottes Willen zu tun und zu einem guten Miteinander beizutragen? Drittens: Wichtig ist, dass die innere Haltung stimmt, dass ich mit dem Herzen dabei bin. Es ist die Gefahr vorhanden sich äußerlich an Gesetze und Vorschriften zu halten, aber der innere Mensch kommt zu kurz dabei. Vor diesem Konflikt steht Jesus im heutigen Evangelium mit den Pharisäern und Schriftgelehrten. Sie halten sich äußerlich an alles, aber im Inneren schaut es furchtbar aus. „Außen hui und innen pfui.“ Jesus schaut in das Herz der Menschen, sein Blick lässt sich nicht betrügen. Er weiß, wie unser Innerstes aussieht, ob da Liebe und ehrliches Wohlwollen ist oder ob unser Herz Negatives hervorbringt, wie er es in den zwölf Haltungen aufzählt. Nur selten sehen wir es einem Menschen an, wie er in seinem Inneren denkt. Jesus geht es um das Innere des Menschen, dass hier Ehrlichkeit herrscht. Jesus schaut mir ins Herz. Beunruhigt mich das oder fühle ich mich da geborgen? Es geht um die innerliche Reinheit des Menschen vor Gott, nicht um gesäuberte Hände, sondern um ein gesäubertes Herz. Jesus geht es um die Umkehr des ganzen Menschen, um sein Denken, sein Fühlen und Handeln. Das alte Sprichwort: „Kleider machen Leute“ besagt: dass bei uns Menschen oft das Äußere mehr zählt als das Innere, der Schein mehr als das Sein. Unsere Zeit ist dafür anfällig, dass die Verpackung wichtiger ist als der Inhalt, das Make Up entscheidender als das wahre Antlitz. Es kommt nicht auf Äußerlichkeiten an, sondern dass Innen und Außen zusammenstimmen. Es kommt auf das Herz des Menschen drauf an. Überlegen wir: Wie viel Zeit verwenden wir für die Schönheit unseres Herzens, unserer Seele? Jesus sagt: „Selig, die ein reines Herz haben.“ Solche Menschen, die ein reines Herz haben, die auf ihre Gedanken achten sind wirklich ein Segen für ihre Umgebung.
Liebe Brüder und Schwestern! Wir dürfen uns bemühen unser Leben von den Gotteserfahrungen unserer Vergangenheit begreifen. Wir dürfen auf den reichen Schatz jener zurückgreifen, die vor uns waren, und wir dürfen hoffentlich auf einen persönlichen Schatz zurückgreifen. Wir dürfen von unseren jüdischen Glaubensgeschwistern lernen, dass es Freude machen kann die Gesetze Gottes zu erfüllen, weil wir seinen Willen tun und zu einem guten Miteinander beitragen. Und wir müssen uns von Jesus immer wieder hinterfragen lassen, ob unser Leben, Denken, Reden, Tun und Glauben, wirklich aus dem Inneren, dem Herzen kommt. Mögen wir nicht mit dem heiligen Augustinus, den wir gestern gefeiert haben, feststellen müssen: „Mein Gott ich suchte dich da draußen, doch du warst in meinem Inneren.“ Amen.
Sonia Chrisye
Wenn Mose davon spricht, dass man „Recht und Gesetz hoch schätzen soll,“ geht es um einen Weg zum gesunden menschlichen Miteinander.

Leider ist die Menschheit todkrank, da Recht und Gesetz ausgehebelt, und unsere Regierungen zu Räuberbanden mutiert sind, - ohne es selber
nicht einmal zu merken.
Danke für dieses glaubensstärkende Wort.