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Die Bedeutung der Sinne bei Hildegard von Bingen - Aktive Sinneswahrnehmung

Aktive Sinneswahrnehmung – mehr Lebensfreude, mehr Lebensqualität auf dem Weg zum ewigen Heil

1. Teil

Offenbar liegen wir mit diesem Thema im Trend, denn in den letzten Wochen fielen mir an verschiedenen Orten Hinweise auf Veranstaltungen auf, die sich in irgend einer Weise mit den Sinnen befassten, z. B.: Körper und Sinne, mit den Sinnen wahrnehmen, usw. –

Es häufen sich auch die Veröffentlichungen im wissenschaftlichen Bereich, welche die komplexen Verzahnungen zwischen Körpervorgängen und seelischem Erleben zum Gegenstand haben. Im weiteren Verlauf dieses Vortrags werde ich auf die Untersuchungsergebnisse der modernen Hirnforschung zu sprechen kommen. Aber auch im Bereich der Pädagogik und der Philosophie wird auf die Begrenztheit der rein naturwissenschaftlichen Erfassung von Lebensäußerungen verwiesen: „Während sich der Sehvorgang naturwissenschaftlich erklären lässt, drückt der Blick eines Menschen eine Absicht, Freude oder Angst aus... Doch nicht nur das Auge, der gesamte Leib wird zum Ausdruck der Person... Allein der Sinn entscheidet darüber, wie man sich verhält...“ (Aus einem Vortrag im Südwestfunk: Die Sprache des Körpers – Reflexionen über das Verhältnis von Leib und Seele, von Frau Prof. Regine Kather, Freiburg.)

„Denn wohin die Absicht des Menschen ihn hinführt, dorthin richtet er auch seine Sinne.“(Hildegard von Bingen)

... Die verwendeten Texte der hl. Hildegard von Bingen stammen größtenteils aus ihrem Liber Divinorum Operum, dem Buch der göttlichen Werke, das bisher noch kaum bearbeitet wurde. Es ist zur Zeit noch in einer Übersetzung von Frau Mechthild Heieck auf dem Markt unter dem Titel: „Das Buch vom Wirken Gottes“, erschienen im Pattloch Verlag Augsburg.

Was ist unser Ziel?

Wir wollen mit der umfassenden Zusammenschau der heiligen Hildegard unsere seelisch - körperliche Ganzheit erfassen, insbesondere die zentrale Bedeutung unserer Sinne sowohl für die Bewältigung unseres Lebens als auch die Erreichung unseres Lebenszieles...

Die Kostbarkeit unseres Verstandes und unserer Einsicht ist gefasst in das leibliche Gewand sichtbarer Schönheit. Die fünf Sinne dienen als Verbindungskanäle zwischen Seele und Leib, zwischen der Außenwelt und unserem inneren Erleben, zwischen den Menschen und den Geschöpfen.

Sinne und Sinnesorgane

Etwas möchte ich gleich zu Anfang klarstellen:

Wenn wir mit Hildegard von Bingen über die Sinne nachdenken, geht es nicht allein um die Sinnesorgane, also um Augen, Ohren, Nase, Mund, Hände – dies sind nur die ausführenden Organe, die ihren Dienst für ein geglücktes, freudvolles und lebenswertes Leben leisten sollen...

Mit der hl. Hildegard bleiben wir aber nicht dabei stehen, sondern fragen nach der Bedeutung und dem Stellenwert der Sinne...

Es geht um die Wachheit unserer Sinne, die Achtsamkeit und die Erlebnisfähigkeit und um die Bedeutung für unser Leben.

„Wenn es in dir dunkel ist, dann schau nach, ob deine Läden geschlossen sind.“...


Die reiche Ausstattung des Menschen

.... „O ihr überaus schönen Gestalten der Menschen, warum schlaft ihr denn in eurer Nachlässigkeit, wo euch Gott mit solch großer Herrlichkeit ausgestattet hat?“ (Heilkunde S.108)...

Was den Menschen auszeichnet ist die Verbindung zwischen seiner Vernünftigkeit und den Sinnen.

Weil der Mensch verständig ist, kann er alles verstehen, was er mit seinen Sinnen aufnimmt und empfindet...


Der innere Sinn

ist die zentrale Schaltstelle: Es ist die innere Einstellung welche entscheidet, was für mich und mein Leben wichtig ist. Der innere Sinn lenkt die Sinne, er bestimmt, was ich aufnehme, welchen Einflüssen ich mich aussetze, was ich hören, sehen, riechen oder schmecken will...

Du hast doch Augen zum Sehen und Ohren zum Hören, ein Herz zum Nachdenken, Hände zum Wirken und Füße zum Gehen... So hat dich Gott geschaffen.


Daher widerstehe deiner Bequemlichkeit, deiner Nachlässigkeit und den anderen schädlichen Neigungen, und Gott wird dir beistehen.“...

Die Sinne als Stufen zum Erkennen

Vier unserer fünf Sinne sitzen im Kopf und haben unmittelbare Beziehung zum Gehirn, zum Denken.

Am höchsten Punkt der Rundung des Kopfes ist der Scheitel, Hildegard sagt: der Scheitelpunkt des Gehirns. Modern ausgedrückt liegt dort das Großhirn, der Sitz der bewussten, wachen Verstandestätigkeit. Hier verarbeitet die Seele die Eindrücke, die von den Sinnen aufgenommen werden...


Sinnenbegabung und Sinnenverhaftung

Die Sinne sind die Instrumente, die wir richtig und verantwortungsbewusst benützen sollen. Wir können sie genau so zum Heil wie zum Unheil einsetzen...

Es ist offenbar eine sehr schwere aber ebenso wichtige Aufgabe, unsere Sinne durch unsere Einsicht zu lenken, da dies nicht nur Auswirkungen für unser sittliches Leben hat, sondern für unser Leben im Leib, hier und jetzt. Über die Sinne laufen die körperlichen Vorgänge, die seelischen Impulse und der Kontakt mit der Außenwelt...


„Der Mensch als ganzer wird durch die Sinnentätigkeit des Hauptes geleitet.“

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Diese Erkenntnis der hl. Hildegard wurde erst in jüngster Zeit durch die Ergebnisse der modernen Gehirnforschung bestätigt. (Joachim Bauer, das Gedächtnis des Körpers, Eichborn Verlag, ISBN 3-8218-39565-2)

Ich bringe einige Zitate aus diesem Buch.

„Einer der faszinierendsten Aspekte der Hirnfunktion ist die Umwandlung von Erlebniseindrücken in biologische Signale. Wie seriöse wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, können Vorgänge im zwischenmenschlichen Beziehungen massiven Einfluss auf die Regulation zahlreicher Gene und aufgrund dessen nicht nur seelische, sondern auch weitreichende biologische Auswirkungen haben. (S. 10)

Den größten Einfluss auf die Regulation von Genen haben nichtstoffliche Signale jedoch im Gehirn: Mit den Nervenzell – Systemen der fünf Sinne wahrgenommene zwischenmenschliche Situationen werden vom Gehirn fortlaufend in biologische Signale verwandelt... „

... Es ist verblüffend, wie moderne wissenschaftliche Untersuchungen die Schau der hl. Hildegard über die Vorgänge im Menschen bestätigen. Ein Umdenken ist gefordert in einer Zeit, in welcher der Mensch nur von seinem Körper her, von seinen materiellen Bausteinen und deren mechanischem Funktionieren her definiert wird. (Fortsetzung folgt)

Vortrag bei der Jahrestagung 2004 in Mariastein am 23.September 2004

Hildegard Strickerschmidt
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„Denn wohin die Absicht des Menschen ihn hinführt, dorthin richtet er auch seine Sinne.“(Hildegard von Bingen)
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Du hast doch Augen zum Sehen und Ohren zum Hören, ein Herz zum Nachdenken, Hände zum Wirken und Füße zum Gehen... So hat dich Gott geschaffen.

Daher widerstehe deiner Bequemlichkeit, deiner Nachlässigkeit und den anderen schädlichen Neigungen, und Gott wird dir beistehen.