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Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum Hochfest Christkönig

Schriftstellen: 1 Kor 15,20-26.28 Mt 25,31-46
Am letzten Sonntag im Kirchenjahr feiert die Kirche Christus den König der ganzen Schöpfung. In der Präfation der heutigen Liturgie wird das Reich des Christkönig, in der ewigen Vollendung beschrieben, dann wenn er jeden Menschen und die Schöpfung heimführt. Es wird beschrieben als „Reich der Wahrheit und des Lebens, als Reich der Heiligkeit und der Gnade, als Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.“ Das sind doch alles Güter, die wir zutiefst im Herzen ersehnen. Das wünscht sich doch jeder Mensch so leben zu können. Vollkommen werden wir diese Güter erst haben, wenn die gesamte Schöpfung seiner Herrschaft unterworfen ist, wenn nur mehr er das Sagen hat. Aber, nach dem Wort Jesu beginnt das Reich Gottes bereits hier und jetzt. Es beginnt durch dich und mich. So wollen wir diese Wesensmerkmale für das Reich Gottes heute ein wenig meditieren.
Reich der Wahrheit: Als Jesus als verspotteter König vor Pilatus stand ist diese Frage aufgetaucht: „Was ist Wahrheit?“ Ein Philosoph hat einmal gesagt, dass es kein wirkliches Leben im Falschen gibt. Unser Leben ist stets neu auf den Wahrheitsgehalt hin zu befragen, auf unsere Halbwahrheiten, auf unser Tarnen und Täuschen, vor allem auf unsere Selbsttäuschung. Der Glaube an einen Gott, der nicht tarnen und täuschen kann, der selber die Wahrheit ist, gebietet uns das.
Reich des Lebens: Im Lateinischen heißt Leben vita, davon kommt unser Wort vital. Vom vitalen Organismus wird heute viel geredet. Aber wie steht es mit der Vitalität der Seele? Wie steht es mit dem göttlichen Leben? Seit der Taufe wohnt Gott in uns. Wir haben Anteil am göttlichen Leben. Dieses muss gepflegt werden. Wir müssen darauf schauen, dass ER in uns bleibt. Es gilt alles Gottferne aus unserem Leben hinaus zu räumen. Sünde ist nichts anderes als Gottferne, alles, was dem Wesen Gottes widerspricht.
Reich der Heiligkeit: Wir glauben an einen heiligen Gott. Das verlangt von uns große Ehrfurcht. Heiligkeit ist nicht eine moralische Kategorie, sondern wesentlich mehr. Heiligkeit ist unsere Berufung. Der anständige Mensch, von dem gern die Rede ist, und der beim näheren Hinschauen oft gar nicht so anständig ist, ist zu wenig. Es braucht den heiligen Menschen. „Seid heilig, denn ich euer Gott bin heilig,“ lautet das Heiligkeitsgesetz des Alten Testamentes. Und im Neuen Testament steht: „Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung!“
Reich der Gnade: Unser deutsches Wort Gnade kommt vom der Lateinischen gratia. Davon kommt unser Wort gratis. Es scheint uns heute alles begehrenswert was gratis ist. Sonderangebote und Vergünstigungen haben wir gern. Aber, und das halte ich für wesentlich, und ich lade uns ein, es ernsthaft zu bedenken, wie geht es uns mit dem Glauben an den Reichtum der Gnade Gottes? Haben wir diesen Glauben? Haben wir ihn nicht fast verloren? Unsere Leistungsgesellschaft macht es uns auch nicht unbedingt leicht an den Vorrang der Gnade zu glauben. Wir brauchen neu den Glauben an den Reichtum der Gnade Gottes. Früher oder später wird selbst unsere Leistungsgesellschaft feststellen, dass wir uns trotz bester Technik, das Glück auf Erden nicht machen oder herbeireden können. Das alte Sprichwort „an Gottes Segen ist alles gelegen“bleibt gültig. Das Leben ist Geschenk, und vieles bleibt Geschenk, verdanken wir seiner Gnade.
Reich der Gerechtigkeit: Unser Verständnis von Gerechtigkeit beruht sehr auf ein Ausgleichsdenken. Jedem das, was ihm zusteht. Was der Mensch sät, erntet er. Was jemand nicht zusteht, soll er auch nicht haben. Jesus spricht deutlich von der anderen Gerechtigkeit. Dieser geht es darum, dass jeder Mensch nicht nur im materiellen Sinn, sondern auch im geistlichen Sinn, im Sinn der Werke der Barmherzigkeit, die wir heute gehört haben, das haben sollte, was er braucht. Im Reich der Gerechtigkeit ist kein Platz für Neid und für jene, die meinen zu kurz gekommen zu sein, wohl aber für jene, die wirklich zu kurz gekommen sind.
Reich der Liebe: Da braucht man wohl nicht viel zu sagen. „Gott ist die Liebe.“ Hauptgebot ist das dreifache Liebesgebot. Ich muss immer mehr ein Liebender werden. Gott will Mitliebende. Am Ende unseres Lebens werden wir einmal nach der Liebe gerichtet. Es kommt auf unsere Liebe an. Der heilige Augustinus sagt einmal: „Liebe, und tu was du willst.“ Das ist kein Freibrief zur Beliebigkeit. Es bedeutet, ein wirklich liebender Mensch kann tun und lassen, was er will, es wird nicht falsch sein.
Reich des Friedens: Der Friede beginnt im eigenen Haus, im Inneren des Menschen. Wer in sich keinen Frieden hat, wird auch keinen weitergeben können. Der Auftrag ist: „Mache Frieden mit dir! Mache Frieden mit Gott! Mache Frieden mit der Welt und den Menschen in ihr.“ Um inneren Frieden zu finden, braucht es die Kraft des Annehmens, braucht es Geduld und einen langen Atem.
Es gibt wahrlich viel zu tun, dass unsere Welt Reich Gottes, Reich des Christkönigs werden kann.
(Wort zum Hochfest Christkönig, 22.11.2020)
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