Clicks489
M.RAPHAEL

Shutter Island

Es ist unerträglich, wie die heutigen Menschen, besonders auch in der Konzilskirche, oft über Gott reden. Jeden Tag beweisen sie aufs Neue, dass sie keinen Glauben mehr an den wahren Gott haben. Glaube bedeutet nicht, eine fiktive Idee für wahr zu halten, sondern ohne Zweifel von der objektiven Faktenrealität des Geglaubten in der Außenwelt überzeugt zu sein. Der Glaube, richtig verstanden, ist insofern mehr als Wissen, wenn das Wissen nur auf das empirisch Verifizierbare reduziert wird. Der Glaube weiß um das unsichtbare Eigentliche, das sich den tierischen Sinnen entzieht. Der Glaube ist das Wissen des Himmels. Wenn das Wissen nur physisch und immanent ist, ist der Glaube physisch und immanent sowie metaphysisch und transzendent.

Warum haben die Menschen dennoch den Glauben verloren? Warum können sie nicht mehr im vollen Wissen des wahren Glaubens vor das Angesicht Gottes treten? Warum sind sie nicht mehr mystisch und erheben sich so über die Immanenz in die Transzendenz, wozu sie eigentlich berufen sind (siehe die omnipräsente, nicht verstummende und zwangsläufig metaphysische Frage nach Herkunft, Zweck und Ziel des Menschen)?

Es begann vor allem in der Neuzeit. Auf den englischen Philosophen Francis Bacon (1561 -1626) geht der Spruch „Wissen ist Macht“ zurück. Es wäre falsch, ihn nur in einem instrumentellen Sinn als einen praktischen Vorteil zu verstehen. Nein, „Macht ist Wissen“ bedeutet weit mehr. Der machthungrige Mensch, der seine eigene Herrschaft der „flüchtigen“ Liebe vorzieht, der von nichts abhängig sein will, vor allem nicht von Gott, reduziert seine „reale“ Wissenswirklichkeit und seine Erkenntis auf allein das, was sich prinzipiell seiner kontrollsüchtigen Vernunft unterwirft. In dieser Objektwelt muss sich alles den Gesetzen der Logik und Mathematik (das synthetische Urteil a priori Kants) beugen. Alles muss empirisch verifizierbar sein, d.h. muss sich in unzähligen Testreihen vorhersagbar wiederholen. Nur das wird als universell notwendig und allgemein gültig anerkannt. Der Wiener Kreis wird nur dann Aussagen als sinnvoll zulassen, wenn man für diese geeignete Überprüfungskriterien angeben kann.

Der neuzeitliche Machtmensch reduziert seine objektive Welt auf das Irdische. In der Kunst drückt sich diese Entwicklung durch die Abkehr vom goldenen Himmel und vom Portrait aus. Der neuzeitliche Künstler entdeckt die Natur durch die Landschaftsmalerei. Wenn er darüber hinaus Architektur, Schiffe und andere Technik malt, dann zeigt er immer mehr, wie sehr er sich jetzt „seine“ Welt zunehmend aneignet. Da ist Gott für ihn schon lange als ein konkretes Gegenüber nicht mehr da. Gott ist nur noch eine Idee, ein Postulat der praktischen Vernunft (Kant). Weil man Ihn nicht wissen kann, kann der aufgeklärte Mensch seine „selbst verschuldete Unmündigkeit hinter sich lassen und sich seines Verstandes ohne die Leitung Gottes bedienen“. Jetzt herrscht der menschliche Wille. Gott selbst muss sich der menschlichen Vernunft fügen. Dort wo Er das nicht tut und Seine Eingriffe sich dem menschlichen Kontrollanspruch nicht unterwerfen, wie z.B. bei Wundern und alles nicht gesetzmäßig Erklärbare, werden diese als Zufall, egal wie unwahrscheinlich, weg erklärt. Gott hat keine Chance mehr.

Das Wunder in den Kinderaugen, ihre Fähigkeit weit über die Vernunft hinaus zu erkennen, zu leben, zu lieben und dadurch zu Weltenschöpfern zu werden, ist fort, ist durch Machtgier korrumpiert. Jetzt zählen nur noch das Machbare, das Berechenbare, das Enge und Kleine. Der Buchhalter ist glücklich. Jetzt herrscht er. Eichmann ist nahe. Die Banalität des Bösen erobert den Vatikan.

Shutter Island ist ein interessanter Film. Er versucht das Innenerlebnis des Wahns darzustellen. Die Geisteskrankheit zeichnet sich dadurch aus, dass die Realität immer wieder in die kranke Vorstellungswelt hineinleuchtet, dann aber durch diese umgedeutet wird, um das Gesamtgefüge nicht zu gefährden. Das englische Wort shutter bedeutet eine Art Fensterladen, der ein wenig das Licht (der Wahrheit) hineinlässt aber sich gleichzeitig diesem verschließt.

Die neuzeitliche Gottlosigkeit liegen der Aufklärung und der Moderne zu Grunde. Sie ist ein kollektiver Wahn unzähliger Menschen. Sie ist Lüge. Sie ist falsch. Der Mensch steht vor Gott und kann Ihn nicht erkennen, weil er aus Machtgründen nicht glauben will. Er will nicht lieben. Er will herrschen. Die atemlose Schönheit, Größe, Liebe, Helligkeit und Heiligkeit Gottes zwingen den Menschen auf die Knie. Er kann nur noch stammeln. Das will er nicht. Er will Chef sein. Er will sich nicht verdanken. Er will seine eigene Vernunft über die Gottes erheben. Deshalb flüchtet er in die geistige Umnachtung der Gottlosigkeit. Wenn das Licht der göttlichen Wahrheit durch die „shutter“ – die Fensterläden durchscheint, produziert seine Krankheit unzählige Projektionen und Umdeutungen, die ihn daran hindern, die Wahrheit so zu erkennen, wie sie ist. Er will sich unbedingt einreden können, dass er Gott ist.

Die Konzilskirche ist sein wichtigstes Instrument, um den wahren Gott nicht auf Knien anbeten zu müssen. Sie bietet ihm einen Ersatzgott, ein liebes Dududu, der immer nur will, was er selbst will, und alle in den Himmel holt. Krank. Die Konzilskirche hat keinen Glauben, obwohl sie glaubt, dass sie glaubt. Sie braucht einen eucharistischen Kongress als ideologisches Einpeitschen. Es glaubt ja fast keiner mehr an die Realpräsenz. Aber dieses himmlische „Postulat“, obwohl rein theoretisch, darf nicht aufgegeben werden, sonst verliert Bergoglio trotz weißer Soutane seinen überirdischen Machtanspruch. Der Wahn muss gefüttert werden.

Die Bischöfe der Konzilskirche begehen zu viele Verbrechen gegen die göttliche Wahrheit. Sie segnen die Unzucht. Sie verhindern unzählige Heilige Messen. Hervorragende Priester werden kaltgestellt. Fromme Kandidaten werden gar nicht mehr geweiht. Es geht nur noch um Politik. Das überirdische Leben im Angesicht Gottes ist für sie nicht mehr möglich. Sie kennen weder Mystik noch das Mysterium des Schweigens und der Stille. Dabei befinden wir uns alle in dessen direkter Anwesenheit. Eines Tages werden die Fensterläden aufgehen und das Licht der Wahrheit wird alle Lügen und Geisteskrankheiten weg brennen. Doch dann ist es zu spät. Shutter Island endet mit einer Lobotomie. Die moderne Gottlosigkeit wird schlimmer enden.

Jemand könnte fragen, warum Gott nicht vor der Geisteskrankheit der Gottlosigkeit warnt? Das tut er ja. Die vorkonziliare Kirche war die ganze Zeit da, mit einer Kirche in jedem Dorf. Sie hat unablässig, trotz aller neuzeitlichen Lügen, die Wahrheit verkündet. Niemand hätte in die geistige Umnachtung der kollektiven Selbstvergötzung der Wissenschaftsgläubigkeit fallen müssen. Warum mussten die Menschen auch ihrer Machtgier folgen, warum? Warum wollten sie nicht wie unschuldige Kinder lieben, warum? Auch nach dem Konzil gab es immer gute Priester und natürlich die altrituellen Gemeinschaften, die die Wahrheit verkündet haben und immer noch verkünden. Auch GloriaTV warnt und warnt und warnt. Aber der Hochmut befeuert die Geisteskrankheit. Es ist sehr schön ein Chef zu sein, der alles besser weiß. Weil er glaubt, die Fakten besser zu kennen, kann er die einfachen Frommen so richtig verachten. Diese Praline schmeckt so süß.