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Iacobus
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50 Jahre II. Vatikanum: Runder Tisch des Grauens

"50 Jahre nach dem II. Vatikanischen Konzil. Wie aktuell sind die Ergebnisse?"
Wiener Vorlesung vom 9. Dezember 2013

Helmut Krätzl
:
Das II. Vatikanische Konzil hat eine tiefgreifende Wende für die katholische Kirche gebracht. Nach innen durch eine neue Sicht der Kirche als "Volk Gottes", Erneuerung der Liturgie und neue Prinzipien in der Ehelehre ("Verantwortete Elternschaft"). Nach außen durch eine Öffnung zu den anderen christlichen Kirchen (Ökumene) und ein verändertes Verhältnis zum Judentum und den Weltreligionen. Das Gewissen wird als letzte Norm persönlicher Entscheidungen gesehen und es wird weltweit Religionsfreiheit verlangt. Kirche und Welt sind nicht mehr in Konfrontation, sondern im Dialog. Das Konzil schuf die Voraussetzung für das interreligiöse Gespräch, verpflichtete die Kirche zum Einsatz für Freiheit und Würde des Menschen, unterstrich die Welt- und Schöpfungsverantwortung der Christen. Vieles hat das Konzil verändert, viel Potenzial ist aber noch nicht verwirklicht.

Hubert Feichtlbauer:
Die Grundphilosophie von Vaticanum II wäre nicht mehr umzubringen gewesen. Der neue Papst hat zusätzlich neue Perspektiven entfacht. Niemand kann sich vorstellen, dass alle Priester eines Tages wieder Messen murmelnd mit dem Rücken zum Volk "lesen" oder dass Katholiken die Teilnahme an nichtkatholischen Gottesdiensten wieder verboten und Nichtkatholiken die Hoffnung auf Rettung wieder genommen wird. Die Respektierung allgemein gültiger Menschenrechte kann von Rom nie mehr zurückgenommen werden. Papst Franziskus hat, indem er auch nur Binsenweisheiten aussprach (etwa, dass auch ein Papst nicht diktatorisch, sondern nur kollegial regieren kann und der Priesterzölibat kein Dogma ist), unglaubliche Bewegung in seine Kirche gebracht. Der neue Wind riecht nach Hoffnung und Freude.

Christine Haiden:
Als das Konzil 1962 begonnen hat, war ich gerade geboren. Ich kenne keine andere Kirche als die nachkonziliare. Die Fragen des Zweiten Vatikanums waren die Fragen von vor fünfzig Jahren. Dass vieles noch nicht umgesetzt ist, sollte beschämen, aber nicht der Maßstab für neue Fragen sein. Worum geht es für die Katholische Kirche heute? Wie ist Religiosität und Spiritualität in einer veränderten Welt überhaupt kommunizierbar? Hat Konfessionalität Zukunft? Sind christliche Lehren mit Erkenntnissen aus Naturwissenschaft und Religionswissenschaft noch kompatibel? Was kann es heute heißen, zu glauben, womöglich sogar an den christlichen Gott? Sind Gemeinschaften mit feudalen, vormodernen Strukturen überhaupt noch anschlussfähig? Oder bekommen Kirchen ohnehin nur mehr die Rolle der Barmherzigen Samariter, die alle Opfer einer zügellosen Weltwirtschaft auflesen und versorgen sollen? Die ständige Rückbesinnung auf das 2. Vatikanum scheint mir etwas wie eine Beschäftigungstherapie, ohne an den Kern der modernen Fragen zu kommen. Darüber sollten wir reden.

Veranstaltungsdetails
Im Rahmen der Veranstaltung wird em. Weihbischof DDr. Helmut Krätzl der Ehrenpreis des Viktor Frankl-Fonds der Stadt Wien zur Förderung einer sinnorientierten humanistischen Psychotherapie überreicht.

Vortrag: em. Weihbischof DDr. Helmut Krätzl
Anschließend im Gespräch:
Dr. Hubert Feichtlbauer
Dr.in Christine Haiden
Helmut Krätzl

Moderation: Univ.-Prof. Dr. Hubert Christian Ehalt

Datum: Montag, 9. Dezember 2013, 19 Uhr
Ort: ORF RadioKulturhaus, Großer Sendesaal, 4., Argentinierstraße 30a
Fahrplanauskunft

Anmeldungen: Telefon: 01 501 70 377
Kartenabholung eine halbe Stunde vor Beginn
Eine Veranstaltung in Kooperation mit Ö1 und ORF RadioKulturhaus
Iacobus
VIDEO-Mitschnitt der Veranstaltung
Josefine
Durch die obigen Aussagen der offensichtlich völlig glaubenslosen Relativisten und Materialisten, ist die Kirche Christi wahrscheinlich gar nicht in der Lage sie zur Wahrheit des christlichen Glaubens zu bewegen.
cyprian
Ach, das sind doch steinalte Gesichter. Das ganze Problem wird sich biologisch lösen. In Rom angefangen. Irgendwann ist jeder Rausch vorbei.
Plaisch
Die von Exzellenz beschworenen "Freiheiten" haben dazu geführt, dass mein Onkel das Priestertum aufgegeben hat und jetzt 90jährig ohne jeglichen geistlichen Beistand gestorben ist.

Frau Dr. Haiden hat recht, dass die ewige Rückbesinnung auf das Konzil die heutigen Fragen nicht löst.

Aber die Fragen, die sie stellt, sind rein soziologisch (oder was immer) und gehen am Wesen der Kirche vorbei: …More
Die von Exzellenz beschworenen "Freiheiten" haben dazu geführt, dass mein Onkel das Priestertum aufgegeben hat und jetzt 90jährig ohne jeglichen geistlichen Beistand gestorben ist.

Frau Dr. Haiden hat recht, dass die ewige Rückbesinnung auf das Konzil die heutigen Fragen nicht löst.

Aber die Fragen, die sie stellt, sind rein soziologisch (oder was immer) und gehen am Wesen der Kirche vorbei: die Kirche muss GOTT anbeten durch das heilige Messopfer und durch ein frommes Leben der Gläubigen, natürlich auch durch Konversion der Nichtkatholiken. Man muss zurückkehren.