Hutpflicht - Schulpflicht - Genderpflicht - Impfpflicht

Von alten und neuen Hüten.

Das geht jetzt schon seit hundert Jahren so: Ob Hutpflicht, Schulpflicht, Genderpflicht oder Impfpflicht - es scheint das Kennzeichen der Moderne zu sein, "Pflichten" zu behaupten, die keine sind. Und diese dennoch, mal mehr trickreich, mal mehr gewaltsam, durchzusetzen.

"Wie soll es weitergehen angesichts von Faustrecht und Regelwillkür", fragt man sich hier ganz zu recht und ahnt die Antwort: "Je mehr verregelt wird, desto größer werden Entfremdung und Misstrauen zwischen den Menschen."

Kein Wunder, dass die Menschen aus den modern gewordenen Kirchen austreten. Wer selbst die Moderne vertritt, verliert seine Antipode und kann die Kirche nicht einmal mehr dazu brauchen. Wer die Moderne gut begründet ablehnt, geht hin zur Tradition. Und wer das Unrecht der Moderne mehr ahnt, sicher auch wegen des oben angeführten Phänomens, mehr spürt, dass mit der Moderne irgendetwas nicht stimmt, wird nicht ausgerechnet den nun ebenso irrlichternden Kirchen folgen. Denn das Ahnen und Spüren ist als sensus fidei schon Religion, von der die modernen Kirchen nur noch die soziologische Macht übrig ließen.

________________________
Bildquelle: Wikimedia, Mustafa Kemal 1925 Hut-Reform
Carlus shares this
95
der versklavte Mensch wird durch Pflichten reglementiert. Eine freie und verantwortliche Willensbekundung ist störend und verboten.
Nezaket Gücü
"Hutpflicht" - Antireligiöser Hintergrund: Das Hutgesetz in der laisierten Türkei war tatsächlich als Hutpflicht mit Zwangsgeldern und Gefängnisstrafen ausgestattet und gegen die freie Religionsausübung gerichtet. Genauer gesagt, gegen die auf den Knieen bezeugte Verehrung des Allmächtigen. Muslime pflegen, wenn sie sich knien und ehrehrweisend verbeugen, mit der Stirn den Boden zu berühren. …More
"Hutpflicht" - Antireligiöser Hintergrund: Das Hutgesetz in der laisierten Türkei war tatsächlich als Hutpflicht mit Zwangsgeldern und Gefängnisstrafen ausgestattet und gegen die freie Religionsausübung gerichtet. Genauer gesagt, gegen die auf den Knieen bezeugte Verehrung des Allmächtigen. Muslime pflegen, wenn sie sich knien und ehrehrweisend verbeugen, mit der Stirn den Boden zu berühren. Dies als ehrfürchtige Demutsgeste. Mit Hut, und gemeint war der moderne US-amerikanische Herrenhut (wie auch im Bild oben), war dies wegen der Hutkrempe nicht mehr möglich. Die modernen und oft atheistischen Kemalisten suchten so die Verehrung des Allmächtigen zu verhindern. Auch hier also Tricks und Gewalt.