Die Berufung kommt vom Himmel

Schon immer, nicht erst seit Desiderio Desideravi, möchte BerGOG die Katholiken entweder als subjektivistische Spiritualisten/egoistische Esoteriker oder als menschenverachtende Rigoristen, die sich im Sinne von Pelagius für sündenfrei und besser halten, diffamieren. In beiden Fällen will er insinuieren, dass die Traditionalisten in gewisser Weise Selbsterlöser seien, die sich seiner Autorität deshalb entziehen wollen. Diese ist ihm sehr wichtig. Hängt dieser Drang nach elitärer Macht mit der Tatsache zusammen, dass er Jesuit ist? Gleich mehr.

Die Unterstellungen BerGOGs zeigen, dass er die Berufung durch den Heiligen Geist nicht kennt. Ich bin Zeuge, dass Gott mich seit meiner frühen Kindheit berufen hat. Meine Familie war nicht besonders religiös. In diese säkulare, liberale und kommerzielle Welt hinein ruft mich Gott und dann aus ihr heraus. Das war niemals auf meinen Mist gewachsen. Dafür war ich selbst zu liberal und modern. Ich habe mich niemals danach gedrängt oder gesehnt. Es war immer der unsichtbare ER. Erst mal will der Berufene weglaufen, aber bald erkennt er, dass er immer schon ja gesagt und sich entsprechend gebunden hat. Es ist gleichursprüngliche Liebe. Sie war immer, sie ist, sie wird immer sein. Wenn ich nur eine Sekunde glauben würde, dass meine Religiosität ein Produkt meiner egoistischen Psyche wäre, würde ich sofort aufhören, religiös zu sein. Es wäre nicht redlich gegenüber der Wahrheit, gegenüber dem Begriff, gegenüber den Mitmenschen. Es gibt Menschen mit Prinzipien. Nicht jeder ist ein Konzilskleriker.

Nein, die traditionellen Katholiken werden direkt von Gott aus dem Himmel berufen. Wenn Er anklopft und sie Ihn einlassen, nimmt Er Wohnung in ihrer Seele. Sie sind weder Subjektivisten, Egoisten, Selbsterlöser, Rigoristen, Pelagianer oder sonst irgendetwas anderes, was sich moderne Schlauberger ausdenken könnten. Sie lieben einfach nur Gott und wollen Ihm nachfolgen, selbst wenn das Verfolgung und Verachtung beinhaltet. Der in ihnen wohnende Gott vereint sie, trotz ihrer je individuellen Verschiedenheit, und gliedert sie ein in die lebendige Gemeinschaft, die Seinen Leib konstituiert.

Er will Differenz. Die Gleichmacherei der jesuitischen Abstraktion, die aus den Katholiken ein Zombiekollektiv von nordkoreanischen Befehlsempfängern machen will, will Er gerade nicht. Noch einmal, Er will Differenz. Auch noch der letzte ausgestoßene Schnarcher in der hintersten Bank der Heiligen Messe aller Zeiten, der mit dem Leben nicht klar kommt, wird von Ihm sehr geliebt. Gerne schaut Er auf ihn. Das zombiehafte Rumturnen der gleichgeschalteten „erfolgreichen“ Katholiken im NOM ist Ihm dagegen verhasst. Zu sehr ist der kollektivistische Zwang ein Zeichen für das Ersetzen des nicht vorhandenen Heiligen Geistes durch die Macht des Herrn der Welt. Gerade deshalb liebt Er es, die Natur auszuhebeln. Er demütigt die Machtorientierung der Gottlosen, die sich immer auf ihre Herrschaft über die Natur berufen (vgl. Mk 11,12-14: „denn es war nicht die Zeit der Feigenernte.“). Ihr Wissenschaftsgläubigen, an eurer Stelle hätte ich Angst. Aber dazu seid ihr zu hochmütig und zu dumm.

Die Liebe Gottes ist furchtbar. Sie prüft unsere Hoffnung und unser blindes Vertrauen. Sie prüft nicht, was Arbeitgeber prüfen, ob wir rücksichtslos gierig sind und uns jederzeit holen können, was wir wollen. Deshalb ist Gott und Sein Reich für Machtmenschen weder sichtbar noch verfügbar, mit der Folge, dass diese das Heilige für eine nicht existente Spinnerei halten. Sie glauben nur an das, was sie kontrollieren und/oder was sie sich nehmen können.

Erinnern wir uns noch einmal an die ersten beiden Sätze der Dialektik der Aufklärung:

„Seit je hat Aufklärung im umfassendsten Sinn fortschreitenden Denkens das Ziel verfolgt, von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herren einzusetzen. Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils.“ Horkheimer und Adorno, Dialektik der Aufklärung, Frankfurt 2008, S. 9.

Damit sind alle neuzeitlichen, aufgeklärten und modernen Menschen Anbeter der Macht. Das gilt besonders auch für die Jesuiten, ein Orden der Neuzeit und der Aufklärung. Sie sind entsprechend elitär, ihre Kirchen abstrakt und ihr Kruzifix weicht einem mathematischen goldenen Rechteck. Sie ersetzen den mittelalterlichen Heiligen Geist (für sie Aberglaube) durch ihre kollektivistischen und gleichschaltenden Disziplinierungsmaßnahmen.

Weil sie nicht an die unsterbliche Seele glauben, verstehen sie auch nicht, warum Milliarden von Menschen in die Hölle gehen. Natürlich sind fast alle von ihnen gute und liebe Menschen. Aber Gott prüft nicht die selbstgesetzte Mitmenschlichkeit ihrer Vernunft oder ihres Selbstbewusstseins. Er prüft die bedingungslose Bereitschaft ihrer unsterblichen Seelen, sich Ihm bedingungslos zu unterwerfen. Die besten und liebsten Menschen gehen in die Hölle. Es macht fast wahnsinnig. Gott ist nicht lieb.

Demnächst mehr.