Tina 13
151

„Weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast“

Hl. Alphons-Maria von Liguori (1696-1787)

Bischof und Kirchenlehrer
3. Abhandlung zur Weihnachtsnovene (Œuvres spirituelles, Noël, Éds Saint-Paul 1993, p. 59; ins Dt. übers. © Evangelizo)

„Weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast“

Gott hat gewollt, dass wir erst nach dem Kommen des Messias geboren wurden; wie viel Dank schulden wir ihm dafür! Nachdem die Erlösung durch Jesus Christus bereits gewirkt war –, um wie viel größer waren die Wohltaten, die wir empfangen haben! Abraham, die Patriarchen und die Propheten sehnten sich danach, den Erlöser zu sehen; ihnen war dieses Glück nicht beschieden. Mit ihrem flehentlichen Seufzen und Bitten haben sie den Himmel sozusagen in den Ohren gelegen: „Taut, ihr Himmel, von oben“, riefen sie, „ihr Wolken, lasst Gerechtigkeit regnen!“ […] „Sende das Lamm, den Beherrscher der Erde“ (Jes 45,8; 16,1 Vulg.). […] So möge er in unseren Herzen herrschen und uns aus der Sklaverei befreien, in der wir elendiglich leben. „Erweise uns, Herr, deine Huld, und gewähre uns dein Heil“ (Ps 85(84),8). Das heißt: „Beeile dich, barmherzigster Gott, lass über uns deine liebreiche Huld aufleuchten, und lass die größte und wichtigste all deiner Verheißungen in Erfüllung gehen: Sende den, der uns retten soll“. So seufzten und flehten die Heiligen vor der Ankunft des Messias, und doch war es ihnen über viertausend Jahre hindurch nicht vergönnt, seine Geburt zu erleben. Dieses Glück war uns vorbehalten: Was aber tun wir? Welchen Nutzen ziehen wir daraus? Lasst uns doch diesen liebenswerten Erlöser lieben, jetzt, da er gekommen ist, da er uns aus den Händen unserer Feinde befreit hat, da er uns um den Preis seines Lebens vom ewigen Tod erlöst hat […], da er uns das Paradies geöffnet hat, da er uns mit so vielen Sakramenten und starken Hilfen ausgestattet hat! Er hat es getan, damit wir ihn in diesem Leben lieben und ihm in Frieden dienen, um uns im anderen Leben seiner auf ewig zu erfreuen. […] Du wärest wirklich voller Undankbarkeit, meine Seele, wenn du deinen Gott nicht lieben würdest, diesen Gott, der in Windeln gewickelt werden wollte, um dich von den Ketten der Hölle zu befreien; der arm sein wollte, um dir seinen Reichtum zu schenken; der schwach sein wollte, um dich gegen deine Feinde stark zu machen; der von Leiden und Traurigkeit überhäuft sein wollte, um durch seine Tränen deine Sünden abzuwaschen.