Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag, 17.7.2022

Predigt 16. Sonntag im Jahreskreis, 17.7.2022
Perikopen: Kol 1,24-28 Lk 10,38-42
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Ein Sinnspruch des Schriftstellers Eugen Roth lautet: „Ein Mensch nimmt guten Glaubens an, er hab das Äußerste getan. Doch leider Gott`s vergisst er nun, auch noch das Innerste zu tun.“ Dieser Gedanke eignet sich perfekt, das heutige Evangelium von Martha und Maria auszulegen. Das möchte ich tun. Erstens: Das Äußerste tun. Das trifft unsere Zeit. Viele Menschen tun in ihren Bereichen das Äußerste. Wir haben auch Mittel und Möglichkeiten dazu. Nie zuvor hatten Menschen solche Macht und Mittel die Welt derart zu gestalten. Wir haben Gewalt das Leben auf der Erde zu bewahren oder zu vernichten. Die Fülle der Informationen ist so unermesslich, das wir sie eigentlich nicht mehr verarbeiten können. Schneller, leichter, besser lautet die Daseinsformel der Menschen heute. Wir tun das Äußerste machen aber auch die Erfahrung, dass es uns zu schnell und zu viel wird. Wir tun das Äußerste, aber wissen wir besser Bescheid als unsere Vorfahren über den Sinn des Lebens, den Sinn von Liebe, Leiden und Sterben? Wir tun das Äußerste, aber es steigt eine gewisse Verbissenheit in vielen Menschen auf. Eine Verbissenheit, in der wir uns selber und andere leicht überfordern, eine Verbissenheit, die uns unbarmherzig werden lässt, eine Verbissenheit, die uns jammern lässt und dazu führt, dass wir den Anderen nicht mögen. Und da sind wir bei Martha. Kein Mensch mag Martha, können wir hier sagen. Das liegt nicht daran, das Martha das Äußerste tut und arbeitet, während Maria Jesus zuhört. Es liegt daran, dass Martha mit dem selbst Gewählten nicht zufrieden ist, dass sie das an ihrer Schwester auslässt und sich dann noch bei einem Dritten, bei Jesus darüber beschwert. Das Äußerste tun. Alles gut und recht. Wir sollen auch nicht zu minimalistisch werden, aber wir sollten doch auch genießbar bleiben und vielleicht manchmal das Tempo ein bisschen bremsen. Es soll nicht alles immer noch mehr, noch besser, noch schneller werden. Irgendwann werden wir anstehen. Zweitens: Das Innerste tun. Handeln ja, aber nicht nur, wie Maria auf das Wort Jesu zu hören. Und er sagt uns so viel, das hilft beim richtigen Handeln. Der Weg nach innen ist entscheidend ins Herz des Menschen. Der Weg nach Innen ist nicht nur ein Gebetsweg. Er ist ein Lebensweg, ein Weg des inneren Reifens und Entwickelns. Wir müssen dazu leise werden um die sanfte Stimme des Meisters zu vernehmen. Der heilige Augustinus, einer, der ganz intensiv nach Gott gesucht hat, ist erst dann zu einer tiefen Zufriedenheit gekommen, als er sagen konnte: „Mein Gott ich suchte dich da draußen, doch du warst in meinem Inneren. Das ist das eine Notwendige. Die Pflege unseres Innenlebens ist wichtig. Wieviel Zeit nehmen wir uns dafür? Hören auf das Wort Gottes ist unverzichtbar: Darum ist auch der Sonntagsgottesdienst unverzichtbar. Das Fernbleiben von ihm kann gefährliche Entwicklung der Entfernung mit sich bringen. Drittens: Und so ist es wichtig, dass wir zusammenhalten, was zusammengehört. Beides ist wichtig, das Äußerste und das Innerste. Wir müssen das heutige Evangelium nochmals mit dem vom letzten Sonntag verbinden. Da hörten wir vom barmherzigen Samariter und Jesus sagte zum Schluss: „Dann geh und handle du genauso.“ Letzten Sonntag Handeln, heute Hören. Beides gehört zusammen. Wir dürfen Hören und Handeln nie gegeneinander ausspielen. Was wäre, wenn der Samariter gesagt hätte: Ich muss zuerst das Wort Gottes hören, dann sehen wir weiter. So dachten Priester und Levit und überhörten, dass der Ausgeplünderte um Hilfe schreit. Umgekehrt führt ein Handeln ohne vorheriges hören zu einem blinden Aktionismus. Hören und Handeln sind zwei Seiten einer Medaille. Wir können das Äußerste nur tun aus dem Innersten. Und das Innerste hat nur dann Sinn, wenn es auch im guten Sinn nach außen kommt durch ein echtes und authentisches Leben. Wir müssen beide Seiten zusammenhalten.
Liebe Brüder und Schwestern!
„Ein Mensch nimmt guten Glaubens an, er hab das Äußerste getan. Doch leider Gott`s vergisst er nun, auch noch das Innerste zu tun.“ Versuchen wir das heutige Evangelium richtig zu verstehen, indem wir zusammenhalten, was zusammengehört. Amen.