Die heilige Schwester Theresia Benedicta a Cruce (Dr. Edith Stein), Unbeschuhte Karmelitin, Martyri…

Kein Geringerer als Papst Johannes Paul II. hat das Leben dieser Ordensfrau „gleichsam eine Synthese unseres Jahrhunderts“ genannt. Sie selbst hat …
Ursula Sankt
Sr. Benedicta a Cruce, bitte für uns
Novena - Oremus shares this
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Die deutsche Philosophin Edith Stein wurde in einer gläubigen jüdischen Familie geboren, konvertierte zum Katholizismus, wurde später Karmelitin und erlitt an diesem Tag im Jahr 1942 den Märtyrertod in einer Gaskammer in Auschwitz.
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Edith Stein
Eine von sechs Millionen

Von Giovanni Benotto, aus „Orizzonti“, Rom 1960
(Edith Stein wurde von Papst Johannes Paul II. am 1. Mai 1987 in Köln seliggesprochen. Ihre Heiligsprechung fand am 11. Oktober 1998 in Rom statt. 1999 wurde Edith Stein – zusammen mit der heiligen Brigitta und der heiligen Katharina von Siena – zur Patronin Europas erklärt. Ihr Festtag wird am 9. August …
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Edith Stein

Eine von sechs Millionen


Von Giovanni Benotto, aus „Orizzonti“, Rom 1960

(Edith Stein wurde von Papst Johannes Paul II. am 1. Mai 1987 in Köln seliggesprochen. Ihre Heiligsprechung fand am 11. Oktober 1998 in Rom statt. 1999 wurde Edith Stein – zusammen mit der heiligen Brigitta und der heiligen Katharina von Siena – zur Patronin Europas erklärt. Ihr Festtag wird am 9. August gefeiert.)


Im Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem sagte der israelische Generalstaatsanwalt: „Ich klage diesen Mann an zusammen mit weiteren sechs Millionen Anklägern, deren Gräber oder deren Asche über ganz Europa, von Auschwitz bis Treblinka, verstreut sind.“ – Im Vernichtungslager Auschwitz verlieren sich auch die Spuren einer der einzigartigsten Konvertitinnen unserer Zeit: Edith Steins, die nach einer glänzenden wissenschaftlichen Karriere in den Kölner Karmel eingetreten war.

* * *

Im Konzentrationslager, wenige Tage vor ihrem Tod, stellte jemand Schwester Theresia Benedikta vom Kreuz die Frage:

„Und was werden Sie jetzt tun?“

Schwester Theresia Benedikta gab zur Antwort: „Bisher habe ich gebetet und gearbeitet; von jetzt an werde ich arbeiten und beten.“

Schwester Theresia Benedikta brauchte weder ein Programm zu ändern noch geistige Positionen zu revidieren. Nur wenige Dinge in ihrem Leben hatten der Veränderung bedurft, und sie hatte diese Änderung vorgenommen, als sie erkannt hatte, dass es Zeit dafür war.

„Ich hatte keine Krisen, noch bin ich nach einer Krankheit oder einer Enttäuschung in der Liebe in Ihre Kirche eingetreten“, erklärte Brick Top alias Ada Smith, eine amerikanische Sängerin, die in Rom einen Nachtclub führt, den auch Kinder besuchen könnten, so einwandfrei ist er, einem katholischen Journalisten. „Ich habe Gott gefunden, wie ein Hungriger früher oder später sein Brot findet.“

Wie diese, aber früher als sie, war Schwester Theresia Benedikta vom Kreuz, mit weltlichem Namen Edith Stein, mit Gott zusammengetroffen. Langsam, Schritt für Schritt, war sie zum Glauben gekommen. Für sie hatte es weder den Abgrund der Sünde und der Erniedrigung gegeben noch die steile Höhe der Gnade. Ihr ebener, wohlgefälliger und tröstlicher Weg war nicht durch die „Sonne Satans“ verhärtet und ausgetrocknet worden. Sie hatte den Kelch der unerlaubten Freuden nicht geleert. Ihre einzige Freude waren die Arbeit und das Studium gewesen.

Sie liebte und suchte die Wahrheit. Sie hoffte sie in den Schriften der großen Geister zu finden. Sie las Aristoteles, Platon, Plotin, arbeitete Kant, Hegel und Kierkegaard gründlich durch und fand darin Gelehrtheit, Humanität und Weisheit, aber nicht die Wahrheit. So wurde sie Atheistin.

Eine Frau liest das Brevier

Doch die Suche nach dem Schönen, Guten und Wahren war damit nicht zu Ende. Die Sehnsucht nach der Wahrheit war nach wie vor ihr einziges Gebet. Und sie begann die Wahrheit nunmehr jenseits der Wissenschaft und der Philosophie zu suchen.

Max Schelers Vorträge eröffneten Edith Stein neue Einblicke in die Tatsachen der christlichen Welt. Doch blieb sie noch lange vor den Toren der Kirche stehen. Eines Tages, im Herbst 1921, fiel ihr während der Ferien, die sie bei ihrer Freundin Hedwig Conrad-Martius in Bergzabern in der Pfalz verbrachte, in der Bibliothek zufällig ein umfangreiches Buch in die Hand; es trug den Titel „Leben der hl. Theresia von Avila“, von ihr selbst geschrieben. „Ich begann zu lesen, war sofort gefangen und hörte nicht mehr auf bis zum Ende. Als ich das Buch schloss, sagte ich mir: „Das ist die Wahrheit!“

Sie beschaffte sich sofort einen katholischen Katechismus und las darin so lange, bis sie sich den Inhalt ganz angeeignet hatte. Dann betrat sie zum ersten Mal eine katholische Kirche, um die hl. Messe mitzuerleben. Hinterher folgte sie dem Geistlichen ins Pfarrhaus und bat ihn kurzerhand um die hl. Taufe.

Bevor sie zur Taufe zugelassen werden könne, erklärte ihr der Priester, müsse eine Vorbereitungszeit vorangehen. „Wie lange haben Sie schon Unterricht, und wer erteilt ihn?“

„Als Antwort konnte ich nur erwidern: Bitte, Hochwürden, prüfen Sie mich!“

Der Priester prüfte sie und war überrascht. Am Neujahrstag 1922 taufte er sie. Taufpatin war die Freundin, Hedwig Conrad-Martius.

Am gleichen Tag empfing Edith Stein auch noch das Sakrament des Altars, und von nun an war die hl. Eucharistie die tägliche Nahrung ihrer Seele. Und täglich betete sie das priesterliche Brevier.

Die Tochter des Talmud

Edith Stein war am 12. Oktober 1891 in Breslau als siebtes Kind ihrer jüdischen Eltern geboren. Als sie drei Jahre alt war, starb der Vater. Von der tiefgläubigen Mutter, die die Pflichten ihres Glaubens streng beobachtete, wurde sie in der religiösen Lehre des Talmud erzogen.

Edith zeichnete sich schon von frühester Jugend an durch eine ungewöhnliche Begabung aus. Sie entschied sich für das Studium der Germanistik und der Philosophie und besuchte die Universitäten Breslau und Göttingen. Hier wurde sie die beste und bekannteste Schülerin des berühmten Begründers der Phänomenologie Edmund Husserl.

Mit 25 Jahren war Edith noch Atheistin. Jedoch Gott leitete sie mit seiner Liebe, und eines Tages fand sie den Weg zu Ihm. Ihre Annäherung an die Kirche und ihr späterer Übertritt zum Katholizismus erschütterten die Mutter als strenge Anhängerin des mosaischen Glaubens und setzten die Frau des verehrten Lehrers Husserl in Erstaunen. Dennoch entzog Husserl ihr nicht sein Vertrauen. Edith selbst aber fühlte sich hinsichtlich des getanen Schrittes nur der Stimme des eigenen Herzens verantwortlich.

Der katholischen Religion gab sie sich vorbehaltlos hin. Damit wandelte sich auch der Gegenstand ihrer Studien. Sie las nunmehr die Werke der christlichen Philosophen, die Schriften der Kirchenväter sowie asketische und theologische Bücher. Thomas von Aquin und Augustinus wurden ihre Lieblingsautoren; sie fühlte sich von ihrer Intelligenz, ihrem kritischen Scharfsinn und ihrer Bescheidenheit angezogen. Darüber hinaus wandte sie sich nunmehr den Heiligen zu. Sie hatte erkannt, dass die Heiligkeit ein Weg war, den sie gehen konnte. Und sie begriff auch, dass Maria maßgebenden Anteil an ihrem Lebensweg hatte. Als sie vor der Wahl stand, in welchen Orden sie eintreten sollte, wählte sie den U. L. Frau vom Berge Karmel.

Der Sturm bricht los

Am Sonntag, dem 15. April 1934, empfing die bisherige Dozentin Dr. Edith Stein unter dem Namen Teresia Benedicta a Cruce das Gewand des Karmel.

Nun folgten einige friedliche Jahre im Kölner Karmel (Maria vom Frieden). Dann begann die schreckliche Zeit der Judenverfolgung in Deutschland. Schwester Teresia Benedicta a Cruce und ihre Schwester Rosa (die in der Zwischenzeit ebenfalls konvertiert war und sich in den Schutz der Klostermauern zurückgezogen hatte) gingen auf Wunsch der Mutter Priorin nach Echt in Holland in den dortigen Konvent.

Doch auch hier blieben sie von dem Sturm der Zeit nicht verschont. Der zweite Weltkrieg brach aus, verbreitete sich über Europa, und für die Klosterinsassinnen begann eine schreckliche Zeit der Not und Verfolgung.

Am 2. August 1941, um fünf Uhr nachmittags, wurden die beiden Schwestern Stein von zwei Gestapooffizieren abgeholt und zusammen mit einer Anzahl anderer Juden mit dem Überfallwagen in das Internierungslager Westerbork geschafft. Von dort ging es nach einigen Tagen in einem Transportzug nach dem Osten in das Konzentrationslager Auschwitz, wo Edith Stein zusammen mit ihrer Schwester am 9. August als eines der sechs Millionen Opfer der nationalsozialistischen Judenvernichtungspolitik den Tod in der Gaskammer fand. Die Leichen wurden verbrannt.

Eine Zeugin schrieb über die Tage im Lager Westerbork: „Der große Unterschied zwischen Edith Stein und den anderen Schwestern lag in ihrer Schweigsamkeit. Mein persönlicher Eindruck ist, dass sie zuinnerst betrübt war, nicht angstvoll.“ Diese Trauer aber hatte sie offensichtlich der anderen wegen befallen. Sie war traurig über die Leiden der anderen. Das Weinen, das Schreien, die Verwünschungen in ihrer Umgebung machten sie mehr leiden als der Gedanke an den eigenen Tod, den sie vor Augen sah. Schwester Theresia brauchte nicht an sich selbst zu denken. Sie fühlte, dass es in ihrem Leben nichts zu ändern oder zu widerrufen gab. So bot sie ihr Leben für die Bekehrung ihres Volkes dar. Dafür hatte sie in all den Jahren gebetet und gearbeitet. Dafür arbeitete und betete sie bis in die letzten Augenblicke irdischen Lebensweges.

* * *

Gebet für die Ermordeten Juden und ihre Verfolger

Herr, du Gott unserer Väter! Du Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs! Du Vater der Erbarmung und Gott allen Trostes! Du hast dich deines Knechtes Israel angenommen und ihm und allen Menschen Jesus Christus, deinen Sohn, als Erlöser gesandt. Ihn, der schuldlos war, hast du für uns dahingegeben, damit durch ihn alle gerettet werden.

Wir bekennen vor dir: Mitten unter uns sind unzählige Menschen gemordet worden, weil sie dem Volk angehörten, aus dem der Messias dem Fleisch nach stammt.

Wir bitten dich: Führe alle zur Einsicht und Umkehr, die auch unter uns mitschuldig geworden sind durch Tun, Unterlassen und Schweigen. Führe sie zur Einsicht und Umkehr, damit sie sühnen, was immer sie gefehlt haben. Vergib um deines Sohnes willen in deinem grenzenlosen Erbarmen die unermessliche Schuld, die menschliche Sühne nicht tilgen kann.

Lass unter uns das Vorbild der Menschen wirksam werden, die sich bemühten, den Verfolgten zu helfen und den Verfolgern zu widerstehen. Tröste die Trauernden, besänftige die Verbitterten, Einsamen und Kranken. Heile die Wunden, die den Seelen geschlagen wurden. Lass uns und alle Menschen immer mehr begreifen, dass wir einander lieben müssen, wie dein Sohn uns geliebt hat.

Gib den Ermordeten deinen Frieden im Land der Lebendigen. Ihren ungerecht erlittenen Tod aber lass heilsam werden durch das Blut deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

(Von den deutschen Bischöfen verfasst und empfohlen, könnte dieses Gebet jedem von uns zur guten Gewohnheit werden im Gedenken an die unschuldigen Opfer des Dritten Reiches und zur Fürbitte für ihre Verfolger.)