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Mosebach: Katholische Romane sind wie Pornographie

Der deutsche Schriftsteller Martin Mosebach, 69, offenbarte dem Oligarchen-Blättchen „Süddeutsche Zeitung Magazin", dass er kein Freund katholischer Literatur sei.

Er finde eine Propagierung des Katholizismus in Romanen gefährlich. Der Grund: Die Welt drohe in diesen Werken zu stark der katholischen Lehre angepasst zu werden. Mosebach vergleicht katholische Romane – ausgerechnet – mit Pornographie, wo ein von wollüstiger Fantasie entworfenes Bild der Sexualität entstehe.

Als Negativbeispiel nennt Mosebach den Tod von Lord Marchmain in Evelyn Waughs Brideshead Revisited: „Der alte Sünder, der sich mit dem letzten Atemzug dann doch noch bekreuzigt. So etwas finde ich geradezu geschmacklos.“

Für Mosebach ist die Komödie die „eigentliche katholische Form der Literatur“. Sie respektiere die Erbsündenlehre von „der unreformierbaren Unvollkommenheit“ der gefallenen Welt.

Mosebach zitiert den Nobelpreisträger für Literatur T. S. Eliot (+1965), der den Katholizismus als „Philosophie der Desillusionierung“ betrachtete. Sie lehre, von der Erde nicht zu erwarten, was die Erde nicht geben könne.

Die Literatur lebe vom Widerspruch, der Fantasie, der Erfindung und Suggestion und sei nicht Theologie, die sich davon fernhalten müsse.

Mosebach erzählt auch, dass seine Bindung an den Katholizismus erst nach seinem dreißigsten Lebensjahr zu wachsen begann. Es habe immer religiöse Wurzeln gehabt, aber sie hätten lange nicht sehr tief gereicht. Ein "Bekehrungserlebnis" habe es nie gegeben.

Bild: Martin Mosebach, via wikicommons, Creative Commons
Mission 2020
Das " Lied der Bernadette " ist wohl das wunderbarste Buch in der Katholischen Welt und zeigt Glanz und Elend was oft von einem marianischen Glauben abverlangt wird.
Vates
Aber gute katholische Literatur war doch wohl auch in Romanform für Unzählige von missionarischer Wirkung, sogar von Päpsten geschätzt!
Goldfisch
JA!!! Sosehr ich von den ersten Zeilen irritiert war, mußte ich letztendlich sagen, daß dieser Mann recht hat. Es ist gefährlich und irreführend, wenn katholische Halbwahrheiten in Romanen ausgeführt werden. Viele Menschen orientieren sich daran und nehmen all das, was dort veröffentlicht wird, als paare Münze und setzen das 1 : 1 in ihrem Leben um. Ob es sich hier um sexuelles, oder weltliches …More
JA!!! Sosehr ich von den ersten Zeilen irritiert war, mußte ich letztendlich sagen, daß dieser Mann recht hat. Es ist gefährlich und irreführend, wenn katholische Halbwahrheiten in Romanen ausgeführt werden. Viele Menschen orientieren sich daran und nehmen all das, was dort veröffentlicht wird, als paare Münze und setzen das 1 : 1 in ihrem Leben um. Ob es sich hier um sexuelles, oder weltliches handelt ist einerlei, fakt ist, daß diese Menschen diese Romane als Bibel-Ersatz sehen und so in die Irre geführt werden.
Verstecktes Spiel, aber wenn man es nüchtern betrachtet: er hat recht.
Vielleicht ist seine Ausdrucksweise etwas hart, aber ....! Alles hat eben zwei Seiten.
Stelzer
genau
Waagerl
Katholische Romane sind wie Pornographie? Der spinnt ja wohl! Wenn ich zum Beispiel an die schönen Heiligenlegenden denke, an die Kinderbücher von Hünermann, an die Kommunionbücher u.v.m. und mir dann die Aussage von Mosebach auf der Zunge zergehen lasse, dann muss ich sagen, ist es eine Abschreckung sich mit katholischer Literatur zu beschäftigen. Hätte er geäussert zeitgeistige - gegenderte …More
Katholische Romane sind wie Pornographie? Der spinnt ja wohl! Wenn ich zum Beispiel an die schönen Heiligenlegenden denke, an die Kinderbücher von Hünermann, an die Kommunionbücher u.v.m. und mir dann die Aussage von Mosebach auf der Zunge zergehen lasse, dann muss ich sagen, ist es eine Abschreckung sich mit katholischer Literatur zu beschäftigen. Hätte er geäussert zeitgeistige - gegenderte katholische Autoren, Literatur, wäre ich noch ein Stückweit mitgegangen, aber so erscheint mir seine Aussage, wie Blasphemie!
Goldfisch
aber diese Legenden meint er nicht, diese sind ja auch in Ordnung. Es gibt soo viele wirkliche Romane, die uns die heile Welt vorgaukeln wenn man dieses und jenes so oder so macht, .... doch die Wirklichkeit sieht anders aus ...., er drückt es eben nur sehr hart aus!
Waagerl
Nun, ein Atheist würde, Ihren Worten wahrscheinlich zustimmen. Die sehen, den Katholizismus, als Betrug. Als katholischer Christ verneine ich dies jedoch. Weil, er katholisch verallgemeinert hat! @Goldfisch. Nicht alles ist Gold was glänzt.
Goldfisch
Aber wenn er alles aufschlüsseln würde, das wäre eine elends lange Liste. Er setzt hier schon die Kenntnis der kathl. Lehre voraus.
ok, werde mich ab sofort Silberfisch nennen, ok für Sie?? 🤔 😂 😂
Waagerl
Oh, je, das war wohl eine Fügung! Hatte es jetzt garnicht mit Ihrem Nicknamen verbunden. Bezog mich auf Modebach. äähm Mosebach. @Goldfisch 😱
Goldfisch
😂 😂 irgendwann bröckelt auch bei mir der Glanz, ... wird eben mal stumpf, muß gleich am Montag polieren! 🤫
Waagerl
Es gibt auch schöne katholische Romane, welche als Vorlage für Filme dienen und so mancher von uns sicher im Regal stehen hat. @Goldfisch
Goldfisch
stimmt, hab BenHur auf CD - aber die alte Version. Die neue kannste vergessen! Sexbesessen - abstoßend! - und da sind wir wieder bei der Überschrift .....!
Waagerl
Tja, in diesem Fall, gut drauf, ist nicht immer gut drin. Gilt meines Erachtens auch für Mosebach.

Er finde eine Propagierung des Katholizismus in Romanen gefährlich. Der Grund: Die Welt drohe in diesen Werken zu stark der katholischen Lehre angepasst zu werden. Mosebach vergleicht katholische Romane – ausgerechnet – mit Pornographie, wo ein von wollüstiger Fantasie entworfenes Bild der …More
Tja, in diesem Fall, gut drauf, ist nicht immer gut drin. Gilt meines Erachtens auch für Mosebach.

Er finde eine Propagierung des Katholizismus in Romanen gefährlich. Der Grund: Die Welt drohe in diesen Werken zu stark der katholischen Lehre angepasst zu werden. Mosebach vergleicht katholische Romane – ausgerechnet – mit Pornographie, wo ein von wollüstiger Fantasie entworfenes Bild der Sexualität entstehe. Zitatende

Er sagt ja gerade nicht, die katholische Lehre drohe, der Welt angepasst zu werden. Sondern im Gegenteil, er sagt, die Welt drohe in diesen Werken zu stark der katholischen Lehre angepasst zu werden. So nach dem Motto: Nach wildem ungeordneten Sex bekreuzígt man sich noch, als ob man sagen wolle: Lieber Gott, ich weiß ich bin nicht fromm, ein Kreuzlein dafür, dass ich nicht in die Hölle komm. Bis zum nächten Mal. Oder homosexuelle Leidenschaften sind nicht fromm. aber mit ein wenig katholischer Würze, gehen sie durchaus als katholisch durch. Er mockiert sich damit über katholische Kirche im Allgemeinen und unterstellt, die Katholiken sind alle Pharisäer.
Salzburger
Gegenüber mir meinte M.MOSEBACH mal, daß bei GOETHE zumindest das Faust-Ende kath. sei - aber gerade das Gegenteil ist der Fall! Was kein ZuFall ist: Wo einerSeits die "kath." Doktrinäre siegten, verkam das KunstWerk zum wertlosen TendenzStück. Wo andrerSeits der BeRufene mit seinem Engel rang, entstand echte Literatur&Kunst, welche naturaliter catholica war.

Neu ist Seine BeHauptung von der …More
Gegenüber mir meinte M.MOSEBACH mal, daß bei GOETHE zumindest das Faust-Ende kath. sei - aber gerade das Gegenteil ist der Fall! Was kein ZuFall ist: Wo einerSeits die "kath." Doktrinäre siegten, verkam das KunstWerk zum wertlosen TendenzStück. Wo andrerSeits der BeRufene mit seinem Engel rang, entstand echte Literatur&Kunst, welche naturaliter catholica war.

Neu ist Seine BeHauptung von der Komödie als eigentlich kath. - nun, sub specie AETERNITAtis ist menschliches GeTriebe freilich lachhaft; doch um in diesen Himmel hinaufzukommen, muß man sich zuerst dem Tragischen menschlicher ExIstenz stellen.
Moselanus
Mosebach denkt eben barocker als Sie.
Klaus Elmar Müller
Ende von Faust I: Die Sünderin bereut, vertraut sich lieber den Engeln an, als von Mephisto vor der Hinrichtung bewahrt zu werden; folglich ruft eine himmlische Stimme: "(...) ist gerettet"! ---Ende von Faust II: Gretchen im Fegefeuer (!) bittet für den Sünder Faust. Der war gestorben, kurz bevor er den vom Teufel versprochenen höchsten Glücksmoment erleben konnte und damit Recht bekommt: Faust …More
Ende von Faust I: Die Sünderin bereut, vertraut sich lieber den Engeln an, als von Mephisto vor der Hinrichtung bewahrt zu werden; folglich ruft eine himmlische Stimme: "(...) ist gerettet"! ---Ende von Faust II: Gretchen im Fegefeuer (!) bittet für den Sünder Faust. Der war gestorben, kurz bevor er den vom Teufel versprochenen höchsten Glücksmoment erleben konnte und damit Recht bekommt: Faust hatte immer bestritten, dass irdisches Glück ein Menschenherz erfüllen kann ("Was willst du armer Teufel geben?") Der Schluss von Faust II ist eine Huldigung an die Muttergottes als Inbegriff der Weiblichkeit, Jungfrau und Mutter, ewig von Gott erdacht. In diesem Hymnus fällt auch das Wort "Göttin"; es ist dichterisch übertreibend, und wird die allerseligste Jungfrau in Fatima während der Prozessionen dort nicht zu Recht mehr verehrt als die antiken Völker ihre Göttinnen verehrten?
Salzburger
Naja, @Moselanus, über die wert-(weil GOTT-)losen Allegoresen der BarockÄra machte Er sich eigentlich auch nie lllusionen.
Salzburger
Sie werden sich's nicht vorstellen können, @Klaus Elmar Müller aber uns AnGeHörigen von BURCKHARDTs "AltEuropa" ist der InHalt eines KunstWerks ziemlich gleichgültig gewesen. Aber lassen wir den Stil mal weg und schauen auf den InHalt: Hier steht das "EwigWeibliche" für GOETHEs Heidentum, die MutterNatur, die AufLösung im Kosmos - was sicher frömmer ist als fast alles, was sich heute "…More
Sie werden sich's nicht vorstellen können, @Klaus Elmar Müller aber uns AnGeHörigen von BURCKHARDTs "AltEuropa" ist der InHalt eines KunstWerks ziemlich gleichgültig gewesen. Aber lassen wir den Stil mal weg und schauen auf den InHalt: Hier steht das "EwigWeibliche" für GOETHEs Heidentum, die MutterNatur, die AufLösung im Kosmos - was sicher frömmer ist als fast alles, was sich heute "christlich" nennt, aber es eben dennoch auch nicht ist.
Klaus Elmar Müller
Mit Emil Staiger lehne ich es ab, in einem Kunstwerk die anderswo zu vermutenden Auffassungen des Autors zu "entlarven". Eine werkimmanente Interpretation zeigt ein katholisches Spätmittelalter. Das "Ewig Weibliche" kulminiert in Goethes "Faust II" in der Gestalt Mariens, zu der Gretchen schon in "Faust I" betet, nicht in einer diffusen anderen Gestalt namens "Mutter Natur". Dass Goethe …More
Mit Emil Staiger lehne ich es ab, in einem Kunstwerk die anderswo zu vermutenden Auffassungen des Autors zu "entlarven". Eine werkimmanente Interpretation zeigt ein katholisches Spätmittelalter. Das "Ewig Weibliche" kulminiert in Goethes "Faust II" in der Gestalt Mariens, zu der Gretchen schon in "Faust I" betet, nicht in einer diffusen anderen Gestalt namens "Mutter Natur". Dass Goethe ansonsten Heide war mit schmunzelnder Sympathie für den "katholischen Heiligenhimmel", hat fromme Priester ihre braven "Schäfchen" stets vor Goethe warnen lassen! Aber mit derselben Ängstlichkeit dürfte man Richard Wagners "Parsifal" nicht hören.
Salzburger
Mit dieser "werkimmanenten Interpr." ließen Sie, werter @Klaus Elmar Müller, sich von den kalten NeoKlassizisten des XX. 300 Jahre zurückkatapultieren. D.h. es steht Ihnen noch bevor der eigentliche GOETHE (ab Frankfurt/Straßburg), die Dt.Romantik, die AufErStehung der Religiosität, die Geburt der GEISTesWissenschaften a la DILTHEY. Wo man sich bewußt ward, daß z.B. SHAKESPEARE vielleicht doch …More
Mit dieser "werkimmanenten Interpr." ließen Sie, werter @Klaus Elmar Müller, sich von den kalten NeoKlassizisten des XX. 300 Jahre zurückkatapultieren. D.h. es steht Ihnen noch bevor der eigentliche GOETHE (ab Frankfurt/Straßburg), die Dt.Romantik, die AufErStehung der Religiosität, die Geburt der GEISTesWissenschaften a la DILTHEY. Wo man sich bewußt ward, daß z.B. SHAKESPEARE vielleicht doch größer war als der technisch bessere MARLOWE; d.h. daß es um das bebend' Herz hinter/über dem Werke geht, welches sich vielleicht nur ungenügend im Oevre äußern kann; welches dem Künstler oft selbst nicht klar wird (Dichtern freilich eher als Malern oder Komponisten).
Klaus Elmar Müller
Ich verstehe Sie: Dichter sind keine kalten Produzenten, wie etwa der Marxismus sie sieht. Aber Goethe verwandelt sich doch vom Prometheus zum Doctor Marianus, lässt im "Faust" Shakespeare und das Barock wieder aufleben, gegen den Geist der Aufklärung: Der Mensch Goethe und seine Werke sind Zweierlei, Goethe genießt, was "bebend Herz" ist. In der Deutschen Romantik mag man es finden, in deren …More
Ich verstehe Sie: Dichter sind keine kalten Produzenten, wie etwa der Marxismus sie sieht. Aber Goethe verwandelt sich doch vom Prometheus zum Doctor Marianus, lässt im "Faust" Shakespeare und das Barock wieder aufleben, gegen den Geist der Aufklärung: Der Mensch Goethe und seine Werke sind Zweierlei, Goethe genießt, was "bebend Herz" ist. In der Deutschen Romantik mag man es finden, in deren Abtauchen in den Mikrokosmos der Seele, an den Sternenhimmel widergespiegelt, Dunkles verklärend zu einer guten Geisterwelt "am himmlischen See", oder in Novalis' religiös-politischem Programm - dagegen ja Goethes abwehrendes Zusammenzucken ob der Reversion des Romantikers Brentanos zum Katholizismus.
Salzburger
Ja, @Klaus Elmar Müller, im Wissen, daß "jede totale Bewegung bankerott macht", war Er in der Tat einer, der über Sein Werther&Faust-tum Meister zu werden trachtete (und es ja eigentlich auch immer schon gewesen war [Seine "Entelechie"]).
Allerdings kann man bei Ihm Person und Werke am allerwenigsten trennen, da diese erklärtermaßen "nur eine einzige Konfession" waren (was die Romantiker dann …More
Ja, @Klaus Elmar Müller, im Wissen, daß "jede totale Bewegung bankerott macht", war Er in der Tat einer, der über Sein Werther&Faust-tum Meister zu werden trachtete (und es ja eigentlich auch immer schon gewesen war [Seine "Entelechie"]).
Allerdings kann man bei Ihm Person und Werke am allerwenigsten trennen, da diese erklärtermaßen "nur eine einzige Konfession" waren (was die Romantiker dann auch zu dem Irrtum verleitete, daß auch SHAKESPEARE, ja Maler&Musiker im persönlichen Leben bedeutend gewesen wären).
Schön, daß Sie ebenso der Dt.Romantik (und somit dem von ihr begründeten Historismus) frönen - diese ist ja heutzutage alles, was wir haben: "Solange die Aufklärung nicht tot ist - jetzt erst breitet sie sich in die letzten Winkel der Erde aus und durchdringt die letzten sozialen Schichten - bleibt das deutsche Denken zwischen 1770 und 1830 die modernste Geisteshaltung." (GOMEZ DAVILA)
Klaus Elmar Müller
Herzlichen aufrichtigen Dank für Ihre Ausführungen! Ob ein Mail-Austausch genügt, uns zu verstehen? Zweifellos kennen Sie Dinge, die ich nicht kenne - das sei unumwunden zugegeben. Soweit ich Sie verstehe -den letzten Abschnitt verstehe ich noch nicht- , erlaube ich mir einige Anmerkungen: 1. Für Goethe, der Leid und Tod beiseite schob, sogar gegenüber der eigenen Frau, fürchte ich um sein …More
Herzlichen aufrichtigen Dank für Ihre Ausführungen! Ob ein Mail-Austausch genügt, uns zu verstehen? Zweifellos kennen Sie Dinge, die ich nicht kenne - das sei unumwunden zugegeben. Soweit ich Sie verstehe -den letzten Abschnitt verstehe ich noch nicht- , erlaube ich mir einige Anmerkungen: 1. Für Goethe, der Leid und Tod beiseite schob, sogar gegenüber der eigenen Frau, fürchte ich um sein ewiges Heil, würde es ihm so sehr gönnen, weil er in seinem Faust ein Universum der menschlichen Kultur und der Menschenseele entfaltet. Der ermordete Pfarrer Hans Milch: Der Heilige Geist wirke auch in großen Nichtkatholiken. 2. Zu Skakespeare: Er war Katholik in einer Epoche der Katholikenverfolgung; schon darum ist sein Wirken, ist seine Persönlichkeit bewundernswert. Seine Werke zeugen von einem großen Geist, von Humor und Menschenkenntnis wie Menschenliebe. 3. Historistisch war nicht erst die Romantik. Das Mittelalter schätzte antike Dichtung und Schulbildung, die Renaissance setzte die Antike fälschlich gegen das Mittelalter, die Deutsche Klassik projizierte ihre Ideale in eine, wie Nietzsche bemerkte, idealisierte Antike. Romantische Gärten und Architektur, Novalis' "Die Christenheit oder Europa" sind historistisch, wobei ja immer Eigenes im Gewand der Vergangenheit daherkommt, so etwa die ökumenische Zukunftsprojektion des Novalis. Der Abstieg der Romantik in die individuelle Seele und damit, mit C.G.Jung gesehen, in die kollektiven Urbilder, fasziniert mich, betont den christlich-europäischen Personalismus, hat aber auch Gefahren, führt über genussvolle Melancholie in dämonische und suizidale Gefilde. Die neue Hochschätzung des Katholizismus in der frühen Romantik, die Ablehnung der Aufklärung und vor allem die romantische Ironie, die ein barockes "vanitas vanitatum" bestätigt und spielerisch wieder aufhebt, erquicken meine Seele. Herzliche Grüße nach Salzburg und gesegnete Zeit! Ihr Klaus Elmar Müller
Salzburger
Verehrter Herr @Klaus Elmar Müller Ich danke für Ihr großherziges Lob - und ergänze, daß Sie (als wahrscheinlicher Lehrer?) sicher noch sehr viel mehr Dinge kennen, die ein Dilettant wie ich nicht kennt!
Ad 1.&3.: "Alle Größe ist brüderlich." (GOMEZ DAVILA), d.h. gerade die GegenWart zeigt, daß dem Menschen, der sich zu GOTT aufplustert, nichts bleibt, gerade auch keine große Literatur, nur …More
Verehrter Herr @Klaus Elmar Müller Ich danke für Ihr großherziges Lob - und ergänze, daß Sie (als wahrscheinlicher Lehrer?) sicher noch sehr viel mehr Dinge kennen, die ein Dilettant wie ich nicht kennt!
Ad 1.&3.: "Alle Größe ist brüderlich." (GOMEZ DAVILA), d.h. gerade die GegenWart zeigt, daß dem Menschen, der sich zu GOTT aufplustert, nichts bleibt, gerade auch keine große Literatur, nur noch ein paar primitive Krimis und SchundRomane. Wer sich aber klein macht, wie Sie oder GOETHE oder die Griechen mit ihrer SelbstErKenntnis, der hat das Leben und hat es in Fülle. [Ad 2.: SHAKESPEARE gehört auch dazu - nicht, weil Er privat kath. gewesen sein dürfte (was werden Ihm die Jesuiten in FrankReich schon beigebracht haben?); sondern, weil auch Er "das hohe Leben" (GEORGE) feierte: Besucht von Adeligen und einfachem Volke, verpönt von den "sittlich-hochanständigen" (d.i. ressentiment-zerfressenen) Puritaner-Krämern.] Ad 3.: Alles Formen basiert, wie gesagt, auf dem MaßHalten, der SelbstRelativierung des Menschen. Und deshalb gab es eine WahlVerwandtschaft aller Kunst&Kultur, ein ungezwungenes BeNutzen älterer (und vielleicht größerer) Brüder im Geiste (a la Karoling.Ren.). Dem gegenüber der neuzeitliche Bürger, der sich zur eigenen VerGOeTTlichung "Bildung erwerben" wollte, was rein barbarisch ist - "Gebildet ist jedes Zeitalter, das seine Kunst nicht in Museen steckt." (idem) - und im modernen Proletentum (bar jedlicher "Bildung") endete. Aber diese WahlVerwandtschaft früherer Epochen bedeutet nicht, daß sie sich in ihre Verwandten hätten hinein-denken/fühlen/leben können, was erst ab HERDER&Romantik möglich war. Die heutigen NeoKlassizisten mögen sich über unser "unwissenschaftliches" "EinFühlen" ja lustig machen, aber dies ermöglichte es z.B. F.RÜCKERT, ganze Sprachen über deren SprachGeist mittels weniger Vokabeln zu erahnen. Und damit offenbarten die Dt.Romantiker - vom Aufkläricht erzogene Protestanten (zu denen man diesen närrischen C.G. JUNG keinesFalls zählen darf) - das tiefste Wesen des Katholizismus: "Die Kirche ist eine Geschichte, die sich selbst als System dachte. Solange es keinen Historiker gab, der sie befragte, konnte die Kirche sich als von Anbeginn an unbeweglich erklären, ohne den unbewußten Prozess ihres historischen Metabolismus zu stören. Als sie aber ihre eigene Unermeßlichkeit als eine simple logische Struktur sah, bemühte sich die Kirche, diese Offensichtlichkeit abzustreiten anstatt implizite Kategorien ihrer Praxis theoretisch explizit werden zu lassen. So brachte sie einen Integrismus hervor, der ihr Hinzugewachsenes verbirgt und alternativ dazu einen Progressismus, der ihre Beständigkeit verletzt." "Anstatt Hermeneutik der Religion zu sein war die Theologie ein Rationalismus, der eine Struktur von Metaphern als System von Postulaten behandelte." "Die Entwicklung des christlichen Dogmas hätte explizit hermeneutisch sein müssen - wie sie es implizit gewesen ist - und nicht exegetisch, wie sie es explizit gewesen ist. Um den Verdrehungen des Theologen zu entgehen." "Die Konzile sind Zusammenkünfte von Hermeneutikern, nicht von Gesetzgebern. Die demokratische Interpretation der Konzilspraxis verfälscht den Katholizismus." "Ein extremer Rationalismus (Constitutio de Fide des 1. Vaticanums) und ein virulenter Anti-Historismus (Pontificia Commissio Biblica) hinderten die Kirche zu sehen, daß ein romantischer Heiliger Georg, vom Streitroß der Geschichte aus jene 'Vernunft', die die Kirche verschlingen wollte, mit seiner Lanze aufgespießt hätte." "Der Rationalismus ist der Hochmut der Vernunft, während ihre Demut die Geschichte ist. Der Rationalist hält die Existenz anderer Menschen für unnötig und überflüssig, während die Aufgabe des Historikers darin besteht, die Existenz der Übrigen zu feiern." "Das Christentum ist für den einfachen Beobachter eher ein neuer Typ der Hermeneutik als eine neue Religion. Ein System der geschichtlichen Hermeneutik angesichts der rationalistischen Hermeneutik. Das Christentum ist die Interpretation eines konkreten, unwiderruflichen, einmaligen Sachverhalts als Grund des Universums. Nach der christlichen Hermeneutik legt nicht die Vernunft die Bedeutung der Tatsachen fest. Es gibt im Gegenteil einen Tatbestand, der die Bedeutung der Vernunft bestimmt. Hier erwächst die Vernunft aus der Geschichte, aus einer Tatsache, die sich selbst transzendiert, aus einer empirischen Begebenheit, die zur axiologischen Norm wird. Das Christentum konstruiert in der Tat keine rationale Erklärung Christi sondern konstruiert das Universum als Summe der für die Existenz Christi notwendigen Postulate, verdeutlicht im Bewußtsein der Kirche. Das Christentum lehrt also eine Hermeneutik, die es uns verbietet, einen Wert zu definieren indem wir den Sachverhalt, der ihn hervorbringt, vorwegnehmen, eine Hermeneutik, welche uns die Geschichte zeigt, wie sie sich selbst in ihre axiologische Epiphanien transzendiert, eine Hermeneutik, in der das konkrete Werk sich als verstehbarer Grund erhebt. Radikal entgegengesetzt dem abstrakten Rationalismus ist das Christentum das höchste Paradigma der historischen Vernunft." "Unter dem Windhauch des zeitgenössischen Progressismus hat sich der Historiker in Luft aufgelöst und die Geschichte erneut den Händen des einfachen Gelehrten überlassen. Die moderne Gelehrsamkeit - verfeinerter als die des barocken Folianten, aber verfälscht durch hermeneutische Kategorien, die gleichermaßen anachronistisch sind - archiviert die Geschichte, diese subtile und fragile Erfindung einiger Reaktionäre des 19. Jahrhunderts."
Klaus Elmar Müller
Mich würde interessieren, was Martin Mosebach zur Bereicherung der Liturgie durch Masken und Desinfektionsritus sagt.
Santiago_ shares this
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Für Mosebach ist die Komödie die „eigentliche katholische Form der Literatur“. Sie respektiere die Erbsündenlehre von „der unreformierbaren Unvollkommenheit“ der gefallenen Welt.
Mosebach zitiert den Nobelpreisträger für Literatur T. S. Eliot (+1965), der den Katholizismus als „Philosophie der Desillusionierung“ betrachtete. Sie lehre, von der Erde nicht zu erwarten, was die Erde nicht geben …More
Für Mosebach ist die Komödie die „eigentliche katholische Form der Literatur“. Sie respektiere die Erbsündenlehre von „der unreformierbaren Unvollkommenheit“ der gefallenen Welt.
Mosebach zitiert den Nobelpreisträger für Literatur T. S. Eliot (+1965), der den Katholizismus als „Philosophie der Desillusionierung“ betrachtete. Sie lehre, von der Erde nicht zu erwarten, was die Erde nicht geben könne.
Boni
Die katholische Apologetik darf das Roman-Genre nicht vernachlässigen. Insbesondere katholische Jugendliteratur muss massenhaft Verbreitung finden.
Dass sich Mosebach erst im Vollalter Christi für den Glauben entschied, lässt diese Entscheidung als besonders belastbar erscheinen.
Moselanus
Leute, bei denen Apologetik angewandt werden müsste, würden solche Romane wohl kaum lesen, oder wollten Sie einen Witz machen, @Boni?
Boni
Vielleicht verstehen wir nicht das gleiche unter Apologetik. @Moselanus
Für mich zählt darunter eben auch alles, was in einer glaubenslosen, ja glaubensfeindlichen Welt das Interesse am Glauben wecken kann.
Moselanus
Dann verstehen Sie unter Apologetik auch Apostolat oder Mission mit. Das ist Ihr Recht, weicht aber doch von der üblichen Definition ab.
Boni
Die Welt kennt ja den Glauben oberflächlich und vom Hörensagen und lehnt ihn auf dieser oberflächlichen Basis ab. Deswegen ist nach meinem Verständnis alles zur Glaubensverteidigung zu zählen, was dieser oberflächlichen Glaubensverwerfung entgegensteht. @Moselanus
Moselanus
Kann ich nachvollziehen.
Moselanus
Großartig formuliert. Eben Martin Mosebach.