Corona-Berichterstattung: Moralapostel trüben den Blick (www.infosperber.ch)

Corona-Berichterstattung: Moralapostel trüben den Blick
Die führenden Medien stehen in der Kritik, allzu regierungsnah berichtet zu haben. Der Vorwurf bedarf der Präzisierung.


Rainer Stadler
15.01.2022

Plötzlich sind die Schlagzeilen weniger düster: «Taskforce warnt vor überlasteten Spitälern – doch Prognose ist höchst unsicher», war dieser Tage im «Tages-Anzeiger» zu lesen. Ferner konnte das Publikum lesen, es bestehe «berechtigte Hoffnung, dass die Schweiz durchkommt mit dem Laufenlassen von Omikron». Der «Blick» wiederum meldete: «Taskforce warnt vor Monsterwelle». Die Oberzeile vermerkte indessen: «Aber ist sie auch gefährlich?».

Wer lässt sich nach zwei Jahren Corona-Berichterstattung noch von dramatischen Meldungen erschrecken? © Henrix_photos

Ende des vergangenen Jahres tönte es noch anders: «Wir steuern immer mehr auf eine Katastrophe zu», titelte «20 Minuten» Anfang Dezember. Das Organ berief sich auf den Infektiologen Andreas Widmer, der die Covid-Massnahmen des Bundesrats für zu schwach hielt. Gleichentags schrieb der «Tages-Anzeiger»: «Die Schweiz wagt das grosse Corona-Experiment». Und kurz vor Weihnachten machte der «Blick» diese Schlagzeile: «Es kommt keine Welle, sondern eine Omikron-Wand auf uns zu». Das war ein Zitat der Virologin Isabella Eckerle. Der «Tages-Anzeiger» wiederum fragte Ende Jahr: «Warum schweigt der Bundesrat?» Wenn die Regierung eine harte Triage in den Spitälern noch abwenden wolle, müsse sie jetzt handeln, meinte der Kommentator.

Warum dieser Perspektivenwechsel?
Woher kommt die positivere Sichtweise? Hat die Skandalisierung des Ringier-CEO Marc Walder und die damit einhergehende pauschale Medienkritik in den Redaktionen Spuren hinterlassen? Es fällt auf, dass genau jetzt Artikel erschienen, welche die Ungenauigkeit der von den Spitälern gelieferten Daten zu den Covid-Fällen aufmerksam machten. Die Datenmängel hätten die Redaktionen schon früher zum Thema machen können. Der «Infosperber» etwa bemängelte die Präzision der Spitalzahlen, welche die behördlichen Entscheidungen beeinflussen, bereits vor einem Jahr.
Auch in Bezug auf die neuste Corona-Variante gab es bereits im Dezember Anzeichen dafür, dass kein Weltuntergang bevorsteht. Die Redaktionen bevorzugten dennoch die dramatische Sichtweise, wie so oft in den vergangenen beiden Pandemie-Jahren. Im Nachhinein ist man immer klüger, und Irren ist menschlich. Man kann den redaktionellen Hang zur düsteren Schlagzeile als typische Berufskrankheit («Bad News Is Good News») bezeichnen – oder eben auch als mangelnde Bereitschaft zur kritischen Sichtweise, wie dies Massnahmenkritiker den Massenmedien vorhalten.
Zwei Vorwürfe prägen die Diskussion um die Rolle der Medien während der Pandemie. Die meisten Redaktionen würden, so heisst es, mit schrillen Schlagzeilen die Bevölkerung verängstigen, und sie würden die Handlungen der Exekutive allzu freundlich mittragen.

Verängstigung des Publikums?
Tausende von Artikeln über die gesundheitlichen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Folgen des Coronavirus sind inzwischen erschienen. Wer bei der Lektüre von aktuellen Informationen immer noch in Angstschweiss ausbricht, sollte sich an der eigenen Nase nehmen. Die generelle Tonlage der Medienangebote mag immer wieder von Einseitigkeiten geprägt gewesen sein. Das thematische und inhaltliche Spektrum war dennoch so breit, dass jeder Interessierte die Möglichkeit bekam, sich eine eigene Meinung zu bilden – oder zumindest zu erkennen, was weiterhin unklar ist. Irreführende, dramatisierende Schlagzeilen sind zwar lästig und fragwürdig, aber – zumindest nach dem Schrecken der ersten Corona-Wochen – Teil eines durchschaubaren Medientheaters. Es gibt keinen Grund, sich deswegen als Medienopfer zu stilisieren. Es war möglich, die Medienangebote auch gegen ihren Strich zu interpretieren. Wenn Redaktionen einseitig oder zu unkritisch berichteten, taten sie dies zu ihrem eigenen Schaden. Sie untergruben ihre Glaubwürdigkeit.
Kritik ist immer geprägt von den Interessen und Perspektiven desjenigen, der die Vorwürfe erhebt. Die jeweiligen Wahrnehmungen sind umso empfindlicher, je stärker ein Thema die eigene Lebenswelt beeinflusst und allenfalls die persönliche Existenzgrundlage bedroht. In diesem Sinn verwundern die hochgehenden Emotionen um die Pandemie keineswegs. Umso schwieriger fällt es, sich auf unbestrittene Erkenntnisse zu einigen. Das Coronavirus hat einen teils heissen, teils kalten Krieg der Weltanschauungen entfesselt. Wer zwischen den Fronten unterwegs ist, bewegt sich unweigerlich auf Minenfeldern.
Haben die führenden Redaktionen allzu regierungsnah informiert? Der Vorwurf ertönt hauptsächlich im Lager der Massnahmenkritiker – und bei jenen Medienorganen, welche die Skeptiker als potenzielle Kunden umwerben und insofern aus marktstrategischen Gründen Eigeninteressen verfolgen. Diese Taktiker bewegen sich, nebenbei bemerkt, auf dünnem Eis. Das höchst heterogene Segment der Massnahmenskeptiker wird mit dem Ende der Pandemie schnell zerfallen.

Im Einklang mit tonangebenden Wissenschaftern
Insgesamt kann man feststellen, dass der Grossteil der Redaktionen die Exekutive durchaus kritisierte, jedoch nicht im Sinne der Corona-Skeptiker. Vielmehr forderten sie von den lavierenden Behörden härtere Eingriffe, bis hin zu Ausgangssperren. Das taten sie im Einklang mit tonangebenden Wissenschaftern. Es herrschte insofern mehr ein Konsens zwischen Redaktionen und alarmierten Wissenschaftern als ein solcher zwischen Medien und Regierung. Namhafte Experten mit abweichenden Meinungen fanden wenig oder kaum Gehör.

Innerhalb einzelner Redaktionen waren zwar nuanciertere Stimmen zu hören, doch der Sound der Panikmacher prägte die Medienarenen. Besonders ausgeprägt war das vor einem Jahr, als in der Schweiz im Zusammenhang mit Corona überdurchschnittlich viele Tote zu beklagen waren. Die medialen Wortführer warfen den politisch Verantwortlichen Tatenlosigkeit vor. Man bezichtigte sie der Unmenschlichkeit – und die Öffentlichkeit der Kälte und Gleichgültigkeit. Man opfere die Menschen den Interessen der Wirtschaft, so hiess es. Sogar von Eugenik war die Rede.

Bedenklich war dies, weil der Furor der Moralisten die journalistische Neugierde unterdrückte. Allzu langsam begannen die Redaktionen sich zu fragen, was die Ursachen für die vielen Toten sein könnten und welche Folgen die Massnahmen für die Bewohner von Altersheimen wie auch für die Jugendlichen hatten. Lange dauerte es, bis die journalistischen Moralapostel erkannten, dass es abzuwägen gälte zwischen Freiheits- und Schutzrechten. Diese Vorprägungen durch eindimensionalen Moralismus sind der Grund dafür, dass angeblich harte Daten zu wenig skeptisch betrachtet und kritische Stimmen selbstzufrieden übersehen wurden. Das muss man als schweren Mangel der medialen Berichterstattung bezeichnen.
Tina 13
An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!
RupertvonSalzburg
Es gibt keinen Unsinn, den man der Masse nicht durch geschickte Propaganda mundgerecht machen könnte.

Meinte der Philosoph und Mathematiker Bertrand Russell. Dabei hatte er die Regierungspropaganda in Coronazeiten noch gar nicht miterlebt ...
Zeitlose Wahrheiten aus dem Netz (58)
Pazzo
Kein Wunder, daß uns die "Obrigkeit" als Mist sieht und behandelt.
alfredus
Natürlich berichten die öffentlichen Medien, ob Fernsehen oder die Tageszeitungen, regierungsnah, man kann sagen, fast gleichgeschaltet, positiv über Corona ! Dadurch wurden die Menschen einseitig und nur halb informiert und sie handelten entsprechend und ließen sich auch impfen ! Die neue Regierung übernahm das ohne Korrektur und setzt noch einiges drauf ! Was macht die Regierenden denn so …More
Natürlich berichten die öffentlichen Medien, ob Fernsehen oder die Tageszeitungen, regierungsnah, man kann sagen, fast gleichgeschaltet, positiv über Corona ! Dadurch wurden die Menschen einseitig und nur halb informiert und sie handelten entsprechend und ließen sich auch impfen ! Die neue Regierung übernahm das ohne Korrektur und setzt noch einiges drauf ! Was macht die Regierenden denn so sicher, dass alles auch richtig ist : ... ein weltweites Diktat ... ? ! Oder ist es einfach Hilflosigkeit, eine Art Ohnmacht, oder wirtschaftlicher Druck ? Diese Möglichkeiten und Vorlagen, können auch zu Fehlentscheidungen führen und das wäre fatal !
Solimões
Glaubt nun infosperber an corona? man würde es meinen.
Escorial
Der Teufel wechselt seine Fratze in den Wirren der Zeit vom Kommunismus, über Faschismus bis hin zur weltweiten Diktatur durch die Freimaurer. Sie alle wollten das Christentum zerstören. Sie alle hatten zwei Dinge gemeinsam, die Abtreibung und zweitens, sie stellten sich an die Stelle Gottes hin. Der Unterschied zu früher ist, dass sie einen falschen Papst haben, der ihnen dabei sehr hilft. …More
Der Teufel wechselt seine Fratze in den Wirren der Zeit vom Kommunismus, über Faschismus bis hin zur weltweiten Diktatur durch die Freimaurer. Sie alle wollten das Christentum zerstören. Sie alle hatten zwei Dinge gemeinsam, die Abtreibung und zweitens, sie stellten sich an die Stelle Gottes hin. Der Unterschied zu früher ist, dass sie einen falschen Papst haben, der ihnen dabei sehr hilft. Gleich wieviel der Dritte Weltkrieg zerstören wird, die Worte der himmlischen Mama geben uns allen Grund zur Hoffnung: "Aber am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren!"