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Nicky41
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Lustige Begebenheiten - Die Ordnung der Natur

Der Bauer sprach zu seinem Weib: „Dein Schaffen ist nur Zeitvertreib. Das bisschen Kochen ist bequem; verhungern wirst du nicht bei dem; ich muss dazu die Klötze hacken, mich schinden auf dem Feld und packen.“
„Hast du wohl einen Tausch im Sinn?“ fragt sie; es bringt mir nur Gewinn, wenn ich hinfort das Feld bestelle, und du die Suppen kochst, Geselle.“

Er Sprach: „Das bin ich gern zufrieden.“ So schlossen sie beim Frühstück Frieden: Die Frau nahm einen Strick zur Hand und zog die Walzen übers Land, diesweil der Mann zu Hause blieb und fröhlich schon die Hände rieb. „Nun muss ich erst das Feuer stochen, mein Leibgericht dabei zu kochen: Reisbrei mit Zucker und Kaneel, das hält zusammen Leib und Seel´.“ Er dachte jetzt den Krug zu füllen; da hört die Kuh im Stall er brüllen.

„Ja brülle nur! Du wirst versehn; muss erst das Wasser holen gehen, weil sonst das Feuer am Holze frisst, da noch sein Brennen unnütz ist.“
Er ging, den Eimer in der Hand, zum Brunnen, wo schon mancher stand, der auch den Schwengel schwingen wollte, der ihm das Wasser schöpfen sollte. Darüber brüllt` die Kuh aufs neu. „So schweig doch still, du kriegst schon Heu!“ Nun kam zuletzt die Reih´an ihn, da setzt` er seinen Eimer hin, und als er voll war, lief der Tropf und goss das Wasser in den Topf und hob ihn auf des Herdes Glut; und eh´ er noch sich ausgeruht, brüllt` schon die Kuh zum dritten Mal.
„Das ew´ge Brüllen ist fatal! Mir wird ganz wüst davon im Kopf. Erst muss der Reis ja in den Topf: Wie sollt´er sonst denn kochen können? Die Zeit wird mir die Kuh noch gönnen.“
So sprang er hin, den Reis zu holen und schüttet´ ihn halb in die Kohlen mit einem derben Fluch, der Schlöffel; den Rest dann rührt`er mit dem Löffel. Doch wieder brüllte jetzt die Kuh.
„Ja“, sagt er, „nun bekommst auch du, hübsch immer einer nach dem andern, wie jenes Mädchen sprach von Flandern!“ Doch wie er jetzt im Stalle war, nicht Heu, er ward´s mit Schreck gewahr, noch Gras war da. „Das ist zu toll, wenn ich erst Futter machen soll, darüber fängt das Wasser an zu brodeln, ich geschlagner Mann und läuft mir über: welcher Schade an meinem Leibgericht gerade! Doch gibt’s zu allen Dingen Rat: Ein Mittel weiß ich, ganz probat.“ Er nahm die Kuh an einen Strick und brachte vom Berge her sie sachte, sachte auf seinen Hauses moos´gen First: „Da weide du; ich weiß, du wirst zufrieden sein, es wächst da viel.“

Zur Küche eilt´er dann, da fiel ihm ein: wenn sie vom Dache stürzte und sich um Hals und Bein verkürzte, da käm´er schlecht an bei der Frau. Doch half er sich gewand und schlau: am Hals der Kuh den langen Strick nahm er und warf ihn mit Geschick in die Küchen durch das Schornsteinloch; dann in der Küche band er noch sich ihn ans Bein. „Nun kann ich mir geruhig Reisbrei kochen hier.“ Er goss auch gleich das Wasser ab und hob die Milch vom Brett herab, mass einen Schoppen in den Brei; den Topf dann setzt`er wieder bei, mit der linken Hand das Feuer schürend und mit der rechten eifrig rührend - der Reisbrei brennt sonst an: ihr wisst, wie widrig das dem Gaumen ist. Inzwischen auf dem schmalen Grat des Daches ging die Kuh und tat vorsichtig keinen Schritt voran, der sie zu Falle bringen kann. Doch wie sie jetzt den Hals gereckt nach einem Kraute, das ihr schmeckt, verliert sie – hieß das Kraut Schabab? - das Gleichgewicht und stürzt herab. Zum Glücke, weil der Strick zu kurz, kommt sie zu Boden nicht im Stur: Zwischen Erd und Himmel bleibt sie schweben, vom Strick gewürgt, doch noch am Leben; am andern Ende zog der Strick den Mann im gleichen Augenblick empor, dass er im Schornstein hing und vor dem Schwaden schier verging. Darüber kommt die Frau nach Haus vom Feld und sieht mit Schreck und Graus ihr Kühchen in der Luft verrecken, schon aus dem Hals die Zunge strecken. Zum Messer greift sie in der Hast, den Strick sie mit der Rechten fasst und lässt, abschneidend mit der Linken, das teure Gut zu Boden sinken. Wie sie gerettet hat die Kuh, der Küche rennt sie eilend zu, dem Bauer recht den Marsch zu machen, doch nicht vermochte sie´s vor Lachen: die fand den Armen mit dem Kopf gesunken in den Reisbreitopf; die Füße in die Luft gestreckt, diesweil die Zunge Reisbrei schmeckt. So musste sie den Ehgesellen erst wieder auf die Füße stellen. Auch jetzt noch war´s nicht Zeit zum Schelten, dass lässt die Eifrigste wohl gelten, um Aug und Ohren hing ihm Brei, erst musst´ein großer Schwamm herbei. Und als sie ihm den Kopf gewaschen, da gedachte für sein Reisbrei-Naschen sie jetzt die Predigt anzuheben.
Doch ward ihm alles bald vergeben, als er die Torheit eingestand und sich zur Buße willig fand.

Er sprach: „Du hast wohl Recht behalten; wir lassen´s künftig hübsch beim alten.“ -

Man soll nicht, mag dies Beispiel lehren, die Ordnung der Natur verkehren.

(Karl Simrock)
SvataHora
Mal was Lustiges fernab der ständigen Schockmeldungen aus dem Umfeld des "Heiligen Vaters".
Elista
😀 👏 😁 👍
Nicky41
"Der ewige Brunnen" von Ludwig Reiners ist eine wundervolle Gedichtsammlung.