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Tina 13

Das Feuer des Zorns

Hl. Dorotheos von Gaza (um 500-?)

Mönch in Palästina
Instruktionen, Nr. 8, 90–91; SC 92 (Œuvres spirituelles, Éd. du Cerf 1963, p. 309, rev.; ins Dt. trad. © Evangelizo)

Das Feuer des Zorns

Groll unterscheidet sich vom Zorn, der sich von Gereiztheit unterscheidet, die sich wiederum von Aufregung unterscheidet. Hier ein Beispiel, um es dir verständlich zu machen: Um ein Feuer zu entfachen benötigt man nur eine kleine Kohle. Diese stellt das Wort des Bruders dar, das dich beleidigt. Noch ist es nichts weiter als eine kleine Kohle, denn was ist schon ein einfaches Wort deines Bruders? Erträgst du es, dann löschst du die Kohle aus. Wenn du aber anfängst, zu denken: „Warum hat er das zu mir gesagt? – Ich werde es ihm schon zurückgeben!“ […], dann handelst du wie einer, der ein Feuer anzündet: Du wirfst Zweige darauf und machst Rauch, das ist die Aufregung. […] Hättest du das kleine Wort deines Bruders ertragen, dann hättest du die Kohle löschen können, bevor die Aufregung entstand. Aber selbst diese Aufregung kannst du noch leicht beruhigen durch Schweigen, durch Gebet, durch eine einfache Herzensregung. Wenn du jedoch weiterhin Rauch machst, das heißt, dein Herz erhitzt und erregst, indem du denkst „Warum hat er das zu mir gesagt? – Ich werde es ihm schon zurückgeben!“, dann werden die Erschütterung und der Fluss der Gedanken, die das Herz bearbeiten und aufheizen, die Flamme der Gereiztheit entfachen. […] Hier kommt die Gereiztheit ins Spiel […]. Wenn du willst, kannst du die Flamme immer noch löschen, bevor sie in Zorn umschlägt. Aber wenn du dich weiterhin aufregst und auch noch andere ansteckst, dann bist du wie jemand, der Holz in den Kamin wirft und das Feuer schürt: jetzt hat man schon eine schöne Glut. Das ist Zorn. […] Und so wie die Kohlen noch lange glühen, auch wenn man sie beiseitelegt und mit Wasser überschüttet hat, so wird der Zorn, wenn er lange anhält, zum Groll […]. Siehst du, wie ein einziges Wort zu so großem Übel führen kann? Hätte einer von Anfang an das Wort des Bruders geduldig ertragen, ohne Böses mit Bösem zu vergelten (vgl. Röm 12,17), dann hätte er diesem ganzen Übel entgehen können.