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Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag dem 31. Jänner 2021

Predigt 4. Sonntag im Jahreskreis, 31.1.2021
Perikopen: Dtn 18,15-20 Mk 1,21-28
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Ich habe es mir für die heurigen Sonntage im Jahreskreis vorgenommen jeweils über die erste Lesung aus dem Alten Testament zu predigen. Nach Samuel und Jona, die uns die vergangenen Sonntage begegnet sind, richtet sich unser Blick heute auf Mose. Wenn Gott zum Menschen spricht, bedient er sich immer eines Menschen. Das Volk Israel hatte immer Propheten in seiner Mitte, die versuchten im Licht Gottes die Zusammenhänge zu deuten, und dem Menschen seine Botschaft auszurichten. Mose nimmt eine herausragende Stellung ein. So möchte ich heute nachdenken über Grundzüge des prophetischen Menschen. Erstens: Propheten vermitteln zwischen Gott und den Menschen. Ja, da wird man sich denken, braucht man überhaupt Vermittler, können wir nicht Gott direkt begegnen? Genau das ist das Problem in der heutigen Lesung. Das Volk Israel hielt die direkte Gottesbegegnung nicht aus. Die Nähe Gottes war zu heiß. Sie wollten einen Mittelsmann und der sollte Mose sein. Wir brauchen vermittelnde Instanzen zwischen Gott und uns. Das waren wohl zuerst jene Menschen, die uns den Glauben nahe gebracht haben, und die ihn uns heute nahe bringen. Der Glaube muss vermittelt werden. Viele sind heute der Ansicht, dass man Gottes Gegenwart im Wald, im Rauschen eines Baches oder im Singen der Vögel erfahren kann. Das mag insofern stimmen, da Gott alles geschaffen hat, aber es ist ein etwas niedlicher Glaube. Der Gott der Bibel ist aber nicht niedlich. Die Israeliten waren froh, wenn ihnen direkte Gotteserfahrung erspart blieb. Sie brauchten etwas Vermittelndes. Sie erfanden Gebete und fanden Rituale, sie schrieben Gesetze und Regeln auf, immer im Blick auf Gott. Sie haben versucht menschlich mit Gott umzugehen. Wir brauchen Vermittler und Vermittelndes zwischen Gott und Mensch. Das Weihwasser, das wir jetzt schon lange in der üblichen Form entbehren, gehört hier dazu. Es gibt ganz viel, was uns Gott vermitteln kann: Bibelworte, religiöse Gegenstände, religiöse Kunst, geistliche Musik etc. Wir alle können Gott vermitteln, durch ein ansprechendes, ehrliches und begeisterndes Leben. Wir brauchen Vermittler. Wir brauchen Propheten. Zweitens: Dem Propheten ist das Wort Gottes anvertraut. Propheten reden nicht im eigenen Namen. Ihnen ist das Wort Gottes anvertraut. Biblische Propheten eröffnen ihre Rede meist mit den Worten „So spricht der Herr.“ Es geht ihnen darum, dass Gott in der Welt etwas zu sagen hat. Stellen wir uns die Gewissenfrage, ob das für unser persönliches Leben stimmt? Hat er etwas zu sagen? Die dem Propheten anvertrauten Worte haben unterschiedlichen Charakter. Da gibt es Verheißungsworte. Sie sagen uns, dass Gott uns nicht allein lässt, dass er unsere gute Zukunft will, dass er etwas neu macht. Solche Worte laden ein zum Vertrauen, aber auch zum Durchhalten. Dann gibt es auch Mahnworte. Sie halten dem Menschen ein Fehlverhalten vor. Sie sagen: „Stopp! Wenn du so weitermachst, gehst du kaputt. Suche einen neuen Weg.“ Dann haben die Propheten auch Drohworte, die dem Menschen die Konsequenzen eines Fehlverhaltens vor Augen führen. Was bedeutet das? Immer wieder wurde und wird der Kirche vorgeworfen, dass sie aus der Frohbotschaft eine Drohbotschaft gemacht hat. Das ist beim genaueren Überlegen ein Widerspruch in sich. Es ist nicht Aufgabe der Kirche aus der Botschaft etwas zu machen, wie wenn man eine Werbetrommel rührt, sondern es ist ihre Aufgabe sie zu verkünden. Und es liegt auch nicht beim Verkünder, sondern beim Hörer der Botschaft, ob es Froh- oder Drohbotschaft ist. Dem reumütigen Sünder, der versucht um seine Schwächen zu wissen, der an die Brust schlagen und sagen kann „durch meine Schuld,“ wird die Botschaft letztlich immer vergebende und barmherzige Frohbotschaft sein. Dem verstockten Sünder, der meint keiner Änderung zu bedürfen, ist sie tatsächlich eine Drohbotschaft. Dem Propheten ist Gottes Wort anvertraut. Und uns ist das Wort geschenkt zum Nachdenken, damit es uns auf den rechten Weg bringt, damit alles Unreine und Dämonische, Jesus heilt ja heute im Evangelium von einem unreinen Geist, aus unserem Leben verschwindet. Drittens: Der Prophet wird in dieser Welt mit seiner Sendung nicht fertig. Das ist schon Mose so gegangen. Vierzig Jahre hat er das Volk durch die Wüste geführt. Aber ins Gelobte Land darf er das Volk nicht mehr führen. Er sieht es „nur“ von Ferne. Oder denken wir nochmals an Jona, an den letzten Sonntag zurück. Er hat es geschafft, dass sich eine ganze Stadt bekehrt. Und dann spinnt er, weil er Gottes Güte nicht aushält. Oder denken wir an die vielen Propheten, die zwar den Messias verheißen haben, aber keiner von ihnen hat sein Kommen erlebt. Der Prophet wird nicht fertig. Wie gut täte es uns so zu leben, dass wir eben nie fertig sind und fertig werden in dieser Welt. Wir sind eben immer unserer eigenen Vorläufigkeit ausgesetzt.
Liebe Brüder und Schwestern!
Das sind drei Aspekte, wie die Bibel prophetisches Dasein versteht. Es gibt freilich mehr. Der Prophet vermittelt. Dem Prophet ist das Wort anvertraut. Der Prophet wird mit seiner Sendung nie fertig. Diese drei Grundzüge bieten uns viel Stoff zum Nachdenken. Sie geben uns gute Nahrung für die Reise nach Innen. Heute ist auch der Gedenktag des heiligen Johannes Bosco. Wir dürfen in den Heiligen, die freilich alle Kinder ihrer Zeit waren, Aspekte des biblischen Prophetenamtes sehen. Gerade auch das Medium des Traumes spielt in biblischer Prophetie oft eine Rolle. So möchte ich noch in verkürzter Form einen Traum aus dem Leben Don Boscos in Erinnerung rufen, der freilich aus seiner Zeit und seinem Kirchenbild zu verstehen ist, aber der uns einen stets unveränderlichen Anspruch für unser Christsein in Erinnerung ruft. Don Bosco träumte davon, wie der Papst das Schiff der Kirche durch die Wogen des Meeres der Zeit lenkte. Der Sturm wird heftiger, das Schiff der Kirche wird bedroht von feindlichen Schiffen und Booten. Sie beginnen mit dem Angriff und setzen dem Schiff der Kirche immer mehr zu. Es ist schon stark beschädigt. Der Papst kann es nur mühsam lenken. Mitten im Meer stehen zwei starke Säulen im geringen Abstand zueinander. Auf der einen Säule ist eine überdimensionale Hostie. Auf der anderen Säule ist eine Statue der Gottesmutter. Der Papst steuert das Schiff durch die beiden Säulen. Das Schiff der Kirche ist gerettet. Soweit ein Ausschnitt aus dem Traum. Unser Christsein und Kirchesein ist immer bedroht und verschiedenartig verfolgt. Es braucht den Glauben, dass er da ist. Der Herr ist da. Daran müssen wir uns festhalten. Dafür steht die erste Säule mit der Hostie. Und unser Christsein und Kirchsein braucht genau ein Wort, jenes Wort, das Maria bei der Hochzeit zu Kana gesagt hat: „Was er euch sagt, das tut.“ Das ist die Botschaft der zweiten Säule. Maria möge immer wieder dieses eine Wort in unser Herz sprechen, damit wir tun können, was er uns sagt. Amen