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RupertvonSalzburg

Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag, 25. 10. 2020

Predigt 30. Sonntag im Jahreskreis, 25.10.2020
Perikopen: 1 Thess 1,5c-10 Mt 22,34-40
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Das dreifache Liebesgebot ist uns allen bekannt. Wir wissen, dass wir es leben sollen. Wir wissen, dass wir auch dahinter zurückbleiben. Es schadet uns sicher nicht, wenn wir die drei Bereiche dieses Gebotes wieder einmal ganz persönlich anschauen. Wie geht es mir mit Gott? Wie geht es mir mit den Mitmenschen? Wie geht es mir mit mir selber? Diese drei Fragen sollen da sein. So möchte ich mich heute dem Evangelium anders nähern.Erstens: Warum stellen die Pharisäer Jesus überhaupt die Frage nach dem wichtigsten Gebot? Freilich es gab damals 615 Gebote in der Heiligen Schrift. Das jüdische Gesetz war dicht und kompliziert. Da war es schwer den Überblick zu behalten. Und doch waren die Pharisäer gescheite Leute. Sie wussten ja, dass letztlich jedes Gebot auf die Liebe zuläuft. Der Grund ihrer Frage ist, dass sie Jesus eine Falle stellen wollen. Es soll zum Vorschein kommen, dass Jesus nicht der Sohn Gottes ist, ja, dass er sich nicht einmal in den Gesetzen der Religion auskennt. Die Pharisäer waren in ihrem Wissen gefangen. Sie waren in ihrer Schriftgelehrsamkeit derartig gefangen, dass sie selber das Eigentliche nicht mehr sehen konnten. Sie glaubten, dass man durch Wissen, Erklären und Theorie die Welt erlöst. Das spekulative Hirn stand über dem einfach glaubenden Herzen. Die Pharisäer haben damals auch das „einfache Volk“ (Am Haarez) verachtet. Wenn schon sie mit ihrem Wissen, sich so schwer taten gottgemäß, wie sollten Menschen, die von all dem nichts wussten, überhaupt gottgemäß leben können? Das ist der Grund, die Ausgangsposition für die Frage. Zweitens: Was bedeutet das für uns heute? Ich denke viel. Wir leben heute in einer Zeit, in der es in vielen Bereichen, stets neue Erkenntnisse gibt. Dieses neue Wissen erreicht, aufgrund der medialen Möglichkeiten viele Menschen. Auch im Glaubenswissen ist es ähnlich. Herumflattern tut eine ganze Menge, ob immer alles aufgenommen und richtig verdaut wird, steht auf einem anderen Blatt. Wir sind zu einer Gesellschaft des Wissens geworden und noch vielmehr des Besserwissens. Es gehört heute zum guten Ton in fast allen menschlichen Bereichen, dass man es einfach besser weiß. Wir müssen uns glaube ich eingestehen, dass wir doch auf unser Menschsein beschränkt sind, das sich im Regelfall in einem kleinen Radius abspielt. „Ich weiß, dass ich nichts weiß,“ hat der antike Philosoph Sokrates gesagt. Wir Menschen sind begrenzt, in unserem Wissen und in unserer Besserwisserei. Das zuzugeben schadet nicht. Drittens: Auch wenn die Pharisäer in ihrem Wissen so gefangen waren, so wollten sie doch eine Antwort bekommen. Die Sehnsucht war da. Steckt nicht auch in uns diese Frage: Was meint deine heilige Botschaft? Worum geht es da? Was macht Christsein aus. Die Antwort Jesu ist kurz und prägnant: „Liebe Gott, und liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“ Ich glaube, dass ist eine Antwort, die jeder Mensch verstehen kann, aber sie muss in unser Herz hinein. Und dann denke ich an jene Stelle wo Jesus sagt: „Vater so hat es dir gefallen, dass nicht die Gelehrten und Wissenden dich verstehen, sondern, die einfachen und Unmündigen.“ Und dann wird uns auch bewusst, warum Jesus sagt, dass wir so wie die Kinder werden müssen. Wir brauchen das Herz eines Kindes, das nicht alles versteht. Wir brauchen diese Demut, diesen Blick für das Wesentliche, Einfache und Schöne. Kindsein vor Gott heißt erstens, dass ich nicht viel bin, eigentlich nichts. Aber in einem zweiten Schritt werfe ich dieses Nichts hinein, in das Alles der Liebe Gottes. Dieses Alles vermag alles. Und dann steht nun dieses Gebot vor uns: Gottesliebe und Nächstenliebe. In den letzten Jahrzehnten ist ein Streit entstanden, was hier wichtiger sei. Hauptgrund war und ist, dass man sich auf eine ganz große Nächstenliebe beruft, die beim näheren Hinschauen ja gar nicht so groß ist. Und dann kann man sich ganz leicht von der Gottesliebe entschuldigen und selber lossprechen. Es sind nicht zwei Gebote, sondern nur eines. Seitdem Gott selber Mensch wurde, geboren von einer menschlichen Mutter, um uns alle zu seinen Geschwistern zu machen, lassen sich Gott und Mensch nicht mehr trennen. Gott und Mensch gehören zusammen, lassen sich nicht gegeneinander ausspielen. Im Alten Testament gibt es das Bild von der Jakobsleiter, auf der die Engel Gottes auf und absteigen. Hier ist diese Liebe in der doppelten Bewegung vorhanden: Nur von Gott her können wir zu den Menschen kommen, und nur indem wir zu den Menschen herabsteigen, in die Niederungen ihres Lebens, dann können wir auch immer wieder zu Gott hinaufsteigen. Romano Guardini hat einmal gesagt: „Wer Gott nicht kennt, kann auch den Menschen nicht kennen.“ Wir dürfen hinzufügen: Wer Gott nicht liebt, liebt auch den Menschen nicht und kann gar nicht wirklich leben. Deshalb sollen unser Herz, unsere Gedanken und unsere Seele voll von Gott sein.
Liebe Brüder und Schwestern!
So sagt uns dieses Evangelium viel. Es geht nicht um Wissen, Vielwissen und Besserwissen. Das alles hat seine Grenzen. Es geht um dieses Kindsein vor Gott das im Blick auf dieses eine Gebot der Liebe gelebt werden kann. Wir wollen immer, im Oktober besonders, auf Maria schauen, auf ihr Demütigsein und Offensein, auf ihr Herz, das ganz und gar angefüllt war mit der Liebe Gottes, sodass nichts anderes mehr hineinpasste. Amen.