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Josef - zum Bräutigam erwählt

In Nazareth

Nie war er allein, Menschen aller Art besuchten ihn, redeten gern mit ihm, ja, sie fragten um seinen Rat, baten um sein Gedenken. Kinder waren in seiner Umgebung und paßten die Momente ab, in denen er Zeit hatte. Sie wußten, er hatte ein offenes Ohr für sie. Er setzte sich zu ihnen und erzählte aus dem Leben früherer Zeit.

Josef kannte die alten Schriften sehr gut, und er nahm die Gelegenheit wahr und gab all die herrlichen Ereignisse früherer Jahrhunderte weiter an die kommende Generation. Ja, sogar die Eltern schickten ihre Kinder zu ihm, denn da wußten sie sie in guten und lehrreichen Händen.
Bei ihm war die Zeit nie vergeudet und vertan. Je älter Josef wurde, um so bekannter war er als der stille, bescheidene, doch recht fähige Zimmermann.
Sein Blick galt oftmals denen, die arm waren und nicht in der Lage, sich selbst zu helfen. Hier griff er ein und legte mit Hand an, um ein Zuhause wohnlicher und zweckvoller auszugestalten.
Und so liebten ihn besonders die Kleinen und Geringen.
Josef, von hohem Stand, aus Davids Geschlecht stammend, hatte sich ganz diesem Stand entzogen.
Äußerlich gab es kein Zeichen des Adels, der besonderen Würde, doch um so mehr strahlten sein Herz, seine Gesinnung, seine Worte, seine Taten diesen hohen Adel eines edlen Geschlechtes aus. Und kaum einer seiner Verwandten wagte es, ihn in ein höheres Maß an Bequemlichkeit, Reichtum und Würde zurückzuholen. Er war der Außenseiter der würdigen Verwandtschaft, doch von allen respektiert.
So war das Häuschen, das sich Josef selbst gezimmert hatte, klein, einfach, doch sauber und sehr zweckmäßig. Er liebte sein Heim und war stolz auf sein Eigentum.
Auch in seinem Äußeren war Josef die schlichte Gestalt eines einfachen Mannes. Nie hatte er viel von den Prunkgewändern der Reichen gehalten. Immer ging er sehr schlicht gekleidet, unauffällig, bescheiden in den Farben. Jedes Aufsehen vermied er. Bei ihm galten nur die Worte des Herzens. So blickte er jedem Eintretenden ins Herz, nicht aufs Gewand. Und damit erkannte er stets schneller ehrliche Gesinnung oder aufgeklebte Maske.
Das eine liebte er und fühlte sich zu ihm hingezogen, dem anderen stand er fremd gegenüber und empfand Zurückhaltung und Scheu. Er schürte nie das Feuer der Zwietracht. Jeder Falsch war ihm fremd. Er neigte sich selbst in Demut und trat ein für das Schwache, Kleine, Kranke und Hilflose. Er trat aus seiner Stille mutig hervor, wenn wahre Werte in Gefahr waren, wenn Ungerechtigkeit getan wurde, wenn Lieblosigkeit andere bedrängte.

O Josef, du Mann, der aus der Zurückgezogenheit ans Licht trat und den Fehdehandschuh warf gegen die, welche durch Macht Ohnmacht verbreiteten, durch Zerstörung Besitz an sich rissen, durch Intrigen Schuld auf sich luden. Du mutiger Streiter aus der Stille. Niemand vermutete in dir den Stachel der Auflehnung, bis du den Menschen deiner Generation zum Vorbild wurdest.
Doch sofort nach der Tat kehrtest du zurück in deine Unscheinbarkeit, und kaum einer konnte deine Handlung nachvollziehen. Ein Wortloser wurde wortmächtig, ein Demütiger erstarkte im Zorn, ein Ungeübter erstrahlte in großer Gewandtheit. So geschah es
dem Bauern, der dem reichen Nachbarn unterlag, da er nicht zahlen konnte, der Frau, die weggeführt werden sollte, da ihr Unrechte Schuld zufiel,
der Familie, die enteignet werden sollte, da sie die Pacht nicht zahlen konnte ... Hier und oft trat der große Schweiger auf und handelte ohne jede Vorsicht für sich selbst, einzig im Vertrauen auf Meinen Vater. Und Er ließ ihn nie im Stich.


Josef, bereits ein Mann, längst eingeführt im Tempel, lebte stets wortkarg in seiner Umgebung.
Doch schenkte der Vater ihm die Kraft, so erstrahlte sein Geist, loderte sein Glaube und siegte sein Vertrauen über die Geistlosigkeit und Falschheit.
Er lebte in äußerster Kargheit und stellte immer mehr Zeit für Besinnung und Gebet dem Vater zur Verfügung.
Er sammelte sich - bei Tag in der Stunde der Ruhe, bei Nacht in der Stunde, die er dem Schlaf stahl.
Hier war sein einziges Gebet aus tiefem, sehnsuchtsvollen Herzen der Schrei nach dem Messias, der das dunkle Los der Menschen in die Hinwendung zur Tafel des ewigen Lichtes wandeln sollte. Und der Vater hörte diesen unentwegten Schrei.
So bereitete er im Gebet den Weg, den später Johannes im Wort fortführte. Er war der erste einsame Vorkämpfer für die Wege, auf denen Ich dereinst wandeln sollte -Heil spendend.
So ruft ihn auch heute noch an als den stillen und starken Mann, der sich einließ auf das Unmögliche und es vom Vater errang.
So wisset heute, wer sich an Großes, Gewaltiges wagt, den werden Wir noch über sein Maß beschenken.
Je mehr du im Glauben verlangst, um so mehr kann dir in Liebe zugeteilt werden.
Nur der Glaube macht mächtig.

Die Zeit der Vorbereitung auf den neuen Stand Längst hatte er sich gelöst von Elternhaus, Geschwistern und Freunden.
Er war der Einsiedler geworden, wissend, daß er eines Tages dem gegebenen Wort die Treue halten werde.
Immer wieder trat er des Nachts vor den Vater hin und verpfändete sein Leben. Bedingungslos legte er es auf die Waagschale der Liebe und unterstellte sich ganz dem Willen des Vaters. Er ließ sich von Ihm führen und ging auf all Seine Winke und Weisungen bereitwillig ein.
Schon lange lebte er in Nazareth in einer gewissen Entfernung von Maria und ihrem Hause, doch wiederum so nahe, daß er seine spätere Braut immer wieder aus der Ferne sehen konnte, ja sie traf und mit ihr sprach. Sie gingen aufeinander zu, eher in geschwisterlicher Liebe als in sehnsuchtsvoller Leidenschaft. So wußte Josef, daß Maria viel Zeit im Tempel zubrachte, zusammen mit anderen ausersehenen Mädchen, die dem Herrn eine begrenzte Zeit schenkten.
Er war beglückt, daß Maria eine stille, gottesfürchtige Frau war, die Gebet und Opfer in den Vordergrund stellte.
Auch spürte er eine tiefe Scheu, die Maria ihm und dem neuen Stand entgegenbrachte. Es war bei ihr nicht die lichte Freude zu spüren, die sonst einem Ehestand vorausging. Zuviel Scheu, Vornehmheit und Distanz waren zwischen ihnen.
Doch Josef trug dies ohne Wehmut, denn er vertraute ganz der Wegweisung von oben. So wurde die Zeit der Vermählung von beiden Familien festgelegt.
Sie gingen aufeinander zu und handelten den Brautpreis von 40 Schafen und Lämmern, von Ziegen und Kleinvieh aus und zusätzlich den Preis für Bewirtung und Tafel. Josef selbst gab zu diesem Brautpreis vieles hinzu, das er durch seiner Hände Arbeit erworben hatte.
So kam die Zeit der Vermählung. Mann und Frau wurden einander gegeben. Das Fest verging in Stille und Harmonie. Maria eilte dem Mann voraus in die Wohnstatt, die Anna ihnen in der Nähe ihres Hauses bereitet hatte.
Hier trat Maria Josef in Ehrlichkeit entgegen, und Josef wich zurück vor der Schwere dieses Geheimnisses.
Maria zog sich zurück, verbarg sich und betete.
Sie wollte alles annehmen, was Josef fordern würde.
Sie lebte im totalen Glauben an Gottes Weg. So litt sie nicht unter Angst und Nöten. Nein, ihr Herz blieb ruhig, fröhlich und geborgen im Bewußtsein: Der Herr ist da!
Sie erflehte die rechte Erkenntnis für Josef.
Inzwischen erlebte Josef den Zusammenbruch seiner Welt.
All sein Leben in Reinheit, sein Hoffen und Sehnen auf das gleiche im Leben von Maria waren untergegangen im Entsetzen, im Nicht-Verstehen-Können, in Zweifeln und so vielen nicht zu beantwortenden Fragen.
Auch er zog sich zurück, aß nicht, schlief nicht und klagte dem Herrn seine Not. Er wollte Maria entlassen in Stille, in Heimlichkeit, denn er scheute die öffentliche Meinung, die unbarmherzige, gnadenlose Kritik an dieser jungen Frau.
Er achtete, ehrte Maria zu sehr, um ihr wehtun zu können.
Er wollte auch von Anna und ihrem Hause den Makel der Unreinheit fernhalten.
Ja, für sich selbst erhoffte er sich Frieden und nicht Schande.
Nur zwei Zeugen wollte er benennen und in Verborgenheit den Ehekontrakt lösen. Mit all diesen Gedanken ging er tage- und nächtelang umher. Er flehte um eine klare Erkenntnis, um ein gerechtes, aber nicht liebloses Tun. So schlief er in der dritten Nacht übernächtigt ein. Er fiel in einen Schlaf, der ihm keinen Frieden brachte. Sein Herz ertrank in der Hilflosigkeit, Dunkelheit und Verworrenheit. Immer wieder schrie er zum Vater um Erkennen, immer wieder fiel er zurück in seine Hoffnungslosigkeit.
Nach Mitternacht fiel er in einen ruhigen, friedlichen Schlaf.
Als er in der Dämmerung des Tages erwachte, stand ein Bote des Herrn vor ihm, strahlend, ruhig, schön.
Behutsam legte er ihm die Hand auf die Schulter, blickte ihn voll Freude an und sprach: "Fürchte dich nicht, nimm Maria an, weise ihr nicht die Tür,
denn das Kind, das sie trägt, ist vom Hl. Geist. Sie wird einen Sohn gebären, Sein Name ist Jesus, Er ist der Sohn des Allerhöchsten. Er wird Sein Volk erlösen.
Er ist der, den du so lange ersehnt, um den du so lange gerufen. Nun bereite du ihm den Weg."

Und Josef verstand.
Jetzt trug er das Licht, die Freude, den Weg der Erkenntnis im Herzen.
Und er eilte zu Maria, trat behutsam zu ihr ein. Sie war vertieft im Gespräch mit dem Vater. Er machte ihr sein Wissen kund und nahm sie als Braut des Heiligen Geistes an. So war der Weg der Gemeinsamkeit für das werdende Leben begründet.
Beide wußten sich nun beauftragt, ihr Leben zu geben für dieses Kind.
So begann ein begrenzter gemeinsamer Hausstand.
Beide lebten viel in der Abgeschiedenheit ihrer Wohnstätten, trafen sich beim Essen oder bei notwendigen Verfügungen für Haus und Hof. Anna bereitete ihnen oft den Tisch und half beim neuen Stand.

Die Zeit bei Elisabeth
Als Maria vom Zustand ihrer Base Elisabeth hörte, entschloß sie sich, zu ihr zu gehen und ihr bei der Geburt des Kindes zu helfen. Josef begrüßte diesen Entschluß und machte sich zusammen mit Maria auf den Weg hinauf ins Gebirge. Sie wanderten langsam, schweigend, Stunde um Stunde.
Josef war besorgt um Maria, die das Kind mit Liebe umhüllte, mit Sorge umgab, mit innigen Gesprächen begleitete.
Sie waren eine Einheit im liebenden, dankenden, preisenden Gebet auf dieser langen Wanderung.
Maria und Josef waren sich bewußt, daß sie den Herrn, den Ersehnten, bereits über diese Erde trugen.
Sie segneten mit Ihm alle Menschen, denen sie begegneten, alle Tiere, alle Häuser, die ganze Schöpfung.
Sie ruhten an geschützten Stellen, sie schliefen bei lieben Menschen in einzelnen Häusern, die immer wieder am Weg lagen.
So erreichten sie das Haus von Zacharias und Elisabeth, müde, doch froh im Herzen.
Josef blieb im Hintergrund. Maria traf zuerst auf Elisabeth. Elisabeth eilte ihr entgegen, sie zögerte und grüßte ehrfurchtsvoll Maria und das Kind. Vom Heiligen Geist erfüllt, wußte sie, daß Maria den Herrn unter ihrem Herzen trug, und sie erschrak über ihre eigene Unwürdigkeit. "Wer bin ich denn, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?"
Und Maria stimmte das große Loblied an zu Ehren ihres Sohnes, ein Loblied, das nie enden wird, den Vater, Sohn und Heiligen Geist zu ehren.
So begrüßten sich diese beiden Frauen, behutsam, ehrfürchtig.
Und Josef lauschte mit Ohr und Herz und trug all dies hinfort in seinem Herzen. Immer mehr ging ihm die Einmaligkeit seiner Situation auf.
Immer mehr wußte er sich zum Behüter und Sorger berufen für Frau und Kind. Immer mehr wuchs er in die Rolle, alles zu geben, nichts zu verlangen, nichts zu wünschen, als nur da zu sein, wenn er gebraucht wurde. Er erspürte immer mehr die Situationen, in denen er Hilfe, Freude schenken durfte, und Maria nahm dankend seine Fürsorge an.
31Noch einige Tage blieb Josef bei Zacharias, dann machte er sich allein auf den Heimweg.
Auf diesem Heimweg erkannte er zum ersten Male die Situation:
Ich bin nichts ohne Maria und das Kind.
Mein Leben ist nur noch wertvoll im Dienst an diesen beiden Menschen.

Und so schenkte er dem Vater sein Leben, damit er immer frei sein konnte für alle Wünsche, Sorgen, Nöte, die diese Gemeinschaft ihm bringen würde.
Er gab sich selbst auf, nicht fragend, was übrig bleiben werde.
Er wußte sich mit eingebettet in den Plan Gottes, und so gab es bei ihm keine Frage, keine Sorge, keine Angst mehr.
Er brachte dem Vater ein grenzenloses Vertrauen entgegen.
Wenn der Vater Sein Kind in die Hände dieser beiden Menschen legte, dann würde er auch immer für den rechten Weg sorgen. Es gab kein Hindernis gegenüber Maria und dem Kind und dem allgütigen, treusorgenden, über alles liebenden Vater.
Josef ging nun in noch größerer Zurückgezogenheit seiner Arbeit nach und wartete in großer Demut und Liebe auf die Rückkunft von Maria und dem Kind.
In der Zwischenzeit jedoch wurde im ganzen Land - auch in Nazareth - der Befehl des Kaisers verkündet, der jeden in seine Heimatstadt berief, um sich eintragen zu lassen. Josef ahnte in seinem Herzen die Schwere dieses Ganges.
Er richtete in Liebe einige Kleinigkeiten und harrte auf Maria.

Der Weg nach Bethlehem
In Eile machten sie sich auf den Weg. Mit nur wenigem bepackt, so wanderten sie die staubigen Landstraßen, die vertrockneten Hügel, die Schatten spendenden Täler hin gegen Bethlehem.
Sie gönnten sich wenig Rast, sie hatten Angst, die Frist nicht einhalten zu können. Tagsüber brannte die Sonne unbarmherzig, die Nahrung war nur spärlich, der Trank selten reichlich und frisch.
Maria gab all ihre Kräfte, achtete wenig auf Müdigkeit und völlige Ermattung. Josef spürte die Hinfälligkeit, erkannte die Not, versuchte oft, Linderung zu schenken, doch es blieb die ungeheure Strapaze. Nachts kehrten sie ein bei Freunden oder entfernten Bekannten.
In Liebe wurden beide aufgenommen, bewirtet, und die Schlaf statten wurden aufgeschüttet. So spendete wenigstens die Nacht Erholung und neue Kraft.
Am Nachmittag des fünften Tages erreichten sie endlich Bethlehem.
In ihre Herzen kamen Hoffnung und Zuversicht. Nun sollte bald alle Not beendet sein.
Bald tauchten sie unter im großen Getümmel, das in der Stadt herrschte. Nie zuvor waren so viele Menschen zu gleicher Zeit hier gewesen. Nie zuvor hatte solcher Andrang in allen öffentlichen Häusern, an allen Brunnen, auf allen Märkten und in allen Geschäften geherrscht. Nur mühsam schleppten sie sich durch diese Menschenmassen.
Sie klopften bei Bekannten, Freunden und Verwandten.
Überall gab es die traurige, doch liebevoll gesprochene Antwort: "Es geht nicht mehr!" Sie klopften bei den Bettenhäusern, den Wirtshäusern, bei privaten Familien. Doch nirgends war ein Raum, ein Bett zu finden. Maria wartete oftmals geduldig, an einer Häuserecke lehnend,... und Josef ging allein auf Quartiersuche.
Doch es zeigte sich kein Licht, keine Hoffnung. Der Dämmerung folgte bereits die Nacht. Beide saßen erschöpft auf den Stufen des Brunnens in der Mitte der Stadt. Da eilte eine ältere Frau auf sie zu und verwies sie auf die Höhle vor der Stadt:
"Hirten und Tiere finden dort Unterschlupf. So seid ihr sicher vor der Kälte."
Josef führte Maria behutsam aus der Stadt durch das äußere Tor, und sie fanden bald die dunklen, muffigen Höhlen.
Josef suchte mit seiner Laterne die hinterste, abgelegenste Stelle.
Hier warf er das bißchen Stroh, das er fand, in die äußerste Ecke, legte seinen weiten Mantel darauf und half Maria auf das Lager. Davor suchte er Gebälk und andere Hindernisse zusammen, die die Sicht nahmen und Schutz gewährten.
So begann die längste, bitterste und doch schönste Nacht ihres Lebens.
Sie traten beide ein in die tiefe Stille und Gottbezogenheit.
Alle Trauer, Armut und Kraftlosigkeit legten sie dem Vater hin und baten um Erbarmen für das Kind.
Josef rief den Schutz aller himmlischen Geister an und erflehte Hilfe für Mutter und Kind. Er legte seine Trauer und Hilflosigkeit dem Vater hin, denn er fühlte sich verantwortlich für dieses so unwirtliche Lager.
Die Mitte der Nacht kam, und ein unendlicher Friede legte sich über diese Stätte.
Ein himmlisches Licht erstrahlte ihnen, und Maria gebar den Sohn des Herrschers dieser Welt, Jesus, den Messias.
Sie lobten Gott und dankten, denn in all dieser Armut hatte Er ihnen den größten Reichtum dieser Welt geschenkt.
Mit nichts, mit niemandem wollten sie tauschen. Der Sohn Gottes war Mensch geworden, und sie durften dieses Wissen als einzige im Herzen tragen.
Doch bald schon erschienen die Hirten.
Ihnen war die Kunde zuteil geworden.
Sie waren die ersten Erwählten.
Sie durften das Wissen um den Messias der Welt verkünden.

Die Hirten
Noch in der Dunkelheit der Nacht war es, da kamen zwei junge und zwei ältere Männer vorsichtig in die Höhle.
Ihre Augen, an die Dunkelheit gewöhnt, blickten umher, und sie fanden voll Freude das Kind. Sie traten hinzu.
Einer wandte sich an Josef und erklärte flüsternd ihr Kommen.
Dann erst traten sie zusammen mit ihm an Maria und das Kind heran.
Beide staunten ob dieses Herganges, und Maria bestätigte ihr Wissen. Ja, die Freude war in ihnen allen. Die Furcht war gewichen. Der Segen lag auf dieser heiligen Stunde. Gepackt von Mitleid ob dieser Armut, gaben sie die kleinen Schätze, die sie besaßen, weiter, und Josef nahm sie dankbar und beglückt entgegen. Josef erahnte in seinem Herzen, wie tief der Vater sie mit Seiner Liebe umgab, wie er seltsame Wege ging, um ihnen Seine Nähe zu zeigen, wie sie sich ganz unbesorgt dieser Vatergüte überlassen konnten.
Ist die Nacht auch noch so dunkel, der Vater schickt ein Licht.
Ja, Er schickt selbst die Ärmsten, damit sie helfen, anderen die Not zu lindern. Vater, nicht Reichtum hast Du für uns erwählt, aber Friede, Zuversicht und Vertrauen, das waren Deine Gaben an uns.


Ein Zuhause
Josef eilte am Morgen wieder zurück zur Stadt und suchte und fragte mit bangem Herzen nach einem Raum, der sie jetzt beherbergen sollte. Und siehe, es war bereits Vorsorge getroffen. Noch in der Nacht waren die Hirten überein gekommen, sich um diese Not im Stall zu kümmern. In der Stadt hatten sie Verwandte und Bekannte.
Ein weit entfernt Verwandter der Hirten, Elischa, bot rasch zwei zusammenhängende Räume an, die sich an sein eigenes Haus anschlossen und in den Hof mit den Ställen führten. Elischa traf Josef auf seiner Suche und bot ihm diese Unterkunft an.
Der Preis war gering, die Liebe der Familie groß, und alle legten mit Hand an und machten aus der elenden Behausung bald ein wohnliches Zuhause.
Josef eilte und holte Maria heraus aus jenem dunklen Gewölbe - hinein in eine saubere, warme Wohnstatt.
Hier erst konnten sie wieder Mensch sein und die größte Not vergessen.
Hilfreiche Hände brachten Essen, Kleidung für das Kind und häusliche Geräte aller Art, auf dass die Familie unbesorgt in die Zukunft blicken konnte.
Wieder hatten sie die treusorgende Hand des Vaters gespürt.
Er hatte sie hineingeschickt in die tiefste Not, um sie herauszuziehen an die Ufer der Liebe und des Glücks.
O wie dankten beide, Maria und Josef, als sie das Kind versorgt, gesättigt, von Liebe umfangen in ihren Armen wiegen konnten.
Josef machte sich auf, um seine Arbeitskraft anzubieten und den Unterhalt für die Familie sicherzustellen.
Bald gab es viel Arbeit für ihn, und sein Ruf, ein geschickter Handwerker zu sein, sprach sich schnell herum.
Er wurde gebeten zu den Reichen. Kleine und große Dienste leistete er, wie er gerade gebraucht wurde. Das Entgeld reichte gut für das neue Heim und seinen Unterhalt aus. Er wurde gerufen zu den Armen. Oft bastelte er aus nichts einfache Hilfen für Haus und Hof.
Aber nie nahm er von einem Armen etwas an. Sein Werk geschah an solchen Orten nur in Liebe.
Doch die Liebe vervielfältigt den Lohn in dem großen Erfindungsgeist, der ihr eigen ist. So fand sich bei Maria immer wieder jemand in Stille ein und brachte als Dank Obst, Essen, Holz oder selbstgewebte Matten und Körbe. Jeder tat so, wie er konnte.
Es herrschte eine große Harmonie im Umkreis unserer Familie. Die Zeit verging.
Ich wurde herumgereicht, Ich krabbelte, Ich kroch herum, Ich lief ...
Wir lebten alle in Bescheidenheit, doch großem Reichtum, da unsere Herzen füreinander schlugen, aufeinander hörten, zueinander gehörten. So verging weit über ein Jahr, und unsere Stille wurde eines Tages von dem Freudengeschrei der Menschen in unserer Umgebung übertönt.

Die Weisen
Es war bereits gegen Abend. Josef war soeben heimgekehrt von den Aufträgen des Tages.
Er hörte ein Schreien, ein Johlen, seltsame unbekannte Geräusche und eilte vor die Türe. Hier sah er in der Ferne auf der Straße ein gewaltiges Knäuel von Menschen und Tieren. Viele Kinder und auch Erwachsene begleiteten den Zug und waren voller Freude. Schon eilten die ersten Kinder herbei und riefen: "Josef, Josef, sie wollen zu dir!" Josef blieb wie gebannt stehen, er staunte. Kurz vor ihm und seinem Haus blieb der Zug stehen. Eine große Ruhe breitete sich aus. Nur das Geläute von Schellen und Glocken war immer wieder zu hören.
Da trat einer der drei hohen, ehrfurchtgebietenden Herren hervor und trat auf Josef zu. Er trat zu Josef in die Stille und Dunkelheit des Gemachs und redete lange mit ihm. Sie sprachen nicht die gleiche Sprache, nur einige Worte, Gesten, Blicke erhellten die Erzählung. Doch sie spürten das gleiche Band, das sie einte: der Messias. Josef rief sie alle herein. Sie saßen drinnen und draußen.
Sie aßen und tranken, sie wuschen sich, stärkten sich und dann, spätabends, standen sie dem gegenüber, der das Ziel ihres Herzens war, den sie gesucht und gefunden hatten ... nach langer, langer Zeit, den sie unbändig sehnsuchtsvoll erwarteten.
Josef führte sie hinein zu Maria und dem Kind. Lange sprachen sie miteinander, diese drei heiligmäßigen, einfachen Menschen, einst reiche, angesehene Bürger ihrer Städte und Länder. Sie beugten Haupt und Knie. Sie verstanden im Herzen, daß hier wirklich der Gott des Himmels Wohnstatt genommen mitten unter den Menschen, um ihnen nahe sein zu können in Seiner unendlichen Liebe. Sie brachten ihnen ein Stück ihres Reichtums zum Geschenk in diese Armut, die für jeden offen dalag.
Sie erzählten von ihren Kenntnissen, vom Ruf für diesen Weg, dem Stern, der immer für sie leuchtete, von allen Gefahren und Freuden, aller Not und Liebe dieser Zeit. Sie ließen Maria und Josef Einblick nehmen in den tiefen Abgrund von Neid und Habgier und Angst, den sie bei Herodes erlebt hatten. Sie ahnten bereits den dunklen Geist bei jenem und warfen das Wort der Vorsicht auf die Waagschale ihres Lebens.
So zogen sie still, doch glücklich und freudig fort von diesem Ort in der Mitte dieser so seltsamen Nacht.
Sie begaben sich aufs freie Feld außerhalb der Stadt und lagerten, um eine kurze Rast zu halten.
In der Dämmerung zwischen Tag und Nacht erwachten sie gleichzeitig, und vor ihnen stand ein gewaltiger, ehrfurchtgebietender Bote des Herrn.
Sie erschraken und wandten sich ab. Doch die klare, einladende Stimme umfing sie und hielt sie zurück. Die Botschaft war eindeutig: "Kehrt auf einem anderen Weg nach Hause zurück. Kehrt nicht mehr ein bei Herodes."
Und so folgten sie dem Gesicht, kehrten in Stille dieser Landschaft und seinen Bewohnern den Rücken und eilten wieder ihrer Heimat zu.

Der Gang nach Ägypten
Und in derselben Nacht, als Josef noch im Halbschlaf lag, ward auch ihm die Kunde des Engels zuteil:
"Steh' schnell auf, nimm die Mutter und das Kind, und flieh fort von Bethlehem. Eile dem Land Ägypten zu und bleibe dort, bis ich dir neue Botschaft bringe."
Josef erahnte die Wichtigkeit dieses Wortes, weckte Maria und tat ihr die Botschaft des Engels kund.
Maria und Josef nahmen das Wichtigste ihrer Habe und legten es dem müden alten Huftier auf.
Dann nahm Maria betrübten Herzens das Kind, sie setzte sich auf den Esel, und schon wanderten sie fort von diesem Ort.
Aus der Freude, dem fröhlichen Lärm des vergangenen Tages, waren die Einsamkeit, die Ungewißheit und bange Sorge hervorgekrochen. Heute noch in liebender Geborgenheit lebend bei Mensch und Tier, vereint mit dem eigenen Volk, morgen schon aus der Heimat vertrieben, ausgestoßen, gehetzt und gejagt. Maria trug in ihrem Herzen das Bewußtsein des Fluches, der über diesen Ort bereits gesprochen war.
Josef erinnerte sich des Wortes 'Vorsicht', das die Weisen gesprochen hatten, und wußte, daß der Gewaltige auf dem Thron dem Leben des Kindes nachstellte.
So waren sie eins in ihren Gedanken, in ihrer Trauer und in ihrem Sich- Einfügen in den Willen von oben.
Sie waren einige Stunden gewandert, als sie durch den Lärm vieler Huf schlage erschraken. Sie zogen sich vom Weg zurück, hinein in den Schutz der Bäume und Felsen. In einer Felsennische fanden sie Schutz, verhielten sich ruhig und lauschten bangen Herzens den vorbeijagenden Reitern und Soldaten nach. Maria weinte in ihrem Innern und bat um Stärkung und Trost für die leidenden Mütter, Kinder, Familien in Bethlehem. Josef nahm das Tier, Mutter und Kind und führte sie am Rande der Straße vorsichtig weiter. Gebeugt, niedergedrückt, so ging er neben dem Tier einher. Hart, trostlos waren seine Gesichtszüge, und in seinem Schweigen lag die ganze Ohnmacht jener Stunde.
O Vater, warum nur,
warum forderst Du all dies unschuldige Blut, warum lässt Du dieses Unheil geschehen? So sende Deine Boten und laß sie bringen Heilung den Wunden, Heilung der Seele, Heilung dem Geiste, Heilung dem ganzen Menschen!

Diese von Gott erwählte Familie suchte jeweils in der Dämmerung des Tages Quartier bei einfachen Leuten.
Immer ward es in Liebe gegeben. Immer waren die Menschen in Frieden und Freude ihnen zugetan.
Immer gab es Speise und Trank, wie es zur Gastfreundschaft gehört. Wasser und Lager wurden gern bereitet.
So erreichten sie die Grenze nach Ägypten. In Josefs Herzen lag Bitternis. Zu sehr hing er an seinem Land. Zu sehr befiel ihn die Angst vor dem Neuen, den Menschen, der anderen Sprache, der neuen Arbeit, dem noch heißeren Klima. Er legte ganz bewußt alles, ja alles dem Vater auf die Waagschale.
Er übergab seinen Willen ganz, er war bereit zu jedem Opfer, er wollte nur dem Vater dienen und das Kind beschützen.
Ja, er stellte sich immer wieder machtvoll vor Mutter und Kind.
Er suchte jenseits der Grenze einfache Leute, die er um Hilfe bat.
Er gestand die Not der Flucht, der Besitzlosigkeit, der Suche nach günstigem Aufenthalt. Und siehe, es bewegte sich ganz von allein eine Kette von Hilfsmaßnahmen. Der Weg wurde uns gewiesen zum nächsten kleinen Ort.
Ein Kind zeigte den Weg zu einfachen alten Leuten.
Maria hatte das erste Wort des Kontaktes gesprochen.
Die kleine gebeugte Mera, eine schon ältere Frau, faßte sofort Zutrauen und führte uns drei - müde, abgezehrt von der Hitze so vieler Tagesmärsche und der Sorge um das Leben des Kindes - zu sich nach Hause.
Hier saß Chaleb, ihr Mann, der sich bescheiden, wie er war, bei der Ankunft der Fremden zurückziehen wollte.
Doch nun berieten sie gemeinsam, und sie boten Maria und Josef ihr altes verlassenes Häuschen, ganz in der Nähe, an.
Ihre Kinder waren alle in die Stadt gezogen, da sie sich dort mehr für die Zukunft erhofften als dies karge, trostlose Dasein hier in Eschata.
49Maria und Josef nahmen dieses Angebot sofort an, denn sie wußten, der Vater zeigte ihnen diesen Weg.
Und so zogen sie in dieses etwas verkommene Haus, aus Stein und Lehm gebaut, ein. Es hatte ein großes Zimmer und eine kleine Nische im rückwärtigen Teil.
Das Dach, aus Matten, Ästen und Stroh, war recht undicht, und Josef ging sofort an die Arbeit.
Die Menschen aus der Nähe kamen, begrüßten einander und halfen mit Geräten und Materialien gerne aus.
Schon bald kannte einer des anderen Not, und man achtete und liebte einander. Mera und Chaleb waren begeistert, daß Ich in ihrer Nähe war, denn das Leben ohne Kinder fiel ihnen so furchtbar schwer. Ich wurde täglich neu zum freudigen Mittelpunkt dieser vier Menschen.
Immer saßen wir vor dem Häuschen im Schatten eines großen Baumes, erzählten, kochten, aßen und führten ein sehr stilles und doch glückliches Leben.
Nur über Josef fiel immer wieder der Schatten der Betrübnis. Er stand oft, auf einen Stab gestützt, und starrte in die Richtung, da er wußte,
dort war unsere Heimat. Nach der Heimat sehnte er sich sehr, und immer wieder keimte in ihm das Gefühl auf: "Ich bin ein Verbannter, nicht freiwillig ging ich an diesen Ort, nur weil ein Mensch, ein Mächtiger, dem Kind nachstellte."
O Vater, schenke uns doch die Sicherheit, schenke ihm ein heiles Herz, heile, salbe seine Wunde, und gewähre ihm Freude hier in unserer Gegenwart.

Er weiß, daß es der beste Weg für uns ist, doch dieser schmerzvolle Weg bedrängt ihn sehr. Keine Heimat zu haben, das war es nicht allein. Er wollte sorgen und unser Leben aufbauen, Mein Leben, ja, er wollte Mir ein geordnetes Zuhause schenken. So viele Pläne hatte er, doch keinen konnte er verwirklichen. Was nützten all die besten Absichten! Und nun lernte er mühsam, oft unter schmerzvoller Hingabe, sich in großer Demut in die Wege des Vaters zu fügen. Es wurde ihm nicht geschenkt, nein, er mußte sich Schritt für Schritt abringen, um das große Ja immer wieder sagen zu können. Er war stets ein Kämpfer, zuerst mit sich selbst, dann für mich und den Vater. Dieses stille Annehmen, das Maria zeigte, bereitete ihm stets eine Wunde, denn ihr wollte er doch ein guter Führer sein, der steht und stützt und hält.
Josef war mit wenigstem zufrieden. Für sich selbst benötigte er nichts.
Meiner Mutter und mir wollte er jedoch stets ein Heim in Geborgenheit und Liebe schenken.
So bastelte er immer an neuen Möbelstücken, an kleinen praktischen Geräten und verhalf uns zu Bequemlichkeit in unseren Räumen.
Die Monate und Jahre vergingen sehr schnell. Wir erlebten eine große Gemeinschaft. An Josefs Hand wanderte Ich täglich durch unseren Ort hinaus in die Dünen der Wüste. Hier waren wir beide beglückt.
In der Eintönigkeit der Natur sahen wir doch die großen Wundertaten Meines Vaters. Wir beobachteten die Werke des Windes, der in unendlichem Gleichklang die Sandkörner hob und wieder fallen ließ, der die herrlichsten Muster in den Sand zeichnete, der uns aber auch in Sturmesgewalt den Atem nehmen konnte. Wie oft lauerten wir hinter Steinen, um das Leben der Eidechse zu beobachten. Ja, selbst die Natter, versteckt im Sand, bot uns ein herrliches Schauspiel.
Ich lernte in der Kargheit der Natur die große Vielfalt der Wunder kennen und dankte dem Vater für seine leise und dauernde Führung bis hin zu den kleinen Dingen in unserem Alltag. Gerade sie bereicherten unser Leben und schlossen uns selbst in großer Tiefe zusammen. Nur wer lernt, das wenige, das Einfache, auch das Widrige zu lieben, der wird nie den Halt unter den Füßen verlieren, weil er nach zu Hohem greift. ..
So beschwerlich auch der tägliche Gang zum Brunnen des Dorfes war - er lag außerhalb der Dorfgrenze in einer Mulde - so gehörte er zu unserem Leben und brachte uns Gemeinsamkeit mit anderen Familien. Ich genoß die Freundschaft einiger Gleichaltriger.
Wir sprachen, spielten, tobten miteinander, so wie es eben Kinder Meines Alters immer tun werden. . .
Dieser kurze Zeitvertreib war die einzige tägliche Kontaktaufnahme mit anderen. Hier erfuhren wir oft von den Nöten der anderen ihren Sorgen, Krankheiten, Todesfällen. Wir trugen dies stets in unseren Herzen mit nach Hause legten es dem Vater in Liebe hin und baten um Heilung, Errettung, Führung. Maria besuchte dann stets diese leidgeprüften Familien und spendete Segen durch Wort und Josef erfüllte Wünsche, trug Lasten, stellte so manche baufällige, windschiefe Hütte wieder auf sichere, gerade Füße und half durch seiner Hände Arbeit, viel Not und Elend zu lindern. Josef besaß eine gute Gesundheit und viel ausdauernde Kraft, die er gerne für andere einsetzte.
Sein Tagesablauf war in viele, immer gleichbleibende Momente aufgeteilt. Er stand in der ersten Dämmerung des Tages auf und wanderte hinein in die Abgeschiedenheit der Wüste. Hier hatte er seinen Platz in äußerster Einsamkeit.
Er begann den Tag mit dem Vater, übergab all sein Denken, Reden, Tun und legte unser Leben in Seine gütigen Vaterhände. Aus dem schnellen und gewaltigen Naturschauspiel der aufgehenden Sonne schöpfte er stets viel Freude und Kraft.
Dann, in der beginnenden Wärme des Tages, kehrte er zurück, wir beteten gemeinsam, aßen und begannen unsere täglichen Pflichten zu verrichten.
Er machte es sich zur Regel, daß er mit Mir viele praktische Dinge besprach, Mich einführte in nützliche Betätigung, Mich anhielt zu kleinen Arbeiten, Mir behilflich war beim Erkennen der Gesetze der Natur. Er war ein großer Kenner des Sternenhimmels. All seine Liebe und Begeisterung gab er an Mich weiter.
Oft war Ich während des Tages in seiner Nähe und beobachtete ihn in seiner stillen, ausgeglichenen Art.
Dabei ging viel Freude und Liebe von ihm auf Mich über.
Viel Zeit des Tages verbrachte er im Zwiegespräch mit dem Vater.
Er war anders als alle anderen Männer, denen Ich begegnete.
Er wandte sich ab von lauten Gesprächen, von heftigen Diskussionen, von zu vielem Essen und Trinken.
Er wandte sich immer der Stille, dem Alleinsein oder unserer häuslichen Gemeinschaft zu. Nur da fand er seine Erfüllung, seine Beglückung. Oftmals am Tage zog er sich für kurze Zeit in die Einsamkeit des Hauses oder in eine stille Ecke zurück und suchte neue Kraft im wortlosen Hören auf den Vater.

Das Gebetsleben

Auch pflegten wir unsere täglichen Zeiten des gemeinsamen Betens.
All unsere Sorgen, aber besonders die Nöte der anderen brachten wir vor den Vater und baten um Seine Hilfe.
Nie ließ uns der Vater ungetröstet in unseren Bitten.
Wir lebten in einer dauernden aufnahmebereiten Erwartung mit dem Vater, und Er führte uns sicher jeden Tag unseres Lebens neu.
Oft beteten wir drei gemeinsam. Alle Anlässe, die sich im Tagesablauf ergaben, einten uns in der Hinwendung an Ihn. Er hörte alle Sorgen, nahm sie an, prüfte sie und schenkte Erhörung, wenn es Sein Plan war. Oft kamen Bekannte und Freunde zu uns, um - mit uns vereint im Glauben - die Erhörung zu erflehen.
Oft beteten wir tagelang, immer wieder in kleinen Gemeinschaften, um einem Menschen Linderung und Heilung zu erbitten. Oft gingen wir zu anderen und saßen am Lager eines Kranken, an der Wiege eines dem Tode geweihten Kindes, an der Bahre eines Toten. Unser gemeinsamer Hilferuf war nie vergebens.
Viel Trost, Linderung, ja Freude drang durch die Trostlosigkeit der Armut, der Krankheit, des Todes in die verwundeten Herzen.
Ja, Vater, Mein Vater, Du ließest Deine Gnadenströme fließen, Du schenktest Kraft und Sorglosigkeit in aller Kraftlosigkeit und Betrübnis. Du ließest Quellen sprudeln, die mit Liebe, Freude, Jubel jene erquickten, die sich an ihnen labten.
Du riefst aber auch jeden von uns allein zu Deinem Vaterherzen.
Jeder spürte den Ruf, suchte die Stille und stand in tiefem Schweigen vor Dir.
Und Josef, der wortkarge, starke Mann, er stand vor Deinem Angesicht Tag um Tag und beugte Haupt und Knie, lauschte Deinem Worte, erkannte Deinen Auftrag und erbat die Kraft zur Tat.
Nie wankte er, nie zweifelte er, wenn es um Deine Wünsche ging.
Er schenkte sich selbst und vertraute, daß Du ihm zurückgabst, was er brauchte. So zog sich durch Tag und Nacht in unserem Hause eine Kette des Gebetes, des Schweigens, der Anbetung und des Jubels.
Ja, Vater, wir waren Deine Dich liebenden Geschöpfe.


Der Rückzug und die Heimkehr

Die Tage, Wochen und Monate vergingen.
Unser Leben verlief immer in gleichen Bahnen, unsere Seelen ruhten in dem Garten Seiner Liebe, unser Sehnen ließ uns heimwärts blicken, unsere Hoffnung nahm zu und bohrte oftmals in unseren Herzen.
So war es wieder eine Nacht, die zum Licht wurde, so war es wieder ein Engel, Sein Bote, der uns ein Stück des weiteren Lebensweges erhellte.
Und Josef erkannte immer in seiner Botschaft die klare Wegweisung des Vaters.
Für ihn gab es kein Zögern, kein Zweifeln, keine Frage.
Er hörte und folgte sofort der Weisung.
Immer wieder hast du in deinem Leben eines Abraham gedacht.
Er war die Leuchte, das strahlende Vorbild in deinem Leben.
Und ebenso wie er hast du dich rückhaltlos eingelassen auf den Ruf, der dein Leben immer mächtig veränderte, der dir Kraft und Einfühlung abverlangte, der dich stets hinführte an unbekannte Ufer.

59Ich danke dir, weil du der Treue den Vorrang gabst, weil du der Ungewißheit eine Chance eröffnetest, weil du die Dunkelheit annahmst in der Gewißheit, der Vater wandelt sie in Licht.
Und erst dort, o Mensch, wo es für dich keine Rückversicherung mehr gibt, erst dort kann der Vater anfangen, Seinen Plan zu verwirklichen. So laß auch du dich ein, heute wie zu allen Zeiten, begib dich hinaus auf das offene Meer, laß das Steuer deines Bootes los und über laß' es Ihm. Sei gewiß,
Er hält das Steuer in fester Hand, Er kennt den rechten Kurs, Erführt es sicher über Wellenkämme, vorbei an Klippen, an seichtem Boden und über endlose Untiefen. Sei gewiß, du kannst in deinem Boot ruhig schlafen,
kein Haar wird dir gekrümmt werden, kein Unbill des Wetters dich treffen, denn Er, der Allmächtige, der Herrscher über Himmel und Erde, über das All und seine Unendlichkeiten,
Er sorgt für dich, und in Seine Handflächen bist du, ist jeder, Ihm eingeschrieben.

So war es keine Frage der Zeit, sofort überbrachte Josef Maria die freudige Kunde: Wir dürfen wieder heim, wieder zu unserem Volk, wieder dorthin, wo unser Herz schlägt.

Und am gleichen Tag noch packte Maria all unsere geringe Habe.
Wieder wurde dem Huftier die Last aufgebürdet. Unsere Herzen schlugen sehnsuchtsvoll, und doch ließen wir auch ein Stück unseres Herzens zurück.

Schwer fiel der Abschied von den beiden Menschen, die täglich mit uns die Zeit teilten. Schwer fiel der Abschied vom Getümmel am Brunnen, von den Alten und Jungen. Schwer fiel der Abschied von unserem Haus, unserem Garten, von Pflanze und Tier, von Wüste und Einsamkeit, vom Sternenhimmel, von der Kühle der Nacht und der Hitze des Tages.

Ja, wir hatten dieses Land geliebt, seine Menschen, seine Trockenheit, seine Dürre und seine trotzdem so vielfältige Lebendigkeit. Wir erflehten den Segen für alle, die uns anvertraut waren, und wir wußten, der Vater nahm sie nun ganz in Seine Obhut.

Wieder in Nazareth

Unseren Rückweg erlebten wir auf einer Woge der Freude, des Glücks und der Sicherheit. Schnell ließen wir alle Marksteine unserer Erinnerung zurück.

Weder Müdigkeit noch Strapazen konnten uns aufhalten.

Längst hatten wir die Gewißheit, daß unsere Heimat in Nazareth liegen würde. Dem Tyrannen möglichst weit entzogen, so wollten wir von nun an in Ruhe, Verschwiegenheit und Sicherheit leben.

Angekommen, öffneten sich uns unbekannte Wege, bereite Menschenherzen, und wir wurden zu einem Heim mit sauberer Umgebung geführt. So war fürs erste gesorgt, und wir sogen die perlende Sprache der Gestik und Mimik, der Stärke und Weichheit in uns ein.

Wir wußten uns zu Hause am Pulsschlag unseres Volkes.

O Vater, welche Wonne, zu Hause sein zu können, mit allen zu fühlen, zu lieben, zu reden und zu handeln.

Ja, wir sind eins mit ihnen allen, Vater, Dank für das Geschenk der großen Gemeinsamkeit.


Diese Ausgabe wird gemäß dem Dekret der Glaubenskongregation, das von Papst Paul VI. am 14. Oktober 1966 approbiert wurde, veröffentlicht.

Durch dieses Dekret ist für Schriften über Offenbarungen, Prophezeiungen usw. die kirchliche Druckerlaubnis (Imprimatur) nicht mehr erforderlich.

Leonidas

www.herzmariens.de/Mystik/Leonidas/3_josef.htm
Tina 13
Tina 13
Hl. Josef bitte für uns.
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Tina 13
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Tina 13
Josef rief den Schutz aller himmlischen Geister an und erflehte Hilfe für Mutter und Kind. Er legte seine Trauer und Hilflosigkeit dem Vater hin, denn er fühlte sich verantwortlich für dieses so unwirtliche Lager.
Die Mitte der Nacht kam, und ein unendlicher Friede legte sich über diese Stätte.
Ein himmlisches Licht erstrahlte ihnen, und Maria gebar den Sohn des Herrschers dieser Welt, Jesus, …More
Josef rief den Schutz aller himmlischen Geister an und erflehte Hilfe für Mutter und Kind. Er legte seine Trauer und Hilflosigkeit dem Vater hin, denn er fühlte sich verantwortlich für dieses so unwirtliche Lager.
Die Mitte der Nacht kam, und ein unendlicher Friede legte sich über diese Stätte.
Ein himmlisches Licht erstrahlte ihnen, und Maria gebar den Sohn des Herrschers dieser Welt, Jesus, den Messias.
Sie lobten Gott und dankten, denn in all dieser Armut hatte Er ihnen den größten Reichtum dieser Welt geschenkt.

Mit nichts, mit niemandem wollten sie tauschen. Der Sohn Gottes war Mensch geworden, und sie durften dieses Wissen als einzige im Herzen tragen.
Doch bald schon erschienen die Hirten.
Ihnen war die Kunde zuteil geworden.
Sie waren die ersten Erwählten.
Sie durften das Wissen um den Messias der Welt verkünden.
Tina 13
Sie klopften bei Bekannten, Freunden und Verwandten.
Überall gab es die traurige, doch liebevoll gesprochene Antwort: "Es geht nicht mehr!" Sie klopften bei den Bettenhäusern, den Wirtshäusern, bei privaten Familien. Doch nirgends war ein Raum, ein Bett zu finden. Maria wartete oftmals geduldig, an einer Häuserecke lehnend,... und Josef ging allein auf Quartiersuche.
Doch es zeigte sich kein …More
Sie klopften bei Bekannten, Freunden und Verwandten.
Überall gab es die traurige, doch liebevoll gesprochene Antwort: "Es geht nicht mehr!" Sie klopften bei den Bettenhäusern, den Wirtshäusern, bei privaten Familien. Doch nirgends war ein Raum, ein Bett zu finden. Maria wartete oftmals geduldig, an einer Häuserecke lehnend,... und Josef ging allein auf Quartiersuche.
Doch es zeigte sich kein Licht, keine Hoffnung. Der Dämmerung folgte bereits die Nacht. Beide saßen erschöpft auf den Stufen des Brunnens in der Mitte der Stadt. Da eilte eine ältere Frau auf sie zu und verwies sie auf die Höhle vor der Stadt:
"Hirten und Tiere finden dort Unterschlupf. So seid ihr sicher vor der Kälte."
Josef führte Maria behutsam aus der Stadt durch das äußere Tor, und sie fanden bald die dunklen, muffigen Höhlen.
Josef suchte mit seiner Laterne die hinterste, abgelegenste Stelle.
Hier warf er das bißchen Stroh, das er fand, in die äußerste Ecke, legte seinen weiten Mantel darauf und half Maria auf das Lager. Davor suchte er Gebälk und andere Hindernisse zusammen, die die Sicht nahmen und Schutz gewährten.
So begann die längste, bitterste und doch schönste Nacht ihres Lebens.
Sie traten beide ein in die tiefe Stille und Gottbezogenheit.
Alle Trauer, Armut und Kraftlosigkeit legten sie dem Vater hin und baten um Erbarmen für das Kind.
Tina 13
Auf diesem Heimweg erkannte er zum ersten Male die Situation:
Ich bin nichts ohne Maria und das Kind.
Mein Leben ist nur noch wertvoll im Dienst an diesen beiden Menschen.

Und so schenkte er dem Vater sein Leben, damit er immer frei sein konnte für alle Wünsche, Sorgen, Nöte, die diese Gemeinschaft ihm bringen würde.
Er gab sich selbst auf, nicht fragend, was übrig bleiben werde.
Er wußte sich …More
Auf diesem Heimweg erkannte er zum ersten Male die Situation:
Ich bin nichts ohne Maria und das Kind.
Mein Leben ist nur noch wertvoll im Dienst an diesen beiden Menschen.

Und so schenkte er dem Vater sein Leben, damit er immer frei sein konnte für alle Wünsche, Sorgen, Nöte, die diese Gemeinschaft ihm bringen würde.
Er gab sich selbst auf, nicht fragend, was übrig bleiben werde.
Er wußte sich mit eingebettet in den Plan Gottes, und so gab es bei ihm keine Frage, keine Sorge, keine Angst mehr.
Er brachte dem Vater ein grenzenloses Vertrauen entgegen.
Wenn der Vater Sein Kind in die Hände dieser beiden Menschen legte, dann würde er auch immer für den rechten Weg sorgen. Es gab kein Hindernis gegenüber Maria und dem Kind und dem allgütigen, treusorgenden, über alles liebenden Vater.
Tina 13
Josef blieb im Hintergrund. Maria traf zuerst auf Elisabeth. Elisabeth eilte ihr entgegen, sie zögerte und grüßte ehrfurchtsvoll Maria und das Kind. Vom Heiligen Geist erfüllt, wußte sie, daß Maria den Herrn unter ihrem Herzen trug, und sie erschrak über ihre eigene Unwürdigkeit. "Wer bin ich denn, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?"
Und Maria stimmte das große Loblied an zu Ehren ihres …More
Josef blieb im Hintergrund. Maria traf zuerst auf Elisabeth. Elisabeth eilte ihr entgegen, sie zögerte und grüßte ehrfurchtsvoll Maria und das Kind. Vom Heiligen Geist erfüllt, wußte sie, daß Maria den Herrn unter ihrem Herzen trug, und sie erschrak über ihre eigene Unwürdigkeit. "Wer bin ich denn, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?"
Und Maria stimmte das große Loblied an zu Ehren ihres Sohnes, ein Loblied, das nie enden wird, den Vater, Sohn und Heiligen Geist zu ehren.
Tina 13
"Fürchte dich nicht, nimm Maria an, weise ihr nicht die Tür,
denn das Kind, das sie trägt, ist vom Hl. Geist. Sie wird einen Sohn gebären, Sein Name ist Jesus, Er ist der Sohn des Allerhöchsten. Er wird Sein Volk erlösen.
Er ist der, den du so lange ersehnt, um den du so lange gerufen. Nun bereite du ihm den Weg."


Und Josef verstand.
Jetzt trug er das Licht, die Freude, den Weg der Erkenntnis …More
"Fürchte dich nicht, nimm Maria an, weise ihr nicht die Tür,
denn das Kind, das sie trägt, ist vom Hl. Geist. Sie wird einen Sohn gebären, Sein Name ist Jesus, Er ist der Sohn des Allerhöchsten. Er wird Sein Volk erlösen.
Er ist der, den du so lange ersehnt, um den du so lange gerufen. Nun bereite du ihm den Weg."


Und Josef verstand.
Jetzt trug er das Licht, die Freude, den Weg der Erkenntnis im Herzen.
Und er eilte zu Maria, trat behutsam zu ihr ein. Sie war vertieft im Gespräch mit dem Vater. Er machte ihr sein Wissen kund und nahm sie als Braut des Heiligen Geistes an. So war der Weg der Gemeinsamkeit für das werdende Leben begründet.
Beide wußten sich nun beauftragt, ihr Leben zu geben für dieses Kind.