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Santiago74

Die erhabenste Weisheit liegt in der Betrachtung der Wahrheit

Nach Aristoteles besteht die Aufgabe des Weisen darin, "die höchsten Ursachen" zu betrachten (sapientis est "causas altissimas" considerare). Das Ziel des Universums müsse das "Gut der Vernunft" sein. Das aber sei die Wahrheit. Also müsse die Wahrheit das letzte Ziel des ganzen Universums sein und die Weisheit vor allem in ihrer Betrachtung bestehen. "Daher legt die fleischgewordene göttliche Weisheit Zeugnis dafür ab, dass sie in die Welt gekommen sei, um die Wahrheit offenbar zu machen" indem sie sagt: "Dazu bin ich geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege." (Joh 18, 13) Auch die erste Philosophie bestimmt Aristoteles als die "Wissenschaft von der Wahrheit". Wie es darum die Aufgabe des Weisen sei, die Wahrheit vor allem in Hinblick auf den ersten Ursprung zu bedenken und den anderen darzulegen, so sei es auch seine Aufgabe, "das ihr entgegenstehende Falsche zu bekämpfen" - eine Aufgabe, die von vielen Philosophen und Theologen heute versäumt wird.

Das Streben nach Weisheit sei unter allen Bestrebungen des Menschen das erhabenste, weil dadurch der Mensch in vorzüglicher Weise eine Ähnlichkeit mit Gott erlange, der "alles in Weisheit (omnia in sapientia)" gemacht habe. Ziel sei es, die Wahrheit, die der katholische Glaube bekenne, darzulegen und entgegenstehende Irrtümer auszuschließen oder wie Hilarius sagt: Er sei sich bewusst, "diese Aufgabe geradezu als das wesentlichste meines Lebens Gott schuldig zu sein, dass all meine Rede und all mein Sinn spreche von ihm." Mit den meisten Irrenden könne man vernünftig diskutieren, jedoch kaum mit Mohammedanern. Bei der Untersuchung der Wahrheit müssten daher die Irrtümer wie die der Mohammedaner ausgeschlossen werden. Es müsse dargelegt werden, in welcher Weise die Wahrheit mit dem Glauben der christlichen Religion übereinstimmt. ("veritas fidei Christianae religionis concordet")

"Weil einige von ihnen, wie die Mohammedaner (Mahumetistae) und die Heiden, nicht mit uns die Autorität wenigstens eines Teils der Heiligen Schrift anerkennen, durch die sie überzeugt werden könnten, wie wir gegen die Juden auf Grund des Alten Testaments disputieren können, gegen die Häretiker auf Grund des Neuen. Sie aber nehmen ja keins von beiden an." - Thomas von Aquin, ScG I, 2 "Nicht alles, was über das Christentum gesagt wird, ist, obwohl es mit der Vernunft nicht erforscht werden kann, sogleich als falsch zu verwerfen, wie die Manichäer und die meisten Ungläubigen (Mahumetistae et pagani) gemeint haben" - Thomas von Aquin, ScG I, 3

Natürlich gebe es Menschen, die eine Sache mit dem Verstand schärfer durchschauen als andere, erkenne der, dessen Verstand höher sei, vieles, was der andere überhaupt nicht fassen könne, wie es ersichtlich ist bei einem türkischen Ziegenhirten oder vielen anderen, die die mohammedanische Lehre angenommen haben, die in keiner Weise die scharfsinnigen Überlegungen der Philosophie begreifen können. "Wie also der Laie, der behauptet, das von einem Philosophen Vorgetragene sei falsch, weil er es nicht fassen kann, von höchstem Unverstand wäre, so und noch viel mehr ist der Mensch von übergroßer Torheit", wenn er das, was vom christlichen Gott her durch den Dienst der Engel offenbart wird, deshalb für falsch hält, weil es mit der Vernunft nicht erforscht werden kann. Nicht alles, was über das Christentum gesagt wird, ist, obwohl es mit der Vernunft nicht erforscht werden kann, sogleich als falsch zu verwerfen, wie vor allem die Mohammedaner gemeint haben. Nur wenige haben eine wirkliche Gotteserkenntnis. Einige werden abgehalten wegen ihrer ungeeigneten körperlichen Veranlagung, durch Erfordernisse der Haushaltung und können nicht so viel Zeit aufbringen, "dass sie den höchsten Gipfel menschlichen Forschens erreichen, die Gotteserkenntnis nämlich - Einige aber werden durch Faulheit gehindert. Zur Erkenntnis jener Dinge nämlich, die die Vernunft von Gott erforschen kann, muss man vieles vorher erkennen, da ja fast alles philosophische Denken auf die Gotteserkenntnis hingeordnet ist." Solche Anstrengungen nun wollen nur wenige aus Liebe zum Wissen auf sich nehmen, zu dem Gott doch ein natürliches Verlangen in den Geist der Menschen eingepflanzt habe. Erst wenn der Geist Ruhe und Halt gefunden hat, wie Aristoteles sagt, könne er begreifen und denken. "Dadurch, dass die Seele von der natürlichen Verwirrtheit aus auf festem Boden Fuß fasst, wird etwas erst besonnen und klug." Heilsam also habe die göttliche Güte Vorsorge getroffen, dass sie auch das, was die Vernunft erforschen kann, im Glauben festzuhalten gebot, damit so alle Menschen leicht, ohne Zweifel und ohne Irrtum der Gotteserkenntnis teilhaft sein könnten. Darum heißt es ja auch - heute vor allem auf die Mohammedaner bezogen - "Wandelt nicht mehr, wie die Heiden wandeln in der Eitelkeit ihrer Sinne, da sie einen durch Finsternis verdunkelten Verstand haben" und "Ich will alle deine Kinder vom Herrn belehrt sein lassen." Es gehe um die "Unterdrückung der Anmaßung" wie sie heute vor allem bei den Mohammedanern zu finden ist und die die "Mutter des Irrtums" sei. Der Geist müsse zu etwas höherem aufgerufen werden, was über den ganzen Stand des gegenwärtigen Lebens hinausgehe. "Dies aber kommt vorzüglich der christlichen Religion zu (Et hoc praecipue Christianae religioni competit)." wie Thomas von Aquin betont.

"Ist also, mit dem Menschen verglichen, der Geist etwas Göttliches, so ist auch ein Leben im Geistigen, verglichen mit dem menschlichen Leben, etwas Göttliches." - Aristoteles


Daher sollen wir nicht solchen Dichtern folgen wie Simonides, "die uns mahnen, als Menschen uns mit menschlichen und als Sterbliche mit sterblichen Gedanken zu bescheiden, sondern, so weit wir können, uns zur Unsterblichkeit erheben und alles tun, um unser Leben nach dem einzurichten, was in uns das höchste ist." - Aristoteles