Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag, 25.9. 2022

Predigt Erntedank Oberkappel, 26. So. i. Jkr., 25.9.2022 Perikopen: Am 6,1a.4-7 Lk 16,19-31
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Zum heutigen Erntedankfest möchte ich ein Sprichwort aus dem Orient wählen, das uns zum Nachdenken anregen soll. Es lautet: „Mein Garten,“ sagt der Reiche – und sein Gärtner lächelte. Erstens: „Mein Garten,“ sagt der Reiche. Mein Garten, damit meine ich persönlich meinen Lebensgarten, mein Lebensumfeld. Wenn ich persönlich so schaue, was mir seit dem letzten Erntedank, trotz Ukraine und Corona, zugewachsen ist, was mir alles aufgegangen ist, dann habe ich den Eindruck: Mein Garten ist gut bestellt. Mir geht es gut. Ich habe genug. Ich darf, obwohl manches teurer wird, ich darf trotz Energie- und Klimakrise, noch genug Wohlstand genießen. Es war genug Saatgut im materiellen Sinn da, das aufgegangen ist. Wir erleben bei uns eine schöne, gepflegte Schöpfung. Ich darf dankbar sein. Ich bin letztlich reich im mehrfachen Sinn. Das trifft wohl bei uns auf viele zu. Ich glaube, dass es bei uns doch den meisten, aber auch nicht allen Menschen gut geht. Mein Garten ist gut bestellt, und doch ist da dieses Jammern, das so viel nicht passt, weil vieles mehr, besser, und schneller sein könnte. „Mein Garten,“ sagt der Reiche und er beschäftigt sich schon wieder mit sich selber. Zweitens: „Mein Garten,“ sagt der Reiche – und sein Gärtner lächelte. Der Gärtner lächelt. Da stelle ich mir Jesus Christus als meinen Gärtner vor. Maria Magdalena meinte ja auch, als sie am Ostermorgen den Leichnam Jesu suchte und mit dem für sie noch unbekannten Christus sprach, dass es der Gärtner sein. Es gibt sogar Bilder von dieser Szene, in der der Auferstandene einen Spaten in den Händen hält. Jesus als Gärtner, der mit seinem „verschmitzten Lächeln“ meine Gedanken des Reichseins kommentiert. Sein Lächeln deute ich auch als kritische Anfrage: Ist es wirklich „dein Garten?“ Ist nicht vieles ohne dein Zutun gereift? Hattest du nicht viel Glück? Und haben nicht viele andere Menschen mit Anteil, dass dein Garten seit dem letzten Erntedankfest so reich bestellt wurde. Im Lächeln des Gärtners schwingt schon auch die Mahnung mit, dass wenn du „mein Garten“ sagst, du nicht vergessen sollst, dass er nicht dir gehört, dass du vieles dem eigentlichen Herrn der Ernte verdankst. „Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat,“ heißt es in den Psalmen. Dieses Wort sagt mir den Grund, warum ich reich bin. Grund genug den Dank immer wieder an die richtige Adresse zu schicken, an Gott selber, dem ich alles verdanke. „An Gottes Segen ist alles gelegen,“ lautet eine andere Volksweisheit. Den Segen können wir uns nicht selber machen, den müssen wir uns vertrauensvoll erbitten. Um den Segen können wir Gott nicht betrügen, wie in der alten Geschichte von Esau und Jakob, wo der Vater um den Segen betrogen wurde. Es muss wieder mehr in unser Bewusstsein, dass wir den Großteil nicht uns selber, sondern einem anderen verdanken. Drittens: „Mein Garten,“ sagt der Reiche – und sein Gärtner lächelte. Das müssen wir durchaus noch kurz mit dem heutigen Tagesevangelium verbinden, das ich ganz bewusst gelassen und nicht durch ein eigenes Erntedankevangelium ersetzt habe. Der Reiche und der arme Lazarus. Der Reiche hat dem Armen ja eigentlich nichts getan, aber er ist blind für ihn, blind, dass er keinen Garten hat und auch nicht lächeln kann. Lazarus sieht den Reichen, aber der Reiche sieht Lazarus nicht. Die Hunde kommen, der Reiche kommt nicht. So ist es mit den Reichen. Sie bewegen sich in ihrer Welt, in ihrem Garten. Das Gleichnis möchte uns anspornen nicht wegzuschauen, das Wesentliche nicht zu übersehen, die Armut, und es gibt nicht nur materielle Armut, nicht zu übersehen. Da dürfen wir nicht faul und träge werden. Davor hat Amos heute gewarnt, dass das Fest der Faulenzer vorbei ist. Nicht alle haben einen Garten, nicht alle können lächeln.
Liebe Brüder und Schwestern!
„Mein Garten,“ sagt der Reiche – und sein Gärtner lächelte. Diesen Spruch kann man sich merken und vielleicht bleibt so die Botschaft des heurigen Erntedankfestes vom gut bestellten Lebensgarten, in dem der Einfluss des lächelnden Gärtners vielleicht doch höher ist, als der unsere und der uns erinnert, nicht wegzuschauen, nicht zu übersehen, präsent. Amen.