Zweihundert
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15. Marias Unbefleckte Empfängnis

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TOTUS TUUS, MARIA !

EDELSTEINE DER GNADE

15. Marias Unbefleckte Empfängnis

Die tiefe Bedeutung der Unbefleckten Empfängnis von Marias Seele
Das Fest vom 8. Dezember

Myriam van Nazareth

Eines der gröβten Zeichen der Hoffnung findet die gläubige Seele in der Feststellung, dass Gott, die Quelle allen Lebens, Lichts und aller Liebe, der Finsternis immer wieder einen Schritt voraus ist. Als Gott den Plan der Schöpfung des Menschen fasste, hatte Er mithin den Plan in Gedanken, diesen Menschen zu einem Wesen zu erheben, das nach Seinem Bild und Gleichnis leben sollte. Gott sollte daher, in dem Augenblick, der Ihm dazu geeignet schien, Seinen Sohn Jesus Christus in die Welt senden, um ein Leben in einer menschlichen Gestalt zu absolvieren. Damit der Sohn Gottes mit Seiner Gottheit auch eine menschliche Wesenheit vereinigen kann, musste Christus aus einer menschlichen Frau geboren werden. Gott entwarf daher den Keim dieser Frau und nannte Sie 'Mèr-i-am', 'Ozean von Göttlichen Eigenschaften, Liebe, Macht, Reichtum, Schönheit und Glorie'. Noch bevor Gott den Keim von Marias Seele schuf, zeigte Er den 'Entwurf' dieses Keimes in einer Vision den Himmelsbewohnern.

Als Gott die ersten Menschenseelen tatsächlich erschuf, schloss Er mit ihnen einen Bund, kraft dessen sie in Seinem 'Heiligen Garten'' (im Irdischen Paradies) leben sollten, im Stand vollkommener Heiligkeit und mit dem einzigen wesentlichen Bedürfnis der Liebe Gottes und der Liebe zu Gott. Gott stellte alles unter ihre Obhut, erteilte ihnen allerdings das Verbot, von den Früchten eines ganz bestimmten Baumes im Irdischen Paradies zu essen. Dieses Verbot sollte als Prüfung der wirklichen Liebe der Seelen zu Gott gelten: Wahre Liebe erzeugt Respekt für die Wünsche des Geliebten und die Neigung, diese Wünsche über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu stellen. Die erste Frau, Eva, leistete aber der Einflüsterung Satans Folge, gegen Gottes Gesetz zu verstoβen, genauso wie er selbst dies getan hatte. Dieser Akt des Ungehorsams war die Erbsünde.

Gemäβ dem Gesetz der Göttlichen Gerechtigkeit sollte die Erbsünde künftighin alle Menschenseelen von der wahren, vollkommenen Heiligkeit ausschlieβen, die sie besitzen mussten, um die Ewige Glückseligkeit im Himmel zu erwerben. Das Leben, das Gottes Sohn auf Erden führen sollte, sollte durch Seine erlösenden Leiden und Seine Unterrichtungen die Seelen aufs Neue für die Verwirklichung dieses groβen Zieles bereit machen. So hatte Gott es bereits vor der Erbsünde gesehen: Christus sollte die menschliche Natur erheben.

Die erste Sünde sollte unvorstellbar tiefgreifende Folgen für die ganze Menschheit nach sich ziehen. Eva war anfangs dazu bestimmt, die Königin der Schöpfung zu sein, die gemeinsam mit Adam, dem ersten König der Schöpfung, Gott allen Geschöpfen gegenüber vertreten sollte. Durch die Verletzung des Bundes, den Gott mit dem ersten Menschenpaar eingegangen war, waren diese beiden ersten Seelen nicht mehr im Stande, Gott in der Würde der wahren Heiligkeit den Geschöpfen gegenüber zu vertreten und gemäβ dem Göttlichen Gesetz über die Schöpfung zu herrschen. Gott sollte aber auf Seine ursprüngliche Idealvorstellung nicht verzichten, in welcher die Menschenseele bereit sein sollte, zu Seinem Bild und Gleichnis erhoben zu werden. Maria (Mèr-i-am) sollte Gottes Antwort auf die Entwertung der Menschenseele durch Satan, dem Fürsten der Finsternis, werden.

Aufgrund der Erbsünde wurde jede Seele nach dem ersten Menschenpaar mit einem Mal versehen. Dieses Mal lieβe sich mit einer Hypothek auf ein Haus vergleichen: Für die ersten Seelen war die Heiligkeit, die Verbundenheit mit Gott, ein erworbenes Recht. Für alle nach ihnen kommenden Seelen sollte sie ein Gut sein, das sehr teuer bezahlt werden muss und wobei jeder Mangel an Beitrag Anlass zu hohen Zinsen gibt. Um den Tempel des Bundes mit Gott abzubezahlen, muss die Seele eine lebenslange Anstrengung aufbringen. Marias Seele jedoch wurde ohne diese schwere Bürde geboren. In Ihrer Seele war der Tempel des Bundes mit Gott fertig und für ewig Ihr Eigentum. Diese Schöpfung von Marias Seele ohne das Mal der Erbsünde wird Ihre Unbefleckte Empfängnis genannt. Gott hat dieses Vorrecht ausschlieβlich Maria vorbehalten.

Warum schenkte Gott Maria die Unbefleckte Empfängnis? Maria sollte die Mutter von Gottes Sohn Jesus Christus werden, unter der Voraussetzung, dass Sie darin einwilligt. Er schuf daher Ihre Seele ohne das Zeichen der Erbsünde. Ich habe dieses Zeichen früher bereits mit einer Furche vergleichen müssen, die das Wasser Göttlichen Lebens aus der Seele wegführt, oder mit einem Leck, durch welches dieses Wasser abflieβt. Jede Seele, die diese Furche oder dieses Leck in sich trägt (d.h. also jede Menschenseele auβer Maria), muss dadurch ständig kämpfen, um das wahre Leben in sich instandhalten zu können. Ohne das wahre Leben, die Lebenskraft, welche die Seele ständig von Gott empfängt, kann die Seele die Heiligkeit nicht in sich verwirklichen und also nicht das wahre Ziel des Lebens auf Erden erreichen. In Maria sollte das Göttliche Leben in Seiner Fülle angesiedelt werden: Jesus Christus. Es wäre undenkbar, dass eine geschaffene Menschenseele den Sohn Gottes in sich tragen könnte, wenn diese Seele nicht von der Erbsünde bewahrt gewesen wäre: Eine solche Seele kann kein Tabernakel sein, in dem die Fülle des Göttlichen Lebens herrscht. In Maria war dies schon der Fall.

Die allerersten Seelen, Adam und Eva, waren ebenfalls unbefleckt empfangen. Ohne die Erbsünde wären alle Seelen aller Zeiten unbefleckt empfangen gewesen, und sie hätten ohne Ausnahme im Stand der unbefleckten Heiligkeit gelebt, wie diese die allerersten Seelen kennzeichnete, bevor die Erbsünde begangen wurde. Gott hatte vorgesehen, dass Sein Sohn als der Messias auf Erden kommen sollte, um die menschliche Natur über den Stand der Engel zu erheben. Wegen der Erbsünde sollte sich die Mission des Messias auf Erden noch vertiefen: Er sollte jetzt dazu verpflichtet sein, die Seelen zu lehren, wie sie aufs Neue in Harmonie mit Gott leben können, und durch Seine Leiden und Seinen Kreuzestod die Möglichkeit wieder herstellen, heilig zu werden. Genau diese Mission Christi versucht Maria jetzt in diesen Letzten Zeiten zu vollenden:

Das tiefe Wesen von Marias Mission als Herrin aller Seelen besteht darin, dass Sie jetzt versucht, möglichst viele Seelen in den Stand vor der Erbsünde zurückzuführen, also dass Sie versucht, die Rückkehr zum Stand der wahren Heiligkeit in möglichst vielen Seelen vorzubereiten und zu begleiten. Wenn Maria jetzt zu der Seele sagt: "Folge Mir nach", bedeutet dies eigentlich: "Lass dich von Mir zu Meinem Bild und Gleichnis umgestalten, zu dem Stand, als ob auch du unbefleckt empfangen wärest, damit du aufs Neue im hochheiligen Bund mit Gott leben kannst, als Sein Bild und Gleichnis". So beabsichtigt Maria, in jeder Seele die Erlösungswerke Jesu zu ihrer wahren Fruchtbarkeit zu bringen.

Die Herrin aller Seelen sucht also die Mission Jesu Christi in den Seelen zu vollenden. Sie unterrichtet sie in der Wissenschaft des Göttlichen Lebens und versucht, sie aufgrund des heiligen Bundes der vollkommenen Weihe an Sie von innen heraus zu Seelen umzugestalten, in denen sich das Göttliche Leben entwickelt und nicht mehr losgelassen wird. Das Festhalten des Göttlichen Lebens in der Seele geschieht durch das Leben in Heiligkeit. Jede Sünde, jede Untugend und jedes Unterlassen, das Gute zu tun, lässt das Göttliche Leben aus der Seele durch das Leck der Erbsünde wegflieβen. Durch eine treue Nachfolge Mariä (wie dies in der Wissenschaft des Göttlichen Lebens gelehrt wird) werden in der Seele die Auswirkungen der Erbsünde Schritt für Schritt zurückgedrängt, wodurch die Seele das Göttliche Leben immer besser 'festhält'. Dies ist die wahre Bedeutung der 'neuschaffenden' Macht der Herrin aller Seelen: Sie hat die Macht erhalten, jede Seele, die dabei aktiv mitwirkt, im Inneren völlig zu einer Burg der Heiligkeit umzugestalten, so dass diese Seele immer mehr so leben kann, als stünde sie nicht länger unter den Auswirkungen der Erbsünde. Dies ist der wahre Weg zur Heiligkeit, zum Wachsen hin zum Bild und Gleichnis Gottes.

So sucht Gott durch Maria als Herrin aller Seelen, kraft Ihrer Unbefleckten Empfängnis, die Seelen zu dem Stand zurückzuführen, den Er von Anfang an für sie vorgesehen hatte. 'Die Frau' bleibt also im wahrsten Sinne des Wortes Gottes Zeichen gegenüber der Finsternis, das Zeichen für die Möglichkeit der Seele, die wahre Heiligkeit zu erreichen, das Zeichen für die Tatsache, dass die Erbsünde nicht das letzte Wort zu haben braucht und die Seele nicht für immer vom Göttlichen Leben loszuschneiden braucht.

Das Fest von Marias Unbefleckter Empfängnis ist das Fest der vollkommen heiligen Menschenseele. Jede Seele hat den Auftrag, die Auswirkungen der Erbsünde in sich zu bändigen. Weil dies ein sehr schwieriger Auftrag ist, schenkt Gott den Seelen die Möglichkeit der vollkommenen Weihe an die einzige Menschenseele, die tatsächlich völlig über den Auswirkungen der Erbsünde gestanden hat: Maria. Genau deshalb sehnt Sich Gott so sehr danach, dass die Seelen Maria nachfolgen, in vollkommener und bedingungsloser Weihe an Sie, und sich durch eine tiefe Liebe zu Ihr und ein Leben in Ihrem Dienste vollkommen für Ihre innere Begleitung aufschlieβen sollen. Sie ist dazu auserkoren, die Seelen zum Stand der wahren Harmonie mit Gottes Gesetz zurückzuführen, wie diese vor der Erbsünde bestand. Dies ist das groβe Zeichen, das Gott in Maria hat setzen wollen: Sie soll Satan zerschmettern und seinen Werken die Kraft nehmen, und Sie soll dies kraft Ihrer Unbefleckten Empfängnis tun, die es Ihr ermöglicht hat, der vollkommene Tabernakel Gottes, die Miterlöserin mit Christus und die Herrin aller Seelen zu sein. In Marias Unbefleckter Empfängnis hat Gott die unzerstörbare Brücke zwischen Sich Selbst und den Seelen gebaut.

Der Bund mit den Seelen, den Gott anfangs in dem Irdischen Paradies gebaut hat, ist von Ihm niemals auβer Kraft gesetzt worden, wohl aber von den Seelen. In Marias Unbefleckter Empfängnis hat Gott die Menschenseelen für alle Zeiten an die ewigwährende Gültigkeit des Bundes erinnern wollen. In jeder individuellen Seele muss der Bund wieder in Kraft gesetzt werden, damit die Seele Marias Spiegelbild nahe kommen kann. Maria ist für Gott ja das Bild der idealen Menschenseele, und durch Ihre Unbefleckte Empfängnis hat Er dieses Bild in Ihr verewigt, damit Sie für alle Zeiten helfen kann, Seelen nach Ihrem eigenen Muster umzugestalten.

Von den Seelen wünscht Sich Gott daher:

dass sie sich ein Leben lang Maria weihen sollen;

dass sie diese Weihe strikt in ihrem Leben anwenden sollen, um wahrlich zu Ihrem Bild auszuwachsen;

dass sie Sie als Herrin aller Seelen annehmen und ehren sollen, denn es ist in dieser 'Eigenschaft der Eigenschaften', dass Sie die Seele zu Gottes Ideal zurückführen muss;

dass sie um Befreiung von den Auswirkungen der Erbsünde beten sollen, und dadurch dazu beitragen sollen, dass sie Marias Belehrungen nachfolgen.

So vollendet Gott den Kreis: Mit Marias Unbefleckter Empfängnis begann Er die Vorbereitung auf die Erlösung der Seelen; in der Herrin aller Seelen und der Wissenschaft des Göttlichen Lebens will Er die Erlösung, die von Jesus nach einem Leben als Gottmensch aus dem Schoβ der Unbefleckten Empfängnis erschlossen worden ist, in jeder individuellen Seele vollenden.