der Logos
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Gottselige Adelheid Langmann, Dominikanerin in Engelthal, Mystikerin, + 22.11.1375 – Gedenktag: 22. November

Symbolbild Dominikanerin

Die traurige Kirchenspaltung des sechzehnten Jahrhunderts hat vielen Äußerungen des katholischen Lebens Hemmung und Untergang gebracht; nicht wenig auch der Heiligenverehrung. Warum haben wir Deutsche weniger Heilige als andere Nationen, wird oft gefragt. Unter anderen ist ein Grund auch der: Die kirchlichen Neuerer haben gar manche ehrwürdigen deutsche Frauen und Männer, die sich eines Kultes beim katholischen Volk erfreuten, dem aber noch die kirchliche Anerkennung fehlte, um die Ehre der amtlichen Heiligsprechung gebracht. Mit dem katholischen Leben schwand auch der Kult der Seligen, es trat eine Unterbrechung ein, so dass heute eine kirchliche Anerkennung nicht mehr möglich wird. Aus den deutschen Dominikanerinnen allein zählt ihr Geschichtsschreiber P. Hieronymus Wilms eine Reihe von Namen auf, die ehedem in hoher Verehrung standen, nun aber in Vergessenheit geraten sind. Das untergegangene Kloster Engelthal bei Nürnberg darf unter den vielen gottseligen Frauen zwei ganz besonders hervorheben, deren Ruhm ehemals weit umging in deutschen Landen und heute noch nachklingt: Christina Ebner und Adelheid Langmann.

Eine gar lieblich zarte, mystische Seele war Adelheid Langmann, eine Nürnbergerin. „In nomine Patris et Filii et Spiritus sancti will ich anfangen von einer Klosterfrau zu reden, mit der Gott von ihrer Jugend an wunderbar wirkte, und in der von Kind auf der Heilige Geist wohnte“, so beginnt sie die Seelenerlebnisse, die sie auf Geheiß ihres geistlichen Führers aufzeichnen musste. „Was ziemlich (geziemend), was leutselig, was göttlich oder geistlich war, das behielt das Kind und war doch fröhlich bei den Leuten ohne alle Verlassenheit. Wenn es mit seiner Mutter zur Predigt ging, schloss es das Gehörte in seines Herzens Schrein. Zu Hause überdachte es alles und betrachtete gerne unseres Herrn Marter. Die Leute merkten dies bald und sprachen zu seiner Mutter: Das Kind passt nur ins Kloster.“

Mit dreizehn Jahren wurde Adelheid zur Heirat gedrängt – und war ein Jahr später Witwe. Und war wieder Kind. Die neuen Heiratspläne der sehr angesehenen Verwandten schlugen nun fehl, weil der Herr seine Hand auf dieses Menschenkind gelegt hatte. Unschuldsvolles Gotteskind wollte es bleiben. Trotz des Widerstrebens aller Freunde, trotz ihres eigenen Bangens und Zagens fuhr Adelheid nach Engelthal. Auf dem Weg ließ sie bei einer Kirche halten, kniete vor dem Kruzifix nieder und bat, der Herr möge ihr das Leid erleichtern. Und es antwortete ihr der Gekreuzigte: „Sieh her, was ich um dich gelitten habe, magst du nicht ein wenig um meinetwillen leiden? Ich will es dir ja vergelten!“ Ja, das war sein Laderuf. Im Kloster wurde sie von einem Unwohlsein befallen, das sie am Verkehr mit den Menschen hinderte. Der liebe Heiland aber zog sie an sich und zeigte ihr unter dem Bild dreier prächtiger Gewänder, was seine Gnade in ihr vollbringen wird, und unter dem Bild eines Baumes, der Früchte trug, wie sie selbst mitwirken muss.

Und Adelheid harrte aus und vertraute der Liebe ihres himmlischen Erwählten. Aber noch immer Bangen und Kleinmut im Herzen! „Ach, Herr, nun bin ich so sehr krank, wie soll ich den Orden ertragen?“ Ja, die menschliche Natur erschrickt vor den Opfern, die an der Seite des göttlichen Kreuzträgers ihrer warten, die Seele aber, die sich angezogen fühlt von Jesus in unverdienter Gnadenwahl, erhebt in heiligem Schauer beim Innewerden der überwältigenden göttlichen Liebe, die ein armes Menschenkind erheben und glücklich machen will. Der Heiland selber tröstete: „Mache freudig Profess! Was du nicht vermagst, das vermag ich. Ich werde dich in keiner Not verlassen.“ Glücklich, wer seine Sprache hört und versteht! „Dank der Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes, der nach seinem Wohlgefallen gar manche Seelen mit solch inneren Ansprachen beglückt! Sie sind immer kurz und lassen in der Seele das sichere Bewusstsein zurück: Es ist der Herr! Es erfüllt sich, was der Psalmist betet: „Zu dir rufe ich, Herr, mein Fels. Wende dich nicht schweigend ab von mir. Denn wolltest du schweigen, würde ich denen gleich, die längst begraben sind.“ (Psalm 28,1) So antwortet der erfahrene herzenskundige Seelenführer Prälat Dr. Triller auf die Eröffnung eines ähnlichen gnadenvollen Seelenerlebnisses aus unseren Tagen. Der „schweigende Gott“ ist nicht stumm; vielfältig ist seine Sprache.

Unsere gute Schwester Adelheid hat der Herr noch weitergeführt, hinein in die geheimnisvollen, unerfasslichen Tiefen des beschaulichen Lebens, die wir nur mit Dank gegen Gottes herablassende Güte preisen können, die wir aber nicht mit überlegenem Menschendünkel abweisen wollen. Das mystische Leben der Schwester Adele Langmann zeigt nicht viel von der fast grausamen Härte, mit der die selige Mitschwester Christine Ebner (27. Dezember) ihren Leib und Willen zu bändigen suchte, obwohl auch ihr Strenge nicht ungewohnt war. Adelheid wurde auch nicht in die mystische Leidensschule der liebenswürdigen Margareta Ebner (20. Juni) genommen, ihr Leben ist mehr das eines Kindes, das den Herrn liebt und sich ganz ihm überlässt und auf seine Wünsche in kindlicher Weise eingeht. Es ist der kleine Weg der Kindheit, des kindlichen Vertrauens und der Hingabe, auf dem ihr freilich der Heiland großmütig lohnend entgegentritt. Oft und oft erscheint er ihr und führt sie immer tiefer ein in den Lichtbereich seiner Liebe. Traute Worte darf sie vernehmen, so die Versicherung: „Du bist mir so lieb; hätte ich nicht mehr mit meiner Marter und meinem Tod erlöst als dich allein, es gereute mich nimmer, das alles gelitten zu haben.“ Ihr heißes Verlangen geht hinwieder darauf, durch unablässiges Beten das Werk seiner Erlösung zu fördern, die armen Seelen zu befreien, die Sünder zu bekehren und die Gerechten in ihrer Heiligkeit zu befestigen. Das war ihr Beruf.

Eine Vision macht uns die Bedeutung ihres Betens klar: „Auf Allerheiligen wurde sie geistigerweise in das Fegfeuer geführt. Sie sah dort die Seelen in vielfältiger Pein. Sie wurde auch zu den Seelen geführt, die schon alles abgebüßt hatten, nur dass sie Gott nicht sahen. Da sah sie etliche Frauen ihres Klosters, die man lange im Himmel vermutet hatte, und sie waren noch nicht in der Herrlichkeit. Sie sah auch die Seele ihrer Mutter bei ihnen. Auch die hatte man vor langer Zeit im Himmel geglaubt. Sie sah mancherlei Seelen dort, wenn jemand ein Ave Maria oder ein Pater noster oder ein Miserere mit ihnen hätte gesprochen, sie wären zum Himmel gefahren. Sie hatten keine andere Pein, als dass sie Gott nicht schauten. Und doch war ihnen allen noch so weh, dass sie alle schrien: „Herr, erbarme dich über uns und mach, dass jemand uns helfe. Man hat uns im Himmel geglaubt, deshalb hilft uns niemand.“ Sie schrien auch alle: „Herr, gewaltiger Gott, gib diesem Menschen die Pein, die wir haben, dieweil er bei uns ist, damit er desto lieber für uns bete.“ Sofort wurde der Ordensfrau dieselbe Pein gegeben. Sie empfand solchen Durst, dass sie meinte, in jener Zeit vor Durst sterben zu müssen. Und der Durst ging nicht auf leiblichen Trank, er war nur auf Gott selbst und auf die Freuden des Himmels und auf das Ave Maria gerichtet. Und sie fing an mit ihnen zu rufen: „Herr, erbarme dich über uns und mach, dass unsere Freunde uns helfen!“ Sie fing auch an zu rufen: „Liebe Freunde alle, denen ich etwas Gutes tat, erbarmt euch über mich und helft mir aus meinen Nöten!“ Und wenn nur einer ein Ave Maria sprach, so wurden alle – sie auch mit den anderen – so froh wie ein Mensch, dem man in seinem Durst einen Trunk frischen Wassers gibt. Da sie wieder zu sich selber kam, da half sie etlichen Seelen, die sie erkannt hatte. Sie betete noch immer lieber für sie als vorher, denn sie erkannte ihr Leiden wohl und dankte unserem Herrn dafür, dass er sie das große Fegfeuer nicht hatte empfinden lassen.“

Tausenden von Seelen hat ihr frommes, anhaltendes Gebet geholfen. Ganze Scharen von Sündern sind auf ihr Flehen hin von Gott mit der Gnade der Bekehrung bedacht worden und vielen Gerechten erwarb ihre Fürsprache die Gnade der Beharrlichkeit im Guten. Für unser Empfinden sind die Zahlen, die sie angibt, allzu groß. Doch wer will die Kraft der Bitte einer ganz in Gottesliebe glühenden Seele ermessen? Adelheid war eine solche Seele. Alles selbstsüchtige Wünschen war bei ihr verschwunden, sie lebte und dachte und wollte nur mehr in Gott. Als der Herr ihr die Wahl ließ, zu ihm gleich in den Himmel zu kommen oder weiter auf Erden für die Seelen zu beten, da überließ sie ihm die Entscheidung und betete, da er sie leben ließ, mit derselben Liebe weiter. „Mein Herz ist dein, das will ich dir geben. Du sollst mich bitten, um was du willst.“ So ist ihr Sinnen und Minnen. Wie innig, wie glühend ihre Liebe war, wie losgelöst von allem, auch vom Höchsten, was nicht Gott, zeigt folgendes Gebetchen, das ihre heilige Seele uns erschließt:

„Herr, der Himmel ist mir zu nichte.
Das Erdreich ist mir zu schwach.
Der Engel Trost, des acht ich nicht.
Der Menschen Trost will ich nicht.

Herr, hast du etwas Liebe zu mir,
Und hast du etwas acht auf mich,
So komme selber zu mir
Und sende mir keinen Boten,
Und küsse mich mit dem Kuss deines Mundes.“

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