Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum 6. Ostersonntag 22.5. 2022

Predigt 6. Ostersonntag, 22.5.2022,
Perikopen: Apg 15,1-2.22-29 Joh 14,23-29
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Vom heiligen Papst Johannes XXIII. stammt der Ausspruch „die Geschichte ist die große Lehrmeisterin des Lebens.“ Aus der Geschichte kann man lernen. In der Osterzeit begleitet uns eine besondere Geschichte, die Apostelgeschichte. Wir bekommen Einblicke in die frühe Geschichte der Kirche. Aus ihr können wir uns Impulse mitnehmen. Erstens: Dynamik in der frühen Kirche. Ja, wer die Apostelgeschichte in seiner Ganzheit liest, wird eine Dynamik feststellen. Es tut sich etwas im Glauben an Christus, und es wird etwas für den Glauben getan. Die Apostel erleben freilich Rückschläge, aber es ist in den biblischen Texten diese Glaubensdynamik, diese Begeisterung für den Glauben spürbar. Da denke ich an das Wort der Apostel vor dem hohen Rat: „Wir können unmöglich Schweigen über das, was wir gehört und geschaut haben.“ Wir können nicht anders, als für Christus zu gehen, für Christus zu sprechen, für Christus Zeugnis abzulegen. Es ist die Dynamik einer ganz großen Liebe zu Christus. Darauf schwört Christus die Jünger im Evangelium ein: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten. Mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.“ Möge von dieser Dynamik der frühen Kirche etwas überspringen auf unsere heutige Kirche, die doch sehr kraftlos geworden ist und im Schlaf einer falschen Sicherheit dahinschlummert. Neue Begeisterung, neue Freude für Glaube und Kirche brauchen wir. Zweitens: Konfliktlösung in der frühen Kirche. Auch in der Urkirche gab es natürlich Probleme und Konflikte. Es war keine Idylle. Von einem Konflikt haben wir heute gehört. Es ging um die Frage der Heidenmission. Muss ein Heide, der Christ werden möchte, zuvor Jude werden? Muss er sich beschneiden lassen und das jüdische Gesetz halten? Es gab zwei Richtungen, eine strenge, die es bejahte, eine moderate, die für einen leichten Zugang zum Christentum war. Schließlich entschied man sich für die moderatere Lösung. Wer Christ werden will, soll das leicht werden können. Nur ein Minimum an Vorschriften hat er zu erfüllen, dann kann er Christ werden. Man entschied sich für eine unkomplizierte, pragmatische Konfliktlösung. Das wäre wohl auch Vorbild für unsere Konflikte. Wir sollen vereinfachen, nicht alles noch komplizierter machen, als es ist. Vereinfache dein Leben. Und pragmatisch sollen wir auch sei, immer den Blick für das Wesentliche haben, und nicht so sehr im Unwesentlichen bleiben und um des Kaisers Bart streiten. Und wichtig ist, dass wir lösungsorientiert sind, wirklich Lösungen wollen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Menschen mitunter gar keine Lösung von Problemen wollen, weil das doch mit Arbeit verbunden ist bzw. weil irgendjemand den ersten Schritt tun muss. In der frühen Kirche hat man sich bemüht Konflikte zu lösen, jedoch mit der Einstellung, dass man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen. Das haben die Apostel klar und deutlich vor dem Hohen Rat gesagt: „Man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen.“ Das ist ein Satz, der uns helfen kann Feigheit und Menschenfurcht zu überwinden. Drittens: Verkündigung in der frühen Kirche. Das ist auch etwas, das mir in der frühen Kirche gefällt. Dieses nicht Müde-Werden in der Verkündigung des Auferstanden. Immer und immer wieder erzählen die Apostel von Jesus und dem Gott des Lebens. Sie hören nicht auf damit, selbst dann, wenn sie Probleme bekommen. Und alle Versuche sie zum Schweigen zu bringen, können nichts ausrichten. Da öffnen sich sogar Gefängnistore und fallen Ketten ab. Das schönste Beispiel ist für mich am Ende der Apostelgeschichte. Paulus ist in Rom. Er wartet auf den Prozess. Er ist unter Hausarrest gestellt. Da er das römische Bürgerrecht aufgrund der Abstammung hatte ist er scheinbar etwas privilegiert. Zwei Jahre ist er in der Mietwohnung. Aber er empfängt Besucher und verkündet Jesus. Die letzten beiden Sätze der Apostelgeschichte lauten: "Paulus blieb zwei volle Jahre in seiner Mietwohnung und empfing alle, die zu ihm kamen. Er verkündete das Reich Gottes und trug ungehindert und mit allem Freimut die Lehre über Jesus Christus, den Herrn vor.“ Das ist es! Diese Zähigheit des Paulus, sein Werben für die Botschaft, seine Überzeugungskraft, seine Offenheit und Argumentationsfreudigkeit. Dem verdankt der Christusglaube zum Großteil seine Verbreitung im Römischen Reich. Er ist Beweis, dass durch einen einzigen Menschen Verkündigung entsteht, und ein einzelner Mensch viel bewegen kann.
Liebe Brüder und Schwestern!
Viel kann man lernen aus der Geschichte der frühen Kirche. Wir sehen Dynamik, Konfliktlösung und ungebrochene Verkündigung. Heute sind wir die Apostel, heute dürfen wir die Apostelgeschichte durch unser Leben und unseren Glauben weiterschreiben. Maria, die Königin der Apostel, auf die wir im Mai besonders schauen dürfen, hilft uns garantiert dabei. Amen.
Mir vsjem
Sonntag 22. Mai 2022 = 5. Sonntag nach Ostern
Schade, wenn es zutreffen würde: ist @RupertvonSalzburg ein Sektenmitglied der Konzilssekte?
In Salzburg haben Sie aber die Möglichkeit, dem auszuweichen!