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Päpstliche Bibelkommission: Bibeltreue ist gefährlich!

Von Thomas Schirrmacher

Die Päpstliche Bibelkommission erhob 1993 in ihrem Sendschreiben ‚Die Interpretation der Bibel in der Kirche ‘ [1] die historisch-kritische Methode in kanonischen Rang, billigte damit auch alle aus ihr hervorgegangenen Methoden wie etwa auch die feministische Exegese, verurteilte aber die evangelikale Schriftauslegung als einzige als dumm und gefährlich. [2] Zur historisch-kritischen Methode heißt es:

„Die historisch-kritische Methode ist die unerläßliche Methode für die wissenschaftliche Erforschung des Sinnes alter Texte. Da die Heilige Schrift als ‚Wort Gottes in menschlicher Sprache‘, in all ihren Teilen und Quellen von menschlichen Autoren verfaßt wurde, läßt ihr echtes Verständnis diese Methode nicht nur als legitim zu, sondern es erfordert auch ihre Anwendung.“ [3]

In dem vom Papst autorisierten Sendschreiben werden ungezählte Auslegungsmethoden beschrieben und gewürdigt, das heißt es wird auch dort, wo Kritik geübt wird, jeweils dargestellt, inwieweit sie doch einen wichtigen Aspekt betonen und einen nützlichen Beitrag leisten. Dies gilt selbst für die feministische Exegese, [4] die über weite Strecken gar nicht den Anspruch erhebt, wirklich eine korrektere historische Erfassung des ursprünglichen Textsinnes vorzulegen.

Doch je näher die Methoden einem fundamentalistischen Schriftverständnis kommen, desto kritischer werden sie gesehen, selbst wenn sie im historisch-kritischen Bereich hohes Ansehen genießen. So wird etwa der ‚kanonische Zugang‘ von Bervard S. Childs [5] zwar dargestellt, aber nicht besonders hervorgehoben, obwohl er doch dem katholischen Verständnis, alles aus der Sicht des kirchlichen Lehramtes zu sehen und nicht hinter die Entscheidung der Kirche zurückzugehen, sehr entgegenkommt.

Eine wirkliche und heftige Warnung enthält nur der Abschnitt „Der fundamentalistische Umgang mit der Heiligen Schrift“, [6] der ironischerweise der Empfehlung der feministischen Exegese folgt und der die gesamte evangelikale Exegese (nicht nur die fundamentalistische im engeren Sinne) in Bausch und Bogen verdammt und dieser und nur dieser nichts, aber auch gar nicht Gutes abgewinnen kann.

Verurteilt wird dabei wie üblich ein Zerrbild der evangelikalen Theologie. Nichts deutet darauf hin, dass man sie wie im Falle der anderen Richtungen überhaupt gründlicher studiert hat oder sich mit ihren Hermeneutiken, wissenschaftlichen Kommentarreihen oder zahllosen exegetischen Dissertationen vertraut gemacht hätte. Es wird zwar richtig festgestellt, dass die Bibel für Bibeltreue „frei von jeglichem Irrtum“ gehalten wird, aber fälschlich wird gesagt, dass die Bibel "bis in alle Einzelheiten wortwörtlich interpretiert werden muß".[7] Diese Sicht gilt – und selbst das nur bedingt und für die Vergangenheit – im evangelikalen Bereich im besten Fall für den älteren Dispensationalismus (obwohl auch er letztlich nur forderte ‚So wörtlich wie möglich‘) und weit außerhalb des evangelikalen Bereiches für einige Sekten wie die Zeugen Jehovas, nicht jedoch für den breiten Strom lutherischer, reformierter, baptistischer, methodistischer, brüdergemeindlicher oder anderer Evangelikaler.

Wir wollen im Folgenden die zentralen Aussagen über das bibeltreue Schriftverständnis zusammenstellen und dann geschlossen kommentieren.

„Der fundamentalistische Umgang mit der Heiligen Schrift hat seine Wurzeln in der Zeit der Reformation, wo man dafür kämpfte, dem Literalsinn der Heiligen Schrift treu zu bleiben. Obschon der Fundamentalismus mit Recht auf der göttlichen Inspiration der Bibel, der Irrtumslosigkeit des Wortes Gottes und den anderen biblischen Wahrheiten insistiert, die in den fünf genannten Grundsätzen enthalten sind, so wurzelt seine Art, diese Wahrheiten darzulegen, doch in einer Ideologie, die nicht biblisch ist, mögen ihre Vertreter auch noch so sehr das Gegenteil behaupten. Denn diese verlangt ein totales Einverständnis mit starren doktrinären Haltungen und fordert als einzige Quelle der Lehre im Hinblick auf das christliche Leben und Heil eine Lektüre der Bibel, die jegliches kritisches Fragen und Forschen ablehnt.“ [8]

„Das Grundproblem dieses fundamentalistischen Umgangs mit der Heiligen Schrift besteht darin, dass er den geschichtlichen Charakter der biblischen Offenbarung ablehnt und daher unfähig wird, die Wahrheit der Menschwerdung selbst voll anzunehmen.“ [9]

„Dem Fundamentalismus kann man auch eine Tendenz zu geistiger Enge nicht absprechen. Er erachtet z. B. eine alte vergangene Kosmologie, weil man sie in der Bibel findet, als übereinstimmend mit der Realität. Dies verhindert jeglichen Dialog mit einer offenen Auffassung der Beziehungen zwischen Kultur und Glauben. Er stützt sich auf eine unkritische Interpretation gewisser Bibeltexte, um politische Ideen und soziales Verhalten zu rechtfertigen, das von Vorurteilen gekennzeichnet ist, die ganz einfach im klaren Gegensatz zum Evangelium stehen, wie z. B. Rassendiskrimination und dgl. mehr.“ [10]

„Und schließlich trennt der Fundamentalismus die Interpretation der Bibel von der Tradition, weil er auf dem Prinzip der ‚sola scriptura‘ beruht. Die Tradition, die vom Geist Gottes geführt wird, entwickelt sich jedoch innerhalb der Glaubensgemeinschaft organisch aus der Heiligen Schrift heraus. Es fehlt dem Fundamentalismus die Erkenntnis, dass das Neue Testament in der christlichen Kirche entstanden ist und dass es die Heilige Schrift dieser Kirche ist, deren Existenz der Abfassung ihrer Schriften schon vorausging. Aus diesem Grund ist der Fundamentalismus oft ‚antikirchlich‘.“ [11]

„Der fundamentalistische Zugang ist gefährlich, denn er zieht Personen an, die auf ihre Lebensprobleme biblische Antworten suchen. Er kann sie täuschen, indem er ihnen fromme, aber illusorische Interpretationen anbietet, statt ihnen zu sagen, dass die Bibel nicht unbedingt sofortige, direkte Antworten auf jedes dieser Probleme bereithält. Ohne es zu sagen, lädt der Fundamentalismus doch zu einer Form der Selbstaufgabe des Denkens ein. Er gibt eine trügerische Sicherheit, indem er unbewußt die menschlichen Grenzen der biblischen Botschaft mit dem göttlichen Inhalt dieser Botschaft verwechseln.“ [12]

Das muss man sich nochmals auf der Zunge zergehen lassen: „Der fundamentalistische Zugang ist gefährlich, denn er zieht Personen an, die auf ihre Lebensprobleme biblische Antworten suchen.“ Evangelikale Christen können das nur als Kompliment verstehen! Ich möchte hinzufügen: Wie schön, wenn das für alle Evangelikalen durchgängig wirklich gelten würde! Was die Kommission allerdings verschweigt, ist die Frage, ob die Bibel nicht gerade von ihrem Selbstverständnis her das Ziel hat, Menschen in Nöten Gottes Hilfe anzubieten, grundsätzlich – denn das Hauptproblem ist der fehlende Friede mit Gott – als auch in konkreten Fragen, die die Bibel anspricht (2Tim 3,16-17; Röm 12,1-2; Röm 5,1-2). Und gehört nicht auch das Buch der Sprüche mit seinen Lebensweisheiten zur Bibel, um nur ein Beispiel zu nennen.

Nicht nur „gefährlich“ sind wir, sondern wir praktizieren auch eine „Form der Selbstaufgabe des Denkens“. Wer die Macht hat, kann natürlich alles behaupten, und mit jemandem zu diskutieren, der gar nicht denkt, ist natürlich mühsam, aber eine solche Behauptung wird alleine schon den Abertausenden von Sachbüchern, Lexika, wissenschaftlichen Werken und theologischen aus evangelikaler Feder, sowie den evangelikalen theologischen Hochschulen in aller Welt nicht gerecht.

Und schließlich verwechseln wir „die menschlichen Grenzen der biblischen Botschaft mit dem göttlichen Inhalt dieser Botschaft“. Beim unfehlbaren päpstlichen Lehramt lehrt die katholische Kirche, dass der ex cathedra erklärte Wille des Papstes für die Menschen mit dem Willen Gottes identisch ist. Wenn wir davon ausgehen, dass die irdische Form der Schrift der Weg ist, wie Gott sich uns offenbart, ist das aber aus Prinzip gefährlich.

Die Kommission hat recht, dass das evangelikale Bibelverständnis in der „Reformation“ und im „sola scriptura“ wurzelt. Aber es ist schon erstaunlich, dass man alle Arten der Bibelauslegung stehen lässt, aber plötzlich von „nicht biblisch“ redet, von „antikirchlich“ (das ist die feminitische Exegese wohl nicht?), „starrer doktrinärer Haltung“ (ist die der katholischen Kirche fremd?) „Tendenz zu geistiger Enge“ (gibt es die nur dort oder ist sie nicht einfach menschlich?), „verhindert jeden Dialog“, ja „gefährlich“, „illusorisch“, „trügerisch“ und zu einer „Form der Selbstaufgabe des Denkens“ führend.

Nun will ich ja gar nicht behaupten, dass es nicht Fundamentalisten im weitesten Sinne gibt, auf die einige dieser Elemente zutreffen, zumindest wenn man Zeugen Jehovas, allerlei Sekten, alle evangelikalen Richtungen von Brüdergemeinden über Pfingstler bis hin zu Lutheranern und Reformierten in einen Topf wirft. Dazu möchte ich jedoch anmerken: Erstens gibt es solche Tendenzen überall, aber keiner anderen Auslegungsart werden sie vorgeworfen, zweitens ist die katholische Kirche mindestens ebenso doktrinär, nur eben nicht mit dem biblischen Text, sondern mit dem päpstlichen Lehramt, drittens hat die katholische Kirche bei allen Auslegungsunterschieden diese Auslegungsmethode selbst 1800 Jahre betrieben und noch 1943 in der Enzyklika zum Bibelstudium von Papst Pius XII. erbittert verteidigt.

Aufs Ganze gesehen handelt es sich hier aber um ein ideologisch verzerrtes Bild der umfangreichen evangelikalen Forschungsarbeit am biblischen Text. Da die Lobby der historisch-kritischen Theologie auch in Rom längst das Monopol hat, erfolgt hier eine Abrechnung mit der Konkurrenz, nicht aber ein ernsthafter Versuch, das Anliegen evangelikaler, bibeltreuer Theologen zu verstehen, wie man es selbst mit der feministischen Exegese und anderen merkwürdigen Umgängen mit der Schrift tut.

Die Bibelkommission [13] versucht dabei ebenso wie Papst Johannes Paul II. [14] und Kardinal Joseph Ratzinger [15] den tiefen Widerspruch zwischen den beiden päpstlichen Enzykliken, zu deren Jubiläen das Sendschreiben erschienen ist, zu überspielen. 1893 veröffentlichte Papst Leo XIII. nämlich seine Enzyklika gegen den Modernismus und die Bibelkritik, [16] 1943 veröffentlichte Papst Pius XII. seine Enzyklika zum Bibelstudium, die eine offizielle Anerkennung der von seinem Vorgänger verworfenen historisch-kritischen Methoden vollzog. Der Papst selbst schreibt:

„Zunächst ist zwischen diesen beiden Dokumenten ein wichtiger Unterschied festzustellen. Es geht um den polemischen, oder genauer gesagt, apologetischen Teil der beiden Enzykliken. Beide zeigen nämlich das Anliegen, auf Angriffe gegen die katholische Interpretation der Bibel zu antworten, doch gingen diese Angriffe nicht in die gleiche Richtung.

Providentissimus Deus einerseits will die katholische Interpretation der Bibel vor allem gegen die Angriffe der rationalistischen Wissenschaft in Schutz nehmen; Divino afflante Spiritu anderseits will mehr die katholische Interpretation gegen Angriffe verteidigen, die sich der Verwendung der Wissenschaft durch die Exegeten entgegenstellen und eine nicht wissenschaftliche, sogenannte ‚spirituelle‘ Interpretation der heiligen Schriften durchsetzen wollten.“ [17]

Fakt ist doch aber, dass die Katholische Kirche jeden Gedanken an die Verwerfungen und Warnungen der Enzyklika von 1893 über Bord geworfen hat und jede Art des historisch-kritischen Umgangs mit der Bibel lobt, mit Ausnahme der Ansätze, die die Bibel auch im Wortlaut für Gottes Wort halten oder das Wort Gottes über die Tradition und die Auslegungswissenschaft stellen. Und das, obwohl das Bekenntnis, dass die Bibel das vom Heiligen Geist inspirierte Wort Gottes ist, nie aufgehoben wurde und nach wie vor zum unfehlbaren Lehrbestand der katholischen Kirche gehört. Auch wenn der Katechismus der Katholischen Kirche [18] die Gleichwertigkeit der Offenbarung in Schrift und Tradition betont (KKK 80-83) und beide ‚Wort Gottes‘ nennt (KKK 85+97), auch wenn sie betont, dass dem Lehramt der Kirche die einzige authentische Auslegung dieser beiden Teile des Wortes Gottes gestattet ist (KKK 85-88; vgl. 77), so gilt dennoch, dass das Lehramt nicht über dem Wort Gottes steht (KKK 86), so gilt doch ebenso, dass mit dem Neuen Testament die Offenbarung Gottes abgeschlossen ist (KKK 66-67) und „keine neue öffentliche Offenbarung zu erwarten ist“ (KK 66, aus der Konstitution des 2. Vatikanischen Konzils ‚Dei verbi‘) und dass Gott der Autor der Heiligen Schrift ist (KKK 105; vgl. 105-110). Da Gott durch seinen Geist die menschlichen Verfasser inspiriert hat (KKK 106+109), gilt – man höre und staune!:

„Die inspirierten Bücher lehren die Wahrheit: Da also all das, was die inspirierten Verfasser oder Hagiographen aussagen, als vom Heiligen Geist ausgesagt gelten muß, ist von den Büchern der Schrift zu bekennen, dass sie sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte“ (KKK 107, wieder aus ‚Dei verbi‘ zitiert).

Und in Deutschland haben auch die katholischen Bischöfe folgender ökumenischer Erklärung zugestimmt:

1. Unser Glaube

Wir Christen glauben an den dreieinen Gott. Wir vernehmen sein Wort in den heiligen Schriften des Alten und Neuen Testamentes. Diese bezeugen authentisch, was Gott sagt und tut.

‚Durch sein Wort hat Gott die Welt erschaffen (Gen 1); er hat sich seinem Volk im Alten Testament offenbart im Wort des Gesetzes und durch die Propheten (vgl. Hebr 1,1 f); er hat uns neu geschaffen zu seinem Volk durch sein Wort (1 Petr 1,23-25; Jak 1,18); sein Wort verkündigt die Erfüllung aller Verheißungen ... In der Mitte der Offenbarung Gottes im Wort steht der Sohn, der Gekreuzigte und Auferstandene. Er selbst ist Gottes Wort von Ewigkeit her (Joh 1,1; vgl. Hebr 1,2) und als geschichtliche Person, in der das richtende und neuschaffende Wirken des dreieinigen Gottes zum Ziel kommt. Joh 1,14; vgl. 2 Kor 1,20; Offb 19,11 ff) …

Wir nennen gemeinsam die Heilige Schrift Gottes Wort, weil in ihr das Zeugnis der Propheten und Apostel, die Gott mit seinem Wort betraut hat, gültig zusammengefaßt ist...

Die Rede von der Heiligen Schrift als Gottes Wort wird im Neuen Testament selbst bezeugt; sie hat ihren Ursprung im Wort Gottes als lebendiger Verkündigung, vor allem in der Verkündigung des Evangeliums (1 Thess 2,13; 2Petr 1,16-21; vgl. 2 Tim 3,13-17). Gerade so hat sie in der Geschichte der Kirche ihre Kraft und Gültigkeit erwiesen.‘

In diesem Sinn hat die Heilige Schrift als Wort des dreieinen Gottes zu gelten, durch welches er als Richter und Retter vollmächtig wirkt. Ihren primären Ort hat die Schrift im Gottesdienst der christlichen Gemeinde; hier übt sie ihre geistliche Wirkung aus, durch die Gemeinde gesammelt, erbaut und vollendet wird.“ [19]
__________

Fußnoten
[1] Päpstliche Bibelkommission. Die Interpretation der Bibel in der Kirche. 23.4.1993. Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 115. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz: Bonn, 19962. Vergriffen, steht aber unter www.dbk.de als pdf-file zum Download zur Verfügung. Die lateinische Originalfassung und andere Übersetzungen finden sich unter www.vatican.org.
[2] Vgl. dazu erstmals Thomas Schirrmacher. Eugen Drewermann und der Buddhismus. VTR: Nürnberg, 20001; 20022. S. 6-13
[3] Päpstliche Bibelkommission. Die Interpretation der Bibel in der Kirche. a. a. O. S. 30
[4] Ebd. S. 58-60
[5] Ebd. S. 44-45
[6] Ebd. S. 61-63
[7] Ebd. S. 61
[8] Ebd.
[9] Ebd. S. 62
[10] Ebd. S. 63
[11] Ebd. S. 63
[12] Ebd. S. 63
[13] Ebd. S. 26-28
[14] Johannes Paul II. „Ansprache über die Interpretation der Bibel in der Kirche“. S. 7-20 in: Päpstliche Bibelkommission. Die Interpretation der Bibel in der Kirche. 23.4.1993. Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 115. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz: Bonn, 19962. S. 7+9-16
[15] Päpstliche Bibelkommission. Die Interpretation der Bibel in der Kirche. a. a. O. S. 23-24
[16] Diese Enzyklika führte schließlich zum sog. Antimodernistenstreit, d. h. Streit um den Antimodernisteneid, ein von Papst Pius X. 1910 eingeführtes Bekenntnis gegen den Modernismus, auf das alle katholischen Geistlichen einen Eid gegen liberale Tendenzen in der katholischen Kirche und Theologie, vor allem im Bereich der Papstkritik und der Bibelkritik, abzulegen hatten. 1967 wurde der Antimodernisteneid abgeschafft.
[17] Johannes Paul II. „Ansprache über die Interpretation der Bibel in der Kirche“. a. a. O. S. 9
[18] Katechismus der katholischen Kirche. München u. a.: Oldenbourg Verlag, Benno Verlag, Paulusverlag, Veritas, 1993 – zitiert KKK + Paragraph
[19] Gemeinsame Erklärung des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen“. S. 371-397 in: Wolfhart Pannenberg, Theodor Schneider (Hg.). Verbindliches Zeugnis I: Kanon – Schrift – Tradition. Dialog der Kirchen 7. Herder: Freiburg & Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen, 1992. S. 371-372, unter Verwendung einer Erklärung von 1984, der die Deutsche Bischofskonferenz und die Vereinigten Ev.-Lutherischen Kirchen Deutschlands (VELKD) zugestimmt haben.

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Quelle:
cms.bibelbund.de/…/676-die-paepstl…
www.thomasschirrmacher.info/…/schirrmacherbg2…
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Christoph Heger
Lieber Gunther,
da gibt es, glaube ich, gar keine Meinungsverschiedenheit zwischen uns.

Mit dem von Dir angeführten Beispiel des Jahres 70 kann - und wird, so weit ich weiß, auch - genau anders herum argumentiert werden: Wenn zum Beispiel die Apostelgeschichte erst nach dem Jahr 70 verfaßt worden wäre, müßte Lukas ja ziemlich gedankenlos gewesen sein, daß er dieses Ereignis nicht als Bestätigung…More
Lieber Gunther,
da gibt es, glaube ich, gar keine Meinungsverschiedenheit zwischen uns.

Mit dem von Dir angeführten Beispiel des Jahres 70 kann - und wird, so weit ich weiß, auch - genau anders herum argumentiert werden: Wenn zum Beispiel die Apostelgeschichte erst nach dem Jahr 70 verfaßt worden wäre, müßte Lukas ja ziemlich gedankenlos gewesen sein, daß er dieses Ereignis nicht als Bestätigung der Prophezeiungen Jesu gewürdigt und die seine Apostelgeschichte ohne dramatischen Schlußakkord beendet hat.

Es ist natürlich auch lächerlich, wenn die historisch-kritische Methode alles für unhistorisch und unglaubwürdig hält, wenn dabei von Wundern berichtet wird. Diese Pseudo-Naturwissenschaftler haben noch nicht begriffen, was Eugen Wigner, ein Jude aus Ungarn und Träger des Nobelpreises für Physik, einmal mit der gebotenen Klarheit und Kürze gesagt hat: Gegenstand der Naturwissenschaft ist nicht die Natur, sondern das Regelmäßige in der Natur. Sie kann kein Urteil darüber abgeben, ob es nicht auch in der Natur Unregelmäßiges gibt. Diese Aussage ist unbestreitbar, denn die exakten Naturwissenschaften berücksichtigen erklärtermaßen nur das, was im Experiment immer wieder wiederholbar ist.

Also, was an der historisch-kritischen Methode zu rügen ist, sind gewisse unkritisch vorausgesetzte Annahmen.
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Lieber Christoph,
die historisch-kritische Methode wurde im 18.-19. Jh. entwickelt zur Untersuchung historischer Texte, besonders (aber nicht nur) der Bibel. Als solche gibt es sie einfach und kann sie nicht ignoriert werden.
Jedoch macht diese Methode Voraussetzungen, die der Bibel als Wort Gottes (wenn wir daran glauben) nicht gerecht werden.
Beispiel: Die synoptischen Evangelien werden von …More
Lieber Christoph,
die historisch-kritische Methode wurde im 18.-19. Jh. entwickelt zur Untersuchung historischer Texte, besonders (aber nicht nur) der Bibel. Als solche gibt es sie einfach und kann sie nicht ignoriert werden.
Jedoch macht diese Methode Voraussetzungen, die der Bibel als Wort Gottes (wenn wir daran glauben) nicht gerecht werden.
Beispiel: Die synoptischen Evangelien werden von den Gelehrten der historisch-kritischen Methode, entgegen dem Zeugnis der Tradition, auf das Jahr 70 oder später datiert. Warum? In diesem Jahr wurde der Jerusalemer Tempel zerstört. Da in den Evangelien die Tempelzerstörung prophezeit wird (von Jesus), können die Evangelien, so die historische Kritik, frühestens im Jahre 70 geschrieben sein, wahrscheinlich aber später. Die stillschweigend gemachte "wissenschaftliche" Voraussetzung für diesen Schluss ist, dass es keine echte, von Gott kommende Prophetie gibt und dass Jesus die Tempelprophezeiung von den Verfassern der (angeblich pseudoepigraphischen) Evangelien in den Mund gelegt worden sei.
Isaias 7:14 sehe ich als exegetisches Problem, das unter Zuhilfenahme der klassischen und semitischen Philologie und der Geschichts- und Kulturwissenschaft gelöst werden kann. Auch die nicht ausgesprochen historisch-kritische Exegese (wie etwa von bibeltreuen Evangelikalen betrieben) berücksichtigt den geschichtlichen, kulturellen, geographischen, sozialen, literarischen ... Kontext der Bibeltexte.
Christoph Heger
Wiewohl mir die Übertreibungen der Anwender der "historisch-kritischen Methode" nicht ganz unbekannt sind, halte ich die Vernachlässigung dieser Methode für falsch, zumal ich seit langem verfolge, wie aufklärend sie in der Koran- und Frühislamforschung ist, nachdem man sie dort jahrzehntelang in geradezu unverständlichem Maße vernachlässigt hat. Tatsächlich scheint sie mir auch in der AT- und NT-…More
Wiewohl mir die Übertreibungen der Anwender der "historisch-kritischen Methode" nicht ganz unbekannt sind, halte ich die Vernachlässigung dieser Methode für falsch, zumal ich seit langem verfolge, wie aufklärend sie in der Koran- und Frühislamforschung ist, nachdem man sie dort jahrzehntelang in geradezu unverständlichem Maße vernachlässigt hat. Tatsächlich scheint sie mir auch in der AT- und NT-Auslegung zur Absicherung der faktischen Grundlagen einer dann einsetzenden theologischen Auslegung unentbehrlich.

Ich darf dazu auf ein hier schon einmal diskutiertes Beispiel verweisen. Seit den Tagen der Spätantike ist die kirchliche Lesung von Isaias 7:14 im Sinne von "Siehe, die Jungfrau wird empfangen ..." bestritten worden. Tatsächlich hat aber die "historisch-kritische Methode", also semitische Philologie und Archäologie, diese Lesung bestätigt. Wie hätte man sie sonst bestätigen können?
Auch zu diesem Thema:
"Ökumene - biblische und unbiblische Einheit". Vortrag von Dr. Lothar Gassmann:
m.youtube.com/watch
Josefine
@Gunther Maria Michel: Viel konnte ich leider nicht darüber ausfindig machen. Ich kann mich eigentlich nur auf das stützen was Prof. Veith im 2. Teil des Videos darüber sagt.
Es ist ja eine Tatsache, dass Bischof Eusebius nicht an die Wesensgleichheit Jesu Christi mit dem Vater glaubte, aber ausgerechnet er wurde damit beauftragt.

mb-soft.com/believe/tgx/eusebius.htm

www.youtube.com/watch…More
@Gunther Maria Michel: Viel konnte ich leider nicht darüber ausfindig machen. Ich kann mich eigentlich nur auf das stützen was Prof. Veith im 2. Teil des Videos darüber sagt.
Es ist ja eine Tatsache, dass Bischof Eusebius nicht an die Wesensgleichheit Jesu Christi mit dem Vater glaubte, aber ausgerechnet er wurde damit beauftragt.

mb-soft.com/believe/tgx/eusebius.htm

www.youtube.com/watch
Josefine
Von einem solchen Ansinnen Kaiser Konstantins höre ich zum ersten Mal. Haben Sie dafür eine Quelle? Dass Konstantin kein Unschuldslamm war und sich erst kurz vor dem Sterben taufen ließ, ist bekannt. Andererseits wird ihm auch manches ungerecht angehängt.
Josefine
Das richtige Zitat von Prof. Walter Veith lautet: "Dafür wollten sie Ihn steinigen, und dafür würden sie Ihn auch heute steinigen." Joh. 10,22-41
Interessant in diesem Video, im 2. Teil, ist auch seine Aussage, dass Kaiser Konstantin 331 A.D. wegen Streitigkeiten mit verschiedenen Religionsanhängern befahl, dass eine ökumenische Bibel geschrieben werden sollte, um die "Problemtexte", die Jesus …More
Das richtige Zitat von Prof. Walter Veith lautet: "Dafür wollten sie Ihn steinigen, und dafür würden sie Ihn auch heute steinigen." Joh. 10,22-41
Interessant in diesem Video, im 2. Teil, ist auch seine Aussage, dass Kaiser Konstantin 331 A.D. wegen Streitigkeiten mit verschiedenen Religionsanhängern befahl, dass eine ökumenische Bibel geschrieben werden sollte, um die "Problemtexte", die Jesus Christus als Alleinerlöser herhorheben, zu entfernen.
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Josefine
"Die Bibel ist das Wort Gottes... Jesus Christus wird in der Bibel dargestellt als unser
Mittler, Erlöser, Schöpfer, Wiederhersteller, und unser Gott.
Er ist dem Vater gleich: "Ich und der Vater sind eins."
Dafür wollten Ihn die damaligen Juden steinigen. Da Jesus der einzigste Erlöser ist, sagte Er: "Ich bin der Weg, und die Wahrheit, und das Leben! Niemand kommt zum
Vater, denn durch Mich!"
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"Die Bibel ist das Wort Gottes... Jesus Christus wird in der Bibel dargestellt als unser
Mittler, Erlöser, Schöpfer, Wiederhersteller, und unser Gott.
Er ist dem Vater gleich: "Ich und der Vater sind eins."
Dafür wollten Ihn die damaligen Juden steinigen. Da Jesus der einzigste Erlöser ist, sagte Er: "Ich bin der Weg, und die Wahrheit, und das Leben! Niemand kommt zum
Vater, denn durch Mich!"
Ein Riesenproblem für die Ökumene, denn wie soll man da die alle anderen "Religionen"
zusammenfügen?
Der einzigste Weg um das zu erreichen - ist, Jesus Christus herabzuschrauben auf das
Niveau jedes anderen Gründers dieser "Religionen".
Als Satan Ihn in der Wüste auf die Probe stellte, antwortete Jesus: "Es steht geschrieben, der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das von dem Mund Gottes ausgeht." Matthäus 4,4
"Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört, wenn jemand etwas hinzufügt, wird Gott ihm die Plagen zuführen, von denen in diesem Buche geschrieben ist...Und wenn jemand etwas hinwegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott wegnehmen seinen Anteil am Baum des Lebens und an der Heiligen Stadt, von denen in diesem Buche geschrieben steht." Offenbarung 22,18-19
Aus 'Kampf der Bibeln':
www.youtube.com/watch
Zum Beispiel das BUCH JONA !
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In der katholischen "Allioli-Bibel" (Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testamentes. Mit dem Texte der Vulgata, hrsg. Augustin Arndt S.J., Regensburg-Rom-New York, 10. Aufl. 1900, 2. Bd., S. 1119) lesen wir über das Buch Jonas:
"Jonas, der Sohn Amathis, wahrscheinlich derselbe, der 4. Kön. 14, 25. erwähnt wird, stammte aus Geth-…More
Zum Beispiel das BUCH JONA !
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In der katholischen "Allioli-Bibel" (Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testamentes. Mit dem Texte der Vulgata, hrsg. Augustin Arndt S.J., Regensburg-Rom-New York, 10. Aufl. 1900, 2. Bd., S. 1119) lesen wir über das Buch Jonas:
"Jonas, der Sohn Amathis, wahrscheinlich derselbe, der 4. Kön. 14, 25. erwähnt wird, stammte aus Geth-Opher im Stamme Zabulon, und war Bewohner des Reiches Israel [also des Nordreichs, das auch Galiläa umfasste; GMM], aber einer von denen, die sich zu dem wahren Gottesdienst in Jerusalem hielten. (2, 5. 8.) (...) Demnach scheint er vor Jeroboam (823 vor Christus) gelebt zu haben. In dem Büchlein, das wir von ihm haben, erzählt er die Geschichte seiner Sendung nach Ninive, um den Einwohnern dieser Weltstadt Buße zu predigen. (...) Der Unglaube der neuern Zeit hat in dem Buche bald das Wunderbare, bald das Benehmen des Propheten bei und während der Sendung, bald die Lücken der Erzählung als Vorwand gebraucht, die Wahrheit der erzählten Geschichte zu leugnen und darin nur eine Parabel zu sehen, in welcher der Verfasser diese oder jene Wahrheit (...) darstellen wollte; allein die Wahrheit der Geschichte wird durch das Buch Tobias 14, 6. und vorzüglich durch Christus selbst, der die Bekehrung der Niniviten auf Jonas Predigt als wirkliche Geschichte anerkennt (Matth. 12, 39.-41.), bestätigt. Juden und Christen haben das Büchlein von jeher zu den heiligen Schriften gerechnet, und das gesammte Alterthum hat Jonas selbst für den Verfasser gehalten. (...)"
Mit Imprimatur der deutschen Bischöfe und Approbation des hl. Papstes Pius X.
+++
In der katholischen "Einheitsübersetzung" (Freiburg-Basel-Wien 1980, S. 1048f) lesen wir:
"Das Buch Jona ist keine Prophetenschrift, sondern eine Lehrerzählung über den in 2 Kön 14, 25 erwähnten Propheten Jona. Der Verfasser ist unbekannt, ist aber wegen des Spätcharakters seiner Sprache und wegen der Bezugnahme auf die ihm bereits vorliegende Heilige Schrift unter den Schriftgelehrten des 4. bis 3. Jahrhunderts v. Chr. zu suchen. Diese theologisch außerordentlich bedeutsame Parabel will nicht historisch ausgelegt werden, weil sie offensichtlich jeden geschichtlichen Rahmen sprengt. (...) Auch Parabeln können, ähnlich wie die Gleichnisse Jesu im Neuen Testament, eine bedeutsame Gottesbotschaft verkünden. (...) Wenn Mt 12,41 und Lk 11,29-32 die Bekehrung der Niniviten als nachzuahmendes Beispiel hinstellen und Mt 12,40 die Erzählung von Jona im Bauch des Fisches auf Jesu Begräbnis und Auferstehung hindeuten läßt, folgt daraus nicht die Geschichtlichkeit des Buches Jona, vielmehr seine große theologische Bedeutung."
Mit (gutheißendem) Vorwort der deutschsprachigen Bischöfe bzw. Bischofskonferenzen
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Die Einleitung der Allioli-Bibel gibt den Glauben der Kirche seit dem Altertum wieder, mit dem hier die Position der heutigen bibeltreuen ("fundamentalistischen") Evangelikalen übereinstimmt, während die Einleitung der Einheitsübersetzung in zentralen Punkten das direkte Gegenteil behauptet, und zwar in genau den Punkten, die von den Bischöfen vor 100 Jahren als "Unglaube der neuern Zeit" benannt wurden!
Geschätzte Anhänger einer "Hermeneutik der Kontinuität": Wo ist hier die Kontinuität des Glaubens der katholischen Kirche?
Das Lehramt der römisch-katholischen Kirche seit dem 2. Vatikanum ist höchst fragwürdig. Hier im Forum geht es meistens um Liturgie und Ekklesiologie. Aber lest einmal diesen Artikel von Thomas Schirrmacher (Prof. DDr.) über das Dokument "Die Interpretation der Bibel in der Kirche" der Päpstlichen Bibelkommission von 1993. Auch traditionsverbundene Studenten der katholischen Theologie können …More
Das Lehramt der römisch-katholischen Kirche seit dem 2. Vatikanum ist höchst fragwürdig. Hier im Forum geht es meistens um Liturgie und Ekklesiologie. Aber lest einmal diesen Artikel von Thomas Schirrmacher (Prof. DDr.) über das Dokument "Die Interpretation der Bibel in der Kirche" der Päpstlichen Bibelkommission von 1993. Auch traditionsverbundene Studenten der katholischen Theologie können bestätigen, dass das, was heute in den Fakultäten über die Heilige Schrift gelehrt wird, im Widerspruch zu dem steht, was die Kirche früher darüber geglaubt und gelehrt hat.