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Außenminister: Russlands Rückzug aus Cherson ein wichtiger Erfolg für die Ukraine

10.11.2022 20:00
Der Rückzug Russlands aus der ukrainischen Stadt Cherson sei ein wichtiger Schritt im Kampf der Ukraine um die Wiedererlangung ihrer Souveränität und territorialen Integrität, sagte der polnische Außenminister am Donnerstag.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu hat am Mittwoch in einer Fernsehansprache den Befehl zum Rückzug auf das östliche Ufer des Dnipro-Flusses gegeben. PAP/EPA/STANISLAV KOZLIUK

Während eines offiziellen Besuchs in Paris sagte Zbigniew Rau, der Rückzug sei angesichts der Lage an der russisch-ukrainischen Frontlinie zu erwarten gewesen. Es sei noch zu früh, so Rau, um die Bedeutung des Rückzugs für die Bemühungen der Ukraine um die Wiederherstellung der Souveränität über das Westufer des Dnipro-Flusses und die Zukunft des Ostufers zu beurteilen.

Präsident Andrzej Duda warnte vor Enthusiasmus. Ihm zufolge seien die Russen zu aller möglichen Täuschungen und Provokationen fähig, teilte das Büro des polnischen Staatshaupts am Donnerstag mit.

Die Entscheidung Russlands, sich aus der Stadt Cherson zurückzuziehen, zeige, dass die russische Armee „einige echte Probleme" habe, sagte US-Präsident Joe Biden. Der Rückzug werde es beiden Seiten ermöglichen, fügte Biden hinzu, ihre Positionen über den Winter neu zu formieren. Es bleibe jedoch abzuwarten, ob die Ukraine zu einem Kompromiss mit Russland bereit sei, so die Nachrichtenagentur Reuters. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass Wladimir Putin zu Gesprächen mit der Ukraine bereit sei, so der US-Präsident weiter.

Der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podolak erklärte indes, es sei zu früh, um über einen russischen Rückzug aus dem besetzten Cherson zu sprechen. „Solange in Cherson keine ukrainische Flagge weht, hat es keinen Sinn, über den Abzug der russischen Streitkräfte aus der Stadt zu sprechen", erklärte er.

Mark Milley, Amerikas oberster General und Vorsitzender der Generalstabschefs, schätzte, die russische Armee in der Ukraine habe mehr als 100.000 getötete und verwundete Soldaten zu beklagen, berichtete die polnische Nachrichtenagentur PAP. Die Kiewer Streitkräfte hätten im Krieg „wahrscheinlich" ähnlich viele Opfer, fügte Milley hinzu.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu hat am Mittwoch in einer Fernsehansprache den Befehl zum Rückzug auf das östliche Ufer des Dnipro-Flusses gegeben. Ihm zufolge könne „Cherson nicht vollständig versorgt werden und funktionieren", berichteten Medien. Die russischen Truppen müssten sich deshalb angesichts der ukrainischen Angriffe vom Westufer des Dnipro zurückziehen.

Medien haben diesen Schritt als bedeutenden Schlag für das russische Prestige gewertet. Cherson sei die einzige Regionalhauptstadt in der Ukraine gewesen, die Russland besetzen konnte. Ende September, nach der ukrainischen Gegenoffensive, wurde die Region Cherson als eine von vier Regionen nach international nicht anerkannten Volksabstimmungen von Russland annektiert.