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RupertvonSalzburg

Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag, 4. 10. 2020

Predigt 27. So. Jkr., 4.10.2020
Perikopen: Jes 5,1-7 Mt 21,33-44
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
In Lesung und Evangelium wurde uns eines der großartigsten Bilder der Bibel gezeigt, der Weinberg. Er steht für die Festfreude des Menschen. Gott gibt, ,,Wein, der das Herz des Menschen erfreut,“wie es in den Psalmen heißt. So können wir anhand des Bildes vom Weinberg nachdenken, welche Botschaften für die Lebens- und Glaubensfreude die Schrifttexte bergen. Drei Gedanken sind mir wichtig. Der erste Gedanke bezieht sich auf die Liebe Gottes. Die Lesung hat als Liebeslied begonnen ,,Ich will ein Lied singen von meinem geliebten Freund, ein Lied vom Weinberg meines Liebsten.“Gott hat jeden von uns aus Liebe erschaffen. Der Mensch kann leben, wenn das Wissen da ist, dass wir angenommen und gewollt sind. Genau diese Zusage sollte unser Herz zutiefst anrühren. Unser Herz darf so groß werden, dass diese Liebe Gottes darin Platz findet und wir darauf antworten können. Gott erwartet von uns eine Antwort, nicht eine, die unsere menschlichen Fähigkeiten übersteigt. Nein, er erwartet jene Liebe, die wir Menschen geben können. Sollte es uns nicht wirklich anrühren, dass die Liebesfrage Gottes zu unserer Lebensfrage wird? Wird Gott jene menschliche Antwort finden, die er erwartet? Oder geht es ihm wie dem Weinberg, von dem Jesaja sagt: ,,Er hoffte, dass der Weinberg süße Trauben brächte, doch er brachte nur saure Beeren.“ Und so kommen wir zum zweiten Gedanken. Beide Schrifttexte haben davon gesprochen, dass Gott den Menschen erwählt. ,,Es ist der Weinberg des Herrn der Heere,“nach der Lesung, oder ,,der Gutsbesitzer, der niemand anderer als Gott ist, verpachtet den Weinberg an Winzer,“ also an uns. Gott erwählt und beruft Menschen, er vertraut uns im Weinberg seine Schöpfung an. Uns ist viel anvertraut. Doch dann ist die Rede vom Scheitern des Menschen. Es sind saure Trauben gewachsen, wie Gewalt, Unrecht, Unehrlichkeit. Während es in der Lesung schon beim Wachstum Probleme gibt, also die Grundbedingungen nicht passen, ändert sich im Evangelium dieses Bild. Der Weinberg bringt zwar den Ertrag, aber die Winzer geben ihn nicht her. Sie erschlagen sogar den Sohn des Gutsbesitzers. Die Winzer eignen sich etwas an, das ihnen nicht gehört. Sie wollen selbst Gutsherren sein. Diese Winzer halten auch uns den Spiegel vor. Uns Menschen ist die Schöpfung anvertraut, zur Verwaltung. Das wird oft vergessen. Wir wollen uneingeschränkt besitzen. Wo der Mensch zum alleinigen Besitzer wird, kreist er nur mehr um sich selbst und kommt aus der Spirale der permanenten Leistung nicht mehr heraus. Sicher kann man den Sohn aus dem Weinberg vertreiben und töten, aber dann verlieren wir den größeren Zusammenhang, der dem Leben Sinn gibt. Wenn der Gutsbesitzer, wenn Gott, nicht mehr ist, muss der Winzer, der Mensch, alleine schauen, dass er existiert und das geht nicht. Wahre menschliche Existenz ergibt sich immer von der Öffnung auf ein Du, niemals vom Verschließen in sich selbst. Wahre Lebens- und Glaubensfreude gibt mir die Gewissheit, dass ich nicht der Besitzer der Schöpfung bin, sondern derjenige, der in fruchtbringender Beziehung zu ihr stehen darf, der kreativ sein darf und sich einbringen kann. So kommen wir noch kurz zum dritten Gedanken. Beide Schrifttexte haben damit geendet, dass der Herr dem untreuen Weinberg das Gericht androht. Das Gericht, das Jesaja androht, betrifft die Kriege und das Exil, dem das Volk Israel im 6. Jahrhundert ausgesetzt war, und das Gericht, das der Herr im Evangelium ankündet, bezieht sich auf die Zerstörung Jerusalems 70 nach Christus. Diese ernst klingenden Worte betreffen alle Menschen, und wir sind gut daran immer wieder den Herrn zu bitten, dass er uns hilft unser Leben zu erneuern und stets neu die richtige Richtung zu finden. Das meint Bekehrung im biblischen Sinn. Doch stellt sich mit dem Gericht die Frage, ob diese Drohung wirklich das letzte Wort ist? Gibt es hier keinen Trost, keine Verheißung? Nein, die Verheißung ist da. Das Evangelium endet mit dem Satz aus dem Psalm, der schon früh auf Jesus bezogen wurde, ,,der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.“ Aus dem Tod des Sohnes, sprosst das neue Leben, wächst ein neuer Weinberg und wird Christus selber zum Weinstock, an dem wir die neuen Rebzweige sind. Wir sind als Reben mit ihm in Verbindung und können den Nährstoff des Weinstocks aufnehmen, die unzerstörbare Gegenwart seiner Liebe. Genau darin zeigt sich auch das Gericht Gottes. Vielleicht sollten wir uns damit begnügen, dass das Gericht dann ist, wenn uns die Augen aufgehen. Werden wir vor Gericht stehen, weil wir seine Herrlichkeit, die immer schon um uns war, ganz und gar erkennen? Und wird nicht er uns richten, indem er unseren Blick auf uns richtet, damit wir erkennen, dass wir nun endlich richtig sind? Das Gericht Gottes, dem niemand auskommt, ist die Zusage, dass wir plötzlich überall richtig sind, auch dort, wo wir es jetzt noch nicht sind, und saure Trauben bringen. Der Mystiker Johannes vom Kreuz hat es auf den Punkt gebracht: ,,Am Abend unseres Lebens werden wir gemäß der Liebe gerichtet werden.“
Liebe Brüder und Schwestern!
Dem großartigen Bild des Weinberges geht es darum, dass wir Menschen Freude am Leben und Glauben finden. Lassen wir uns darauf ein, (1) im Wissen dass Gott jeden einzelnen liebt und meine menschliche Liebesantwort erwartet; (2) im Bewusstsein, dass mir die Schöpfung und ihre Bewohner zur Beziehung und nicht zum Besitzen anvertraut ist; und (3) und in der Zusage, dass das Gericht Gottes mir das Richtigsein in seiner Liebe schenken wird, die der Mensch annehmen muss. Maria, die Königin vom Rosenkranz, auf die wir im Oktober besonders schauen, möge uns immer mehr hinführen in jene Freude, die Gott allein geben kann. Amen