Auffindung des Leibes des heiligen Erzmartyrers Stephanus - Fest: 3. August

Arm und Haupt des hl. Stephanus Aus einem altehrwürdigem Martyrologium: „Es war im Jahr nach Christi Geburt 418, als es Gott gefiel, sein gläubiges …
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3. August: die wunderbare Auffindung der Gebeine des heiligen Stephanus
martin fischer
Wunderbar
Zweihundert
der Logos
Stephanus
Stephanus, der Gottesheld,
Ward vom Herren auserwählt,
Dass er zu großer Ehre
Der erste Martyrer wäre.
Dieweil nach Christi Himmelfahrt
So groß die Zahl der Christen ward,
Dass die Apostel ganz allein
Dem Predigtamt sich mussten weihn,
Ward er mit sechs anderen noch
Zum Diakon erwählt. Das Joch
Nahm er auf sich, in allen Wegen
Der armen Christen so zu pflegen,
Dass ihnen keine Notdu…More
Stephanus

Stephanus, der Gottesheld,
Ward vom Herren auserwählt,
Dass er zu großer Ehre
Der erste Martyrer wäre.
Dieweil nach Christi Himmelfahrt
So groß die Zahl der Christen ward,
Dass die Apostel ganz allein
Dem Predigtamt sich mussten weihn,
Ward er mit sechs anderen noch
Zum Diakon erwählt. Das Joch
Nahm er auf sich, in allen Wegen
Der armen Christen so zu pflegen,
Dass ihnen keine Notdurft fehle
Und dass sie keine Armut quäle.
Er war den Heidenchristen gleich
Wie Judenchristen liebereich.

Doch grad aus diesem Grund beluden
Mit ihrem größten Hass die Juden
Den treuen Pfleger der Gemeine.
Durch falsche Zeugen ward der Reine
Beschuldigt dass er wider Gott
Und wider des Moses Gebot
Geredet, dass er unglaublichen Spott
Mit ihre Gesetze und mit Gott
Verübt, dass er von Christus gehört,
Die Stadt und der Tempel würden zerstört
Und alles ausgetrieben;
So hätten auch die Propheten geschrieben.

Stephanus aber mit Wort und Tat
Verteidigte sich vor dem hohen Rat,
So wie der heilige Geist ihn lehrte.
Der Gute, Treubewährte
Begann die Rede fördersam
Vom Patriarchen Abraham,
Ging dann über zu Moses, dem guten,
Und den Propheten, den hochgemuten,
Und zeigte ihnen, wie alle Zeit
Ihre Väter lagen mit Gott im Streit,
Wie sie waren des Herzens unbeschnitten
Und von hartnäckig bösen Sitten,
Wie sie widerstanden dem heiligen Geiste,
Wie sie verschmähten, was er ihnen weiste,
Wie sie Weissager und Propheten
Martern ließen und auch töten;
Darum es wohl kein Wunder war,
Wenn sie zum Schlusse offenbar
Auch den Messias zum Tode brachten,
Ihn, dessen alle Propheten gedachten.

Als er die Reden ihnen vorwarf,
Da ward ihr Unmut also scharf,
Dass sie sich nicht wollten schämen,
Sondern begannen zu griesgrämen
Gleich bösen Hunden im Gemüte
Auf Stephanus, der voll der Güte
Wie ein Lämmlein vor ihnen stand
Und ganz entzückt zur rechten Hand
Des Vaters Jesus im Himmel sah.
Aus der Stadt stießen sie ihn da,
Ihn zu töten mit Steinen.
Die falschen Zeugen, die unreinen,
Sollten nach Gewohnheit
Ihm erbieten das erste Leid.
So taten sie ihre Kleider ab.
Der junge Saulus aber gab
Der Kleider acht und nahm sie in Hut,
Hievon er an des Heiligen Blut
Wahrlich auch sehr mitschuldig ward,
Weil er jenen auf solche Art
Eine gute Förderung war.
Doch das bereute er offenbar
Später, da ein heiliger Paul
Ward aus dem feindgesinnten Saul.

So warfen sie mit Steinen
Den Gotteshelden. Den reinen.
Der litt mit Geduld das Ungemach;
Zu Gott rief er und sprach:
"Empfang, Herr, meinen Geist allhie!"
Damit fiel er auf die Knie.
Ihn entbrannte der Minne Schwall,
Trotz der häufigen Steine Fall
Und des Volkes Tobsucht.
Seine hohe tugendliche Zucht
Zwang ihn zu Seufzern tief.
Unseren Herren er anrief
Gar gütlich mit dem Wort allein:
"O viel lieber Herre mein,
Sieh an die blinden Leute
Und vergib ihnen heute,
Was sie mir Leides hier getan,
Weil sie sich Besseres nicht versah`n!"

Also der Held sein Blut vergoss.
Die Juden, aller Ehren bloß
Und ohne züchtigliche Scham,
Ließen da den Leichnam
Liegen, den Hunden wegzuzerren.
Nun waren da zwei edle Herren,
Auch Fürsten in Israel:
Nikodemus und Gamaliel,
Also waren sie genannt.
Ihre Herzen waren gänzlich entbrannt
Von Jesu Christi guter Lehr`,
Doch verbargen sie das sehr
Aus Angst in diesen Jahren;
Aber beide waren
Im Rat der Juden allezeit
Den Christen zur Hilfe gern bereit.
Die waren es, die nun hinkamen,
Den Leichnam aufnahmen
Und ihn begruben auf dem Feld,
Das sich Gamaliel hatte bestellt.

Nach des guten Stephanus Tod
Erhub sich Angst und Not
Allda den Christenleuten.
Man begann sie auszubeuten,
Sie zu schlagen und zu jagen.
So herbe ward es in den Tagen
Nach Sankt Stephanus` Fall,
Dass die Christen überall
Aus Jerusalem entwichen
Und heimlich sich verstrichen.
Nur die zwölf Apostel gut,
Sie hatten also kühnen Mut,
Was man ihnen Schande erbot,
Dass sie bestanden in der Not.
Ihrer ward auch mancher erschlagen,
Wie die weiteren Mären sagen.

Stephanus` Leichnam ward gefunden
Erst wiederum in späteren Stunden,
Vierhundertundfünfzehn Jahr
Nach Christi Geburt fürwahr.
Einem Priester, Lucianus genannt,
Ward die Stätte im Traum bekannt.
Ihm erschien ein alter Mann
Im Schlafe, der also begann:
"Ich bin es, der in alten Tagen
Des Gesetzes Meisterschaft getragen;
Paulus, der große Bote,
War unter meinem Gebote,
Dieweil ich sein Schulmeister war.
Ich bin Gamaliel. Offenbar
Mach` ich dir dies: an sichrem Ort
Findest du vier Särge dort,
Die sollst du mit Ehren aufheben
Und davon Kunde geben
Dem Bischof von Jerusalem,
Johannes. Merke noch zu dem:
Im ersten Sarg ist Stephanus` Gebein,
Der zweite Sarg ist aber mein,
Der dritte des Nikodemus dann,
Der mit mir die Taufe gewann
Von Petrus und Johannes.
Die Leiche dieses frommen Mannes
Ließ ich zu Stephanus begraben.
Im vierten Sarge aber haben
Sie Abibas, meinen lieben Sohn,
Bestattet, der der Keuschheit Lohn
Mit zwanzig Jahren von Gott empfing."
Der Priester Lucianus ging
Erst dann zu jener Stätte hin,
Als ihm der Traum dreimal erschien.

Sankt Stephans Leichnam ward gebracht
Auf Sion mit großer Andacht,
Drauf nach Konstantinopel der Stadt
Und endlich, als Theodosius bat,
Den Kaiser, kam er hin nach Rom
In Sankt Laurentius` schönen Dom.
Dort liegen die beiden Diakone
Und tragen aller Ehren Krone.

So folgen wir dem Bilde,
Das uns der Holde, der Milde
In Nöten hat vorgetragen,
So dass wir unsre Feinde jagen
Nicht mit des Herzens Hasse,
Sondern, dass man sie fasse
Mit Gebet auf der Minne Spur.
Mit Liebe und Gebete nur
Jagen wir sie dem Teufel ab.
In solcher Liebesfehde gab
Doch stets die Flucht der Böse,
Von dem uns Gott erlöse!

Aus: "Goldene Legende der Heiligen
von Joachim und Anna bis auf Constantin den Großen"
neu erzählt, geordnet und gedichtet von
Richard von Kralik, 1902)