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Santiago74
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Edith Düsing: "Jesus Christus oder das Nichts"

„Das geistige Gefüge abendländischer Ordnung zerbricht, wenn Christus in unserer Kultur ausgelöscht wird.“ Mit diesen Worten eröffnete Prof. Dr. Edith Düsing, apl. Hochschuldozentin für Philosophiegeschichte, ihre Abschiedsvorlesung [...].

Unter Bezug auf die Philosophen Hegel und Nietzsche warnte Düsing eindrücklich vor einem vollständigen Verlust des christlichen Glaubens in der Kultur. Das naturalistische Menschenbild der Moderne führe zur Absolutsetzung des Sozialen und der Sexualität. „Es gibt und gilt heute nur die Horizontale, die Gesellschaft, die Vertikale, das Ewige wird marginalisiert.“

Für den sensiblen Denker Friedrich Nietzsche, über den Düsing ihr Leben lang geforscht hat, sei die schwere Melancholie Europas eine Folge des Todes Gottes gewesen. Nietzsche sei seiner Zeit weit voraus und schon damals der säkulare Prophet des Niedergangs europäischer Kultur und Ethik gewesen. Der Tod Gottes sei vom Menschen selbst verschuldet. Die Folgelast seien Nihilismus gepaart mit Selbstverlust. Nietzsche selber habe nicht durch die Philosophie, sondern durch die Bibelkritik eines David Friedrich Strauß seinen christlichen Jugendglauben verloren und sei erst dadurch zum Atheisten geworden, so Düsing. Er selber habe sich seither als „heimatlos“ bezeichnet. Sein „toller Mensch“ sei eigentlich ein Hofnarr, der als einziger ungefährdet den Menschen die Wahrheit ins Gesicht sagen durfte. Die Folgen des Gottestodes, Wertlosigkeit, Verlust der Wahrheit und der Liebe, Orientierungslosigkeit und Entpersönlichung des Menschen, habe Nietzsche schon zu seiner Zeit prophetisch vorausgesehen.

„Zutiefst altgläubig und daher zeitgeistunabhängig zu sein ist der einzig tragfähige Weg“ – so der Aufruf Düsings [...] Sie schrieb dem Kollegium und den Studierenden ins Stammbuch: „Wir Christen brauchen Zeitklarheit, die nur nahe bei Christus erreichbar ist.“ [...]

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