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Heilung eines stummen Knaben durch den hl. Alfons Maria von Liguori

Alfons Maria von Liguori, am 27. 9. 1696 bei Neapel geboren, am 1. 8. 1787 zu Pagani bei Neapel gestorben, Volksmissionar, Gründer des Redemptoristenordens, Bischof von Sant‘ Agata dei Goti im Königreich Neapel, Kirchenlehrer, ist ein sehr fruchtbarer geistlicher Schriftsteller und ein Moraltheologe, der, entgegen dem Rigorismus der Jansenisten, Beichtväter heranbilden wollte, die „reich sind an Liebe, unerschöpflich in wohlmeinender Geduld und festbegründet in der Klugheit“ (Praxis Confessarii n. 1).

Die folgende Heilung ist übersetzt aus dem Summarium super virtutibus, Romae 1806, S. 705 f. Der Fall stellte in dem Prozeß einen eigenen Fragepunkt dar.


Zeuge 39, Carlo di Bruni, Domherr an der Kathedrale von Sant‘ Agata dei Goti, 53 Jahre alt, erklärte im Bischöflichen Prozeß von Sant‘ Agata: Ich hatte einen Neffen namens Thomas, Sohn meines leiblichen Bruders, des Arztes Dr. Pasquale und seiner Gattin Frau Pascalia Piccoli. Dieser war ungefähr vier Jahre alt und brachte noch kein Wort hervor, nicht einmal jene gewöhnlichsten wie Papa, Mama oder Brot. Er konnte nur „O“ sagen, nichts mehr, zum Leidwesen des ganzen Hauses und besonders meinem und der Eltern. Eines Tages im September 1762 oder 1763, ich erinnere mich nicht mehr genau, hatte ich einige Feigen gepflügt, und da ich wußte, daß der heilige Prälat, der zu der Zeit in diesem Palais [wo die Vernehmungen stattfanden], nicht bei guter Gesundheit war, wollte ich ihn besuchen und mir erlauben, ihm ein kleines Körbchen mit besagten Feigen zu bringen und sie ihm, wie es geschah, durch meinen kleinen Neffen zu überreichen, den ich mitnahm, ohne an irgend etwas zu denken. Der Kleine überreichte in meiner Gegenwart wortlos dem Diener Gottes das Körbchen mit Feigen. Dieser nahm sie und sagte Bruder Franz Anton, er solle ihm ein paar Süßigkeiten bringen, was er tat. Nachdem der Bischof sie dem Kleinen geschenkt hatte, fragte er ihn, wie er heiße. Ich antwortete, er heiße Thomas, aber er habe noch kein Wort gesprochen, und zu Hause habe man große Sorge, daß er stumm sei. Als der Prälat das hörte, nahm er ein Bildchen von der „mächtigen Jungfrau“, von denen er ein Päckchen bei seinem Bette hatte. Nachdem er ihn durch mich zu sich hatte herankommen lassen, machte er ihm mit der Hand das Kreuzzeichen auf die Stirn, ließ ihn das Muttergottesbild küssen und fragte ihn, wer die auf dem Bilde sei. Der Kleine küßte das Bild und antwortete sofort mit behender Zunge: „Die Madonna“. Ich war überrascht und voll Staunen. Aber ich merkte, daß der Diener Gottes das Wunder verbergen wollte, und darum sagte er zu mir gewandt: „Das stimmt nicht, daß er stumm ist, der hat eine schwere Zunge, seid froh und macht euch keine Sorge.“ Von da an hörte man das Kind mit gelöster Zunge sprechen, Vater und Mutter sagen und was es wollte. Die Sache wurde von mir und den anderen als zweifellos wunderbar angesehen, weil sie in einem Augenblick, so, wie ich angegeben habe, geschehen ist.

Zeuge 5 des Apostolischen Prozesses hat die Sache selbst unmittelbar danach gehört aus dem Munde „des Onkels selbst, der es mir unter einem Strome von Tränen erzählte“. Zeuge 50 des Bischöflichen Prozesses von Sant‘ Agata erklärte: „So hat es mir Kanonikus Don Carlo unmittelbar nach Verlassen des Zimmers des Dieners Gottes erzählt. Und ich als Hausnachbar, der im Hause aus- und einging, wußte, daß bis zu jenem Augenblick der Knabe kein Wort gesprochen hatte, und darum staunte ich, daß er von da an sprach.“ Daß der Knabe bis zu der Heilung nicht gesprochen und danach gesprochen hat, bezeugen übereinstimmend in dem Bischöflichen Prozeß von Sant‘ Agata dei Goti außerdem die Zeugen 7, 26, 28, im Prozeß von Nocera de Pagani die Zeugen 3, 9, 10, 14, 15, 22, 28, 29, 30 und 32.

Aus: Wilhelm Schamoni, Wunder sind Tatsachen. Eine Dokumentation aus Heiligsprechungsakten, 2. Auflage, Würzburg/Stein am Rhein/Linz 1976, S. 104-105.