Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag, 24.7.2022

14 Std. ·

Predigt 17. Sonntag im Jahreskreis, 24.7.2022
Perikopen: Kol 2,12-14 Lk 11,1-13
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Den betenden Jesus haben die Jünger im Evangelium gesehen. Dann kommen sie mit der Bitte: „Herr lehre uns beten.“ Offensichtlich hat sie das Gebet Jesu beeindruckt, dass sie sich gedacht haben: „So wie er betet möchten wir das auch können.“ Dann bringt ihnen Jesus, das Vater unser bei, das Grundgebet der Christen. Zentral sind eigentlich die ersten beiden Bitten: „Dein Reich komme“ und „dein Wille geschehe.“ Wo sein Reich kommen und sein Wille geschehen darf, werden die anderen Bitten fast automatisch erfüllt. Da hätten alle Chance auf das tägliche Brot, weil Menschen nicht nur auf sich schauen. Da ist die Chance auf Vergebung, weil Menschen dazu bereit sind. Da ist die Chance sich in den Versuchungen des Lebens von Gott führen zu lassen und zurecht zu kommen. „Dein Reich komme, dein Wille geschehe," beten wir mit dem Mund. Aber beten wir im Herzen nicht öfters anders, so oder ähnlich: „Mein Reich komme, meine Wille geschehe und der Himmel gebe seinen Segen dazu?“ Sich von Jesus das Beten lehren lassen bedeutet, dass sein Reich kommen und sein Wille geschehen darf. Und da möchte ich heute einfach mal ein wenig nachdenken was hinderlich ist. Erstens: Ein Hindernis ist der Eigenwille im Menschen oder eine gewisse Meinungsstabilität. Im Reich Gottes ist kein Platz für Eigensinn und Eigenwille. Das Reich Gottes meint Beziehungsgeschehen. Beziehung entsteht nur dort, wo ich mich öffnen kann, wo ich mich Loslösen kann vom eigenen Ich auf das Du und das Wir. Die Loslösung vom eigenen Ich ist das Hauptthema. In vielen Worten Jesu wird es angesprochen. Da denke ich an die Worte Jesu: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig.“ Oder „Keiner der Hand an den Pflug legt und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.“ Oder „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein.“ Diese Worte verdeutlichen, dass der Egoismus das Wachsen des Gottesreiches stark behindert. Wir haben von Gott eine ganz große Freiheit bekommen, sie ist wahrscheinlich unser einzig wirkliches Eigentum. Diese Freiheit ermöglich uns sein Reich kommen zu lassen, wenn wir uns Loslösen von diesem ewigen „ich, ich, ich.“ Zweitens: Ein weiteres Hindernis ist die Undankbarkeit. Christen feiern Eucharistie, das heißt übersetzt Danksagung. Da sehen wir, dass die Haupthaltung die Dankbarkeit sein muss. Ich habe schon oft den Eindruck, dass viele Menschen oft gar nicht sehen, wie gut es ihnen geht und welchen Grund sie zur Dankbarkeit hätten. Diese Undankbarkeit kommt oft davon, dass man sich mit dem anderen vergleicht und immer schaut, was der andere alles hat, und was ich nicht habe. Diese Undankbarkeit kommt daher, dass das weltliche Karrieredenken oft auch zu sehr ins persönliche Leben, auch ins kirchliche und ins Glaubensleben eingedrungen ist. Man darf sich nie abhängig machen vom Lob und von der Anerkennung der Menschen. Es zählt nicht, was ich in den Augen der Menschen bin, sondern in den Augen Gottes. „Was du in den Augen Gottes bist, das bist du,“ sagt der heilige Franz von Assisi. Es geht darum die Ehre Gottes zu suchen und nicht die eigene Ehre. Wer nur die eigene Ehre sucht, der soll es in der Wirtschaft, oder im Sport, oder in der Öffentlichkeit versuchen, aber ja nicht in der Nachfolge Jesu. Es täte, glaube ich, vielen gut ein bisschen dankbarer zu sein für das was man hat und gelingt, als ständig undankbar für das, was man nicht hat und was misslingt. Drittens: Ein weiteres Hindernis ist die Vergesslichkeit. „Not lehrt beten,“ lautet ein Sprichwort. Es stimmt. In Notsituationen probieren es doch Menschen öfters noch mit dem Beten. Manchmal, nicht immer, werden Menschen auch mit Gebetserhörungen beschenkt, tritt tatsächlich ein, was sie erbeten haben. „Not lehrt beten.“ Das stimmt zum Teil, für kurze Zeit hat es einem das Beten gelehrt. Was müsste die logische Konsequenz daraus sein? Eben nicht nur „Not lehrt beten,“ sondern „Rettung, Erhörung lehrt beten.“ Leider fällt der zweite Teil oft weg, weil der Menschen sehr vergesslich ist. „Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat,“ heißt es in den Psalmen. Gott möchte nicht das wir vergesslich und im Herzen dement werden. Das Gebet um den heiligen Geist ist deshalb sehr wichtig. Denn der Heilige Geist ist der große Erinnerer. Nicht umsonst sagt Jesus: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den ich euch vom Vater aus senden werde, wird euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ Liebe Brüder und Schwestern! Sein Reich soll kommen dürfen und sein Wille soll geschehen dürfen. Denken wir daran, wenn wir das Vater unser beten. Räumen wir alle Hindernisse weg, die das verhindern, besonders den Eigenwillen, die Undankbarkeit und die Vergesslichkeit. „Herr, lehre uns ein solches Beten!“ Amen.
Sonia Chrisye
„Was du in den Augen Gottes bist, das bist du,“ zitiert Pfarrer Pühringer den heiligen Franz von Assisi.
Das sind wahre Worte. Sie richten die Frage an uns, wem wir denn nun gefallen wollen, entweder dieser mit Schuld und Fluch beladenen Welt oder unserem Schöpfer, unserem Vater im Himmel? Doch schauen wir auf uns, stellt sich gleich die nächste Frage. Kann ich meinem Herrn und Gott mit all …More
„Was du in den Augen Gottes bist, das bist du,“ zitiert Pfarrer Pühringer den heiligen Franz von Assisi.
Das sind wahre Worte. Sie richten die Frage an uns, wem wir denn nun gefallen wollen, entweder dieser mit Schuld und Fluch beladenen Welt oder unserem Schöpfer, unserem Vater im Himmel? Doch schauen wir auf uns, stellt sich gleich die nächste Frage. Kann ich meinem Herrn und Gott mit all meinen Unzulänglichkeiten überhaupt gefallen? -
„Ja", so lautet die frohe Botschaft. „Ja“, nämlich dadurch, dass ich durch das Blut Jesu geschützt bin, und gerade um diesen Schutz darf ich ebenso täglich bitten wie um das tägliche Brot in dem Vater unser.
Bitten wir also um den Schutz durch SEIN teures, heiliges und bis auf den letzten Tropfen vergossenes Blut, dass wir in der Eucharistie zu uns nehmen, um Teil zu haben an SEINEM LEBEN.
Die eucharistisches Gaben von Brot und Wein werden in der Wandlung zu Fleisch und Blut Christi und wandeln zugleich auch uns durch den Glauben, wenn wir einem Leben in der Eucharistie zustimmen und und uns dem Kreuzweg nicht entziehen. Erst dann sind wir in Wahrheit geschützt und auf der sicheren Seite.
Sonia Chrisye shares this
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Sich von Jesus das Beten lehren lassen bedeutet, dass sein Reich kommen und sein Wille geschehen darf.
Danke für diese gute Predigt aus Oberkappel in Oberösterreich von Pfarrer Pühringer.
Sonia Chrisye
"Dein Reich komme", - diese Aussage beinhaltet das Opfer Jesu, und stehen wir unter dem Schutz SEINES vergossenen Blutes, dann verlieren wir die Angst und Resignation durch unser oft unzulängliches Reden und Handeln. Denn genau da hakt der Feind ein und verklagt die Brüder und Schwestern vor Gott Tag und Nacht. Er greift unser Gemüt an und will uns der Kraft berauben, die in uns durch den …More
"Dein Reich komme", - diese Aussage beinhaltet das Opfer Jesu, und stehen wir unter dem Schutz SEINES vergossenen Blutes, dann verlieren wir die Angst und Resignation durch unser oft unzulängliches Reden und Handeln. Denn genau da hakt der Feind ein und verklagt die Brüder und Schwestern vor Gott Tag und Nacht. Er greift unser Gemüt an und will uns der Kraft berauben, die in uns durch den Beistand des heiligen Geistes geschenkt ist, wie es Pfarrer Pühringer so treffend zur Sprache bringt. Das Blut Jesu ist allezeit wirksam und wäscht uns rein von aller Sünde und Schwachheit, so dass wir uns täglich aufschwingen können und wieder jung und kraftvoll sein können wie ein Adler, ohne Angst und ohne Zweifel. Dir lieber @RupertvonSalzburg und allen Usern von Gtv wünsche ich einen gesegneten Sonntag.