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Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag, 10.10. 2021

Predigt 28. Sonntag im Jahreskreis, 10.10.2021
Perikopen: Weish 7,7-11 Mk 10,17-13
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
In Märchen kommt des Öfteren das Motiv vor, dass Menschen einen Wunsch oder gar drei Wünsche frei haben. Was würden wir uns hier wünschen, Geld oder Gold, Gesundheit, ewiges Leben? Als Glaubende haben wir die Möglichkeit Gott immer wieder unsere Sehnsüchte und Wünsche anzuvertrauen, in besonderer Weise durch das Gebet. Gott lässt sich freilich nicht als Wunschautomat missbrauchen, nach der Devise: „Ich werfe oben das hinein und unter kommt das heraus.“ Aber wir dürfen Gott im Gebet unsere Wünsche sagen. Das sehen wir in der heutigen Lesung aus dem Alten Testament. Ein Mensch betet. Er wünscht sich eines Klugheit und Weisheit. Eine schöne Bitte, der wir ein wenig auf die Spur kommen dürfen. Erstens: Was meint biblische Weisheit? Weisheit ist ein etwas veraltetes Wort, aber es ist ein wertvolles, hohes Gut. Weisheit im Sinne der Bibel ist nicht in erster Linie eine Sache des Hirns, auch wenn der Glaube das Hirn nicht ausschalten darf, sondern des Herzens. Es geht nicht um auswendig gelernte Formeln und um angehäuftes Fachwissen. Nein, biblische Weisheit ist der Versuch die Dinge des Lebens und der Welt in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Es gibt nicht nur meine Welt, sondern immer eine Mitwelt. Es gibt nicht nur meine Meinung, sondern eine Vielzahl der Meinungen, die auf das Gute hin zu befragen sind. Die Frage nach dem Guten stand ja auch am Anfang des Evangeliums. Biblische Weisheit bedeutet tiefer blicken und den Dingen auf den Grund gehen, nicht einfach dem Mainstream folgen, sondern kritisch und selbstkritisch nach dem fragen, was gut und wichtig ist. Biblische Weisheit heißt auch, versuchen den Standpunkt Gottes einzunehmen, versuchen, von Gott her zu denken, alles so zu beurteilen und zu sehen, wie Gott es tut. Von Gott her denken, vom Evangelium her denken. Zweitens: Die Weisheit will erbeten, erwünscht, erworben werden. Diese Weisheit kann man freilich nicht kaufen, oder in einem App herunterladen. Sie ist letztlich immer ein Geschenk Gottes. Um diese Weisheit muss man beten und sich ihr öffnen. Die Weisheit will erworben und erbeten wird. Es geht hier auch um mein Tun, um mein Mittun. Es geht immer um das Zusammenwirken von Gott und Menschen. Die zwei Grundbereiche christlichen Lebens bleiben Gottesliebe und Nächstenliebe. Echte Gottesliebe ist Garant für das Bemühen um Nächstenliebe. Zuerst muss ich meinen Gottesbereich ordnen, dann kann ich auch den Bereich von Mensch und Welt ordnen. Aus dem Glauben heraus können die Werke folgen. Wo der Bereich Gottes ausgeklammert wird, schwindet auch die Menschlichkeit. Europa ist gerade in vielen Bereichen beschäftigt, sich von seinen christlichen Wurzeln abzuschneiden. Wohin das noch führen wird, ist uns vielfach noch nicht bewusst. Die göttliche Weisheit will erworben werden als Kraft, die Welt und Leben ordnen kann. Drittens: Man muss Prioritäten haben. Mir gefällt dieser betende Mensch in der Lesung. Er will weiser werden. Er hat Prioritäten, Dinge die an erster Stelle stehen. Was sind die Prioritäten, wenn ich mir die Welt anschaue? Der deutsche Dramatiker Berthold Brecht hat einmal den markigen Ausspruch getan: „Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral.“ Er hatte nicht Unrecht, bis heute. Was ist meine Lebenspriorität? Der junge Mann im heutigen Evangelium hat Jesus eine Frage gestellt: „Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?“ Es ist schön, dass er diese Frage stellt. Es sollte auch unsere Prioritätsfrage sein, die Frage nach dem Ewigen, dem Gültigen, dem wahrhaft Bleibenden, die Frage an dem sich ganzheitliches Gelingen und Scheitern des Lebens aufhängt. Jesus hat dem Mann im Evangelium dann eine Antwort gegeben. Sie hatte mit dem Lassen und Loslassen zu tun, das uns Menschen doch immer so schwer fällt. Und dann ist der Mann traurig weggegangen, weil er ein großes Vermögen hat. Er ist traurig wegegegangen, nicht gleichgültig. Das gefällt mir. Denn in seiner Traurigkeit wusste er, dass es wahrscheinlich in seinem Leben noch viel zu tun gibt im Hinblick auf die wahren Prioritäten, im Blick auf das wirklich Wesentliche im Leben.
Liebe Brüder und Schwestern!
Der Wunsch nach Weisheit ist ein schöner Wunsch. Machen wir ihn auch zu unserem Wunsch. Biblische Weisheit ist etwas für alle Menschen, da jeder Mensch sein Herz prägen und bilden kann. Biblische Weisheit will erbeten und erworben werden. Da kann uns auch der Marienmonat Oktober helfen. An der Hand Marias könnten wir doch einmal das Gesätzchen beten:“…Jesus, der mir Weisheit schenken möge.“ Und der Wunsch nach Weisheit sagt auch, dass der Mensch Prioritäten haben soll und kann. Ein Mensch der sich darum bemüht, wird weiser werden, auch wenn es die Kunst der kleinen Schritte braucht, und ein solcher Mensch wird glücklich. Das ist ebenfalls eine biblische Verheißung: „Wohl dem Mann, der Weisheit gefunden,…sie zu gewinnen ist besser als Gold,“ heißt es an einer anderen Stelle der Bibel. Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen. Amen.
Sonia Chrisye
Biblische Weisheit heißt auch, versuchen den Standpunkt Gottes einzunehmen, versuchen, von Gott her zu denken, alles so zu beurteilen und zu sehen, wie Gott es tut. Von Gott her denken, vom Evangelium her denken. Zweitens: Die Weisheit will erbeten, erwünscht, erworben werden.

Sprüche 9,10 Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit, und die Erkenntnis des Heiligen ist Einsicht.