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Eine vaterlose Kindheit kann nachgeholt werden

Eine vaterlose Kindheit kann nachgeholt werden

Was sich in der Kindheit vollzieht oder eben nicht, hat
einschneidende und tief prägende Auswirkungen auf
das erwachsene Leben, weil die zarte Kinderseele nichts
vergisst. So ist es dann auch mit einer vaterlosen Kind-
heit, wie sie z.B. Pater Kentenich, der Gründer des
Schönstattwerkes, erlebt hat. Die Vorsehung Gottes
führte ihn aber gerade dadurch zu einer besonderen
Beziehung zum höchsten Vater im Himmel und durch
Ihn wiederum dahin, dass er selbst die Vaterfigur in
seinem Priestertum wesentlich abbildete. Natürlich war
das nicht alleine sein Verdienst sondern vielmehr jener
der Gottesmutter, der er sich als Neunjähriger übergab,
als ihn seine Mutter in ein Waisenhaus abgeben musste.
Dort sagte sie vor einer Statue der Himmelsmutter, jetzt
müsse sie ihren Sohn erziehen. Als nun P. Kentenich die
Gnadenwirkung der Vaterabbildung in sich immer mehr
erkannte, begriff er auch immer mehr, dass er dadurch seine
vaterlose Kindheit nachholen konnte. Wie, das schreibt er
selbst:

„Nun bin ich überzeugt, dass erhöhte Väterlichkeit in
meinem Wesen die mangelnde Kindlichkeit ersetzen kann.
Weshalb? Jetzt darf ich das Prinzip hervorkehren, das ich
nannte: erkenntnis- und erlebnismäßige Gegenüberstellung
korrespondierender Eigenschaften. Ich erlebe Kindlichkeit.
Nicht in meiner Person, sondern in meinem Gegenüber.
… Jetzt wird in mir lebendig, wie ein Mensch sich mir
gegenüber als Kind gibt. So soll ich mich dem Himmels-
vater gegenüber geben.“ (J. Kentenich, Kindsein vor Gott,
1937, S. 91.)

Der heilige Augustinus sagte auch einmal etwas Ähnliches,
als er schrieb, dass er bei seinen eigenen Predigten im Zu-
hörer etwas lerne, da er einerseits selber Zuhörer seiner
eigenen Predigten sei, andererseits aber jeder Zuhörer
aus seinen Predigten etwas anderes schöpfe und so lerne
er im Zuhörer, was ihm selber gar nicht bewusst war.

Interessanterweise entdecke ich zu Pater Kentenich eine
Parallele in meinem Leben, insofern ab der Hälfte meines
Lebens der Kontakt zu meinem irdischen Vater immer
weniger bis null ging, gleichzeitig aber die Beziehung
zum Himmlischen Vater hervortrat und intensiver wurde.
Und auch ich stelle fest, dass sich dadurch die Väter-
lichkeit immer mehr in mir abbildete, während vorher
der Sohn und die Muttergottes im Vordergrund standen.
Und auch ich habe es so erlebt, dass ich über die Marien-
weihe sowohl zum Vater als auch zum Sohn als auch zum
Heiligen Geist mehr Beziehung erfuhr. Und es ist wirklich
so, wie P. Kentenich sagt: zum Vater im Himmel darf man
immer Kind sein und als Kind ist man immer angenommen
und geliebt. Das ist die geistige Kindschaft, wegen der
die kleine heilige Theresia v. Kinde Jesu zur Kirchenlehrerin
erhoben wurde.

Wie ist man als Kind zum Vater?
Hingebend, vertrauend, liebend, dankend, bittend.

Wie ist man als Vater zum Kind?
Gütig, liebend, schenkend, helfend, zuvorkommend, führend,
verzeihend, ordnend, ermahnend, korrigierend.

Die Vater-Kind-Beziehung ist eine Gehorsamsbeziehung,
die sehr viel Frieden und Glück im Herzen schafft, weil
man die Gewissheit hat, dass der Vater im Himmel all-
mächtig und allwissend ist und der Gehorsam einen über
alle Schwierigkeiten drüberhebt.

So wollen auch wir den Vater erkennen, lieben und preisen:

Die Ehre sei dem Vater froh erwiesen
durch Christus mit Maria hochgepriesen
im Heiligen Geiste voller Herrlichkeit
vom Weltall jetzt und alle Ewigkeit.
Amen.“
(P. Kentenich)

Verwendete Quelle: Dorothea M. Schlickmann, Die ver-
borgenen Jahre. Pater Josef Kentenich. Kindheit und
Jugend (1885-1910).

Bild: Himmlischer Anruf?
Klaus Elmar Müller
Pater Kentenich: ein genialer Psychologe aus der innigen Verbindung mit dem Himmel!