Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum Ostersonntag 2022

Predigt Ostersonntag, 17.4.2022
Perikopen: 1 Kor 5,6b-8 Joh 20,1-18
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
„Geh, wohin dich dein Herz führt,“ lautet der Titel eines Buches. „Geh, wohin dich dein Herz führt.“ Das tut Maria von Magdala. So wird Ostern, so geschieht Auferstehung, so wird sie ein neuer Mensch. Ihr Herz führt sie zum Grab, wenigstens dem toten Jesus will sie nahe sein. „Geh, wohin dich dein Herz führt!“ Hier können wir auch den Heiligen Augustinus zitieren mit seinem berühmten Spruch: „Herr, mein Herz ist unruhig, bis es ruht in dir.“ Jesus sollte uns anziehen, wie ein Magnet Eisen anzieht. Ja, der Auferstandene, er, der das neue, das ewige Leben ist, soll unser menschliches, oft allzu menschliches Leben an sich ziehen. Aber wie ist das? Wie zieht uns der Herr an sich, wie kommen wir hinein in das Gravitationsfeld dieses neuen Lebens, in dem der „alte Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit“ wie es Paulus in der Epistel ausdrückt, keinen Platz hat? Erstens: Der Auferstandene zieht uns an, wenn wir uns von ihm finden lassen. Der Papst emeritus Benedikt XVI. hat einmal gesagt: „Es gibt nichts Schöneres als von Christus gefunden zu werden.“ Darum geht es im Grunde das Fazit der Auferstehung. Er ist auferstanden, er kommt als neuer Mensch, damit er uns suchen und finden kann, damit er uns bereit antrifft. Als Maria Magdalena sich am Grab von Jesus, den sie vorher für den Gärtner hält, finden lässt, ist sie ein neuer Mensch, fühlt sie sich neu geboren, ist in ihr selber manches auferstanden, da es eine tägliche Auferstehung im Herzen geben kann. Und diese neue Erfahrung macht etwas aus ihr. Da wird sie neu hingezogen zu Christus, vielleicht noch viel mehr als zu seinen Lebzeiten. Gott will uns finden, er hat Sehnsucht nach uns, er will dich sehen, er will dich glücklich sehen. Die Auferstehung macht uns deutlich, dass Gott uns eben nicht den Rücken zugekehrt hat, dass er uns nahe sein will, um unser Leben zu teilen und uns an sich zu ziehen. Er will uns finden. Das ist ein Wissen das trägt. Wir müssen uns aber von ihm finden lassen. Maria von Magdala hat sich finden lassen, schließlich haben sich die Emmausjünger finden lassen, und dann die Apostel, die sich eingesperrt hatten, quasi in Quarantäne begeben, und dann etwas später hat sich auch Thomas finden lassen, dem der Herr sogar eine Privataudienz gewährt hat. Lassen wir uns vom Auferstandenen finden. Er macht das Leben neu und reich. Zweitens: Der Auferstandene will eine Liebesbeziehung mit uns. Glaube bedeutet eigentlich eine Liebesbeziehung mit Jesus haben. Das ist eher wenig im Bewusstsein. Da haben wir sicher auch als Kirche Fehler gemacht. Wir haben den Menschen Glaubenswissen und moralische Wegweisung gegeben, aber zu wenig gesagt, dass es um eine Liebesbeziehung mit Jesus geht, um eine ganz tiefe Vertrautheit. Man spürt die Vertrautheit auch im Evangelium. Der Auferstandene, der zunächst noch unbekannt ist, spricht Maria von Magdala ganz vertraut beim Vornamen an: „Maria!“ Maria von Magadala erkennt ihn und sagt: „Rabbuni d.h. Meister.“ Wieviel Vertrautheit, wieviel echte Liebe wird hier deutlich. Karl Rahner, ein großer Theologe, der Schachtelsätze über eine halbe Seite schreiben konnte, und von seiner Persönlichkeit eher nüchtern und Staubtrocken war, hat ein Büchlein geschrieben mit dem Titel: „Was heißt Jesus lieben?“ Und da hat er die Formulierung Jesus lieben heißt „den Mut haben ihm um den Hals zu fallen.“ Jesus um den Hals fallen. Darum geht es. Wir müssen eine so innige Beziehung zu ihm aufbauen, dass wir ihm um den Hals fallen wollen. Diese Freundschaft mit ihm muss uns einfach durch und durch betreffen, unsere ganze Existenz, unser ganzes Menschein. Wer Jesus wirklich liebt, der wird nach und nach erfahren, dass er der Weg, der Weg zum Vater ist. Und man wird diesen Weg gehen wollen, der uns immer mehr zu Jesus zieht, diesen Weg echter Liebe. Die Frauen, die zum Grab gehen wollten, kauften für teures Geld wohlriechende Öle. Diese Investition hätte für die Katz’ sein können. Sie wussten auch, dass das Grab versiegelt war – noch ein weiteres Hindernis. Sie lassen sich vom Herz bewegen und lenken und treiben. Sie hatten eine große Liebe. Die Liebe ist oft unvernünftig und sie ist dennoch das einzig Richtige. Wenn das nicht wäre, stünde die Welt noch in der Steinzeit. Die wahre Motivation, was wirklich die Fantasie beflügelt, ist die Liebe, die Treue zu den eingegangenen Liebesbeziehungen. Und der Christ zeichnet sich aus, dass er eine große Liebe zu Christus hat, dass er den Glauben als wirkliche Liebesbeziehung zu Christus lebt, dass er Jesus um den Hals fallen wird. Mit dieser Liebe wird das Herz neu und zieht er uns an sich. Drittens: Der Auferstandene will den Frieden, unseren Frieden. Der Friedensgruß, „der Friede sei mit euch,“ war der erste Gruß des Auferstandenen an seine Jünger. Ja, wir könnten meinen, diese Worte stimmen nicht, sind verhallt, sie sind Fantasie, denn Krieg beherrscht die Welt, auch Europa. Wir leben in einer Welt voll Horror, Ausbeutung und Rivalitäten. Wo ist der Friede des Auferstandenen? Die Bibel muss eine Fälschung sein. Tatsächlich, wenn wir die Lage unserer Welt betrachten, stellen wir fest, dass der Unfriede sehr hartnäckig ist, auch der Unfriede im eigenen Herzen. Dass Grausamkeit sich ausbreitet, dass Ungerechtigkeit wächst, dass Egoismus vieles beherrscht. Gerade deswegen, gerade hier finden wir die Erklärung, warum wir uns durch den Gruß des Auferstandenen an den Frieden erinnern lassen müssen. Er hat viel zu tun, zu allen Zeiten. Der Einsatz für den Frieden muss ununterbrochen fortgesetzt werden. Der Friede ist doch hartnäckiger als der Krieg. Der Friede darf nicht ein Ende erfahren. Man darf nie aufhören, ihn zu fördern. Die Nächstenliebe muss sich kräftiger ausbreiten als die Grausamkeit. Die Gerechtigkeit muss höher wachsen als die Ungerechtigkeit. Die Großzügigkeit muss die Oberhand über den Egoismus gewinnen. Wir können uns schon stark einsetzen für den Frieden. Es ist richtig, dass wir allerlei unternehmen, dass die Menschen sich bemühen, den Frieden wieder herzustellen. Aber rein durch menschliche Anstrengungen werden wir es nie schaffen. Wir brauchen zu jeder Zeit, dass der, der der Friede ist, uns von innen heraus dazu befähigt. Er muss uns den Frieden ins Herz legen und sagen und da sind wir wieder beim Anfang: „Geh, wohin dich dein Herz führt.“ Das Herz muss zum Frieden finden.
Liebe Brüder und Schwestern! „Geh, wohin dich dein Herz führt.“ Maria von Magdala hat das Herz zum Auferstandenen geführt. Er will uns an sich ziehen in das neue Leben, damit wir als neue Menschen leben. Wir dürfen uns vom Auferstanden finden lassen. Wir dürfen eine Liebesbeziehung mit ihm haben und ihm um den Hals fallen. Und wir dürfen uns von ihm an den Frieden erinnern lassen und den Frieden wirken. „Christus ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden.“ Halleluja, Amen.
Sonia Chrisye
Gott will uns finden, er hat Sehnsucht nach uns, er will dich sehen, er will dich glücklich sehen.

Haben wir das schon bemerkt? Danke für dieses wohltuende Wort. Er sucht uns ständig, jeden Tag. Lassen wir uns von IHM finden? Oder weichen wir IHM aus, weil uns die Bereitschaft fehlt, IHM zu begegnen? Diese Frage ist wohl eine der wichtigsten, die man sich stellen kann.
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