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RupertvonSalzburg

Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum 4. Adventsonntag.

Predigt 4. Adventsonntag, 20.12.2020
Perikopen: Röm 16,25-27 Lk 1,26-38
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Der Engel bringt Maria die Botschaft Gottes und Maria gibt ihr Ja-Wort. Ich glaube, dass dieses Evangelium sicher zu jenen gehört, dass am häufigsten in der ganze Welt verkündet wurde/wird. Letztlich ist jeder „Engel des Herrn,“ der gebetet wird Verkündigung dieses Evangeliums. Auch ich habe schon oft über diese Stelle gepredigt. Und trotzdem, ist sie eine unerschöpfliche Fundgrube. Nur einen, nicht drei, Gedanken möchte heute herausgreifen, der da lautet: Gott braucht uns Menschen. Er will nicht ohne uns sein. Er will durch und mit uns Wirken. Natürlich könnte Gott allein auf dieser Welt seine Wunder wirken und die Welt von allem befreien, aber er setzt auf Menschen, auch auf schwache Menschen. Er will Menschen „brauchen“. Wie keine andere steht dafür in der Geschichte des Christentums Maria, die Gottesmutter. Gott hätte als Blitz vom Himmel und mit Macht und Herrlichkeit alles erneuern können. Aber er wendet sich an dieses junge Mädchen aus Nazareth und bittet sie um Mithilfe. Ein Engel bringt ihr die Botschaft, dass sie Mutter des Gottessohnes werden soll. Sie willigt ein: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Ich denke: Ein größeres Wort hat nie ein Mensch gesagt. Durch dieses „Mir geschehe“ kam das Heil in die Welt. Über 30 Jahre später steht ihrem Sohn das Leiden bevor. Jesus bekommt Angst. Am Abend vor seinem Leiden bittet er im Garten Gethsemane seinen Vater, ihn davon zu verschonen. Mit ähnlichen Worten wie seine Mutter betet er: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Für mich gehört es zu den größten Geheimnissen Gottes, dass Gott auf uns Menschen setzt, und er tut dies, obwohl er doch weiß, wie wankelmütig und hinfällig sie sind. Menschen wollen Gutes tun und verfangen sich doch immer wieder im eigenen Egoismus. Sie verfallen Großmannssucht und Machtgehabe und dennoch verliert Gott menschlich gesprochen seinen Glauben an uns Menschen nicht. Ist das nicht sehr tröstlich? Gott traut uns etwas zu und lässt sich darin nicht beirren. Christsein bedeutet daher nicht, eine Menge von Leistungen zu vollbringen, sondern einfach tagtäglich immer wieder zu sagen: „Dein Wille geschehe. Mach mich zu deinem Werkzeug. Setze mich so ein, dass heute durch mich Gutes geschieht und dein Reich aufgebaut wird. Zeige mir, was ich tun soll, und zeige mir, was ich lassen soll. Dein Wille geschehe – nicht der meine.“ Es ist unsere Aufgabe den Willen Gottes bedingungslos zu erfüllen. Jesus sagt einmal in einer anderen Stelle im Evangelium: „Meine Speise ist es, den Willen meines himmlischen Vaters zu erfüllen.“ Wir können sagen es ist die Lieblingsspeise Jesu den Willen des Vaters zu erfüllen. Gerade im Advent könnte die Lieblingsspeise Jesu auch zu unserer werden, indem der Wille Gottes für mein Leben zur zentralen Frage wird. Was will der Herr von mir? Was will er nicht? Wo will er mich haben? Wo will er mich nicht haben?
Liebe Brüder und Schwestern!
Gott braucht uns Menschen, wie er Maria vor 2000 Jahren gebraucht hat. Maria hat sich brauchen lassen. Für mich persönlich ist Maria schon lange eine Art „Partnerin“ geworden. Sie hilft mir aus dem Gefängnis des eigenen Ichs heraus zu kommen und offen zu sein für die Botschaft Gottes an mich. Amen.