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Der Engelsturz (2) : Luzifers ungeordnete Selbstliebe

2.
Luzifer geriet damals in eine sehr ungeordnete Selbstliebe,


denn er sah sich mit einer höheren Schönheit der Natur und Gnade ausgerüstet, als die übrigen Engel. In dieser Erkenntnis hielt er sich zu lange auf, und das Wohlgefallen an sich selbst hemmte ihn so, dass er Gott, der einzigen Ursache all seiner Vorzüge, den schuldigen Dank lässig und träge darbrachte. Wiederum betrachtete er sich selbst.

Aufs Neue gefielen ihm seine Schönheit und seine Gnaden. Er schrieb sie sich selbst zu und liebte sie als seine eigenen. Diese ungeordnete Selbstbetrachtung bewirkte, dass er sich mit den Kräften, die er von einer höheren Macht empfangen hatte, nicht nur nicht, wie er sollte, über sich selbst erhob, sondern sie verführte ihn auch zum Neid gegen andere und zur Begierde nach den Gaben und Vorzügen der anderen. Da er diese für sich nicht erlangen konnte, entbrannte er in tödlichem Zorn und Hass gegen Gott, der ihn aus dem Nichts erschaffen hatte, und gegen alle Seine Geschöpfe. Aus dieser Verfassung entsprangen Ungehorsam, Vermessenheit, Ungerechtigkeit, Treulosigkeit, Gotteslästerung, ja, sogar eine Art Abgötterei, denn er begehrte für sich jene Anbetung, die man allein Gott schuldig ist. Er lästerte Gottes Hoheit und Heiligkeit. Er verlor den Glauben und die schuldige Treue. Er nahm sich vermessentlich vor, alle Geschöpfe zu vernichten, und schmeichelte sich, dies und noch manches andere ausführen zu können. In dieser Geisteshaltung verharrte er. Seine Hoffart steigerte sich. Doch seine Vermessenheit war größer als seine Stärke, denn in dieser konnte er nicht wachsen. Doch hinsichtlich der Sünde „ruft ein Abgrund dem anderen zu“, der erste sündige Engel war Luzifer, er verführte die anderen. Deshalb wird er der Fürst der bösen Geister genannt, also nicht vermöge seiner Natur. Nicht wegen dieser, sondern nur um der Sünde willen konnte er diesen Titel behaupten. Die sündigen Engel sind nicht alle aus einem Chor, sondern aus allen fielen Engel ab, und zwar viele. Jetzt will ich, wie ich es schaute, berichten nach welchen Ehren und Vorzügen Luzifer voll Neid und Hoffart trachtete.

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Quelle:
Maria v. Agreda, Die Mystische Stadt Gottes
(aus dem 4bändigen gekürzten Werk)


Link:
Die Mystische Stadt Gottes, Maria von Ágreda (1602-1665) - Buchempfehlung mit höchsten Belobigungen
augustinus 4
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