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Reicher Fischfang auf das Gebet des hl. Robert Bellarmin hin

Robert Bellarmin, Neffe Papst Marzellus II., geboren in Montepulciano (Toscana) am 4. 10. 1542, wurde 1560 Jesuit. Er war wohl der bedeutendste Kontroverstheologe dem Protestantismus gegenüber. Wegen seiner Gelehrsamkeit wurde er 1599 von Klemens VIII. zum Kardinal erhoben, fiel aber wegen seiner Stellungnahme im Gnadenstreit in Ungnade, wurde 1602 als Erzbischof nach Capua entfernt, aber 1605 von Paul V. wieder an die Kurie geholt. Der Heilige, Kirchenlehrer, starb in Rom am 17. 2. 1621.

Die folgenden Aussagen stammen aus dem Bischöflichen Prozeß von Capua des Jahres 1622 und sind übersetzt nach der Positio super virtutibus, Romae 1712, Summarium additionale, S. 118–121.


Zeuge Thomas dello Sapone aus Capua, 53 Jahre alt, erklärte: Vor mehreren Jahren, zur Zeit, als der Herr Kardinal Bellarmin in Capua war, hatte der verstorbene Dezio de Rosa die Fischerei des Herrn Angelo del Barone gepachtet, und ich war als Fischer Teilhaber. Viele Tage lang fingen wir ganz ungewöhnlich wenig Fische, fast keine. Eines Tages zogen wir dreimal die Reusen hoch[1] und fingen jedesmal etwa vier Alsen[2], und mit dem Netz, das mit der Hand gezogen wird, fingen wir überhaupt nichts. Gegen abend, um 21 Uhr[3], kam der Herr Kardinal Bellarmin zu einem Spaziergang. Er war aus dem Wagen gestiegen, und als wir ihn in der Nähe sahen, gingen wir ihm entgegen. Er gab uns den Segen und fragte: „Was macht das Fischen?“ Und einer von uns, Scipio di Leone, antwortete: „Hochwürdigster Herr, wir sterben hier vor Hunger, denn wir fangen keine Fische.“ Und jener antwortete: „Zieht die Reusen hoch, dann werdet ihr welche fangen.“ Scipio erwiderte, um ihm zu gehorchen, wolle er sie hochziehen, obwohl sie kurz zuvor sie hochgezogen und nichts gefangen hätten. Der Herr Kardinal sagte darauf, er solle noch etwas warten und ging einige Schritte weiter hin zu einer alten Kapelle der Muttergottes von der Gnade. Die alte Kapelle steht dort, wo sich die Winden befinden, mit denen die Reusen hochgezogen werden. Der Herr Kardinal kniete sich in der Kapelle hin, betete eine Viertelstunde, erhob sich und trat zu uns, die wir bei den Winden am Flusse standen. Er hob die Hand, die er unter dem Schulterumhang gehalten hatte, machte damit das Kreuzzeichen und sagte so laut, daß wir alle es verstanden: „Kommt, Fische!“ Darauf fingen wir an, mit dem Handnetz zu fischen, und jedesmal, wenn wir es heruntergelassen hatten und wieder hochzogen, fingen wir Fische, auf einen Schlag ein, zwei und sogar drei Alsen auf einmal. Das ging so etwa eine Drittelstunde lang. Darauf sagte der Herr Kardinal: „Geht und zieht die Reusen hoch!“ Und als wir das taten, fingen wir eine sehr große Menge Fische, siebzig, achtzig Rottel[4]. Über den Fang waren wir sehr glücklich. Wir gingen zu dem Herrn Kardinal und baten ihn, er möge oft zu der Fischerei kommen. Der Herr Kardinal ging, und immer wieder fingen wir Fische in großer Menge, und am selben Abend noch zogen wir abermals die Reusen hoch und fingen wieder eine ganze Menge. – –

Auf die Frage: „Wie lange läßt man gewöhnlich die Reusen im Wasser?“, antwortete der Zeuge: „Zwei Stunden.“

Frage: „Wie lange Zeit verstrich zwischen dem letzten Heraufholen der Reusen ohne Fische, und dem anderen, das einen so großen Fang erbrachte?“ – Antwort: „Eine Stunde etwa.“

Frage, ob er das damals für ein Wunder gehalten habe? – Antwort: „Alle hielten das für ein Wunder, und auch ich. Denn das Wasser des Flusses war nicht anders geworden. Wir schrieben es allein dem Gebet und dem heiligen Leben des Herrn Kardinals Bellarmin zu.“

Frage, ob man in den besagten Reusen eine große Menge Fische zu fangen pflege? Antwort: „Wenn man Glück hat, fängt man dreißig, vierzig, sogar fünfzig Rottel und auch mal einen Kantar.“ – –

Franz Granato aus Capua, 48 Jahre alt, sagte aus: Eine Sache erregte das Erstaunen aller, als eines Tages der hochwürdigste Herr zu der Fischerei kam, die ich zusammen mit Thomas de Sapone aus Capua gepachtet hatte. Sie gehörte dem verstorbenen Herrn Angelo del Barone, jetzt seinem Sohn, dem Herrn Hieronymus. Sie liegt am Flusse vor den Toren dieser Stadt. Dorthin war der Herr Kardinal gekommen, und er fragte uns, die wir bei dem Fischereischuppen standen, ob wir Fische und Alsen fingen. Wir antworteten, wir fingen nichts. Denn kurz zuvor hatten wir die Reusen hochgezogen und darin drei Alsen gefangen. Wir sagten, wir hätten viele Tage lang keine gefangen und daß wir deswegen verzweifelt seien. Denn die Pacht wäre hoch und müßte gezahlt werden, ob wir Fische und Alsen fingen oder nicht. Darauf sagte der Herr Kardinal, wir sollten die Reusen hochziehen, um nachzusehen, ob Fische gekommen seien. Wir erwiderten, wir hätten sie kurz zuvor hochgezogen. Dann sagte der Herr Kardinal: „Kommt, ihr Fische, kommt!“, und er erhob die Hand und machte das Kreuzzeichen, damit sie herbeikommen sollten. Und so hieß er uns, die Reusen hochzuziehen. Ich tat es zusammen mit dem genannten Thomas, welcher der Hauptpächter war, und noch mit anderen zogen wir die Netze, und wir fanden eine sehr große Menge Fische, mehr als einen Kantar. Es war das etwas Wunderbares. Denn viele Tage vorher hatten wir nichts gefangen. Der Herr Kardinal war voller Freude über solchen Fang, und er dankte dem Herrn. Und wir alle hielten das für ein wirkliches Wunder. – –

Im Apostolischen Prozeß von 1626/27 in Capua sagte Sebastian Bellezze, 57 Jahre alt, ein Bediensteter, aus: Vor Jahren, als der Herr Kardinal Bellarmin Erzbischof von Capua war, war ich vor die Stadt Capua zu einem Fischereischuppen gegangen, in dem die Netze verschiedener Fischer aufbewahrt werden, in der Nähe der nach dem Herrn Angelo del Barone benannten Fischerei, wo einige kleine Netze von Privatpersonen und die Reusen der Fischer ausgelegt waren zum Fang von Alsen, die zu jener Jahreszeit gefangen wurden. Ich war gegen 21 Uhr angekommen und wartete auf das Hochziehen der Reusen, die in der üblichen Weise ins Wasser gelassen waren. Bald darauf zogen die Fischer die Reusen hoch und hatten nichts darin gefangen. Sie waren darüber verzweifelt und ließen die Reusen an derselben Stelle wieder herunter. Als ich sah, daß sie nichts gefangen hatten, schaute ich weiter zu, ob ein anderer, der mit einem Handnetz fischte, Alsen fing. Darüber sah man den Wagen des Herrn Kardinals Bellarmin auf die Fischerei zufahren, und er hielt in der Nähe des Gerätehauses. Die Diener stiegen zum Flußufer herunter und fragten die Fischer nach Fischen. Diese antworteten: „Wir haben nichts gefangen, und eben noch haben wir die Reusen hochgezogen, aber nichts gefunden, und wenn Ihr es uns nicht glauben wollt, so fragt diese guten Leute da, die haben es gesehen.“ Die Fischer näherten sich bei diesen Worten dem Wagen, und Eminenz gab ihnen ein Zeichen, daß sie kommen sollten, und als sie gekommen waren, fragte sie der Herr Kardinal, seit wann sie keine Fische gefangen hätten. Die Fischer antworteten, gewöhnlich fingen sie Fische in großer Menge, „und heute haben wir nur vier oder fünf Rottel gefangen. Denn vorhin noch haben wir die Reusen hochgezogen und nichts gefangen.“ Darauf sagte der Herr Kardinal: „Geht und zieht sie hoch!“ Die Fischer erwiderten, um ihm zu gehorchen, würden sie gehen und nochmals die Reusen hochziehen. Unterdessen ging der Herr Kardinal mit dem Wagen weiter, um zu wenden, und in dieser Zeit zog man die Reusen hoch, und man fing anderthalb oder zweieinhalb Kantare Fisch. Die Diener des Herrn Kardinals eilten hin und sagten: „Hochwürdigster Herr, man hat eine Menge Fische gefangen.“ Als der Herr Kardinal wieder zu der Stelle gekommen war, liefen die Fischer herbei, um zunächst Gott zu danken und dann dem glaubensstarken Herrn Kardinal, der die Ursache gewesen war, daß sie eine solche Menge Fische fingen, und alle diese Fischer sagten nachher, daß ihnen Gott ihn geschickt habe.

Auf die Frage: „Wie lange läßt man gewöhnlich die Reusen im Wasser, bis man sie mitsamt den Fischen herauszieht?“, antwortete er: „Gewöhnlich zwei Stunden und manchmal länger.“

Frage: „Wieviel Zeit war damals, als der Herr Kardinal zu dieser Fischerei kam, verstrichen zwischen dem ersten Herausziehen ohne Fische und dem zweiten mit Fischen?“ Antwort: „Eine Viertelstunde ungefähr.“

Frage: „Ob er das damals für ein Wunder hielt?“ Antwort: „Alle an dem Abend hielten es dafür, und auch ich hielt diese Sache dafür, denn sie war etwas Ungewöhnliches, und wir schrieben sie dem guten Kardinal zu.“

Auf die Frage, ob man in den Reusen gewöhnlich eine solche Menge Fische gefangen hätte, wie er damals gesehen habe, erwiderte er: „Ich habe niemals gesehen, daß eine solche Menge gefangen wurde, noch auch je so etwas gehört, sondern immer nur, daß man höchstens einen Kantar fing, aber nur selten.“ – –

Herr Franz de Flaminio aus Capua, Sakristan an der Domkirche und Pfarrer von S. Salvatore Maggiore, ungefähr dreißig Jahre alt, erklärte: Ich habe von meinem Vater erzählen hören und auch von Johannes Dominikus, dessen Beinamen ich nicht weiß – ich weiß nur, daß er Fischer war –, daß der Herr Kardinal auf die genannten Fischer gestoßen sei und ihnen gesagt habe, sie sollten die Netze hochziehen, denn vorher hätten sie nur wenig gefangen. Der Herr Kardinal habe gesagt: „Zieht die Netze hoch, daß ihr Fische fangt“, und ich hörte, er habe das Kreuzzeichen gemacht, und als sie dann die Netze hochgezogen hätten, hätten sie eine solche Menge Fische gefangen wie noch nie, und so verbreitete sich der Ruf, das sei eher ein Wunder gewesen als etwas anderes, und so ist es immer dafür gehalten worden. Auch ich denke so wegen des heiligen Lebens des Herrn Kardinals.

[1] Die Fischerei scheint in der Weise betrieben zu sein, daß die wandernden Fische durch Fischzäune, d. h. im Wasser stehende, aus Rohr oder Reisig geflochtene Wände, in Reusen oder Fangkammern gelenkt wurden. Mit Hilfe von Winden werden die Reusen oder die auf dem Boden der Fangkammern liegenden Netze mitsamt den Fischen gehoben und an Land gezogen.

[2] Die Alsen oder Maifische sind eine Heringsart, die 70 cm lang wird und im Mai zum Laichen in Flüsse wandert.

[3] Drei Stunden vor Sonnenuntergang.

[4] Rottel und Kantar waren früher im Mittelmeerraum übliche Handelsgewichte. 100 Rottel = 1 Kantar machten im Neapolitanischen 79,4 kg aus.

Aus: Wilhelm Schamoni, Wunder sind Tatsachen. Eine Dokumentation aus Heiligsprechungsakten, 2. Auflage, Würzburg/Stein am Rhein/Linz 1976, S. 229-232.