Die Auffindung des heiligen Kreuzes

Osterjubel klingt und singt in dieser Zeit froh und festlich durch die gesamte Kirche rings um die Erde, denn Christus, der Siegerheld auf Golgatha, herrscht nun als König vom Thron des Kreuzes aus über Himmel und Erde.

Kreuz des Glaubens, Baum der Treue,
Einzig du an Ehren reich,
Denn an Zweigen, Blüten, Früchten
Ist im Wald kein Baum dir gleich.
Teures Holz, o teure Nägel!
Teure Last für uns ihr tragt.

Christus ist der Osterkönig, und weil das Kreuz es war, mit dem er den großen Sieg über Satan und Sünde errungen hat, ist es durchaus in der Ordnung, dass die Anhänger des großen Königs Christus auch das Kreuz hoch in Ehren halten.

Wechselvoll sind die Geschicke des Kreuzes Christi gewesen.

Die Geschichte berichtet, dass sich Christi Freunde in der ersten Aufregung, die der Kreuzigung Jesu folgte, und in den harten Verfolgungen, die gleich darauf einsetzten, um das kostbare Marterholz des heiligen Kreuzes nicht bemühen konnten. Man wusste nur, dass das Kreuz an einer Stelle verscharrt wurde, wo man später wie zum Hohn ein Götzenstandbild errichtete.

Darüber vergingen fast dreihundert Jahre, und erst als der römische Kaiser Konstantin unter dem Kreuz, das ihm als glückverheißendes Zeichen am Himmel erschienen war, in blutiger Schlacht seine Gegner niedergerungen hatte und damit auch der Sieg des Christentums endgültig besiegelt war, da wandte sich die allgemeine Aufmerksamkeit erstmals wieder dem wahren Kreuz Christi zu.

Des Kaisers Mutter, die verehrungswürdige heilige Helena, reiste nach Jerusalem und leitete persönlich die Ausgrabungen. Drei Kreuze fand man im Boden vor. Weil man nicht wusste, welches von den drei Kreuzen das Kreuz Christi war, legte man sie der Reihe nach einer schwerkranken Frau auf. Die beiden ersten Kreuze erwiesen sich als wirkungslos, aber als das dritte Kreuz die Kranke berührte, war sie auf der Stelle gesund. Ein Teil des wahren Kreuzes Christi blieb in Jerusalem, ein zweiter Teil kam nach Konstantinopel und ein dritter nach Rom.

Von jenem Stück, das in Jerusalem blieb, wurden im Lauf der Zeit viele kleine und kleinste Splitter abgetrennt und an Pilger oder an Kirchen verschenkt. Wie viele Partikelchen man nun aber auch von der großen Kreuzesreliquie in Jerusalem löste, sie selbst nahm deswegen, wie die Legende berichtet, nicht im geringsten ab, und so ist es zu verstehen, dass es auf der Welt zahlreiche Kreuzesreliquien gibt, die alle zusammen viel mehr als nur ein Kreuz ausmachen. Glücklich aber ist jede Kirche zu nennen, die auch nur die kleinste Kreuzesreliquie besitzt, denn wie klein sie auch sein mag, so war sie doch ein Werkzeug unserer Erlösung.

O Kreuz, du Hoffnung, sei gegrüßt,
Aus dem uns Osterfreude fließt,
Mehr´ allen Frommen Gottes Huld
Und tilge aller Sünden Schuld!

Als damals vor über sechzehnhundert Jahren das wahre Kreuz Christi aufgefunden worden war, erließ Kaiser Konstantin das Gesetz, dass das Kreuz nie mehr zur Hinrichtung gebraucht werden durfte. So wurde aus dem Kreuz, das ehedem ein Holz der Schmach war, ein verehrungswürdiges Ruhmeszeichen, und wenn heute Heiden und Ungläubige das Kreuz auch schmähen, die Christen werden es allezeit hoch in Ehren halten bis zu jenem Tag, der der letzte der Weltgeschichte ist. Dann wird auf den Wolken des Himmels Christus und mit ihm, hellsten Glanzes voll, auch das Kreuz erscheinen als Zeichen der ewigen Verwerfung für diejenigen, die es im Leben verworfen haben. Für diejenigen aber, die es verehrt und geliebt haben, wird es in jener Stunde zum unbeschreiblich beseligenden Zeichen dafür, dass ihr ewiger Ostertag begonnen hat.

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