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Elista
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Ein Kind malt ein Fastentuch

Wie von den Wandmalereien des Mittelalters als „biblia pauperum“ geht bis heute etwas auch von den Fastentüchern etwas Faszinierende aus. Auch in neuerer Zeit gewinnen Fastentücher wieder an Bedeutung. Am Beispiel der Arbeit eines Kindes sei hier gezeigt.

Wie von den Wandmalereien des Mittelalters als „biblia pauperum“ geht bis heute etwas auch von den Fastentüchern etwas Faszinierende aus, besonders von denen aus dem Mittelalter wie beispielsweise in Gurk (Kärnten). Diese Fastentücher sind bildhafte Erzählreihen biblischer Texte von der Schöpfung bis zur Wiederkunft Christi, besonders aber von seiner Passion. Je nach Größe des Raumes und der Bilder variiert deren Anzahl. Mit diesen Fastentüchern wurden und werden in der Fastenzeit die Aufbauten hinter dem Altar mit ihren Bildern und Statuen dem Blick der Gläubigen entzogen bis zu Ostern der Blick darauf wieder freigegeben wird. Damit sollten sich deren Augen und Betrachten vor allem dem zentralen Geheimnis der Erlösung durch den Tod und die Auferstehung des Herrn richten.

Im Religionsunterricht wurde früher oft katechetische Bilder verwendet. Seit den Kindern entsprechende Materialien zur Verfügung stehen, sollten die Kinder auch selber durch Zeichnen und Malen ihrem Alter entsprechend die verkündeten Botschaften darstellen. Dabei ist erstaunlich, welche Ausdruckskraft Kinder in diese Bilder hineinlegen können. Auf diese Weise haben Kinder in meinem Religionsunterricht ganze Krippen und Kreuzwege gestaltet.

Als mein Patenkind, mit dem ich viel Zeit verbringen konnte, in die Schule kam, begann ich mit dem Mädchen ein Fastentuch zu gestalten. Dieses entstand verteilt über einen Zeitraum von drei Jahren. Wir begannen jeweils damit, dass ich einen Abschnitt aus der Passionsgeschichte erzählte und wir dann über den Inhalt und die Bedeutung der Erzählung sprachen. Schließlich begann Marlene, das Bild mit Wachskreide auf den aufgespannten Baumwollstoff zu malen. Verwendet wurde eine spezielle Wachskreide, die hinterher durch Aufbügeln fixiert werden konnte.

Bei den Darstellungen flossen durchaus eigene Erfahrungen des Kindes mit ein. So fand der Opa, der erst kürzlich verstorben war, beim Abendmahl als Petrus einen Platz an der Seite des Herrn. Und sie selbst fand sich wieder in der Darstellung ihrer Namenspatronin Maria von Magdala bei der Begegnung mit dem Auferstandenen.

Schließlich konnten wir die Bilder auf Vlislin aufbringen, zusammennähen und mit breiten Borten versehen, dass die 16 Einzelbilder ein großes Fastentuch ergaben. Dieses Fastentuch wurde mehrfach bei Kinderfeiern in der Fastenzeit verwendet und durch Aufhängen in der Kirche auch den Gläubigen zur Betrachtung dargeboten.

Amata Grüner

Angaben zum Fastentuch:


Gesamtbreite: 252 cm, Gesamthöhe: 202 cm. Fotos: Amata Grüner

Die Bilder wurden gemalt von Marlene Schwaiger in den Jahren 1982 – 1984 in Losenstein, Österreich.
Dieser Beitrag erschien in der Zeitschrift „praxis gottesdienst“ in Nr. 2/2008

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Elista
Da gefällt mir das Fastentuch dieses Kindes aber sehr viel besser als Häkel-Tuch im Stephansdom. Das Kind hat verstanden, worum es geht und hat sehr viel Liebe und Innigkeit in die Bilder gelegt.