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Von vorgestern: Der BASTA!-Papst

Sie müssen die Revolution annehmen, und damit BASTA! So wird es der allgemein anerkannte Amtsinhaber, Papst Franz I.*, gemeint haben, als er sprach: „Sie müssen das zweite Vatikanum annehmen, und damit basta.“

Der bemerkenswerte Beitrag Franziskus wütet macht weiter auf das Problem aufmerksam, wie das VK2 überhaupt zu verstehen sei. Dies sei für den amtierenden Franz überhaupt kein Problem, denn er zeige eine klare Haltung, meint der Autor: >>Wenn er als Papst den Dokumenten eine bestimmte Bedeutung gibt – dann haben sie die, basta! Er und sein Kirchenlehrer Humptius Dumptius Carrollus sehen da überhaupt kein Problem: „Wenn ich ein Wort verwende“, sagte dieser einstens ziemlich geringschätzig, „dann bedeutet es genau das, was ich es bedeuten lasse, und nichts anderes“. „Die Frage ist doch“, sagte die Zweiflerin, „ob du den Worten einfach so viele verschiedene Bedeutungen geben kannst?“. „Die Frage ist“, antwortete Humptius, „wer die Macht hat – das ist alles.“ (wikipedia.org/wiki/Humpty_Dumpty)"

Ich fürchte, das trifft es. Denn es trifft die ganze von Franz I. verkörperte Haltung eines sturen Revoluzzer-Opas**. Und der liegt natürlich auch hier falsch. Denn schon lange wissen die Kommunikationswissenschaftler, dass für das Verständnis einer Nachricht beim Empfänger - der Absender verantwortlich ist. Es steht dem Sender einer Nachricht natürlich frei, mit dem Wortausdruck Tisch ein Pferd zu meinen, verstanden wird er dann aber nicht. Sprache funktioniert nur als Gemeingut, nicht als Eigensinn und in Willkür. Auch nicht in vermeintlichem päpstlichen Willkür-"Recht". Das verkennt auch Humptius, denn der Sender hat gar keine Macht über den Empfänger. Er muss dessen Rezeption korrekt antizipieren oder er spricht ins Leere. Sozialisten können das nicht verstehen, denn sie sind es gewohnt, sich den Aufwand korrekter Antizipation durch Befehlsgebung und Gewalttat zu ersparen. Sie leben ganz grundsätzlich auf Kosten Anderer.

Ein Informatiker wies mich darauf hin, dass es da sogar eine technische Entsprechung gäbe: Das UDP und das TCP Protokoll. Bei ersterem sendet der Absender einfach seine IP-Pakete ins Netz, ohne jede Rückmeldung möglicher Empfänger. Es wird sozusagen drauflosgeplappert, egal ob die gesendeten Daten verstanden werden oder nicht. Mit TCP klärt ein spezielles IP-Paket erst ab, ob der Empfänger ihn verstanden hat. Erst dann wird die Kommunikation fortgesetzt.*** Der Vergleich hinkt meines Erachtens etwas, dennoch macht auch er deutlich, dass die "Macht" immer beim Empfänger liegt.

Natürlich kann Sprache manipulieren, doch eben nicht über eigenwillige Deutungszuschreibungen, die der Empfänger nicht teilt. Ohnehin steht auch die Deutungshoheit selbst eines Papstes nicht über der Wahrheit. Dazu habe ich einmal einen Kirchenjuristen befragt. Die Kirche hat immer sehr fein herausgearbeitet, wie die Erkenntnis der Wahrheit vertieft werden kann. Holzhammermethoden und Willkür kommen da gerade nicht vor. Schon gar nicht lässt sich das päpstliche Jurisdiktionsprimat überdehnen, in dem man es auf alle Willensäußerungen eines Papstes ausdehnt. Ohnehin ist auch dieses kein Letztentscheidungsmonopol wie im weltlichen Bereich angemaßt, sondern der Papst handelt als Stellvertreter dem unterworfen, den er vertritt. Die Kirche hat eine göttliche Hierarchie, keine voluntaristische. Keineswegs ist der Wille des Papstes Gesetz. Alle Gesetze sind von Gott. Wir erkennen sie richtig oder falsch, wir formulieren sie gut oder schlecht. Dem müssen sich auch die Konzilstexte stellen. Und wehe allen, denen die Pastoral Mittel zur Verderbnis ist.

*Latein mag er nicht, daher verwende ich hier, diesen Eigensinn selbstverständlich respektierend, die Volkssprache.
**Im Bild (wegen der Gleichberechtigung) eine Revoluzzer-Oma: oe24.at/…in-der-oma-revolte-war-in-neonazi-partei/297507552
***Das erinnert an die scholastische Weise zu Disputieren.