Pilgerreisen im Mittelalter

Mosaik in der Krypta. (© Matthias Hinrichsen) Zur Topographie des Heiligen Landes. Pilgerreisen im Mittelalter. Am Beispiel von Hans Tuche www.uni-salzburg.at
L. vom Hl. Kreuz
2. JERUSALEM, GRABESKIRCHE

Besonderen Eindruck musste auf die Christen immer die Grabeskirche machen, an deren Ort sich die Heilstat Christi vollzogen hatte. Ihre Schlüssel sind noch heute in der Hand einer muslimischen Familie.
Und wir kamen auf den Kalvarienberg, auf dem Gott [sein Leben hingab]. Sobald ein jeder Christ, der christlichen Glauben und einen guten Vorsatz hat, seinen Fuß in …More
2. JERUSALEM, GRABESKIRCHE

Besonderen Eindruck musste auf die Christen immer die Grabeskirche machen, an deren Ort sich die Heilstat Christi vollzogen hatte. Ihre Schlüssel sind noch heute in der Hand einer muslimischen Familie.
Und wir kamen auf den Kalvarienberg, auf dem Gott [sein Leben hingab]. Sobald ein jeder Christ, der christlichen Glauben und einen guten Vorsatz hat, seinen Fuß in den Tempel setzt und hinein geht, hat er die Vergebung aller Sündenstrafe und Schuld erworben. Und wenn man den Tempel betritt und gerade etwa 10 Schritte hineingeht [...] Da ist der Platz, wo unser lieber Herr und Gott lag, als er von dem heiligen Kreuz abgenommen wurde. [...] Gerade etwa 10 Schritte beim Eingang, bei derselben Türe, dort ist die Stelle mit einem weißen Grabstein, der mit einem schwarzen, steinernen Rahmen eingefasst ist, ebenso wie das Pflaster des Tempels, wo die trauernde Mutter Gottes in großem Jammer und Schmerz mit dem Leichnam ihres Sohnes gesessen ist, da man ihn vom Kreuze genommen hatte und zu dem Grab nehmen [und bestatten] wollte. An diesem Ort ist Ablass und Vergebung aller Sündenstrafe und Schuld. [...]

4. TEMPEL SALOMONIS (DER FELSENDOM)

Das Betreten des Felsendomes ist den Christen strengstens verboten.
„Item. Dann gingen wir, um den Tempel Salomons, der Tempel des Herrn genannt wird, zu sehen. (…)
Auf dem Umgang des Tempels haben [die Heiden] eine Mondsichel gesetzt, wie sie [es eben] gewohnt sind und auf ihre Türen der Moscheen gewöhnlich Halbmonde setzen.(…)
Bei diesem Tempel, geht man unten hinein, steht zur Linken eine langgestreckte Kirche mit Blei eingedeckt, "porticus Salomonis" genannt. Sie hat auch einmal Kirche unserer Frau geheißen, während die Christen Jerusalem besessen haben. Den Heiden oder Sarazenen gehört dies [nun] alles.

5. DER ÖLBERG

Als Ort, an dem das Passionsgeschehen Christi seinen Ausgangspunkt nahm, war der Ölberg ein Muss für jeden christlichen Pilger. Gern wurde auch die Himmelfahrtskapelle an seiner Spitze besucht oder zu seinen Füssen das Grab Mariens, der Mutter Jesu.
L. vom Hl. Kreuz
HIMMELFAHRTSKIRCHE
„Item. Auf der Spitze des Ölberges befindet sich dann eine Kirche noch an dem Ort, wo Gott zum Himmel aufgefahren ist. In derselben Kirche, nicht weit von der Türe entfernt, ist der Stein, auf dem Gott stand, als er zum Himmel aufgefahren ist, denn man [sieht] noch seinen heiligen Fußabdruck in dem Stein, ganz besonders deutlich den Abdruck vom rechten Fuß. Den anderen …More
HIMMELFAHRTSKIRCHE
„Item. Auf der Spitze des Ölberges befindet sich dann eine Kirche noch an dem Ort, wo Gott zum Himmel aufgefahren ist. In derselben Kirche, nicht weit von der Türe entfernt, ist der Stein, auf dem Gott stand, als er zum Himmel aufgefahren ist, denn man [sieht] noch seinen heiligen Fußabdruck in dem Stein, ganz besonders deutlich den Abdruck vom rechten Fuß. Den anderen Fußabdruck sieht man auch, aber nicht so erkennbar. An demselben Ort ist Ablass, Vergebung aller Sündestrafe und von Schuld.“

MARIENGRAB
In dem Grab wurde unsere liebe Frau von den zwölf Aposteln bestattet. Und an dem dritten Tag, wie wir wohl glauben, mit Leib und Seele in den Himmel der Freude aufgenommen. An demselben Ort, wo das Grab unserer lieben Frau ist, da ist Ablass, Vergebung von aller Sündenstrafe und Schuld.

6. BETHLEHEM GEBURTSKIRCHE

„Item. Dann zogen wir nach Bethlehem. Vor der Kirche hielten wir. Das ist eine ganz und gar schöne, große Kirche der Ehre unserer Frau geweiht.(…) Dort steht ein Altar. Das ist die Stätte, wo sich die heiligen drei Könige vorbereiteten ihr Opfer dem neugeborenen Kindlein zu bringen. Dort ist Ablass 7 Jahre und 7 Kare.
(…)
Da gelangt man in eine schöne Kapelle, die nicht sehr groß ist. In derselben Kapelle, wo der Hochaltar ist, da wurde ein Stern gemacht. Dort hat unsere liebe Frau Gott, ihren Sohn, geboren. Und dort ist Vergebung aller Sündenstrafe und von Schuld.

7. HEBRON
„Item. In der Stadt Hebron sind Abraham, Isaak und Jakob mit ihren Frauen in einer Moschee begraben. Dorthinein lässt man keinen Christen, auch keinen Juden. Aber man kann durch ein Fenster auf die Begräbnisstätte sehen. Und es kommen viele Pilger dorthin. Dort gibt es einen Ablass von 7 Jahren und 7 Karen.“

9. DAS KATHARINENKLOSTER
(…)
Item. Im Kloster der hl. Katharina, an der rückwärtigen Wand, gibt es eine heidnische Kirche, Moschee genannt, die auch eine Türe hat –wie es üblich ist. Und es darf kein Christ in dieselbe Kirche hinein. Die Heiden sperren sie auch selbst zu und besitzen sie, damit die Beduinen, wenn sie dahin kommen, auch ihre eigene Kirche haben. [...]
(…)