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Predigt von Pfarrer Maximilian zum 1. Adventsonntag 28.11.2021

Predigt Erster Adventsonntag, 28.11.2021
Perikopen: 1 Thess 3,12-3,2 Lk 21,25-28.34-36
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Adventkalender sind vor allem bei Kindern beliebt beim Warten auf Weihnachten. Freilich hat es die Konsumindustrie geschafft den klassischen Adventkalender, dem es noch darum ging jeden Tag ein Fenster zu öffnen und auf ein Bildchen zu schauen, für ihre Interessen zu verzwecken. Ich habe ein wenig gegoogelt. Da kann man nur nachdenklich werden: Adventkalender mit vierundzwanzig verschiedenen Flaschen Wein oder vierundzwanzig Sorten Bier, Adventkalender mit vierundzwanzig verschiedenen Kosmetikartikeln oder Adventkalender mit vierundzwanzig esoterischen, Entschuldigung, jetzt habe ich mich versprochen, ätherischen Ölen. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Wenn man sich die Preise anschaut, war der teuerste Adventkalender mit 300 Euro angeschrieben. Dass dies mit dem christlichen Advent nicht mehr viel zu tun hat, braucht nicht erklärt werden. Schade, dass Menschen ihr Lebenshaus mit derartigem Schund anfüllen. Da musste ich schon an das Wort Jesu bei der Tempelreinigung denken: „Mein Haus ist ein Haus des Gebetes, ihr aber habt es zu einer Markthalle, zu einer Räuberhöhle gemacht.“ Trotzdem es ist Advent. Für uns Christen soll es eine besondere Zeit werden, in der wir auf Gott warten. Was kann uns beim Warten helfen? Das möchte ich mit drei Adventkalendern verdeutlichen. Erstens: Adventkalendern, wo man sich täglich eine Kleinigkeit herausnehmen darf. Das ist bei Kindern wahrscheinlich eine Süßigkeit oder eine Kleinigkeit, die sie freut. Das ist auch in Ordnung so. Ich möchte das Ganze ein wenig anders sehen. Ich nehme mir täglich etwas heraus, das mit Gott zu tun hat. Ich nehme mir vor an jedem Tag des Adventes irgendetwas zu tun, was mit Gott zu tun hat. Ich nehme mir vor täglich im Advent meinen Glauben zu vertiefen. Es geht um die Vertiefung in denjenigen hinein, den wir erwarten, der zu Weihnachten wieder für uns Mensch wird. Ich nehme mir etwas heraus für meinen Glauben. Es gibt ja so viele Möglichkeiten: Wie wäre es mit etwas mehr Beten? Oder mit einer täglichen Stillen Zeit am Adventkranz? Wie wäre es mit einem ganz regelmäßigen Gottesdienstbesuch in dieser Zeit, auch einmal wochentags, die Rorate oder andere Gottesdienste. Heuer dürfen wir ja den Advent gemeinsam beginnen, freilich eingeschränkt, aber doch mit mehr Menschen als letztes Jahr. Oder vielleicht komme ich im Advent bewusst mal früher zum Gottesdienst, und unterstütze unsere Rosenkranzgruppe bei diesem täglichen Gebet in unserer Pfarre, das für mich einen ganz hohen Wert hat? Oder vielleicht schaue ich wieder einmal genau mein Leben an, und gebe mir dann doch wieder einmal einen Ruck, und trage den Müll in meiner Seele in eine Beichte hinein? Oder ich setze mich auch intellektuell mit meinem Glauben auseinander, indem ich in der Bibel lese, oder in einem anderen religiösen Buch. In dieser Woche wurde im Karmelitenorden der heilige Raphael Kalinowski gefeiert. Er war ein Karmelit, der heiligmäßig in Polen wirkte, wo er 1907 verstarb. Ihm war es ganz wichtig, dass die Menschen etwas über Gott und die Ewigkeit lesen, weil ihn das viel mehr weiterbringt, als das, was in der Tagespresse steht. Das würde auch für unsere Zeit passen. Wichtig ist, dass ich mir täglich aus dem ersten Adventkalender etwas herausnehme, was mit Gott zu tun hat. Dann ist der Advent das, was er eigentlich sein soll, Erwartung Gottes. Zweitens: Adventkalender, wo man täglich etwas hineingeben darf. Hier geht es mir um die Bereiche der Nächstenliebe und der Selbstliebe. Ich bemühe mich täglich in diesen Adventkalender etwas hineinzugeben, von dem andere Menschen etwas haben, und wo ich mir selber etwas Gutes tue. Ich versuche meine Liebe in diesen Bereichen zu vertiefen. Die Liebe ist immer erfinderisch sagt man. Was könnte man für andere tun? Ein Telefonat, oder ein schriftlicher Gruß an jemand, der einfach ausdrückt „Ich denke an dich.“ Eine Spende für einen guten Zweck, für Bedürftige. Das drückt aus: „Ich teile mit dir.“ Es gibt hier ganz viele Möglichkeiten. Oder im Bereich der Selbstliebe: Ich nehme mir mehr Zeit für mich und meine Bedürfnisse. „Tu deinem Leib etwas Gutes, damit die Seele Lust hat darin zu wohnen,“ sagt die heilige Theresa von Avila. Gerade auch Zeiten der Stille können gut tun. Da kommt man zum Nachdenken und tritt die Reise ins Innere an. Ein wohlgeordnetes Inneres ist sehr wichtig. Wichtig ist einfach, dass ich aktiv werde, dass ich etwas hineinlege in diesen Adventkalender. Drittens: Adventkalender, wo man täglich ein Bild anschauen und auf sich wirken lassen dar. Bilder anschauen und wirken lassen. Ich meine hier jene Bilder, die uns die Schriftexte des Adventes liefern. Die biblischen Lesungen dieser Zeit sind sehr klug ausgewählt. Es sind in erster Linie Bilder, die vom Heil sprechen, das kommt. Heilsbilder wirken heilend. In der Lesung haben wir gleichsam das Bild der wachsenden und stärkenden Liebe betrachtet. „Der Herr lasse euch wachsen und reich werden in der Liebe zueinander und zu allen, damit eure Herzen gestärkt werden.“ Es geht darum immer mehr ein Liebender zu werden. Es geht im Christentum darum, dass Glaube, Hoffnung und Liebe mehr werden. Und im Evangelium war das Bild vom aufrechten Menschen, der so die Erlösung erwartet: „Richtet euch auf und erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe.“ Aufrecht sollen wir uns nach dem Heil ausstrecken! Wie bin ich unterwegs auf meinem Weg? Traurig, ängstlich, mutlos, mit hängendem Kopf? Was müsste ich ändern? Es geht darum dem Herrn die Wege zu bereiten. Das ist kein kräftezehrendes Programm. Es ist dieses beharrliche Ausschauen nach ihm. Es ist diese beharrliche Bitte: Veni – komm! Es ist dieses dieses staunende Erkennen: Er ist schon da und mit uns unterwegs.
Liebe Brüder und Schwestern!
Adventkalender sind eine gute Sache, wenn sie richtig gewählt sind. Der Adventkalender zum Herausnehmen, zum Hineingeben, und zum Betrachten und wirken lassen. Schauen wir, dass wir mit diesen Kalendern gut durch die Zeit zum Weihnachtsfest kommen. Amen.