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Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum 3. Adventsonntag.

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Ein Zeuge ist einer, der etwas bezeugt, der für etwas eintritt. Zeuge kommt auch von ziehen, jemand, der mich durch die Botschaft seines Lebens und Glaubens hinter sich herzieht. Der heilige Papst Paul VI. hat gesagt: „Der moderne Mensch hört lieber auf Zeugen, als auf Lehrer, und wenn er auf Lehrer hört, nur dann, weil sie Zeugen sind.“ Im heutigen Evangelium begegnet uns Johannes der Täufer. Er versteht sich als Zeuge für Christus. Dem Zeugnis des Johannes wollen wir heute ein wenig nachspüren. Wie sieht sein Zeugnis aus? Er möchte uns hinter sich herziehen. Erstens: Zeugnis des verweisenden Zeigefingers.So wird Johannes oft dargestellt mit einem überdimensionalen Zeigefinger. Dieser zeigt von sich weg, auf Christus hin. Im heutigen Evangelium wird das deutlich. Priester und Leviten kommen und wollen wissen wer Johannes ist: „Bist du Christus? Bist du der Prophet? Bist du Elija?“ Er sagt: „Nein.“ Er schmückt sich nicht mit fremden Lorbeeren. Er nimmt nicht etwas in Anspruch, was er nicht ist. Nicht er ist entscheidend, sondern die Botschaft, die er hat. Christus soll im Mittelpunkt stehen. Ob das auch für mein Leben stimmt? Zeigt mein Leben auf Christus? Oder bespiegle ich mich selber? „Er muss wachsen, ich muss geringer werden,“ sagt er an anderer Stelle. Diese Worte, die von einer großen Demut zeugen, sind ein Programm. Zweitens: Zeugnis der Mahnung. Johannes verkündete überall „Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.“ Das Zeugnis des Johannes, kann nur in unser Herz eindringen, wenn wir bereit sind zu Umkehr und Neuanfang. Umkehr ist harmlos, solange wir sie von anderen erwarten. Sie wird zum Ernstfall, wenn es um mich geht. Wo brauchen wir Umkehr? Wo benötige ich Umkehr? Papst Franziskus sprach einmal von der Erosion des Glaubens in Mitteleuropa. Der Glaube verdunstet. Und was tun wir eigentlich? Wie kann es sein, dass wir bei all den Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, und so viel Möglichkeiten gab es in der Kirche noch nie, feststellen müssen, dass Glaubenswissen und Glaubenshaltungen immer mehr schwinden? Gibt es noch etwas, das wir im Glauben als verpflichtend ansehen? Papst Franziskus sagt weiter: „Es werden immer neue Strukturen geschaffen, für die es keine Gläubigen gibt.“ Und der Heilige Vater führt weiter aus, was die Erosion des Glaubens konkret für ihn bedeutet. Er geht auf die hl. Eucharistie und die Beichte ein. Die heilige Messe, ist das Geschenk der Gegenwart Gottes schlechthin! Wieviel Prozent besuchen sie noch? Und wenn durch die weniger werdenden Priester Messzeiten verändert oder gar an bestimmten Orten nicht jeden Sonntag mehr eine Messe gehalten werden kann, bleibt eine ganze Reihe der hl. Messe fern. Auch bei uns ist es nicht anders. Da führt man aufgrund von Corona die doppelte Anzahl an Messen ein, und dann bekommt man zu hören, dass das jetzt zu früh oder zu spät sei, und dann geht man gar nicht mehr. Ist uns der Wert der heiligen Messe noch bewusst? Wir reden vom Neuaufbruch, der in unserer Kirche nötig ist. In der Tat, der ist nötig. Aber eines ist auch klar: Wenn wir den ersten Ruf Jesu „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“, wenn wir uns den Ruf Johannes des Täufers nicht zu eigen machen, wenn wir nicht die Beichte als den Ort der Barmherzigkeit Gottes wiederentdecken, wird es keine Erneuerung geben! Neuaufbruch können wir nicht selbst machen, sondern nur von Gottes Barmherzigkeit erbitten. Fragen wir uns also selbst: Wie sieht’s mit meinem Glauben aus? Wie ernst nehme ich ihn? Wie ernst nehme ich die hl. Eucharistie, das Bußsakrament? Bemühe ich mich, meine Haltung, meine Praxis zu vertiefen? Wo bin ich auf dem Weg der Umkehr? Drittens: Zeugnis des Widerspruchs, das zum Blutzeugnis wird. Johannes der Täufer hat viel Zuspruch erfahren. Das einfache Volk kam zu ihm, es vertraute auf ihn so sehr, dass die Hohepriester vor diesem Volk Angst hatten. Aber es gab auch Widerspruch. Als er zu Herodes sagte: „Es ist dir nicht erlaubt die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen,“ kostete ihn das den Kopf. Und Simeon prophezeit dem kleinen Jesus: „Er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird.“ Widerspruch gehört zum Prophetendasein! Wundern wir uns nicht, dass dies auch heute der Fall ist. Es wird immer wieder davon gesprochen, dass es eine große Diskrepanz gibt zwischen der Lebenswirklichkeit der Menschen und dem, was die Kirche verkündet. Eigentlich ist das eine Binsenweisheit. Das Evangelium hat nicht den Sinn, Wirklichkeit zu beschreiben, sondern ist Prophetie, die uns sagt, wohin es gehen soll. Wenn unsere Lebenswirklichkeit schon dem Evangelium entsprechen würde, hätte die Kirche ihren Auftrag erfüllt, bräuchten wir keine. Es gibt diesen Widerspruch. Die Botschaft Gottes bedeutet immer Widerspruch. Und wenn das Oberste Verfassungsgericht diese Beihilfe zum Selbstmord ab 1. Jänner 2022 straffrei gestellt hat, wissen wir wohin es geht. Der Mensch darf sich nicht als Herr über das Leben aufspielen. Das kommt nur Gott zu. Es braucht Mut zum Widerspruch. Das entspricht der biblischen Botschaft. Christus hat uns vorausgesagt, dass wir nicht mehrheitsfähig sein werden. Wahres Christentum ist nicht mehrheitsfähig, wird immer ein Stück weit provozieren. Damit tun wir uns schwer, weil wir gerne mehrheitsfähig sind, weil wir zur Absicherung der eigenen Beliebtheit vieles tun, vieles, was oft nicht dem Geist Jesu entspricht. Es ist vor allem dieses Mitläufertum mit der Gesellschaft. Der heilige Franz von Assisi sagte einmal „was du in den Augen Gottes bist, das bist du.“ Das zählt, was wir in den Augen Gottes sind! Vor ihm müssen wir einmal Rede und Antwort stehen. Das können wir nicht aus den Evangelien herausreden. Der verstorbene Erzbischof Johannes Dyba von Fulda, eine durchaus kantige Person, verkündete Evangelium gelegen und ungelegen. Er war einer der Lieblingsfeinde der Medien und wurde einmal gefragt, warum er sich oft durch seine Ansichten so unbeliebt mache. Er antworte: „In mehr oder weniger kurzer Zeit werde ich vor meinem himmlischen Richter stehen, und vor ihm möchte ich gut dastehen. Das stelle ich doch nicht aufs Spiel, weil ich hier beliebt sein will.“ Kurz darauf ist er gestorben. Und Hans Scholl, Widerstandskämpfer der weißen Rose im Dritten Reich sagte, als er vor dem Volksgerichtshof zum Tod verurteilt wurde: „Sie werden bald vor einem anderen Richter stehen.“ Es geht um unser Glaubenszeugnis entgegen dem Mainstream und Zeitgeist. Wenn wir den Mut zum Widerspruch verlieren, verraten wir unsere prophetische Sendung! Halten wir Widerspruch aus, wie Johannes ihn ausgehalten hat.
Liebe Brüder und Schwestern!
Verweisender Zeigefinger, Mahnung zur Umkehr, und Apell zum Widerspruch, ist das Zeugnis des Johannes. Heute sollen wir seine Zeugen sein. Amen.
RupertvonSalzburg
Sehr gute Predigt!