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M.RAPHAEL
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Alles Wissen ist Glaube

Wenn modernen Menschen bewusst wird, dass man den katholischen Glaubenswahrheiten eine objektive Faktenrealität im Außen zuspricht (es gibt Gott, es gibt den Himmel, es gibt die Sünde, usw. in etwa wie es den Großglockner gibt), dann ist ihre Antwort fast immer: Woher weißt du das? Du hast keinen Beweis. Das bildest du dir nur ein!

Sie fühlen sich dazu berechtigt, weil sie wie selbstverständlich zwischen einem objektiven modernen wissenschaftlichen Faktenwissen in Bezug auf die reale Außenwelt und einem subjektiven Glauben an fiktive Wunschprojektionen als Produkt der Psyche unterscheiden. Das erlaubt ihnen, in und mit der Welt zu machen, was sie wollen. Sie müssen keinem „fiktiven“ Gott mehr gehorchen. Der ist für sie nur noch ein menschengemachtes Integrationsprinzip, das jederzeit an die sich andauernd verändernden menschlichen Vorlieben angepasst werden kann. Auch kommunistische Konzilskirchenfunktionäre können dann mit gutem Gewissen jede Unzucht segnen, um weiterhin vom „Volk“ ihr Süppchen zu bekommen und gleichzeitig dieses immer weiter in eine oberflächliche, prinzipienlose, tanzende und händchenhaltende Bevölkerung eines globalen Sodom und Gomorrha zu verwandeln.

Die Unterscheidung zwischen objektivem Faktenwissen und subjektivem Glauben ist ein Produkt der menschlichen Sehnsucht nach vollkommener Kontrolle über das Leben. Der Mensch will Gott das Heft aus der Hand nehmen. Dazu benutzt er die Philosophie, um eine weitestgehende Begründung zu ermöglichen. Er sucht eine „wissenschaftliche“ Philosophie, die sich überzeugend vom unwissenschaftlichen Glauben abgrenzen kann.

Allerdings hat wohl die Mehrheit der Philosophen (Platon, Aristoteles, Kant, Husserl, Carnap) den wissenschaftlichen Charakter der Philosophie hervorgehoben….Wissenschaftlich heißt für sie soviel wie logisch zwingend für jedermann, der dem Gedankengang folgen kann. Jedermann, der dieselben Grundannahmen macht, muß auf Grund schrittweiser Ableitungen zu denselben Schlüssen kommen, so daß für persönliches Meinen kein Raum mehr übrig bleibt….Allerdings ist dieser Traum einer wissenschaftlichen Philosophie nie in der Weise voll verwirklicht worden, daß wir heute eine alle Menschen verpflichtende wissenschaftliche Philosophie hätten.“ Ferber, Rafael, Philosophische Grundbegriffe 1, München 2008, S. 24.

Das Problem liegt in „denselben Grundannahmen“. Alles Denken, die Vernunft selbst, baut auf Grundvorstellungen, Einstellungen, Zielen, Wünschen, etc. auf. Wenn man die nicht teilt, dann kommt man auch nicht zu denselben Schlüssen.

Nicht nur lassen sich die Grundannahmen fast aller Philosophen irgendwo bestreiten, nicht nur sind die verwendeten Grundbegriffe meistens ungenügend geklärt, auch die Begriffsauflösungen und Ableitungen lassen meistens zu wünschen übrig. Die Ausschaltung jeglichen persönlichen Meinens scheint in der Philosophie wohl ebenso unmöglich wie die Ausschaltung allen Irrtums. Zwar gibt es in der exaktesten der Naturwissenschaften, z.B. der mathematischen Physik, auch kein zwingendes Wissen, das für alle Zukunft gelten würde. Alle Gesetze der Physik, die heute gelten, könnten sich schon morgen als falsch erweisen (vgl. S. 61). Doch während in der Physik bis zu einem gewissen Grade Einigkeit darüber besteht, welche Gesetze gelten, so scheint die Uneinigkeit über die Prinzipien der Philosophie, wie sie schon seit den Vorsokratikern besteht, weiterzugehen, wenn auch auf anderer begrifflicher Ebene. Es wird so wohl eine Illusion bleiben, diesen prinzipiellen Dissens in der Philosophie durch Verwissenschaftlichung in einen Konsens überführen zu können. In der Philosophie, d.h. dem menschlichen Wissensstreben selber, scheint nämlich ein Anspruch zu liegen, der sich der Verwissenschaftlichung erfolgreich widersetzt.“ Ebd., S.25.

Das bedeutet, dass alles Wissen Glaube ist. Wenn der neuzeitliche Mensch den Wissensbereich auf den Teil seiner Welterfahrung reduziert, den er sich als eine durch Naturgesetze determinierte Maschine vorstellen kann, dann weil er Herr über diese sein will. Er glaubt nur an seinen eigenen Herrschaftswillen. Er will nichts davon wissen, dass die Welt Gott gehört und er in dieser dem Willen Gottes zu gehorchen hat. Wieso weiß er, dass es Gott nicht wie den Großglockner gibt? Wer hat ihm das verraten? Wer hat ihm das bewiesen? Der einzige Unterschied zwischen Gott und dem Großglockner ist, dass Gott eine metaphysische und der Großglockner eine physische Faktenrealität in der Außenwelt ist. Der Einwand, dass die Metaphysik keine Wissenschaft sein kann, greift nicht, denn er setzt voraus, dass nur das Physische gewusst werden kann. Aber diese Voraussetzung müsste erst noch bewiesen werden. Im strengen Sinn ist sie eine Glaubenseinstellung mit dem Ziel der Herrschaft über die Physis. Außerdem ist sie widersprüchlich. Die Behauptung, dass die Metaphysik keine allgemeine und notwendige Geltung beanspruchen kann und deshalb unwissenschaftlich sei, setzt immer schon ein allgemeines und notwendiges Urteil über die Metaphysik voraus, welches genau der metaphysische Haken der Wahrheit ist, den der Metaphysik Leugner ja gerade verneint. Da helfen auch nicht Kant’s synthetisches Urteil a priori und seine diesbezügliche Transzendentalphilosophie. Warum soll sich irgend jemand notwendigerweise an den Prämissen und Axiomen von Kant (Rationalismus, Empirismus, seine Transzendentalpoesie) orientieren? Was ist an jemandem zwingend allgemein, für den es nicht das Ding an sich, sondern immer nur die bloße Erscheinung gibt? Kant ist ein aufklärerischer Dichter, ein Träumer. Außerdem will er, als Protestant, immer schon den Glauben an Gott als eine subjektive Beliebigkeit hinstellen. Er will Luther gegen die katholische Ontologie rechtfertigen. Deshalb reduziert er das Wissen auf das Konstrukt einer Rechenmaschine. Er hat wohl zuviel Peter Greenaway, Der Kontrakt des Zeichners, in Visionen schon vorab geschaut:

youtube.com/watch?v=92-LPtzRfTQ

Nein, der Mensch weiß zwingend, allgemein und notwendig, dass es Gott gibt. Die natürliche Vernunft sagt es ihm. Aber er ist frei. Er kann Gott ablehnen. Er kann sich Grundannahmen auswählen, die eine Anerkennung Gottes für ihn unmöglich machen. Dazu gehört dann die neuzeitliche Differenzierung zwischen Wissen und Glauben. Folgt er dieser, glaubt er, Gott nicht mehr wissen zu können. Aber die Kinder Gottes, die Gott lieben und wollen und in denen Gott deshalb Wohnung genommen hat, die wissen, dass die Metaphysik Wissenschaft ist, dass Glaube und Wissen ein und dasselbe sind. Die Wahrheit, die Person ist, erleuchtet sie von innen. In Ihrem Licht erkennen sie alles, was für sie relevant ist. Die keinen Gott haben erschaffen dagegen ihre eigenen Lügen und Wahnvorstellungen. Das nennen sie historisch kritische Faktenrealität, die, weil in der Zeit, immer schon eine Illusion ohne Substanz, ohne Sein ist.
Salzburger
Wie schon x-mal geschrieben: "Deshalb reduziert er das Wissen auf das Konstrukt einer Rechenmaschine." gilt für die ARISTOTELiker, aber eben gerade nicht von KANT, der dieses Pseudo-"Wissen" der Dummen zerfetzte. Aber offensichtlich können/wollen Sie das nicht zur Kenntnis nehmen. Erklärtermaßen stehen Sie ja auch auf starke Frauen. Bezeichnenderweise zitieren Sie ja auch immer nur aus den "…More
Wie schon x-mal geschrieben: "Deshalb reduziert er das Wissen auf das Konstrukt einer Rechenmaschine." gilt für die ARISTOTELiker, aber eben gerade nicht von KANT, der dieses Pseudo-"Wissen" der Dummen zerfetzte. Aber offensichtlich können/wollen Sie das nicht zur Kenntnis nehmen. Erklärtermaßen stehen Sie ja auch auf starke Frauen. Bezeichnenderweise zitieren Sie ja auch immer nur aus den "logizistischen" Büchern der seichten Wiener oder sonstiger ImManentisten. Genau so, wie einer von denen sich eine Zeit lang bei uns herumtrieb. Oder ein Maoist, der Thomist (und Zeremoniar) und schließlich Darwinist wurde. Oder ein Tradi-Priester, welcher jeden Zweifel an der Existenz der Welt für "krank" erklärte und folgerichtig an der Theolog.Fak. im StraßenAnzug (ohne Kreuzchen, d.h. ärger als jeder KonzilsKleriker) aufkreuzte, um bei der allmächtigen Frau Welt nur ja nicht anzuecken. Oder gleichermaßen weltgläubige Studenten, die so taten, als ob sie mich mit meinem öffentlichen Tischgebet in der Mensa nicht kennten. Oder ein Philos.lehrer an einem FSSPX-Gymn., der Affen für gesunkene Menschen hält, weil es zwischen Tier und Mensch keinen wesentlichen UnterSchied gäbe. Oder ein BeichtVater, der satanistische Phänomene als "unwissenschaftlich" ablehnte. Oder der jetzige FSSPX-Priester hier, der eben a la FEUERBACH/MARX/... behauptete, daß "Not lehrt beten". Nicht zu vergessen die thomistisch-marxistischen MuckerBischöfe, die kaum, daß sie keinen Herren mehr über sich hatten, sofort vor der Frau Welt krochen. Dann die geltungsgierigen CanonistenClowns, die AntiChristen nicht einmal direkt vor ihrer Nase erkennen.
Na, ich in meinem oströmischen Exil habe mit diesem Absurdistan endlich auch äußerlich nichts mehr zu tun.
Sin Is No Love
Ja, es werden sich noch viele wundern, dass es Gott wirklich gibt.