Clicks32

Raimund Nonnato

Rita 3
1
Als Raimund das Lösegeld für die Befreiung inglücklicher Christen aus der sarazenischen Berberei ausgegeben hatte, bot er sich selbst, wie es die Ordensregel der Mercedarier befahl, als Bürgen an, …More
Als Raimund das Lösegeld für die Befreiung inglücklicher Christen aus der sarazenischen Berberei ausgegeben hatte, bot er sich selbst, wie es die Ordensregel der Mercedarier befahl, als Bürgen an, um noch einige Gefangene zu retten, die in höchster Gefahr waren, an Leib und Seele zu Grunde zu gehen..
Wie ein Wunder mußte es den Elenden erscheinen, als man die Ketten von ihren Füßen löste, die sich der spanische Mönch für sie anlegen ließ. Ein Wunder auch glaubten die grausamen Berber zu sehen, da die Liebe seinen Menschen zu solchen Opfern bewog. Dennoch schonten sie ihren neuen Sklaven in keiner Weise.
In glühenden Sonnenbrand mußte Raimund, die Sklavenketten am Fuß, schwerste Feldarbeit tun, und unbarmherzig sauste die Peitsche auf seinen bloßen Rücken, wenn er vor Erschöpfung fast ohnmächtig zusammenbrach. Trotz allem aber verzagte der Priester nicht. Im Gegenteil! Jetzt erst recht stärkte und ermutigte er seine Leidensgenossen, ihr schweres Los um Gottes willen zu tragen.
Manche Christen, die in ihrer Verzweiflung ihrem Glauben abgeschworen hatten, bewog er zu reuevoller Umkehr. Ja, selbst den Berbern predigte der Apostel in Ketten, und viele von ihnen beteten bald zu dem Gotte der Christen, der seinem Priester eine solche unerschütterliche Kraft gab.
Das Apostelamt Raimunds aber konnte den Sarazenen nicht verborgen bleiben. Ein Berberscheich verurteilte den Mercedarier zum Tode. Auf einem Pfahl sollte man ihn aufspießen, und nur die Fürsprache seines Herrn, der den Lösepreis für ihn nicht verlieren wollte, erreichte die Aufhebung des schrecklichen Urteils. Statt dessen erhielt Raimund eine furchtbare Bastonade. Wochenlang vermochte er nicht auf den zerschlagenen Füßen zu stehen. Aber kaum vermochte er wieder ein wenig zu humpeln, als er erneut sein Apostolat aufnahm. Wieder predigte er sowohl Christen und Mohammedanern.
„Das wird ein Ende haben!“ knirschte der Scheich, als man ihm die Kunde davon überbrachte. „Er wird aufhören zu predigen, das schwöre ich bei Allah und den Propheten.“

Raimund wurde einer entsetzlichen Tortur unterworfen. Man schleppte ihn durch die Stadt und peitschte ihn an allen Straßenecken öffentlich aus. Dann durchbohrte man seine Lippen mit einem glühenden Eisen und zwängte ein großes Hängeschloß hindurch. Alsdann warf man ihn in das Gefängnis.
„Nun wirst du wohl schweigen“, lachte der Scheich grimmig, als die entsetzliche Mißhandlung vor sich ging.
Acht Monate lang lag Raimund in einem finsteren Kerker, mit Ketten an den Händen und Füßen gebunden, das eiserne Schloß vor dem Mund, das nur entfernt wurde, wenn er seine kümmerliche Nahrung zu sich nehmen durfte. War es möglich, daß ein Mensch bei so unsäglichen Leiden nicht verzweifelte? Raimund Nonnatus verzagte nicht. Trotz des Schlosses suchte er sich seinen Mitgefangenen verständlich zu machen, und wenn er schon kaum ein Wort sprechen konnte, so redete die heldenhafte Geduld, mit der er alle Misshandlungen ertrug, laut genug. Auch hier vermochte man ebenso wenig wie im römischen Kerker, in dem Paulus schmachtete, „das Wort Gottes in Fesseln zu legen!“
Endlich kamen die Ordensbrüder und brachten das Lösegeld, das der Gründer der Mercedarier Petrus Nolaskus schickte. Raimund wurde frei. Trotz aller Leiden aber wollte er die trostlose Erde Afrikas nicht verlassen, sondern weiter unter den Christensklaven leben. Nur der ausdrückliche Befehl des Ordensgenerals zwang ihn zur Heimkehr.
In Spanien angekommen, wurde er vom Papst Gregor IX. zum Kardinal erhoben.
Entschieden wehrte sich der demütige Mönch, den Purpur anzulegen. Er blieb in seiner armen Zelle und trug auch ferner das schlichte Ordenskleid.
1240 berief ihn der Papst nach Rom. Gehorsam machte Raimund sich auf den Weg. Als aber in Cardona, einer Stadt in der nähe von Barcelona, anlangte, erkrankte er schwer. Gott, dessen Wille auch der Papst sich beugen mußte, holte ihn heim in die Ewigkeit, um ihm das trostvolle Worte zu sagen:

Hl. Raimund Nonnatus – Gonzalez de la Vega 1673
„Ich war gefangen, und du hast mich befreit.“
* Berberei: unter den Berbern in Nordafrika; in 7. Jh. islamisiert und im 11 Jh. in Sprache, Rasse und Hultur arabisiert. (Brockhaus)
Bilder: Wikimedia commons
Quelle: „Der Endlose Chor“ – Erzählungen zum Jahr der Kirche für Jugend und Volk – Wilhelm Hünermann – Verlag Herder – Freiburg im Breisgau.
Joannes Baptista
Welch eine ungeheure Liebe zu Gott und seinen Nächsten ließ ihn solche langen, grausamen, unmenschlichen Qualen erdulden. ❤️❤️😇
Heiliger Raimund Nonnatus, bitte für uns!