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Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Hochfest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel

Predigt Mariä Himmelfahrt, 15.8.2021
Perikopen: 1 Kor 15,20-27a Lk 1,39-56
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
„Ich kann mir ohnehin nichts mitnehmen.“ So sagen Menschen, die eher großzügig veranlagt sind, was das Geben, Teilen und Schenken betrifft. „Der kann sich auch nichts mitnehmen.“ So beurteilen wir Menschen, die einen großen Hang zum Materiellen haben, und sich mit dem Geben schwer tun. Man kann sich nichts Materielles mitnehmen, das Totenhemd hat keine Taschen. Heute feiern wir, dass Gott Maria mit Leib und Seele zu sich in den Himmel geholt. Nichts von Marias Leben, nichts von dem, was Maria leiblich und seelisch erfahren hat, sollte verlorengehen. Der Mensch kann sich sehr wohl etwas zu Gott mitnehmen. So wollen wir heute darauf schauen, was Maria in den Himmel mitgenommen hat. Dann kann uns bewusst werden, was auch wir mitnehmen können. Erstens: Maria hat ihre Bereitschaft mitgenommen. Am Anfang stand die Bereitschaft des jungen Mädchens Maria, Ja zu sagen Mutter Gottes zu werden. Die Bereitschaft durchzieht ihr Leben im Kleinen und Alltäglichen. Die Bereitschaft für ihre Familie da zu sein, die Bereitschaft hinzuschauen und festzustellen, was fehlt, als zu Kana der Wein ausging. Die Bereitschaft mit zu gehen mit ihrem Sohn, den sie auch nicht immer verstanden hat. Es war diese Bereitschaft da zu sein vor dem lebendigen Gott, und ihm ganz zu gehören. Wenn wir Maria als Jungfrau verehren, geht es ja nicht um Biologie, sondern man versteht sie als einen Menschen, der ganz Gott gehören will. Diese, ihre Bereitschaft ist nicht verloren gegangen, die hat sie zu Gott mitgenommen. Da dürfen wir es ihr nachmachen. Bereit sein ist alles! Es geht um unsere Bereitschaft Gott immer mehr gehören zu wollen, und es geht um unsere Bereitschaft dort nicht zu fehlen, wo wir nötig sind, damit wir dort sind, wo der Herr uns haben will. Zweitens: Maria hat ihre Leiden und Schmerzen mitgenommen. „Deine Seele wird ein Schwert durchbohren,“ so hat es ihr der greise Simeon vorausgesagt. Unter dem Kreuz und mit dem toten Sohn im Arm, hat sich die in der allergrößten Dichte erfüllt. Und dann wird Maria auch jene Verletzungen ertragen haben müssen, die der Alltag mit sich bringt. Wir Menschen sind verletzlich und wir Menschen verletzen einander. Wenn ich in die Bibel hineinschaue, dann muss ich unweigerlich an zwei große Leidensgestalten denken. Da ist der arme Dulder Ijob, der alles verliert und von schwerer Krankheit geschlagen ist. Und dann sehen wir den gegeißelten, leidenden Christus. Ja, wie oft musste unser Herr den Seinen in Erinnerung rufen, dass es nur über das Leiden geht. Wir erleben zurzeit eine von Corona verwundete Welt, wir erleben eine vom Wohlstand und vom Egoismus verseuchte Gesellschaft, wir erleben eine ziemlich am Boden liegende Kirche. Die menschliche Gleichgültigkeit und die Fehlerhaftigkeit ihrer Glieder hat sie zu Boden geworfen. Es geht nur über das Leiden und den Schmerz. Nur so kann eine neue Gestalt von Kirche, Welt, Gesellschaft und Mensch hervorkommen. Wir brauchen die Kraft der Auferstehung. Wir brauchen Glauben, dass Christus die Ketten des Lebens eröffnet hat um uns mitzunehmen. Es gibt hier eine Reihenfolge, von der Paulus in der Lesung spricht. Er will uns mitnehmen, in unserer Menschlichkeit. Der Knackpunkt wie aus unseren Schmerzen eine neue Gestalt wird ist, wie sehr und intensiv wir mit dem auferstandenen Herrn verbunden und in Einklang sind, wie wir das realisieren: ER in uns, wir in IHM und wir miteinander auf IHN hin. Wir brauchen es selber nicht „derheben“. Wir überheben uns, wenn wir meinen, das müssten wir tun. ER hat es getan. Wir brauchen keine Angst haben. ER ist bei uns. Er ist bei uns und will bei uns heben, hervorrufen und herausprovozieren, ohne zu überfordern. Maria hat ihre Schmerzen angenommen und hat dann erfahren, dass ihr Sohn lebt. Wir müssen unsere Schmerzen in tiefen, marianischen Gottvertrauen tragen, damit eine neue Gestalt entsteht, und wir neue Freude haben, wenn wir vom Wein trinken, den uns der Herr zu Kana geschenkt hat. Dieser Wein ist nicht ausgegangen, wir trinken noch heute davon, wie der heilige Kirchenlehrer Hieronymus gesagt hat. Drittens: Maria hat ihre Freuden mitgenommen. Maria hat sicher ihre ganz normalen menschlichen Freuden gehabt, auch wenn uns diese verborgen bleiben. Aber ihre eigentliche Freude war es in Gott zu sein. Sie hat ihr Leben von Gott her verstanden und von Gott her gelebt. Das Magnificat, das uns im Evangelium des heutigen Festtages begegnet ist, ist ein einziger Freudengesang für dieses Sein in Gott: „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter, denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.“ Es soll uns dieses Leben grundsätzlich freuen, auch wenn wir es nicht immer alles in der Hand haben. Und vor allem soll es uns freuen in und mit Gott leben zu dürfen, in tiefer Verbundenheit. Es darf uns freuen, dass wir an den Himmel glauben dürfen. Er ist bereits hier und jetzt schon ein bisschen spürbar. Der heilige Pfarrer von Ars hat in seiner Pfarre immer wieder den Menschen gesagt, wenn sie zur Kommunion gegangen sind, dass sie jetzt den Himmel mitnehmen. Es darf uns freuen, dass wir Christus durch unsere Welt tragen dürfen, wie damals, als die Gottesmutter zu ihrer Verwandten Elisabeth geeilt ist, um ihr diese Gottes Nachricht zu bringen. Die Freude ihrer Gottverbundenheit hat Maria mitgenommen in den Himmel.
Liebe Brüder und Schwestern!
„Man kann sich nichts mitnehmen.“ Das stimmt nicht ganz. Das heutige Fest funktioniert anders. Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Sie hat ihre Bereitschaft mitgenommen, ihre Leiden, ihre Freuden, ja, noch vielmehr, ihr ganzes Leben. Nichts sollte bei Gott verloren sein. So sollen wir durch das Leben gehen, dass auch wir viel zu Gott mitnehmen können. Maria leuchtet uns voran als großes Zeichen der Hoffnung und des Trostes, damit wir auf dem Weg bleiben, der hineinführt in seine Herrlichkeit. Amen.
Tina 13
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