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Aquila
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Der Hausdrache

Ronald, Sohn eines Hochschulprofessors, hatte sich ebenfalls für diese Laufbahn entschieden. Er war eigentlich zufrieden mit seinem Leben, nur sehnte er sich nach einer liebevollen Ehefrau und eigenen Kindern. Eines Tages lernte er bei einem Dorffest ein Mädchen aus dem Nachbardorf kennen: Silvia. Sie war sehr hübsch und recht gesprächig, und er verliebte sich gleich am ersten Tag in sie. In der Folge trafen sich die beiden sehr oft. Ronald, ein ausgeglichener, ruhiger junger Mann, übersah in seiner Verliebtheit wohl, dass Silvia ein sehr verwöhntes, launenhaftes, gefühlskaltes Mädchen war. Freilich, sie, die gerne jungen Männern schöne Augen machte und es liebte, von ihnen hofiert und beschenkt zu werden, bemühte sich, ihre Launenhaftigkeit ziemlich gekonnt zu verbergen. Aus einem gläubigen katholischen Elternhaus stammten beide, allerdings hatte sich Silvia schon recht weit von einem wirklichen Leben aus dem Glauben entfernt und ging nur noch manchmal gewohnheitsmäßig zur Hl. Messe. Bei Ronald stand es diesbezüglich etwas besser, aber seine Beziehung zu Gott litt darunter, dass er sich zu sehr in seine Verliebtheit hineinsteigerte. Seine liebevollen Worte und Gesten wurden von Silvia eigentlich nicht richtig erwidert, aber die Verliebtheit machte ihn irgendwie blind für die Realität.
Für Ronald gab es nur mehr ein Ziel: Er wollte Silvia heiraten und sonst keine. Diese jedoch wollte anfangs davon nichts wissen, aber weil er hartnäckig drängte und große Pläne schmiedete, überlegte sie: Na ja, eigentlich wäre er schon eine gute Partie: Er hatte ein ansehnliches Haus geerbt, er hatte eine fixe Anstellung, er sah gut aus.
Bei Bekannten und Verwandten Ronalds klingelten die Alarmglocken, als sie sehen mussten, dass die beiden charakterlich gar sehr verschieden waren und dass sie im Grunde wohl gar nicht zusammen passten. Manch einer warnte Ronald einfühlsam und freundschaftlich, aber er ließ sich von seinen Plänen nicht abbringen. Allerdings war er doch bereit, sich noch eingehend mit einem scheinbar recht eifrigen Christen, Max, zu besprechen, der ihm schon vor Jahren versprochen hatte, ihm immer mit Rat und Tat zur Seite stehen zu wollen. Diesen fragte er also eines Tages: „Du Max, Du weißt ja, wir wollen bald heiraten. Was sagst du dazu?” - „Gut, Ronald, komm morgen wieder, dann kann ich dir mehr sagen.” Am nächsten Tag kommt Ronald wieder und hört mit Freude, dass Max ihm gleich entgegenruft: „Also Ronald, ich habe vom Herrn ein Wort bekommen. Ihr beide passt bestens zusammen und sollt heiraten.” Was Ronald nicht erfuhr: w i e Max zu dieser scheinbaren Erkenntnis gekommen war, zu einem „Wort des Herrn”: Max hatte es sich angewöhnt, bei allen nur möglichen Fragen, bei Entscheidungen usw. willkürlich irgendwo die Bibel aufzuschlagen und die betreffende Stelle als Antwort auf seine Frage zu betrachten. Dass Gott das nicht will und dass dieses „Bibelstechen” bzw. orakelartige Bibelaufschlagen gegen das 1. Gebot verstößt und noch dazu schlimme Folgen haben kann, war ihm scheinbar nicht bewusst.
Und so kam, was kommen musste: Ronald uns Silvia heirateten. Es gab eine riesige Hochzeit, und ziemlich bald nach der Hochzeit die große Ernüchterung - zumindest für ihn: Silvia lebte jetzt ungehindert ihre Launen aus, forderte viel und stellte sich als ziemlich faul heraus. Gäste bediente sie mit großem Charme, wenn sie allein mit ihrem Mann war, hatte sie meist nur Vorwürfe und Beleidigungen auf Lager. Kurz und hart gesagt, sie entwickelte sich zu einem „Hausdrachen”.
Wie es weitergehen könnte, kann sich jeder selbst ausmalen, denn diese Geschichte ist nur erfunden.
Was aber nicht erfunden ist: Viele Katholiken missbrauchen die Hl. Schrift als Orakel und brauchen sich nicht zu wundern, wenn sie dadurch katastrophale Entscheidungen treffen.
Siehe dazu auch mein Beitrag: Viele Christen an Messerstecherei beteiligt.
@Aquila
Mir dämmerte es und ich hoffte, dass diese Geschichte
nur erfunden ist, denn: die Sache mit dem Bibelaufschlagen
gelingt so gut wie immer, wenn man vorher den Heiligen
Geist um Erleuchtung bittet.
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Die Bibelstelle passt dann meist schon den Buchstaben nach,
aber manchmal muss man herausfischen, inwiefern die Worte
nun auf einen selber zutreffen. Ich habe …More
@Aquila
Mir dämmerte es und ich hoffte, dass diese Geschichte
nur erfunden ist, denn: die Sache mit dem Bibelaufschlagen
gelingt so gut wie immer, wenn man vorher den Heiligen
Geist um Erleuchtung bittet.
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Die Bibelstelle passt dann meist schon den Buchstaben nach,
aber manchmal muss man herausfischen, inwiefern die Worte
nun auf einen selber zutreffen. Ich habe das auch einmal eine
Zeit lang mit dem Buch "Der Weg" mit vielen Sinnsprüchen
eines Heiligen gemacht und es war erstaunlich, wie oft die
Sprüche genau passten.
Was wollen Sie denn mit der Messerstecherei ?
Christentum hat mit Messerstecherei null und
gar nichts zu tun.
Aquila
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Ich sah, meine Frau auf der Arbeit und wusste es sofort das sie es werden wird. Es war keine dunkle Anziehung sondern eine Zeichen da sie es ist. +++
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nujaasNachschlag likes this.
Bibiana
Sehr schön gesagt... es war keine dunkle Anziehung...
Lutrina
Kann man nur froh sein nicht verheiratet zu sein
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Wohl wahr, sonst bekommt man noch am Ende den Haus-Komodo Waran Andrea.
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Elista
Spruch eines Jägers:
"Lieber im Wald bei einer wilden Sau, als zu Hause bei einer zänkischen Frau"
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gennen
@Aquila dann lieber zu Gott beten, dass er für uns die richtige Entscheidung trifft, auch wenn es nicht das ist, was wir gerne hören wollen.
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