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Eine Heilung von Lepra auf die Fürbitte des hl. Johannes de Britto

Der Heilige ist am 1. 3. 1647 zu Lissabon geboren. Mit 27 Jahren begann er seine Missionsarbeit. Er übernahm die Lebensweise eines indischen Büßers. Im Jahre 1686 wurde er drei Wochen lang unbeschreiblich gemartert und gequält. Er kam aber wieder frei und wurde am 4. 2. 1693 nach längerer Gefangenschaft zu Oriur in Südostindien enthauptet. Die Hinrichtungsstätte, ein Hügel, wurde zur Wallfahrtsstätte.

In dem Summarium super Martyrio des 1726 zu Mylapore (Madras) begonnenen Apostolischen Prozesses finden sich die hier wiedergegebenen Zeugenaussagen zu dem siebenten Wunder (Romae 1737, S. 106–109).

Zu der Krankheit selbst ist vielleicht zu bemerken, daß Lepra in Südostindien auch heute noch verbreitet ist, daß die Ärzte sie in dem fortgeschrittenen Stadium an der Verfärbung der Haut und insbesondere an den verfaulenden Finger- und Zehenspitzen mit Sicherheit erkennen konnten. Die Lepra kann unter verschiedenen Formen verlaufen. Darum ist in den Texten davon die Rede, daß es sich um eine sehr üble (oder die übelste) Form des Aussatzes gehandelt habe (pessimum leprae genus). Dem Apostolischen (d. h. im Auftrage des Apostolischen Stuhles geführten) Prozeß war der Bischöfliche vorausgegangen. In diesem waren schon Aussagen über die folgende Heilung gemacht worden. Auf Grund hiervon waren für den Apostolischen Prozeß die Fragepunkte formuliert worden, welche die Zeugen zu beantworten hatten. Die große Ähnlichkeit in ihren Aussagen kommt daher, daß sie antworten auf das, was sie gefragt worden waren. Die vorgelegte Frage dürfte etwa gelautet haben: Ist es wahr, daß die zehnjährige Johanna nach dem Gebet an der Marterstätte stehen konnte, während sie vorher mit ihren Füßen nicht auftreten konnte, daß sie ein Stück des Rückweges gegangen ist, daß keine Medikamente mehr angewendet wurden, als sie von den Ärzten verlassen worden war, daß von allen Fingern und Zehen die Nägel abgefallen waren, daß die Finger- und Zehenspitzen abgefault waren, daß sie faulten, eiterten, einen sehr üblen Geruch verbreiteten, daß keinerlei Spur nach vier Tagen von der Krankheit zurückgeblieben ist, daß in diesen Tagen keine Heilmittel angewandt wurden und kein Zeichen der Krankheit wiederaufgetaucht ist?

Der Apostolische Prozeß begann drei Jahre nach der Heilung. Die Schreibweise, besonders von Namen, ist in alten Dokumenten oft uneinheitlich.


Zeuge XXXIV, Herr Philagius, Chirurg aus dem Stamme Palla in der Stadt Raimangallam, 58 Jahre alt, antwortete zu Punkt 29 des Fragenregisters auf Blatt 607, wie folgt: Im Jahre 1723 wurde ich von einem gewissen Philagius, einem Palla, gerufen, ich möchte seine damals zehnjährige Tochter Johanna, die an einer sehr üblen Art von Aussatz litt, besuchen. Ich kam und sah nicht nur, daß die Hautfarbe verdorben war, sondern daß auch alle Finger und Zehen faulten, eiterten und stanken. Ich erklärte, daß Medikamente kaum nützen würden, aber dennoch fing ich an, alles zu tun, was meine ärztliche Kunst vermochte. Da ich sah, daß alles unnütz war, zog ich einen anderen Chirurgen namens Jeganaden, aus dem Stamme Marrava, hinzu. Wir überlegten gemeinsam und haben sechs Monate lang alles versucht. In dieser Zeit wurde die Krankheit von Tag zu Tag schlimmer. Schon waren die faulenden Nägel abgefallen, schon hatten alle Finger und Zehen angefangen, kürzer zu werden, und der Geruch war schon so grauenhaft, daß man sich dem Mädchen nicht mehr nähern konnte. Darum gaben wir beide alle Hoffnungen auf und gingen nicht mehr zu ihm hin. Darauf wurde lange Zeit überhaupt kein Heilmittel mehr angewandt. Da faßte Johanna, die Großmutter des Mädchens, einen heilsamen Plan und trug die Kranke zu der Marterstätte des ehrw. P. Johannes de Britto. Dort hat sie lange gebetet und kehrte am selben Tage nach Hause zurück. Da ich in derselben Stadt wie sie wohne, sah ich sie bei ihrer Rückkehr. Das Mädchen, das vorher die Füße nicht auf den Boden aufsetzen konnte, stand an diesem Tage auf seinen Füßen und ging ein wenig umher. In vier Tagen aber waren, ohne daß irgendein Heilmittel in dieser Zeit angewandt worden wäre, die schwärenden Wunden völlig geheilt, wuchsen Nägel, Fleisch, Sehnen und Haut, und alles Kranke war verschwunden, und das Mädchen erschien gesund, und kein Anzeichen von dieser Krankheit ist, auch später nicht, wieder aufgetaucht. Auf Grund meiner medizinischen Kenntnisse urteile und schwöre ich, daß dieses ein sicheres und großes Wunder ist.

Zeuge XXXV, Frau Johanna aus dem Stamme Palla in der Stadt Raimangallam, 61 Jahre alt, sagte zu Frage 29 aus: Mein Enkelkind Johanna, von meiner Tochter Philagia und ihrem Gatten Philagius, wurde im Jahre 1723 von einer ganz üblen Art von Aussatz angesteckt. Ihre Hautfarbe war nämlich nicht nur verdorben, sondern auch alle ihre Finger und Zehen schwärten und faulten und flossen von einem fauligen Eiter und verbreiteten einen schrecklichen Geruch. Schon waren die faulenden Nägel abgefallen, und schon wurden alle Finger und Nägel kürzer.

Wir befürchteten, nach nicht langer Zeit würden, wie man das hierzulande vielfach sehen kann, die Finger und Zehen gänzlich von der Krankheit weggefressen sein, und es würden nur noch die Stümpfe von Füßen und Händen übrig bleiben. Zwei Ärzte, der eine mit Namen Philagius, ein Palla, der andere ein Marrava namens Giganaden, wandten sechs Monate lang alle erdenkbaren Heilmittel an, aber ohne jeden Erfolg. Die Schwären wurden immer schlimmer, so daß niemand mehr nahe an das Haus zu kommen wagte, weil jeder durch den schrecklichen Geruch von ihm ferngehalten wurde. Die Chirurgen gaben alle Hoffnung auf und blieben fort. Nach langer Zeit, in der überhaupt kein Heilmittel mehr angewandt wurde, nahm ich, weil ich von aller Menschenhilfe verlassen war, meine Zuflucht zur Hilfe Gottes, und mit Unterstützung von Margareta und Bona, beide aus dem Stamme Palli, trug ich meine Enkelin, die zehn Jahre alt war und mit ihren Füßen nicht auf den Boden auftreten konnte, zu der Stelle, wo der ehrw. P. de Britto gemartert worden war, und dort haben wir Almosen und Fasten versprochen und lange gebetet. Und an demselben Tage ließ schon die Gewalt der Krankheit etwas nach, und als wir nach Hause zurückkehrten, ging das Mädchen ein gutes und nicht unbeschwerliches Stück des Weges. Und schließlich waren am vierten Tage ohne Anwendung irgendwelcher Medizin die Geschwüre völlig geheilt und Fleisch, Sehnen, Haut und Nägel gewachsen, und man sah, daß ihm nichts fehlte, und es war vollständig und vollkommen geheilt, wie Ihr es jetzt selbst hier sehen könnt. Und niemals erschien in ihr wieder eine Spur von Krankheit. Daß dieses ein ganz hervorragendes Wunder gewesen ist, steht für alle fest. Wenn dieses kein Wunder war, weiß ich nicht, was ein Wunder sein soll.

Zeuge XXXVI, Herr Andreas, Katechist der Stadt Cattacuddi, 66 Jahre alt, sagte aus: In der Gegend, die mir als Wanderkatechisten und für den Katechismusunterricht anvertraut ist, liegt eine Stadt mit Namen Raimangallam. Hier war ein zehnjähriges Mädchen Johanna aus dem Stamme Palla, Tochter eines gewissen Philagius und seiner Frau Philagia, von einer ganz üblen Aussatzart befallen worden. Als ich einmal dort war, sah ich, daß alle Finger und Zehen des Mädchens schwärten und faulten, eiterten und stanken. Ich sah, daß die verfaulten Nägel schon abgefallen waren und daß alle Finger und Zehen schon anfingen, kürzer zu werden. Manche, sage ich, habe ich mit ähnlicher Krankheit behaftet gesehen, niemand, der durch ärztliche Hilfe wieder gesund wurde. Zwei Ärzte, der eine der Palla Philagius, der andere ein Marrava mit Namen Xegnaden, wandten sechs Monate alles an, was sie ersinnen konnten, es nützte aber nichts. Schließlich kamen sie aber nicht mehr, weil sie, wie sie mir sagten, alle Hoffnung aufgegeben hatten. Danach wurde lange Zeit überhaupt kein Heilmittel mehr angewandt, und die Fäulnis wurde immer schlimmer. Als ich das Mädchen wiederum besuchte, umgab es ein so furchtbarer Geruch, daß ich kaum mich ihm nähern konnte, die anderen wagten nicht einmal, nahe an das Haus heranzukommen, wo es wohnte. Dann nahm seine Großmutter Johanna ihre Zuflucht zur Hilfe Gottes und trug, zusammen mit Margareta und Bona, beide aus dem Stamme Palli, das kranke Mädchen zu der Marterstätte des ehrw. P. Johannes de Britto. Ich habe sie zwar nicht dorthin begleitet. Ich weiß aber dennoch mit Sicherheit, daß sie dorthin gegangen sind. Ich habe aber das Mädchen sofort gesehen, wie sie nach Hause zurückkehrten. Während es vorher nicht einmal den Fuß auf die Erde setzen konnte, sah ich es jetzt schon etwas umhergehen. Innerhalb von vier Tagen waren, ohne Anwendung eines Medikamentes in dieser Zeit, die Geschwüre völlig geheilt, wuchsen Fleisch, Haut und Nägel, und fehlte nichts mehr an der natürlichen Vollkommenheit der Finger und der Zehen, wie ich selbst gesehen habe. Auch sehr viele Heiden, die sehr gut diese üble Krankheitsart kannten, welche das Mädchen befallen hatte, waren höchst verwundert, wie sie es nachher durch die Fürbitte des ehrw. P. Johannes de Britto geheilt sahen. Ich selbst auch habe, um den Heiden die Herrlichkeit und Wahrheit unserer Religion zu zeigen, ihnen dieses ihnen bestens bekannte Wunder vorgelegt, und sie haben niemals gewagt, es abzuleugnen. Von damals bis heute ist nie wieder ein Anzeichen der Krankheit bei dem Mädchen erschienen.

Zeuge XXXVII, Frau Margareta, aus dem Stamme Palla, in der Stadt Raimangallam, 35 Jahre alt, antwortete: Im Jahre 1723 wurde in meiner Stadt Johanna, die Tochter eines gewissen Philagius, eines Palla, im Alter von zehn Jahren von einer sehr schlimmen Aussatzart befallen. Die Finger und Zehen alle schwärten und faulten, eiterten und stanken. Alle Nägel waren abgefallen, alle Finger und Zehen wurden kürzer. Zwei Ärzte, der Palla Philagius und der Marrava Gegnadena, hatten während sechs Monaten alle Heilmittel angewandt, die sie wußten, und hatten sie hoffnungslos liegen gelassen. Es wurde darauf kein Heilmittel mehr gebraucht, die Krankheit wurde von Tag zu Tag schlimmer, und jeder scheute sich, auch nur in die Nähe des Hauses zu kommen, wo sie wohnte. Da brachten ihre Großmutter, die auch Johanna heißt, und mit ihr ich und eine andere Palli mit Namen Bona das kranke Mädchen zu der Stätte, wo der ehrw. P. Johannes de Britto enthauptet worden ist. Wir versprachen dort einige Almosen und fasteten und beteten lange. Am selben Tage ließ die Gewalt der Krankheit etwas nach und das Mädchen, das vorher nicht auftreten konnte, stand auf seinen Füßen und ging selbst ohne Schwierigkeit ein Stück des Weges. Wir kehrten nach Hause zurück, und innerhalb von vier Tagen, ohne daß ein Heilmittel angewandt worden wäre, waren die Geschwüre völlig geheilt, die Finger und Zehen auf ihren natürlichen Stand zurückgebracht und die Nägel gewachsen, und das Mädchen war vollkommen gesund. Auch später ist nie ein Zeichen dieser Krankheit wieder bei ihm erschienen. Dieses alles habe nicht nur ich mit meinen eigenen Augen gesehen, sondern auch meine ganze Stadt, und auch die Heiden haben bekannt, das sei ein großes Wunder, und sie lobten den wahren Gott.

Zeuge XXXVIII, Frau Bona aus dem Stamme Palla in der Stadt Raimangallam, 25 Jahre alt, antwortete: Nahe bei meinem Hause wohnte ein gewisser Palla namens Philagius. Dessen zehnjährige Tochter Johanna wurde im Jahre 1723 von einer sehr üblen Aussatzart befallen. Alle Finger und Zehen schwärten, faulten, eiterten und stanken. Die verfaulten Nägel waren abgefallen, Finger und Zehen wurden schon kürzer. Zwei Ärzte, der Palla Philagius und der Marrava Geganaden, versuchten sechs Monate alles bei ihr und ließen sie dann hoffnungslos liegen. Da von da an keine Heilmittel mehr angewandt wurden, verschlimmerte sich die Krankheit so sehr, daß niemand nicht einmal an das Haus heranzukommen wagte. Dann trugen ihre Großmutter Johanna, ich und eine andere Palli mit Namen Bona das kranke Mädchen auf unserem Rücken zu der Stelle, wo der ehrw. P. Johannes de Britto für den Glauben gestorben ist. Dort versprachen wir Almosen und Fasten und riefen seine Fürbitte an. Am selben Tage ließen die Schmerzen stark nach. Das Mädchen stand auf seinen Füßen, das vorher nicht vermocht hatte, auf den Boden aufzutreten, und es konnte leicht ein Stück des Weges gehen. Wir kamen nach Hause, und innerhalb von vier Tagen war ohne Anwendung eines Heilmittels das Schwärende plötzlich geheilt, waren die Nägel vollkommen wieder gewachsen und Finger und Zehen wieder auf ihren natürlichen Stand gebracht, und das Mädchen war völlig gesund. Auch später ist niemals wieder ein Anzeichen dieser Krankheit gesehen worden. Dieses alles habe ich mit meinen eigenen Augen selbst gesehen. Alle haben es gesehen und bekennen, daß dies ein großes Wunder ist, und sind des Staunens voll.

Aus: Wilhelm Schamoni, Wunder sind Tatsachen. Eine Dokumentation aus Heiligsprechungsakten, 2. Auflage, Würzburg/Stein am Rhein/Linz 1976, S. 99-103.