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Was ist ein Bürger?

"Wenn einer, der mit Mühe kaum gekrochen ist auf einen Baum, Schon meint, dass er ein Vogel wär, So irrt sich der. . ."

Heute ist offiziell jeder Bewohner Deutschlands, der die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, Bürger des Landes, unabhängig von seinem Geschlecht, seinem Besitz, seinem Beruf oder seinem gesellschaftlichen Stand.

Dieser Umstand negiert die deutsche Tradition und zeitigt entsprechende gesellschaftliche Folgen!

Nicht immer nämlich durften sich alle Bewohner eines Landes oder einer Stadt als Bürger bezeichnen. Das Wort leitet sich von althochdeutschen Wort "burga" ab, was soviel wie "Schutz" bedeutet.

Damit ist auch schon das wichtigste Recht beschrieben, was die Bürger des Mittelalters hatten: Diese lebten im Umkreis einer Burg und durften sich bei drohender Gefahr hinter die schützenden Mauern des Burgherrn zurückziehen.

Auch heute noch gebraucht man den Begriff Bürgertum, um die so genannte Mittelschicht zu beschreiben, in der sich gesellschaftliche Gruppen beispielsweise in ihrer Lebensweise, ihrem Besitz, ihrer Bildung und/ oder ihrer Berufsgruppe unterscheiden. So spricht man zum Beispiel von "Bildungsbürgertum", um die Gesellschaftsschicht mit "guter Bildung" zu bezeichnen oder auch eher abfällig vom Spießbürgertum, was auf als besonders engstirnig, angepasst oder rückschrittlich empfundene Personen und Gesellschaftsgruppen abzielt.

Mit dem Begriff "Bürger" wurden im Laufe der Geschichte immer Menschen mit unterschiedlichen Rechten und Pflichten beschrieben. Das erste Mal tauchten ähnliche Bezeichnungen in der Antike auf. Während im alten Griechenland ein "Bürger" ("Polites" auf Altgriechisch) Bewohner einer Stadt war und sich von anderen Einwohnern durch seine Teilnahme an Gerichtshöfen und in der Vollversammlung der Stadt unterschied, musste ein römische Bürger ("Civis") zunächst nur Einwohner der Stadt Rom sein.

Nachdem das römische Reich sich immer weiter ausgedehnt hatte, erhielten auch andere Menschengruppen im ganzen Reich das Bürgerrecht - jedoch nur, wenn sie männlich waren. Ein Bürgerrecht im alten Rom wurde entweder vererbt oder einem Mann verliehen, wenn er sich verdient gemacht hatte.
Ein römischer Bürger der Republik hatte das Recht zu wählen, zu heiraten und sich selbst vor Gericht verteidigen zu dürfen. Zur größten Pflicht gehörte es, dass ein Bürger der Legion beizutreten hatte. Mit dem Beginn der römischen Kaiserzeit (27 vor Christus) wurde das Wahlrecht abgeschafft und der Bürger hatte kein Möglichkeit auf politische Mitbestimmung mehr.

Ab dem frühen Mittelalter gehörten Menschen zum Bürgertum, die über Grundbesitz innerhalb einer Stadt oder einer Gemeinde verfügten. Dazu zählten große Immobilien, für die die Bürger die Grundsteuer bezahlen mussten. Eine andere Voraussetzungen war, dass man von verheirateten Eltern geboren sein und ein Mindestvermögen besitzen musste. Da zu dieser Zeit nicht viele Menschen über solch großen Grundbesitz und hohes Vermögen verfügten, war die Anzahl der Bürger zu jener Zeit recht klein.

Alle anderen Bewohner wurden schlicht "Einwohner" genannt. Verlor man den Grundbesitz, auf dem sich das Bürgerrecht berief, hatte man auch nicht mehr das Recht, ein Bürger zu sein.

Neben dem Recht auf Schutz in den Burgen und Städten, hatten die Bürger des Mittelalters auch einige Pflichten. Dazu gehörten die
Abgabe von Steuern oder
die Pflicht, sich dem Wehrdienst oder den Wachen anschließen zu müssen.

Im Laufe des 11. Jahrhunderts begann sich die sogenannte Ständegesellschaft zu entwickeln, in der die Gesellschaft in mehrere soziale Klassen eingeteilt war. Zum Bürgertum, dem "dritten Stand", gehörten die Bürger, zu denen nun auch Bauern werden konnten, nachdem sie in die Städte gezogen waren und dort mindestens ein Jahr gelebt hatten.

Das volle Bürgerrecht erhielt man jedoch erst, wenn man begann, Steuern zu zahlen und den sonstigen Pflichten nachgehen konnte.

Dennoch fingen viele Menschen in dieser Zeit an, ihr Glück in den Städten zu suchen, so dass der Stand der Bürger zum größten der mittelalterlichen Gesellschaft werden konnte.

Leider haben viele in sozialistischen Diktaturen geprägte Einwohner Deutschlands kein natürliches Bewusstsein mehr für Vieles, was mit der Tradition des deutschen Bürgertums verbunden ist. Diesem Umstand ist der obenstehende Text gewidmet. Das Studium vertiefender Lektüre ist ausdrücklich erwünscht!

Besonders empfehlenswert u. a. Texte über und von folgenden Persönlichkeiten:
Thomas und Golo Mann, Joachim Fest, Karl Marx, Gustave Flaubert, Marcel Proust, Arthur Schopenhauer, Jakob Fugger, Theodor Fontane, Wilhelm Busch u.v.a.
Textempfehlung:
Kocka, Jürgen Book Part Bürgertum und bürgerliche Gesellschaft im 19. Jahrhundert: europäische Entwicklungen und deutsche Eigenarten
Zitat: Wilhelm Busch, deutscher Zeichner und Dichter (1832-1908)
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Da es in Deutschland keine Bürgerrechte und kein Bürgertum mehr gibt, gibt es auch keine deutschen Bürger mehr.
Aus diesem Grunde wurde auch der letzte Rest abgeschafft und das war die Wehrpflicht, zu der auch der Zivil- und Katastrophenschutz gehört. Auch der zivile Ersatzdienst (Sozialdienst) muss dazu genommen werden.
Josef aus Ebersberg
Es gibt nach wie vor ein Bürgertum in Deutschland, heute auch Mittelschicht oder Mittelstand genannt. Wenn ein junger Mann oder eine junge Frau aus einer bürgerlichen Familie kommt, weiß jeder, was gemeint ist. Mit der Wehrpflicht haben Sie natürlich recht, @Carlus! Das war eine der Großtaten unseres fränkischen Adelssprosses von Guttenberg. Seinem Vater hat das sicher nicht gefallen. Ich …More
Es gibt nach wie vor ein Bürgertum in Deutschland, heute auch Mittelschicht oder Mittelstand genannt. Wenn ein junger Mann oder eine junge Frau aus einer bürgerlichen Familie kommt, weiß jeder, was gemeint ist. Mit der Wehrpflicht haben Sie natürlich recht, @Carlus! Das war eine der Großtaten unseres fränkischen Adelssprosses von Guttenberg. Seinem Vater hat das sicher nicht gefallen. Ich hoffe sehr, dass es aus Gründen des gesellschaftlichen Zusammenhaltes künftig wieder eine Dienstpflicht, auf Wunsch auch mit Waffenausbildung, gibt. Für Männlein und Weiblein. Dann können die jungen Leute ein oder anderthalb Jahre ihre Kraft im Dienst für die Gemeinschaft und weniger auf der Straße oder an PC oder Handy ausleben.